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Wie wahrscheinlich wäre eine zweite "Hominisation"

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  • Wie wahrscheinlich wäre eine zweite "Hominisation"

    Angenommen, die Menschheit würde das Zeitliche segnen. Ohne große Katastrophe, welche auch die restliche Natur in Mitleidenschaft zieht. Die Menschen würden einfach - vielleicht aufgrund eines artspezifischen Virus - tot umfallen. Ich weiß nicht, welche Verheerungen die verwaisten Atomkraftwerke und -Sprengköpfe anrichten würden, aber das blenden wir einmal aus.

    Meine Frage ist: Wie wahrscheinlich wäre die erneute Entwicklung von Kreaturen mit menschenähnlicher Intelligenz, also Wesen, die über Sprache, Selbstbewusstsein und Technologie verfügen? Ist es, gegeben so hochentwickelte Primaten wie Schimpansen und Gorillas, vielleicht gar nicht zu vermeiden, dass die "kognitive Nische" früher oder später wieder besiedelt wird? Oder war die Entwicklung menschlicher Intelligenz ein einmaliger Zufall, der sich selbst auf dieser günstigen Grundlage nicht wiederholen würde?

  • #2
    Es gäbe da 2 Denkansätze:
    Entwickeln sich bereits relativ intelligente Spezies wie Menschenaffen, Papageien, Krähenvögel oder Meeressäuger (Liste unvollständig) weiter und werden die neuen Herrscher der Erde

    oder

    gibt es einen großen evolutionären Sprung von Spezies in ihren ökologischen Nischen, an die wir z.Z. gar nicht denken?

    Ich denke, in Zeiträumen von hunderten Mio Jahren besteht zumindest die Chance, dass sich noch mal eine hochentwickelte Spezies durchsetzen kann.
    \\// Dup dor a´az Mubster
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    • #3
      Evolution ist letztlich Zufall. Es mussten eine Menge Zufälle zusammenkommen, damit der moderne Mensch entstehen konnte - und die Hominiden, aus denen er hervorgegangen ist, sind bereits samt und sonders ausgestorben: wir sind die allerletzten Überlebenden unserer eigenen Familie.

      Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer zivilisationsbildenden Spezies muss sehr gering sein: unter all den Milliarden und Abermilliarden Spezies, die bereits auf der Erde gelebt haben, trat diese Eigenschaft genau ein einziges Mal auf: bei uns. Wir sind auch schon relativ spät dran innerhalb der bewohnbaren Zeit der Erde. In höchstens einigen 100 Mio Jahren wird die Biosphäre (aufgrund der stetig zunehmenden Sonnenstrahlung und dem in der Folge fallenden CO2-Gehalt) die Fähigkeit verlieren, zivilisationsfähige Spezies hervorzubringen.

      Die allgemeine Chance auf die Bildung von zivilisationsbildenden Spezies kann im Allgemeinen demnach höchstens so wahrscheinlich sein, wie 1:N, mit N = alle Spezies, die je auf der Erde existiert haben. Sie kann deutlich kleiner sein (es könnte viele erdähnliche Planeten geben, die nie eine zivilisationsfähige Spezies hervorgebracht haben oder hervorbringen werden), aber kaum grösser (sonst hätte es nach aller Wahrscheinlichkeit auf der Erde bereits viele solcher Spezies gegeben).

      Nachtrag:

      Entwickeln sich bereits relativ intelligente Spezies wie Menschenaffen, Papageien, Krähenvögel oder Meeressäuger (Liste unvollständig) weiter und werden die neuen Herrscher der Erde
      Das Problem mit dieser Argumentation ist dies: Wenn es heute viele ansatzweise "intelligente" Spezies gibt, dann gab es sie wohl schon früher (es ist wohl kaum so, dass die Evolution beschlossen hat, sie alle parallel zum Menschen hervorzubringen). Trotzdem hat das nicht dazu geführt, dass sich mehr zivilisationsbildende Spezies gebildet haben: offenbar geschieht es sehr selten, dass ansatzweise intelligente Spezies zu zivilisationsbildenden Spezies werden. Also ist auch die Chance gering, dass das für die uns heute bekannten eintreffen könnte.
      Planeten.ch - Acht und mehr Planeten (neu wieder aktiv!)
      Final-frontier.ch - Kommentare vom Rand des Universums

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      • #4
        Zitat von 3of5 Beitrag anzeigen
        Angenommen, die Menschheit würde das Zeitliche segnen. Ohne große Katastrophe, welche auch die restliche Natur in Mitleidenschaft zieht. Die Menschen würden einfach - vielleicht aufgrund eines artspezifischen Virus - tot umfallen. Ich weiß nicht, welche Verheerungen die verwaisten Atomkraftwerke und -Sprengköpfe anrichten würden, aber das blenden wir einmal aus.

