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Gericht verurteilt Erdbebenforscher zu langen Haftstrafen

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    Prozess zu L'Aquila-Erdbeben verurteilt Wissenschaftler zu Haftstrafen - SPIEGEL ONLINE
    Im Strafprozess gegen sieben Experten nach dem verheerenden Erdbeben in L'Aquila hat ein italienisches Gericht langjährige Haftstrafen verhängt.
    . Den Experten wird vorgeworfen, die Risiken des Bebens verharmlost zu haben, bei dem im April 2009 mehr als 300 Menschen umkamen.
    Welche Konsequenzen wird dieses Urteil für die Wissenschaft haben?

    Gefahren gibt es überall, z.B. auch in der Gentechnik. Warnen Wissenschaftler allgemein nicht genug?

  • #2
    Ich habe das gestern in den Nachrichten gesehen und fühlte mich direkt ins Mittelalter zurück versetzt und kann nur hoffen das dieses Urteil nicht auf dem ganzen Erdball Schule macht!

    Ich frage mich warum Wissenschaftler überhaupt noch Warnungen rausgeben sollten wenn Sie bei einer Fehleinschätzung riskieren ins Gefängnis zu wandern!

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    • #3
      Ich habe das nicht im Detail verfolgt, aber wurden sie nicht verurteilt WEIL sie nicht gewarnt hatten? Analog zu unterlassener Hilfe bei z.B. Unfällen...
      Jedoch verstehe ich das ganze eben nicht im Detail. Was soll man groß vor einem Beben tun? Man kann ja nicht ständig rufen und warnen wenn nichts ist. Denn ein Beben kann ja im Grunde immer passieren. Oder wurde (weiter) verharmlost als es bereits gebebt hatte (wobei sich dann bei mir eben die Frage stellt, ob es also bereits mehrere Beben gab).
      Die Grenzenlose Freiheit Einzelner Bedeutet Stets Die Begrenzung Der Freiheit Vieler!
      Willkommen in der DDR - Demokratischen Diktatur der Reichen

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      • #4
        Willkommen in Italien....

        Urteile wie dieses kennt man sonst aus autokratischen Staaten, wenn der Diktator mal wieder einen Sündenbock für irgendetwas braucht.

        Die spinnen, die Römer.
        "En trollmand! Den har en trollmand!"

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        • #5
          + + + FAKE-TICKER: ERDBEBEN-RISIKO FUER ITALIEN AKTUALISIERT + + +

          Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) von Italien gibt bekannt,
          dass die Risiko-Einschaetzung zum Auftreten von Erdbeben in Italien neu bewertet wurde.

          Demnach wird das Riskio fuer das Auftreten eines sehr schweren Bebens in Italien nun generell und gleichverteilt als extrem hoch eingestuft.
          Diese Neueinstufung gilt jedoch nur bis zu der italienischen Landesgrenze, unmittelbar danach ist das Risiko unveraendert.

          Das INGV raet allen Menschen, von nun an unter staendiger Alarmbereitschaft zu leben. Gebaeude, bei deren Bau zuviel Sand verwendet wurde, sind zu meiden. Es ist dringend ratsam, sofort einen Bunker aufzusuchen und dort zu bleiben, bis diese Warnung aufgehoben wird.

          Diese Warnung gilt fuer mindestens 1000 Jahre. Ausserdem loest sich der Nationale Erdbeben-Warndienst hiermit auf.


          (Unterschrift)


          Fake-ticker /off, Ironie /off

          - - - -

          So, jetzt mal im Ernst:
          Das Urteil ist eine absolute Sauerei, wie ich es im Zusammenhang mit Wissenschaft noch nicht erlebt habe.

          Nach der allgemeinen Berichterstattung wird den Forschern vorgeworfen, nach einer Serie von leichten Vorbeben nicht ausreichend gewarnt zu haben.
          Konkret ging es darum, dass die Aussage der Forscher war, dass solche Vorbeben ein staerkeres Beben ankuendigen koennen, es aber zum diesem (=damaligen) Zeitpunkt keine Hinweise auf ein schweres Erdbeben gebe.
          Aus wissenschaftlicher Sicht ist das absolut korrekt!
          Nicht ohne Grund wurde eine entsprechende Petition gegen eine Anklageerhebung von ueber 5000 Wissenschaftern aus der ganzen Welt unterzeichnet.

          Was waere denn gewesen, wenn sich die Wissenschafter in Wahrscheinlichkeiten ausgedrueckt haetten? Vielleicht: "Die Chancen fuer ein schweres Beben liegen bei 1:1000 (Beispiel)." Dann wuerde man jetzt ueber die Zahl streiten. War die Einschaetzung von 1 Promille ausreichend, u.s.w.

          Eine adaequate Reaktion des betroffenen Instituts, um den italienischen Behoerden den Spiegel vorzuhalten, waere das, was ich oben als "Fake-ticker" schrieb. Da jedoch die Arbeitsmarktsituation in Italien allgemein schlecht ist und ich von Kollegen hoerte, dass die Situation speziell in den Geowissenschaften katastrophal ist, wuerde ich das nicht fordern.

