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Nochmal zurück zum Urknall und zur Antimaterie

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  • Nochmal zurück zum Urknall und zur Antimaterie

    Die meisten Physiker und Astronomen sind heute zwar davon überzeugt, daß unser Kosmos ausschließlich aus "normaler" Materie besteht, doch diese Auffassung basiert eher auf theoretischen Überlegungen denn auf Fakten. Ting jedenfalls läßt sich davon nicht beeindrucken: "Genaue Experimente zerstören Theorien, und dann denken sich die Theoretiker neue Theorien aus. So schreitet die Physik fort!"

    Ob es Galaxien aus Antimaterie gibt oder nicht, kann nur per Experiment entschieden werden, so Ting weiter. Rolf Landau, Leiter des Antiwasserstoff-Projekts am Forschungszentrum CERN bei Genf, pflichtet ihm bei: "Es gibt einige Annahmen, deren Gültigkeit man besser experimentell prüft."

    Ganz im Gegensatz zu Tings Standpunkt war es jedoch gerade der Glaube an die Theorie, der 1928 den jungen britischen Physiker Paul Dirac zur "Erfindung" der Antimaterie trieb. Als eine von ihm aufgestellte Gleichung zur Beschreibung von Elementarteilchen physikalisch scheinbar unsinnige Ergebnisse lieferte, verwarf er keineswegs seine Formel, sondern vielmehr das bisherige physikalische Weltbild.

    Dirac glaubte an die Schönheit der Natur. "Eine mathematisch schöne Theorie ist eher wahr als eine häßliche," lautete sein Credo. Zu jedem Teilchen müsse es, so postulierte er zur Rettung seiner Theorie, ein Pedant mit gleicher Masse aber ansonsten physikalisch entgegengesetzten Eigenschaften geben - zum elektrisch negativ geladenen Elektron etwa ein positiv geladenes Anti-Elektron -, denn "alles andere hätte die Schönheit der Mathematik verdorben."

    Diracs beharren darauf, daß von seiner Gleichung erlaubte Teilchen von der Natur nicht verboten sein können, sollte ihm den Nobelpreis einbringen. Denn schon vier Jahre nach seinem gewagten Vorschlag entdeckte der Amerikaner Carl Anderson in der kosmischen Höhenstrahlung tatsächlich Positronen, wie die Anti-Elektronen nun getauft wurden.

    Seither wurde Diracs Glaube an die Schönheit der Natur wieder und wieder bestätigt: Zu jedem neuen Teilchen, welches die Physiker in den immer gewaltiger werdenden Anlagen zur Zertrümmerung der kleinsten Materiebausteine aufspürten, fanden sie alsbald auch das dazugehörige Anti-Teilchen.

    Ein Manko blieb jedoch bis heute bestehen: Vollständige Atome aus Antiteilchen scheinen in "freier Wildbahn" nicht vorzukommen. Der ganze Kosmos scheint aus normaler Materie zu bestehen, obwohl doch Antimaterie, vollständig aufgebaut aus Anti-Teilchen, ebenso denkbar und von den Gleichungen der Physiker erlaubt wäre.

    Tatsächlich gelang es Forschern am CERN zur Jahreswende 1995/96 erstmalig, Anti-Protonen und Positronen zu Anti-Wasserstoffatomen zusammenzufügen. Doch in unserer Welt ist Antimaterie kein langes Leben beschert.

    Prallen nämlich Teilchen und Anti-Teilchen aufeinander, so zerstrahlen sie zu purer Energie - ihre gesamte Masse wird in Strahlung umgewandelt. Ein freundschaftlicher Handschlag zwischen Mensch und Anti-Mensch wäre mithin wenig empfehlenswert.

    Schon ein Milligramm der Substanz könnte ausreichen, ein Raumschiff zum Mars zu bringen - oder aber eine Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Kein Wunder, daß dieses Energiepotential Begehrlichkeiten weckt. In den achtziger Jahren, auf dem Höhepunkt der Reagan´schen Star-Wars-Pläne, grübelte man im Pentagon über Antimateriewaffen, heute fordert die Nasa ihre Techniker auf, über die Realisierung von Antimaterie-Antrieben nachzudenken.