        Meine Frage ist: Wie wahrscheinlich wäre die erneute Entwicklung von Kreaturen mit menschenähnlicher Intelligenz, also Wesen, die über Sprache, Selbstbewusstsein und Technologie verfügen? Ist es, gegeben so hochentwickelte Primaten wie Schimpansen und Gorillas, vielleicht gar nicht zu vermeiden, dass die "kognitive Nische" früher oder später wieder besiedelt wird? Oder war die Entwicklung menschlicher Intelligenz ein einmaliger Zufall, der sich selbst auf dieser günstigen Grundlage nicht wiederholen würde?
        Die höheren Primaten, vor allem Schimpansen, haben schon heute das Potenzial sich weiter zu entwickeln. Sie sind auf emotionaler und sozialer Ebene nicht allzu weit vom Urmenschen entfernt. Auch im Handhaben rudimenterster Werkzeuge, dem Erkenne von Symbolik und dem Lösen von Problemen durch logisches Denken sind sie für Tiere sehr fortgeschritten. Das Problem der Affen besteht darin, dass sie nie einen Sinn für das Lehren entwickelt haben. Affen lernen durch imitation, aber die älteren Generationen geben die im laufe ihres Lebens erlernten Erfahrungen und Techniken nicht aktiv an die nachfolgenden Generationen weiter, wodurch sich kein Wissensschatz bilden kann, auf dem eine wirkliche Kultur aufbauen könnte. Mit jeder Generation die stirbt, geht einfach zu viel Wissen verloren, welches sich keines oder nur sehr wenige Mitglieder der Affenherde abgucken konnten.
        Da die Primaten sich parallel mit unseren Ahnen entwickelten und sie bis heute offensichtlich keinen weg gefunden haben diese Barriere zu überwinden, bin ich skeptisch ob das Ableben der menschlichen Rasse wirklich so viel Einfluss auf die Entwicklung der Primaten hätte. Mal davon abgesehen, dass viele nicht kurz vor ihrer Ausrottung stünden.

        Andere Arten scheinen sich, evolutionär gesehen, bereits zur perfekten Lebensform entwickelt zu haben. So sehen Krokodile von heute, den Krokodilen der Kreidezeit vor ca. 65 Millionen Jahren zum verwechseln ähnlich. Lediglich einzelheiten, wie z.B. die Struktur ihrer Mäuler haben sich in verschiedenen Lebensräumen den Bedingungen nach verändert. Aber im Groß und Ganzen sind Krokodile ein Beispiel dafür, dass evolution nicht stetig sturr vorannschreitet, sondern offenbar auch einen Stopp einlegt, wenn eine Art von Lebensform in einer Umgebung problemlos überleben kann und auch Klimaveränderungen etc. standhält ohne auszusterben. Der Pfeilschwanzkrebse ist noch so ein Beispiel. Den gibts ja quasi schon seit den ersten Tagen und sieht heute noch genau so aus.

        Was ich damit sagen will: Ich bin nicht überzeugt, dass Intelligenz in unserer Form immer eine evolutionäre Form darstellt, die unbedingt erreicht wird, auch wenn es möglich wäre. Es kann gut sein, dass sich eine Lebensform der freigewordenen Niesche bemächtigt und uns Nachfolgt, aber ich bin da eher etwas skeptisch.
        Falls es neben den Primaten einen Kandidaten gäbe, wäre es denke ich, eine Vogelart. Deren Gehirne sind sehr komplex gebaut und können in vergleichsweise kleinem Umfang, enorm leistungsfähig sein.

