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Soziologische Tatbestände/Soziale Tatsachen nach E. Durkheim

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  • Soziologische Tatbestände/Soziale Tatsachen nach E. Durkheim

    Soziologische Tatbestände/Soziale Tatsachen nach Durkheim weisen ja die folgenden Merkmale auf:
    1.) Dingcharakter
    2.) Zwangscharakter
    3.) werden durch Sozialisation verinnerlicht
    4.) jede Gesellschaft hat eigene Soziale Tatsachen.

    ...und ich kann das alles wunderbar abstrakt erklären. Hat aber jemand von euch aus dem Leben gegriffene Beispiele für den Ding- und den Zwangscharakter?
    Schon mal danke.
    This post is protected by : Azatoth, demon sultan and master of illusion. ZOCKTAN!, Hiob 30, 16-17, Streichelt mein Ego,
    "I was a victim of a series of accidents, as are we all."
    Yossarian Lives!

  • #2
    Ich kann dazu nur sagen mein "ding" hat nen eigenen charakter

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    • #3
      Hallo Zocktan,

      setze am besten anstelle der sozialen Tatsache den Begriff der Norm ein (auch wenn Durkheim den Begriff der sozialen Tatsache viel weiter fasst). Dann wird es leichter verständlich, was Durkheim eigentlich meint.

      1) Normen haben Dingcharakter, d.h. sie existieren unabhängig vom Willen der Individuen. Niemand kann sich Normen einfach so wegwünschen – sie sind einfach da. Dingcharakter heißt auch, dass die Menschen Normen so erfahren als seien sie etwas außermenschliches bzw. gottgewolltes (obwohl sie doch menschengemacht sind), d.h. Normen werden hingenommen und nicht weiter hinterfragt.
      2) Normen haben Zwangscharakter, d.h. sie üben einen Zwang auf die Individuen aus. Die Norm "nicht am Essenstisch rülpsen" übt allein dadurch, dass es sie gibt, einen Zwang aus.
      3) Normen werden durch Sozialisation verinnerlicht.
      4) Jede Gesellschaft hat andere Normen. So wird in einigen Ländern mit Essbesteck gegessen – in anderen Ländern mit den Händen.
      Zuletzt geändert von Largo; 23.12.2006, 00:22.
      Mein Profil bei Last-FM:
      http://www.last.fm/user/LARG0/

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      • #4
        Biologische Zwänge(Triebe usw) sind nciht mit Punkt 2 gemeint oder?

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        • #5
          Zitat von Largo Beitrag anzeigen
          Hallo Zocktan,

          setze am besten anstelle der sozialen Tatsache den Begriff der Norm ein (auch wenn Durkheim den Begriff der sozialen Tatsache viel weiter fasst). Dann wird es leichter verständlich, was Durkheim eigentlich meint.

          1) Normen haben Dingcharakter, d.h. sie existieren unabhängig vom Willen der Individuen. Niemand kann sich Normen einfach so wegwünschen – sie sind einfach da. Dingcharakter heißt auch, dass die Menschen Normen so erfahren als seien sie etwas außermenschliches bzw. gottgewolltes (obwohl sie doch menschengemacht sind), d.h. Normen werden hingenommen und nicht weiter hinterfragt.
          2) Normen haben Zwangscharakter, d.h. sie üben einen Zwang auf die Individuen aus. Die Norm "nicht am Essenstisch rülpsen" übt allein dadurch, dass es sie gibt, einen Zwang aus.
          3) Normen werden durch Sozialisation verinnerlicht.
          4) Jede Gesellschaft hat andere Normen. So wird in einigen Ländern mit Essbesteck gegessen – in anderen Ländern mit den Händen.
          Punkt 1 hast du gut erklärt danke!
          zu punkt 2 verstehe ich es dann so, dass der zwang durch gesellschaftliche erwartungen kommt?
          3 und 4 waren nichts neues für mich, aber trotzdem danke für deine mühen

          Zitat von Skymarshal
          Biologische Zwänge(Triebe usw) sind nciht mit Punkt 2 gemeint oder?
          nein die sind nicht gemeint, weil solche rein biologischen zwänge aus dem individuum erwachsen und nicht aus gemeinschaftlicher/gesellschaftlicher erwartung an ein verhalten. wohl aber die art wie mit den individuellen biologischen zwängen umgegangen wird
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          • #6
            Naja, bei der Überschrift hätte mir das auch selber klarwerden müssen.

            Ansonsten muß ich Largo wohl zustimmen.

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            • #7
              Zitat von Zocktan Beitrag anzeigen
              zu punkt 2 verstehe ich es dann so, dass der zwang durch gesellschaftliche erwartungen kommt?
              Ja, genau. Die Norm bzw. die gesellschaftliche Erwartung selbst kontrolliert das Verhalten der Individuen. Im Unterschied dazu geht z.B. die Rational-Choice-Theorie davon aus, das normenkonformes Verhalten das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Kalkulation (Wahrscheinlichkeit, dass abweichendes Verhalten entdeckt wird + Kosten, die durch Sanktionierung des abweichenden Verhaltens entstehen (z.B. Gefängnisaufenthalt) + Nutzen, die aus abweichendem Verhalten entstehen (z.B. Prestigegewinn im Gangstermilieu) usw.) der Individuen ist. Bei Durkheim stellen die Individuen solche Überlegungen nicht an.
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              • #8
                Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                Ja, genau. Die Norm bzw. die gesellschaftliche Erwartung selbst kontrolliert das Verhalten der Individuen. Im Unterschied dazu geht z.B. die Rational-Choice-Theorie davon aus, das normenkonformes Verhalten das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Kalkulation (Wahrscheinlichkeit, dass abweichendes Verhalten entdeckt wird + Kosten, die durch Sanktionierung des abweichenden Verhaltens entstehen (z.B. Gefängnisaufenthalt) + Nutzen, die aus abweichendem Verhalten entstehen (z.B. Prestigegewinn im Gangstermilieu) usw.) der Individuen ist. Bei Durkheim stellen die Individuen solche Überlegungen nicht an.
                mir war die rational-choice-theorie unbekannt, obwohl nach dem ich sie nachgelesen habe, sie das allles schlüßiger erscheinen läßt.
                mir kam dabei auch die idee, dass man diese theorie mal nach den vorgaben der betriebswirtschaftlichen geldumwandlungstheorie nach gutenberg, die ja auch einen kosten-nutzen-kalkulation ist, aber gleichzeitig noch ergänzend fragt, wann die kosten den nutzen bringen, abklopfen sollte.
                du weißt nicht zufällig, ob es dazu schon eine umfassende arbeit gibt?
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                • #9
                  Zitat von Zocktan Beitrag anzeigen
                  du weißt nicht zufällig, ob es dazu schon eine umfassende arbeit gibt?
                  Meinst Du die Gutenberg'sche Geldumwandlungstheorie? Habe von Gutenberg mal im Rahmen einer BWL-Einführungsveranstaltung gehört. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
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