    Doch all das sind Science-Fiction-Träumereien: Selbst innerhalb von zehn Jahren könnten am CERN nur der Millionste Teil eines Milligramms Anti-Wasserstoff produziert werden. "Wir würden Millionen von Jahren brauchen, um vernünftige Mengen Antimaterie zu produzieren - mit Kosten in Trillionenhöhe!" erklärt Rolf Landau.

    Auch im Weltall könnten Materie und Antimaterie nur in voneinander getrennten Regionen existieren. Und selbst dann würden die Grenzen zwischen solchen Bereichen sich durch die energiereiche Strahlung verraten, die durch die permanente Vernichtung von aus Galaxien und Anti-Galaxien abströmenden Gasen erzeugt würde.

    Von solcher Strahlung fanden die Astronomen bislang jedoch keine Spur, zumindest bis zu Entfernungen von einigen Milliarden Lichtjahren - ein Lichtjahr sind rund zehn Milliarden Kilometer, jene Distanz, die das Licht in einem Jahr zurücklegt - gibt es wohl keine Sternsysteme aus Antimaterie.

    Doch sollten, nach den symmetrischen Gleichungen der Physiker, beim Urknall nicht Teilchen und Anti-Teilchen gleichermaßen und zu gleichen Anteilen entstehen? Andererseits: Hätten sich diese dann nicht sofort wieder gegenseitig auslöschen müssen, ein ödes materieloses Universum, angefüllt nur mit Strahlung, zurücklassend?

    Der russische Physiker Andrej Sacharov brachte diese Probleme 1967 auf den Punkt: Eine winzige Asymmetrie im Bauplan der Natur müsse in den ersten Sekundenbruchteilen des Urknalls für eine Bevorzugung von normalen Teilchen gesorgt haben.

    Eine solche Asymmetrie, die Physiker sprechen von "CP-Verletzung", wurde tatsächlich schon in den fünfziger Jahren beim Zerfall eines unscheinbaren Teilchens namens "Kaon" beobachtet. Doch ob diese winzige Störung der Symmetrie ausreicht, das heutige Übergewicht der Materie zu erklären, wissen die Physiker bislang nicht.

    Vielleicht gibt es ja auch, so überlegt Samuel Ting, Regionen, in denen sich die CP-Verletzung entgegengesetzt auswirkt und damit zu einer Bevorzugung nicht der Materie, sondern der Antimaterie führt: "Das Ergebnis wäre ein Kosmos, in denen sich Gebiete aus Materie und Antimaterie abwechseln!"

    In diesem Fall müßten sich in der kosmischen Höhenstrahlung, jenem beständigen Sturm von Partikeln, die aus der Tiefe des Kosmos kommend auf die Erdatmosphäre treffen, vereinzelt Atomkerne von Antimaterie finden.

    Vom Erdboden aus ist deren Nachweis indes schwierig. In der irdischen Lufthülle zerfallen die eindringenden Partikel in ganze Teilchenschauer, aus denen die Forscher in mühsamer Kleinarbeit auf das ursprüngliche Teilchen zurückschließen müssen.

    Daher schlug Ting 1994 vor, einen Antimaterie-Detektor in der Erdumlaufbahn zu stationieren. Seither beteiligten sich über 100 Forscher aus aller Welt an der Entwicklung des Alpha Magnetic Spectrometer (AMS), das in der nächsten Woche erstmalig unter Weltraumbedingungen getestet werden soll.

    Im Jahre 2002 soll AMS dann auf der Internationalen Raumstation installiert werden und für zwei bis drei Jahre permanent kosmische Teilchen registrieren und analysieren. Auf 10 Milliarden normale Ereignisse hofft Ting jeweils einen Antimaterie-Kern aufzuspüren - ein Resultat welches, hätte er ihn nicht schon, ihm sicherlich den Physik-Nobelpreis einbringen würde.

    Denn der Nachweis schon eines einzigen Kerns von Anti-Sauerstoff oder Anti-Kohlenstoff würde beweisen, daß es Sterne aus Antimaterie gibt, da diese Elemente nur durch Kernfusion in den Millionen von Grad heißen Zentren von Gestirnen entstehen können.