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        • #5
          Bei Vögeln ist das Gewicht des Gehirns ein großes Problem. Um fliegen zu können, wird am ganzen Körper Gewicht gespart. Eine Weiterentwicklung durch Vergrößerung des Gehirns würde einen Verlust der Flugfähigkeit bedeuten.
          20% der Energie für das Gehirn zu verwenden birgt große Risiken in sich.

          Intelligenz ist immer ein Resultat, kein Ziel, denn es gibt ja keine Zielvorgabe durch irgendjemanden. Wenn man von intelligenten Spezies absieht, die sich selbst das Ziel der Optimierung setzen können.
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          • #6
            Zitat von Thomas W. Riker Beitrag anzeigen
            Bei Vögeln ist das Gewicht des Gehirns ein großes Problem. Um fliegen zu können, wird am ganzen Körper Gewicht gespart. Eine Weiterentwicklung durch Vergrößerung des Gehirns würde einen Verlust der Flugfähigkeit bedeuten.
            20% der Energie für das Gehirn zu verwenden birgt große Risiken in sich.

            Intelligenz ist immer ein Resultat, kein Ziel, denn es gibt ja keine Zielvorgabe durch irgendjemanden. Wenn man von intelligenten Spezies absieht, die sich selbst das Ziel der Optimierung setzen können.
            Da hast du recht. Aber ein Vogel muss ja nicht unbedingt Flugfähig sein. Es gibt genügend erfolgreiche Vogelarten, welche ausschließlich auf dem Boden leben. Dafür gibt es sogar wunderbare Beispiele in der Urzeit. Z.B. der Gastornis und der Phorusrhacidae. Das waren sehr erfolgreiche, räuberische Vogelarten, die millionen von Jahren exestierten.
            Eine Vogelart, die sich in punkto intelligenz weiterentwickeln würde, würde den Nachteil der Flugunfähigkeit mit den denkerischen Fähigkeiten wett machen, so wie eben die Urvögel dieses Deffizit mit schnelligkeit und stärke wett machten.

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            • #7
              Eine spannende Frage, die ich, falls erlaubt, um einen Punkt erweitern möchte, der hier ja schon ein wenig berührt wurde.

              Gibt es unter den jetzigen anwesenden Spezies auf Erden, den Menschen natürlich ausgenommen, die unter den Gesichtspunkten der Evolution auch intelligent oder intelligenter als wir Menschen werden könnten? In dieser Frage setze ich mal vorraus, dass der Mensch verschwunden ist.
              "Education is the most powerful weapon which you can use to change the world."Nelson Mandela
              DEUTSCHE AIDS-HILFE-DRK
              ÄRZTE OHNE GRENZEN-AMNESTY INTERNATIONAL DEUTSCHLAND

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              • #8
                Die Frage ist halt immer: warum sollte die Evolution so viel Energie und Aufwand in ein grosses Gehirn stecken? Dass sich das im Allgemeinen nicht lohnt, sieht man ja daran, dass die meisten Spezies kein grosses Gehirn haben...
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                • #9
                  Zitat von Bynaus Beitrag anzeigen

                  Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer zivilisationsbildenden Spezies muss sehr gering sein: unter all den Milliarden und Abermilliarden Spezies, die bereits auf der Erde gelebt haben, trat diese Eigenschaft genau ein einziges Mal auf: bei uns.
                  Letzteres ist richtig. Und doch kann man in der Evolution einen Trend in Richtung höherer Intelligenz feststellen. Zwar nicht dergestalt, dass ALLE Lebewesen immer intelligenter werden - die allermeisten kommen sogar ohne Hirn aus - aber doch so, dass ein Vergleich der jeweils intelligentesten Vertreter aller Erdepochen eine stetige Zunahme von Intelligenz nahelegt.

                  Wir sind auch schon relativ spät dran innerhalb der bewohnbaren Zeit der Erde. In höchstens einigen 100 Mio Jahren wird die Biosphäre (aufgrund der stetig zunehmenden Sonnenstrahlung und dem in der Folge fallenden CO2-Gehalt) die Fähigkeit verlieren, zivilisationsfähige Spezies hervorzubringen.
                  Richtig. Aber da der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse vor ca 5 Millionen Jahren lebte, haben wir es mit überschaubaren Zeiträumen zu tun.