          Letztlich kann man nur hoffen, dass eine hoehere Instanz intelligentere Richter aufweist. Andernfalls, so koennte ich mir als juristischer Laie vorstellen, waere dies in letzter Konsequenz auch ein Fall fuer den EuGH. Denn eines ist klar: die Forscher muessen bei ihrem Tun Rechtssicherheit haben.
          .

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          • #6
            Was waere denn gewesen, wenn sich die Wissenschafter in Wahrscheinlichkeiten ausgedrueckt haetten? Vielleicht: "Die Chancen fuer ein schweres Beben liegen bei 1:1000 (Beispiel)." Dann wuerde man jetzt ueber die Zahl streiten. War die Einschaetzung von 1 Promille ausreichend, u.s.w.
            Aber in beiden Fällen kann diese "1" dann eben den Eintrittsfall markieren. Mit anderen Worten: Wahrscheinlichkeit ungleich Sicherheit.

            Dieses Urteil ist ein riesiger Skandal!

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            • #7
              Politik ... es muss halt n Schuldiger her und in Italien hängt das doch alles zusammen Gerichte Polizei und Politik und Mafia

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              • #8
                Naja, unserer Politik traue ich das durchaus auch zu.

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                • #9
                  Die Italiener wussten es schon vor ein paar tausend Jahren: "Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand."

                  Erst vor einigen Tagen hat ein weiteres irritierendes Urteil aus Italien für Aufsehen gesorgt - und es kam sogar vom höchsten Gericht des Landes, dem Obersten Kassationsgericht. Dieses urteilte am vergangenen Donnerstag, dass ein gutartiger Gehirntumor bei einem italienischen Geschäftsmann durch die tägliche stundenlange Verwendung seines Handys verursacht wurde.

                  Damit hätten die Richter auch in diesem Fall geschafft, woran sich Forscher seit vielen Jahren die Zähne ausbeißen: einen kausalen Zusammenhang zwischen Handy-Benutzung und Gehirntumoren herzustellen, was bisher trotz Tausender Studien nicht gelungen ist.

                  Prozess zu L'Aquila-Erdbeben verurteilt Wissenschaftler zu Haftstrafen - SPIEGEL ONLINE
                  Italien...
                  I am altering the movie. Pray I don't alter it any further.

                  - George Lucas

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                  • #10
                    In Italien kann man ja auch eine Hypothek auf ein Kfz bestellen.

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                    • #11
                      Eine erste Konsequenz: Erdbeben in L'Aquila: Haftstrafen für Experten sorgen für Empörung - SPIEGEL ONLINE

                      Italiens Chefexperte für die Bewältigung von Naturkatastrophen, Luciano Maiani, ist am Dienstag zurückgetreten.
                      In Zukunft können die Leute in Angst und Schrecken leben, weil jeder nur noch sagen wird, dass Gefahr droht. Wissenschaft wird dann unseriös. Seriöse Einschätzungen von Gefahren wird es nicht mehr geben.

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                      • #12
                        Hm, ob sich jetzt mal die "Klima-Skepitker" eines besseren besinnen werden?
                        Ansonsten hat das erstmal nur Konsequenzen für Italien. Dass das Urteil ausstrahlt, glaube ich mal nicht.

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                        • #13
                          Ich kann Maianis Reaktion (und die der anderen Seismologen) voll und ganz verstehen; ich an seiner Stelle hätte genauso reagiert.

                          In dieser Sache werden noch so manche Fetzen fliegen. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.

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                          • #14
                            Ich denke nach meinen derzeitigen Kenntnisstand, man sollte das Urteil nicht vorschnell beurteilen. Zumindest nicht, bevor man sich über der Urteilsbegründung und die rechtlichen Zusammenhänge informiert hat.
                            Bloß weil hier Wissenschaftler verurteilt wurden, sollte man nicht sofort auf einen "wissenschaftsfeindlichen Hintergrund" oder ähnliches schließen. Aus dem Link im Eröffnungsposting des Threads geht hervor, dass der Vorwurf lautet, dass die Wissenschaftler die Gefahr eines Erdbebens fahrlässigerweise beiseite geschoben haben. Es handelt sich also sozusagen um einen "geologischen Kunstfehler", den die Verantwortlichen begangen haben sollen. Nach einer Meldung in den Radio-Nachrichten, ich weiß nicht mehr genau auf welchem Sender, soll auch ein zuständiger Beamter verdächtigt oder sogar verurteilt worden sein.

                            Weiß jemand mehr darüber?
                            "Unterdrücke nie mit Gewalt Überzeugungen, die du für verderblich hälst, sonst unterdrücken diese Überzeugungen dich. " - B. Russell, 10 Gebote eines Liberalen.

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                            • #15
                              So ganz einfach ist die Sache mit Italien nicht.

                              Ich glaube im DRadio gehört zu haben das sich die Wissenschaftler von der Politik (gibt es einen Telefonmitschnitt von 2 Politikern) für eine Pressekonzferenz einspannen lassen haben um die Menschen zu beruhigen. Dort haben sie dann erklärt, dass viele leichte Erdbeben doch was tolles sind weil sich so die Spannung im Boden abbauen kann und deshalb das Risiko eines großen Erdbebens besonders klein ist.

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