    Die 100 Stunden Meßzeit bei dem Testflug in der nächsten Woche sind freilich zu kurz, um bereits auf ein sensationelles Ergebnis zu hoffen. Aber das AMS kann noch mehr: Es soll auch nach Spuren der rätselhaften "Dunklen Materie" fahnden.

    Seit langem vermuten die Himmelsforscher, daß nur ein kleiner Teil der Masse des Universums in leuchtenden Sternen und Galaxien vorliegt. Der Löwenanteil, 90 oder gar 99 Prozent der Masse könnten demnach unsichtbare exotische Teilchen sein, die sich nur durch ihre Schwerkraftwirkung bemerkbar machen und so helfen, Sternsysteme und Galaxienhaufen zusammen zu halten.

    Für viele Physiker, die den Überlegungen Samuel Tings eher skeptisch gegenüber stehen, ist die Suche nach Dunkler Materie der wichtigste Aspekt des himmlischen Detektors. Doch der Nachweis kosmischer Antimaterie würde zweifellos jedes andere Ergebnis der AMS-Messungen in den Schatten stellen: "Die Kosmologie würde auf den Kopf gestellt," meint der Physiker Steven Weinberg, "wir müßten alles neu überdenken."



  • #2
    Nicht gerade einfach auf so ein Posting zu antworten.

    Ok, wo fangen wir an.....gibt es denn eine Frage? Das ist ja mehr ein Artikel zum bestehenden Forschungsstand und ich will mir nicht anmaßen denen zu wiedersprechen.

    Aber IMHO halte ich es für unmöglich oder zumin. unwahrscheinlich Antimaterie in großen Mengen(geschweige denn als Sterne oder Galaxien) zu finden, da die bisherigen Gesetze der Physik - die sich bewahrheitet haben - das nicht zu lassen. Wie soll eine völlig abgetrette Region des Alls mit Antimaterie existieren? Es müsste sogar gegen Licht abgeschattet sein, da das auch die Auflösung in Energie auslösen würde. D.H. wir könnten die Antimateriesterne nie sehen geschweige denn dort hingelangen!

    Man muss einfach in eine Verbesserung der heutigen Produktionstechnologie setzten um Visionen wie die Antimaterieantriebe zu verwirklichen!

    PS:@Alex: hast du das selber geschrieben?
    Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
    Makes perfect sense.

    Kommentar


    • #3
      Ich habe noch andere Artikel zu diesem Thema gelesen - möchte diese aber jetzt nicht hier weiter aufführen (würde wohl dieses Posting sprengen) - in denen rein physikalisch gesehen, die Existenz eines solchen Antimaterie-Universum möglich wäre. Da ich angehender Maschinenbau-Ingenieur (O'Brien grüsst Euch) bin und kein Kern- oder Astrophysiker, möchte ich mir auch nicht anmassen stur zu behaupten (weil es ja die Wissenschaftler selber nicht genau wissen), ob es ein Anti-Materie-Universum gibt oder nicht.
      Habe mir nun ein Buch bei http://www.amazon.de bestellt: "Antimaterie. Auf der Suche nach der Gegenwelt." von Dieter B. Herrmann für 14,80 DM. Vielleicht bringt es mich ja weiter. Muss es halt erst noch lesen. Wenn ich damit fertig bin, werde ich garantiert hierzu nochmal etwas schreiben.
      Zu Deiner Frage ob ich den Artikel selbst verfasst habe: Schön wäre es. Nein, Spass bei Seite. Bin zufällig beim Stöbern über dieses Thema darüber gestolpert und fande es halt ganz interessant.

      Kommentar


      • #4
        Ich glaube auch nicht an die abgeschotteten Antimaterieregionen. Man muss eben auch sehen dass, trotz der riesigen Entfernungen und der riesigen Zeiträume, der Kosmos (bzw. die Materie darin) ständig in Bewegung ist. Ein solcher Kosmos mit abgeschotteten, einzelnen Antimateriegebieten würde recht schnell (in kosmologischen Zeiträumen!) aufgemischt und damit zerstört.