                  Die allgemeine Chance auf die Bildung von zivilisationsbildenden Spezies kann im Allgemeinen demnach höchstens so wahrscheinlich sein, wie 1:N, mit N = alle Spezies, die je auf der Erde existiert haben. Sie kann deutlich kleiner sein (es könnte viele erdähnliche Planeten geben, die nie eine zivilisationsfähige Spezies hervorgebracht haben oder hervorbringen werden), aber kaum grösser (sonst hätte es nach aller Wahrscheinlichkeit auf der Erde bereits viele solcher Spezies gegeben).
                  Das leuchtet mir nicht ein. Es könnte ja auch sein, dass die Entwicklung menschenähnlicher Intelligenz einfach sehr lange dauert. Die Tatsache, dass wir die ersten sind, ist durchaus vereinbar mit der Möglichkeit, dass auf einem Großteil der hinreichend erdähnlichen Planeten irgendwann eine Zivilisation entsteht, sofern genug Zeit vorhanden ist.


                  Das Problem mit dieser Argumentation ist dies: Wenn es heute viele ansatzweise "intelligente" Spezies gibt, dann gab es sie wohl schon früher (es ist wohl kaum so, dass die Evolution beschlossen hat, sie alle parallel zum Menschen hervorzubringen). Trotzdem hat das nicht dazu geführt, dass sich mehr zivilisationsbildende Spezies gebildet haben: offenbar geschieht es sehr selten, dass ansatzweise intelligente Spezies zu zivilisationsbildenden Spezies werden. Also ist auch die Chance gering, dass das für die uns heute bekannten eintreffen könnte.
                  Diese Argumentation ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings haben wir es wie gesagt mit evolutionär sehr kurzen Zeiträumen zu tun. Die Tatsache, dass die übrigen Menschenaffen in den letzten 5 Millionen Jahren anscheinend nicht wesentlich intelligenter geworden sind, macht es nicht unbedingt wahrscheinlich, dass dies in den nächsten 10, 20, 30 Millionen Jahren so bleiben würde.

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                  • #10
                    Zitat von 3of5 Beitrag anzeigen
                    Diese Argumentation ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings haben wir es wie gesagt mit evolutionär sehr kurzen Zeiträumen zu tun. Die Tatsache, dass die übrigen Menschenaffen in den letzten 5 Millionen Jahren anscheinend nicht wesentlich intelligenter geworden sind, macht es nicht unbedingt wahrscheinlich, dass dies in den nächsten 10, 20, 30 Millionen Jahren so bleiben würde.
                    Aber gerade dieser kurze Zeitraum, den es offenbar braucht um eine Zivilisationsbildende Spezies auszubilden, weist doch darauf hin, dass zu unserer Entstehungsperiode die äußeren Bedingungen gerade gestimmt haben. Wenn über viele 100 Mio Jahre prinzipiell Intelligente Spezies existieren, aber keine Civ ausbilden, dann jedoch plötzlich eine Entwicklung eintritt, dann spricht das dafür, dass Zivilisation bestimmte äußere Bedingungen braucht (i.e. fruchtbarer Halbmond), die vorher nicht existierten.

                    Daher würde ich sagen, dass diese "was vorher nicht war, wird auch nachher nicht sein"-argumentation hinfällig ist.
                    "Zivilisationen die sich nicht verändern, vergehen." - Civilisation - Call to Power Anleitung

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                    • #11
                      @Amelissan
                      Zivilisation halte ich persönlich nicht für den Hauptunterschied vom Menschen zu anderen Spezies, da ist die Fähigkeit zum abstrakten Denken und das Gedächtnis und die damit verbundene Weitergabe des Wissens an die nächste Generation ein gravierenderer Unterschied, der die Zivilisation erst ermöglicht hat, vorher gab es dadurch aber schon Kunst und die Nutzung des Feuers.
                      "Denkt daran, wir sind nur dazu autorisiert Gewalt anzuwenden wenn die Erde bedroht ist"
                      "Und der Mond"
                      "Ja, und der Mond."

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                      • #12
                        Zitat von heavymetalisthelaw Beitrag anzeigen
                        @Amelissan
                        Zivilisation halte ich persönlich nicht für den Hauptunterschied vom Menschen zu anderen Spezies, da ist die Fähigkeit zum abstrakten Denken und das Gedächtnis und die damit verbundene Weitergabe des Wissens an die nächste Generation ein gravierenderer Unterschied, der die Zivilisation erst ermöglicht hat, vorher gab es dadurch aber schon Kunst und die Nutzung des Feuers.
                        Naja, Tiere sind durchaus dazu in der Lage, Wissen zu erwerben und an nachfolgende Generationen weiterzugeben.
                        Das Nutzen der Umwelt findet man genauso - wenn auch natürlich nicht auf eine derart zerstörerische Art und Weise wie Feuer. Ob das, was Tiere schaffen, rein praktisch ist oder durchaus auch ästhetische Zwecke befolgt werden, lässt sich als Mensch schwer beurteilen.
                        "But who prays for Satan? Who in eighteen centuries, has had the common humanity to pray for the one sinner that needed it most, our one fellow and brother who most needed a friend yet had not a single one, the one sinner among us all who had the highest and clearest right to every Christian's daily and nightly prayers, for the plain and unassailable reason that his was the first and greatest need, he being among sinners the supremest?" - Mark Twain

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                        • #13
                          Einen ähnlichen Thread, wo es jedoch nur um den aktuellen Stand bei den Schimpansen gaht, gab es bereits hier:
                          http://www.scifi-forum.de/off-topic/...steinzeit.html

                          Zitat von Thomas W. Riker Beitrag anzeigen
                          Ich denke, in Zeiträumen von hunderten Mio Jahren besteht zumindest die Chance, dass sich noch mal eine hochentwickelte Spezies durchsetzen kann.
                          Ich denke, von so hohen Zahlen brauchen wir nicht auszugehen. Auch wenn Bynaus jetzt vielleicht wieder schimpft und mit seiner Berechnung kommt, so hat diese Rechnung jedoch einen Fehler: Sie geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, Intelligenz hervorzubringen zu jedem Zeitpunkt gleich war. Davon gehe ich jedoch nicht aus und werde das auch begründen:

                          Über den Anfang der Evolution brauchen wir gar nicht reden. Einzeller haben schlicht und ergreifend nicht das Potential dazu, intelligentes Leben unmittelbar hervorzubringen. Auch wenn wir ein gutes Stück weiter schauen, da brauchte es noch ein ganzes Stück, bis sich etwas wie ein Gehirn entwickelte und da Evolution nicht zielgerichtet abläuft, konnten die notwendigen Voraussetzungen nur Stück für Stück und Zufall für Zufall gewonnen werden.

                          Vor 200 oder 100 Mio Jahren gab es immer noch relativ wenige Tiergruppen mit potential. Wir können gerne mal zusammentragen, auf welche Arten man das vielleicht anwenden könnte.

                          Dann schauen wir uns mal die heutigen Gruppen mit Potential an: Primaten haben bereits bewiesen, dass es bei ihnen funktioniert. Ob das jetzt Menschenaffen werden bleibt zu bezweifeln, so lange der Mensch weiterhin dafür sorgt, dass ihre Zahlen zu gering bleiben oder gar zurückgehen. Ich sehe großes Potential bei Pavianen, bei denen innerhalb der letzten Jahrzehnte große Sprünge festgestellt wurden und man stellenweise quasi beobachten konnte, wie sie Jagdtechniken entwickelten und sie ihren Fleischkonsum erhöhten. Das ist eine wichtige Voraussetzung, sich energiereichere Nahrungsquellen zu erschließen.

                          Wale und Delfine gabs vor 100 Mio. Jahren auch nich nicht. Auch bei ihnen stellte man eine rasche Entwicklung fest. Wenn man dieser BBC-Doku mit den gefährlichsten Meeren aller Zeiten trauen darf, dann war auch Basilosaurus noch nicht wirklich intelligent und wenn man sich heutige Wale und Delfine anschaut, dann sind da sehr viele Arten entstanden, die man als durchaus intelligent bezeichnen kann. Von Delfinen weiß das jeder, aber auch Grauwale können z. B. erkennen, dass der Mensch Luft zum Atmen braucht und wenn sie sehen, dass ein Mensch unter Wasser Schwierigkeiten hat, dann bringen sie ihn an die Oberfläche. Auch das ist filmisch dokumentiert.