        Das mit den Millionen Jahren, die es dauern soll, bis man vernünfige Mengen an Antimaterie hat: das würde ich bezweifeln. Bei der heutigen Produktionsrate: einverstanden. Doch hätte man den Menschen im frühen Mittelalter aufgetragen, ein Space Shuttle zu bauen, dann hätten sie wohl auch Millionen von Jahren gebraucht. Nur schon um all die seltenen Metalle aufzutreiben, z.B. Was ich damit sagen will ist, das es sehr schwierig ist, Vorraussagen zu machen, vorallem über die Zukunft :-)
        Die Technologie wird sich entwickeln. Letztendlich wird der Antimaterieantrieb (nicht unbedingt wrap, das muss nicht sein) die effizienteste Antriebsform werden, eben weil mit verhältnismässig geringem Lageraufwand eine grosse Wirkung erzielt wird. Kein anderer Antrieb kommt an das heran.
        Was ich mir vorstellen könnte ist sone art Katalysatoreffekt, der aus geringen Mengen Antimaterie eine art Antimaterie-Produktions-Kettenreaktion hervorruft. wer weiss...
        Planeten.ch - Acht und mehr Planeten (neu wieder aktiv!)
        Final-frontier.ch - Kommentare vom Rand des Universums

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        • #5
          Meinst Du wirklich, die schmeissen die Millarden für diesen AMS einfach so aus dem Fenster? Wenn soviele Wissenschaftler an einer Sache dran sind, dann ist ja wohl die Möglichkeit (Betonung liegt auf Möglichkeit) der Existenz einer oder mehrerer Anti-Materie-Galaxien vorhanden. Ich weiss leider nicht genau, wie das mit dem Subraum aussieht, ob er Materie in unserem Sinne enthält, oder ob da nichts ist. Aber vielleicht hat sich ja am Anfang durch die gewaltigen Reaktionen von Materie und Anti-Materie Risse im Raum bzw. Subraum gebildet und Anti-Materie ist darin "abgehauen" und hat irgendwo ein eigenes Universum gebildet, das jetzt mit unserem durch sowas wie ein Wurmloch verbunden ist. Allerdings bringt dann diser AMS auch reichlich wenig, denn wie soll dann ein Anti-Materie-Kern durch das Wurmloch zu uns kommen. Und wenn, wäre es doch wohl ein riesen Zufall, wenn dieser Anti-Materie-Kern gerade auf unseren AMS stossen würde, ohne vorher mit Materie in Verbindung gekommen zu sein. Vieleicht liegt aber ein Wurmloch direkt vor unserer Haustür und wir haben die Tür dazu noch nicht aufgestossen. Wahrscheinlich ist das eh alles bloss Blödsinn, was ich hier gerade aus meinem Hirn quetsche. Aber darüber sinnieren darf man ja.

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          • #6
            Ein paralell Universum aus Antimaterie ist gar nicht so abwegig, um einiges realistischer als AntiMaterieregionen in unserem, nru wäre der Austausch wie du richtig sagtest sehr schwer.

            Und noch was: Wurmlöcher wie in StarTrek gibt es nach heutigen Erkenntnissen nicht und kann es nicht geben. Die realen Wurmlöcher tauchen nur im Mikrokosmus uaf......könnten aber theoretisch aufgeweitet werden, dass ein Schiff durch passt. Aber dazu bräuchte man bestimmte exotische Mateerie und die hat man noch nicht gefuden, und vielleicht gibt's die auch gar nicht!
            Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
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            • #7
              Also gut, ich gebe mich geschlagen. Kernphysik und Astronomie sind nicht gerade meine Steckenpferde (dafür umso mehr die CHEMIE). Trotzdem finde ich die Sache mit der Antimaterie unglaublich faszinierend. Endlich mal (auch wenn erst in weiterer Zukunft) ne richtige, saubere und äusserst effektive Enrgiequelle.