                          Vögel: Noch so eine große Gruppe von Kandidaten, die relativ spät in der Evolution entstanden sind und ich bin jetzt zu faul, alle Arten aufzuzählen, aber schon Papageien und Krähenvögel sind zwei gute Beispiele.

                          Wie gesagt, vor 100 Mio Jahren war die Ausgangssituation für intelligentes Leben weitaus schlechter als heute, deshalb sehe ich auch nicht so schwarz, wie Bynaus

                          Zitat von DnuhD2 Beitrag anzeigen
                          Da die Primaten sich parallel mit unseren Ahnen entwickelten und sie bis heute offensichtlich keinen weg gefunden haben diese Barriere zu überwinden, bin ich skeptisch ob das Ableben der menschlichen Rasse wirklich so viel Einfluss auf die Entwicklung der Primaten hätte. Mal davon abgesehen, dass viele nicht kurz vor ihrer Ausrottung stünden.
                          Um dem mal vorzubeugen: Weder haben sich unsere Vorfahren parallel mit Primaten oder speziell Affen entwickelt, noch stammen wir von ihnen ab. Wir SIND Affen und Primaten. Alles andere ist nicht verstandene Evolution.

                          Andere Arten scheinen sich, evolutionär gesehen, bereits zur perfekten Lebensform entwickelt zu haben. So sehen Krokodile von heute, den Krokodilen der Kreidezeit vor ca. 65 Millionen Jahren zum verwechseln ähnlich. Lediglich einzelheiten, wie z.B. die Struktur ihrer Mäuler haben sich in verschiedenen Lebensräumen den Bedingungen nach verändert. Aber im Groß und Ganzen sind Krokodile ein Beispiel dafür, dass evolution nicht stetig sturr vorannschreitet, sondern offenbar auch einen Stopp einlegt, wenn eine Art von Lebensform in einer Umgebung problemlos überleben kann und auch Klimaveränderungen etc. standhält ohne auszusterben. Der Pfeilschwanzkrebse ist noch so ein Beispiel. Den gibts ja quasi schon seit den ersten Tagen und sieht heute noch genau so aus.
                          Du kannst gerne die allerersten überhaupt auf der Erde nachgewiesene Gruppe erwähnen, bestimmte Bakterien, die schon vor 3,5 Mrd. Jahren die frühesten Fossilien in Form von Stromatolithen bildeten und die das auch heute noch in der Shark Bay in Australien tun.

                          Zitat von Bynaus Beitrag anzeigen
                          Die Frage ist halt immer: warum sollte die Evolution so viel Energie und Aufwand in ein grosses Gehirn stecken? Dass sich das im Allgemeinen nicht lohnt, sieht man ja daran, dass die meisten Spezies kein grosses Gehirn haben...
                          Aber wenn du das globaler siehst, dann gab es bei vielen Gruppen - und vor allem in den letzten 10er Mio. Jahren - einen deutlichen Anstieg des Gehirnvolumens

                          Zitat von 3of5 Beitrag anzeigen
                          Richtig. Aber da der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse vor ca 5 Millionen Jahren lebte, haben wir es mit überschaubaren Zeiträumen zu tun.
                          Etwas mehr, aber deiner Schlussfolgerung stimme ich definitiv zu.

                          Diese Argumentation ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings haben wir es wie gesagt mit evolutionär sehr kurzen Zeiträumen zu tun. Die Tatsache, dass die übrigen Menschenaffen in den letzten 5 Millionen Jahren anscheinend nicht wesentlich intelligenter geworden sind, macht es nicht unbedingt wahrscheinlich, dass dies in den nächsten 10, 20, 30 Millionen Jahren so bleiben würde.
                          Das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Dazu müssten wir genauer wissen, wie intelligent der letzte gemeinsame Vorfahr war. Wenn man aber ansieht, wie unterschiedlich sich die Intelligenz von Schimpansen und Bonobos entwickelt hat, dann darf man durchaus von einer Weiterentwicklung ausgehen.
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                          • #14
                            Es wurde ja nicht nur nach der Intelligenz gefragt, sondern auch nach der Entwicklung von Zivilisation und Technologie. Intelligenz alleine ist dafür nicht ausreichend. Egal wie intelligent Wale auch sind oder werden, sie werden nie einen Satelliten bauen können. Unsere Nachfolger brauchen die Möglichkeit zu greifen, sonst wird es schwierig, wenn sie versuchen eine Schraube fest zu drehen.
                            Intelligenz (bzw. intelligenter) entsteht zwar durch Zufall, aber damit sie sich durchsetzt muss sie auch Vorteile bringen. Damit dies bis zur Entwicklung von Technologie ausreicht, müssen die Umstände, die eine höhere Intelligenz bevorzugen, über eine längere Zeit bestehen.
                            Loriot: Kraweel, kraweel. Taub-trüber Ginst am Musenhain, trüb-tauber Hain am Musenginst. Kraweel, kraweel.