              Kommentar


              • #8
                Die meisten Physiker und Astronomen sind heute zwar davon überzeugt, daß unser Kosmos ausschließlich aus "normaler" Materie besteht, doch diese Auffassung basiert eher auf theoretischen Überlegungen denn auf Fakten. Ting jedenfalls läßt sich davon nicht beeindrucken: "Genaue Experimente zerstören Theorien, und dann denken sich die Theoretiker neue Theorien aus. So schreitet die Physik fort!"

                Ob es Galaxien aus Antimaterie gibt oder nicht, kann nur per Experiment entschieden werden, so Ting weiter. Rolf Landau, Leiter des Antiwasserstoff-Projekts am Forschungszentrum CERN bei Genf, pflichtet ihm bei: "Es gibt einige Annahmen, deren Gültigkeit man besser experimentell prüft."

                Ganz im Gegensatz zu Tings Standpunkt war es jedoch gerade der Glaube an die Theorie, der 1928 den jungen britischen Physiker Paul Dirac zur "Erfindung" der Antimaterie trieb. Als eine von ihm aufgestellte Gleichung zur Beschreibung von Elementarteilchen physikalisch scheinbar unsinnige Ergebnisse lieferte, verwarf er keineswegs seine Formel, sondern vielmehr das bisherige physikalische Weltbild.

                Dirac glaubte an die Schönheit der Natur. "Eine mathematisch schöne Theorie ist eher wahr als eine häßliche," lautete sein Credo. Zu jedem Teilchen müsse es, so postulierte er zur Rettung seiner Theorie, ein Pedant mit gleicher Masse aber ansonsten physikalisch entgegengesetzten Eigenschaften geben - zum elektrisch negativ geladenen Elektron etwa ein positiv geladenes Anti-Elektron -, denn "alles andere hätte die Schönheit der Mathematik verdorben."

                Diracs beharren darauf, daß von seiner Gleichung erlaubte Teilchen von der Natur nicht verboten sein können, sollte ihm den Nobelpreis einbringen. Denn schon vier Jahre nach seinem gewagten Vorschlag entdeckte der Amerikaner Carl Anderson in der kosmischen Höhenstrahlung tatsächlich Positronen, wie die Anti-Elektronen nun getauft wurden.

                Seither wurde Diracs Glaube an die Schönheit der Natur wieder und wieder bestätigt: Zu jedem neuen Teilchen, welches die Physiker in den immer gewaltiger werdenden Anlagen zur Zertrümmerung der kleinsten Materiebausteine aufspürten, fanden sie alsbald auch das dazugehörige Anti-Teilchen.

                Ein Manko blieb jedoch bis heute bestehen: Vollständige Atome aus Antiteilchen scheinen in "freier Wildbahn" nicht vorzukommen. Der ganze Kosmos scheint aus normaler Materie zu bestehen, obwohl doch Antimaterie, vollständig aufgebaut aus Anti-Teilchen, ebenso denkbar und von den Gleichungen der Physiker erlaubt wäre.

                Tatsächlich gelang es Forschern am CERN zur Jahreswende 1995/96 erstmalig, Anti-Protonen und Positronen zu Anti-Wasserstoffatomen zusammenzufügen. Doch in unserer Welt ist Antimaterie kein langes Leben beschert.

                Prallen nämlich Teilchen und Anti-Teilchen aufeinander, so zerstrahlen sie zu purer Energie - ihre gesamte Masse wird in Strahlung umgewandelt. Ein freundschaftlicher Handschlag zwischen Mensch und Anti-Mensch wäre mithin wenig empfehlenswert.

                Schon ein Milligramm der Substanz könnte ausreichen, ein Raumschiff zum Mars zu bringen - oder aber eine Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Kein Wunder, daß dieses Energiepotential Begehrlichkeiten weckt. In den achtziger Jahren, auf dem Höhepunkt der Reagan´schen Star-Wars-Pläne, grübelte man im Pentagon über Antimateriewaffen, heute fordert die Nasa ihre Techniker auf, über die Realisierung von Antimaterie-Antrieben nachzudenken.

                Doch all das sind Science-Fiction-Träumereien: Selbst innerhalb von zehn Jahren könnten am CERN nur der Millionste Teil eines Milligramms Anti-Wasserstoff produziert werden. "Wir würden Millionen von Jahren brauchen, um vernünftige Mengen Antimaterie zu produzieren - mit Kosten in Trillionenhöhe!" erklärt Rolf Landau.