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                            • #15
                              Zitat von 3of5 Beitrag anzeigen
                              Angenommen, die Menschheit würde das Zeitliche segnen. Ohne große Katastrophe, welche auch die restliche Natur in Mitleidenschaft zieht. Die Menschen würden einfach - vielleicht aufgrund eines artspezifischen Virus - tot umfallen. Ich weiß nicht, welche Verheerungen die verwaisten Atomkraftwerke und -Sprengköpfe anrichten würden, aber das blenden wir einmal aus.

                              Meine Frage ist: Wie wahrscheinlich wäre die erneute Entwicklung von Kreaturen mit menschenähnlicher Intelligenz, also Wesen, die über Sprache, Selbstbewusstsein und Technologie verfügen? Ist es, gegeben so hochentwickelte Primaten wie Schimpansen und Gorillas, vielleicht gar nicht zu vermeiden, dass die "kognitive Nische" früher oder später wieder besiedelt wird? Oder war die Entwicklung menschlicher Intelligenz ein einmaliger Zufall, der sich selbst auf dieser günstigen Grundlage nicht wiederholen würde?
                              Es stellt sich mir die Frage, welche Gattung das sein könnte. Die Lage aller anderen Menschenaffen ist prekär und es wird sie in Freiheit vermutlich nicht mehr lange geben. Damit wäre der genetische Pool in Gefahr, aus dem wir entstanden sind.

                              Und komplett neu aus einer anderen Primatenart dasselbe noch mal erzeugen? Der Weg zum Menschen war lang und steinig und vieles hätte schief gehen können. Ich denke eher, falls wir verschwinden sollten, dann war es das. Die Erde wird nie wieder eine ähnliche Art hervorbringen.

                              Mal ganz abgesehen davon halte ich ein Aussterben der Menschen für sehr unwahrscheinlich. Wir sind viel zu gut darin, die Umwelt an unsere Bedürfnisse anzupassen. Und eine Krise - sei sie nun biologischer, geologischer oder astronomischer Natur - die unsere Art bis zum letzten Individuum vernichtet, die rasiert auch die Biosphäre und die Artenvielfalt so weit runter, dass danach kaum noch etwas übrig bleibt. Es wäre dann eine Situation vergleichbar mit dem Perm/Trias- bzw. dem Kreide/Tertiär-Übergang. Überleben würden vermutlich nur die kleinen Generalisten, die dann erst einmal wieder eine neue Artenvielfalt aufbauen und die anatomischen Voraussetzungen für eine neue intelligente Art schaffen müssten.

                              Ich bin davon nicht so ganz überzeugt. Eine zukünftige Erde wäre vermutlich genauso ("menschen-")leer und wild wie alle Zeitalter zuvor. Erschwerend kommt noch hinzu, dass schon zu unserer Zeit die Produktivität der Ökosysteme abnimmt und die Erde langsam aber berechenbar die stabilen Bedingungen verlassen wird, die höheres Leben ermöglichen. Ich denke sogar, die Bildung des nächsten Superkontinentes in ca. 200-250 Millionen Jahren wird das Klima so sehr ins Extreme verschieben, dass nicht nur viele Tiergruppen und -stämme untergehen werden, sondern es danach auch keine Rückkehr zu bewohnbaren Verhältnissen mehr geben wird. Die Erde wäre ab dann wieder in der Hand der Bakterien.
                              "En trollmand! Den har en trollmand!"

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