                Auch im Weltall könnten Materie und Antimaterie nur in voneinander getrennten Regionen existieren. Und selbst dann würden die Grenzen zwischen solchen Bereichen sich durch die energiereiche Strahlung verraten, die durch die permanente Vernichtung von aus Galaxien und Anti-Galaxien abströmenden Gasen erzeugt würde.

                Von solcher Strahlung fanden die Astronomen bislang jedoch keine Spur, zumindest bis zu Entfernungen von einigen Milliarden Lichtjahren - ein Lichtjahr sind rund zehn Milliarden Kilometer, jene Distanz, die das Licht in einem Jahr zurücklegt - gibt es wohl keine Sternsysteme aus Antimaterie.

                Doch sollten, nach den symmetrischen Gleichungen der Physiker, beim Urknall nicht Teilchen und Anti-Teilchen gleichermaßen und zu gleichen Anteilen entstehen? Andererseits: Hätten sich diese dann nicht sofort wieder gegenseitig auslöschen müssen, ein ödes materieloses Universum, angefüllt nur mit Strahlung, zurücklassend?

                Der russische Physiker Andrej Sacharov brachte diese Probleme 1967 auf den Punkt: Eine winzige Asymmetrie im Bauplan der Natur müsse in den ersten Sekundenbruchteilen des Urknalls für eine Bevorzugung von normalen Teilchen gesorgt haben.

                Eine solche Asymmetrie, die Physiker sprechen von "CP-Verletzung", wurde tatsächlich schon in den fünfziger Jahren beim Zerfall eines unscheinbaren Teilchens namens "Kaon" beobachtet. Doch ob diese winzige Störung der Symmetrie ausreicht, das heutige Übergewicht der Materie zu erklären, wissen die Physiker bislang nicht.

                Vielleicht gibt es ja auch, so überlegt Samuel Ting, Regionen, in denen sich die CP-Verletzung entgegengesetzt auswirkt und damit zu einer Bevorzugung nicht der Materie, sondern der Antimaterie führt: "Das Ergebnis wäre ein Kosmos, in denen sich Gebiete aus Materie und Antimaterie abwechseln!"

                In diesem Fall müßten sich in der kosmischen Höhenstrahlung, jenem beständigen Sturm von Partikeln, die aus der Tiefe des Kosmos kommend auf die Erdatmosphäre treffen, vereinzelt Atomkerne von Antimaterie finden.

                Vom Erdboden aus ist deren Nachweis indes schwierig. In der irdischen Lufthülle zerfallen die eindringenden Partikel in ganze Teilchenschauer, aus denen die Forscher in mühsamer Kleinarbeit auf das ursprüngliche Teilchen zurückschließen müssen.

                Daher schlug Ting 1994 vor, einen Antimaterie-Detektor in der Erdumlaufbahn zu stationieren. Seither beteiligten sich über 100 Forscher aus aller Welt an der Entwicklung des Alpha Magnetic Spectrometer (AMS), das in der nächsten Woche erstmalig unter Weltraumbedingungen getestet werden soll.

                Im Jahre 2002 soll AMS dann auf der Internationalen Raumstation installiert werden und für zwei bis drei Jahre permanent kosmische Teilchen registrieren und analysieren. Auf 10 Milliarden normale Ereignisse hofft Ting jeweils einen Antimaterie-Kern aufzuspüren - ein Resultat welches, hätte er ihn nicht schon, ihm sicherlich den Physik-Nobelpreis einbringen würde.

                Denn der Nachweis schon eines einzigen Kerns von Anti-Sauerstoff oder Anti-Kohlenstoff würde beweisen, daß es Sterne aus Antimaterie gibt, da diese Elemente nur durch Kernfusion in den Millionen von Grad heißen Zentren von Gestirnen entstehen können.

                Die 100 Stunden Meßzeit bei dem Testflug in der nächsten Woche sind freilich zu kurz, um bereits auf ein sensationelles Ergebnis zu hoffen. Aber das AMS kann noch mehr: Es soll auch nach Spuren der rätselhaften "Dunklen Materie" fahnden.

                Seit langem vermuten die Himmelsforscher, daß nur ein kleiner Teil der Masse des Universums in leuchtenden Sternen und Galaxien vorliegt. Der Löwenanteil, 90 oder gar 99 Prozent der Masse könnten demnach unsichtbare exotische Teilchen sein, die sich nur durch ihre Schwerkraftwirkung bemerkbar machen und so helfen, Sternsysteme und Galaxienhaufen zusammen zu halten.

                Für viele Physiker, die den Überlegungen Samuel Tings eher skeptisch gegenüber stehen, ist die Suche nach Dunkler Materie der wichtigste Aspekt des himmlischen Detektors. Doch der Nachweis kosmischer Antimaterie würde zweifellos jedes andere Ergebnis der AMS-Messungen in den Schatten stellen: "Die Kosmologie würde auf den Kopf gestellt," meint der Physiker Steven Weinberg, "wir müßten alles neu überdenken."
                Wo hast du denn das alles her??
                Und die glaubst doch nicht im Ernst, dass sich das irgend jemand durchliest, das keine Flat hat?? (Ich weiß nicht, wie viele von eiuch eine haben)
                "If a machine, a terminator, can learn the value of human life, maybe we can too."
                "He's a Jaffa!" O'Neill: "No. But he plays one on TV."

                Kommentar


                • #9
                  Originalbeitrag von Borg99

                  Wo hast du denn das alles her??
                  Und die glaubst doch nicht im Ernst, dass sich das irgend jemand durchliest, das keine Flat hat?? (Ich weiß nicht, wie viele von eiuch eine haben)
                  Ich weiss ja nicht als wie konstruktiv ich dein Post auffassen soll, aber nur zur Richtig Stellung:
                  1. es gibt in diesem Forum AFAIK eine Menge Leute mit Flat oder ähnlichem.
                  2. Wen es interessiert, der liest sich das auch so durch.
                  3. Schon mal was von Offline-Browsen gehört?

                  Und? was war jetzt der Sinn von deinem Posting, außer die ganzen ""???
                  Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
                  Makes perfect sense.

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                  • #10
                    Originalbeitrag von Captain Proton

                    ...
                    Wie soll eine völlig abgetrette Region des Alls mit Antimaterie existieren? Es müsste sogar gegen Licht abgeschattet sein, da das auch die Auflösung in Energie auslösen würde. D.H. wir könnten die Antimateriesterne nie sehen geschweige denn dort hingelangen!
                    ...

                    Das ist Humbug, natürlich würde man Anti-Materie -Sterne sehen, wenn es sie denn gäbe!!!
                    Warum?? Weil es kein Anti-Licht gibt. Photonen sind Spin 1-Teilchen, d.h. sie haben keine Anti-Teilchen. Man kann nicht sagen, ob das Licht der Sterne am Himmel von "normalen" oder von "anti-normalen" stammt, da beide das gleiche Licht aussenden würden!!
                    Licht würde in keinster Weise die Auflösung von Antimaterie verursachen!!!
                    Wenn ich Dich jetzt falls verstanden habe, dann schreib!

                    Nach der Urknalltheorie kann es keine Antimaterie-Sterne geben (ich hab jetzt nicht so viel Zeit mehr, wenn ihrs noch hören wollt, bitte hier reinschreiben).

                    @Alex
                    Das Buch hab ich auch gelesen, ist OK, aber vielleicht ein bißchen kurz (nur 100Seiten) und wenn ich mir Dein Post durchlese, denk ich mir, dass Du dieses Buch eigentlich nicht brauchst, der geschichtliche Abriß über Dirac ist da auch drin.
                    Zuletzt geändert von notsch; 24.03.2001, 18:08.
                    "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
                    "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

                    Member der NO-Connection!!

                    Kommentar


                    • #11
                      vorweg:
                      Ich bin kein Crack, wenn es um Antimaterie geht, meine Spezialität liegt eher bei Subraumverzerrungen/Warpantrieb
                      nee, mal im Ernst:
                      Hab ich das richtig verstanden? Wenn man das Wort "Antimaterie" wörtlich nimmt, gibt es zu jedem Stück Materie im Universum ein passendes Gegenstück, dessen Vorzeichen einfach umgedreht ist, und dieses Gegenstück hat ein viel größeres Energiepotential als das normale ? Ich hab da definitiv was nicht richtig verstanden! Kann mir einer nochmal erklären, was genau "Antimaterie" bedeutet, am besten an einem Beispiel? *Please*

                      Kommentar


                      • #12
                        Nein, es gibt nicht zu jedem Stück Materie irgendwo da draussen ein passendes Gegenstück, das ist Schmarn!!!

                        Richtig ist, das es zwei Matertieformen gibt: Materie-Antimaterie (ähnlich wie es zwei STromarten gibt: Positic-negativ).

                        Der Unterschied zu dem Stromvergleich ist, das nach unseren heutigen Vorstellungen eine der beiden das Universum dominiert (die Materie), die andere (die Anti-Materie) aus irgendeinem Grunde nur noch einen winzigen Bruchteil ausmacht.

                        Ein Anti-Atom ist genauso aufgebaut wie ein normales Atom (ein Kern und drumherum die Elekronen)
                        Unterschied ist allerdings die Ladung der jeweiliggen Komponenten:
                        -die Anti-Protonen im Kern tragen eione negative Ladung
                        -die Anti-Elektronen (auch Positronrn genannt) tragen eine positive Ladung
                        -die Anti-Neutronen tragen wie die normalen Neutronen auch keine Ladung

                        Ein Wasserstoff-Atom hat das gleiche Energiepotential wie ein Anti-Wasserstoff-Atom!!

                        Läßt man Materie und Antimaterie aufeinanderstoßen, so annihilieren sie, d. h. es wird riesige Energie frei (E=mc2) und danach ist nix Teilchen mehr da (so erzeugen die Förderationsschiffe ihre Warp-Energie)

                        So, das war jetzt ein Schnelldurchgang, wenn noch Fragen sind ruhig fragen!!
                        "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
                        "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

                        Member der NO-Connection!!

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                        • #13
                          @notsch: ok, das mit den Photonen hab ich einfach nicht gewusst.

                          Aber bis daruaf, dass man Antimateriesterne sehen könnte/kann - nutzt uns nix, da sie genauso aussehen würde wie alle anderen auch - ändert es nichts an der Aussage, dass diese Region abgeschottet sein müsste, da ja normale Materie im gar nichts so leeren All vorkommt und das könnte eine Annhilation(wie schreibt man das???) schon auslösen. Außerdem gibt's ja noch Kometen usw.
                          Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
                          Makes perfect sense.

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                          • #14
                            Das ist so auch nicht ganz richtig. An der Grenzschicht zu Materie-Antimaterie-Schichten würde dasselbe passieren wie wenn Du Wasser auf eine heiße Herdplatte wirfst, es bildet sich eine dünne Grenzschicht und nur da findet Annihilation statt. Die Antimaterie-Region könnte man dann quasi als
                            " Inseln" im "Materie-Meer" ansehen.

                            Diese Grenzschichten würden Röntgenstrahlung aussenden, die man hier messen könnte!
                            Man hat (meines Wissens) noch keine solche Gebiete gefunden (d.h. nicht dass es solche Gebiete nicht gibt)!!!!

                            Ich denke aber auch, dass es keine Antimaterie-Gebiete gibt (da die Urknall-Theorie dieses verbietet).
                            "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
                            "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

                            Member der NO-Connection!!

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                            • #15
                              Ich denke man könnte die Strahlung von Antimateriesternen sehr wohl entdecken, da die Sterne nicht nur einfach Photonen aussenden sondern auch Atomkerne (Alphastrahlung), mit viel viel Glück machen einige dieser Kerne den ganzen Weg vom Stern bis zu unserem Detektor, was dann ein relativ deutlicher Hinweis auf Antimateriesterne wäre, da "normale" Sterne keine Antimaterie emittieren dürften. Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass es keine Antimaterieregionen gibt.
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