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Trilobiten

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  • Trilobiten

    Jeder hat wahrscheinlich schon mal von Trilobiten im Schulunterricht gehört, sie spielen eine große Rolle als Leitfossilien und deshalb ist in jedem besseren Bioschulbuch auch ein Trilobitenfossil abgebildet.
    Das ist dann meistens sowas:


    Ich muss zugeben, dass ich lange Zeit auch nicht viel mehr darüber wusste, und sie für ziemlich uninteressant hielt.

    Ich bin erst über David Attenboroughs phänomenale Dokumentation "Der Ursprung des Lebens" darauf aufmerksam geworden, wie interessant und abwechselungsreich diese Tiere waren.
    (Die Dokumentation ist übrigens auch sonst in jeder Hinsicht sehenswert: http://www.amazon.de/Der-Ursprung-Le.../dp/B00860VVGS )

    Es gab über 15000 Arten, die sich während der mehr als 250 Millionen Jahre, die diese Tiere auf der Erde vorkamen, entwickelten.
    Trilobiten sind Gliederfüßler und haben äußerst interessante Formen hervorgebracht, was sie zu beliebten Sammlerobjekten macht. An größeren Fossilien-Fundorten, z. B. in Marokko, gibt es meisterhafte Präparatoren, die mit großer Kunstfertigkeit die Trilobiten aus Felsbrocken herausfräsen und an Touristen und Sammler verkaufen. Natürlich gibt es inzwischen auch Fälschungen.
    Einzigartig sind Trilobiten auch, weil sie Calcit (Calciumcarbonat) in ihre Exoskelette und Panzer einbauten. Auch ihre vielgestaltigen Facettenaugen bestanden aus Calcit, weswegen sie bei den Fossilien auch erhalten sind. Das sind wohl die einzigen Augen aus anorganischem Material im Tierreich.

    Es gibt zahlreiche Seiten über Trilobiten im WWW, aber diese englische finde ich sehr schön übersichtlich, mit vielen Fotos:
    Trilobita Trilobites

    Auf dieser Seite findet sich auch ein Exemplar aus der Ordnung Lichida, das ich besonders bemerkenswert finde:



    Jedem, der Babylon 5 gesehen hat, sollte das bekannt vorkommen, oder?
    Da gibt's noch ein paar mehr: Dicranurus monstrosus Moroccan Trilobite
    Eine Google-Suche nach "Dicranurus Monstrosus" fördert noch weitere ans Licht.

    Auch andere SF-Universen scheinen sich hier Inspirationen geholt zu haben ...^^

    Faszinierend!
    Zuletzt geändert von Mondkalb; 19.09.2013, 10:04.
    "Die Wahrheit ist so schockierend, die kann man niemandem mehr zumuten." (Erwin Pelzig)

  • #2
    Wirklich große Bedeutung als Leitfossilien hatten Trilobiten allerdings nur im Kambrium und Orduvizium, als sie die größte Vielfalt erreichten. Von dem anschließenden Massenaussterben haben sie sich nie mehr wirklich erholt, wenngleich man sie auch dann noch immer wieder gut verwenden kann.

    Ich hatte das Glück einen der weltweit führenden Professoren für Trilobiten an der Uni hören zu können und war mit ihm auch auf Exkursion in Marokko, wo ich sogar eine neue Art entdeckt habe. Ich hab leider nicht mehr mitbekommen, wie er sie schließlich benannt hat, aber er hatte versprochen, sie nach mir zu benennen

    In sofern bin ich natürlich etwas vorbelastet, was meinen Lieblingstrilobiten angeht .

    Auf jeden Fall haben wir dort reichlich Trilobitenfossilien sammeln können und waren auch an der Fundstelle der ältesten bekannten Trilobiten überhaupt, die an sich relativ unspektakulär aussieht, weil die Fossilien nur in bestimmten Bereichen vorkommen und man sie dann auch noch erst dann findet, wenn man sie in der Schalldusche vom umgebenden Gestein befreit hat.
    Für meine Königin, die so reich wäre, wenn es sie nicht gäbe ;)
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    • #3
      Mist, ich hatte das zweite Bild nicht richtig verlinkt ^^.

      Man kann übrigens auch in Deutschland Trilobiten finden:
      Trilobiten - Wikipedia
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      • #4
        Ja, in Deutschland hab ich auch mal einen Trilobiten gefunden. Mein Beiname bei meinen Mitstudenten war "Trüffelschwein", weil ich generell immer was gefunden hab, was nur selten zu finden war und auch dann, wenn sonst keiner was gefunden hat


        Witzigerweise ist oben erwähnter Professor sogar mit einem Artikel in der Wikipedia vertreten
        http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Geyer
        Zuletzt geändert von Spocky; 19.09.2013, 11:49.
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        • #5
          Zitat von Spocky Beitrag anzeigen
          Ich hatte das Glück einen der weltweit führenden Professoren für Trilobiten an der Uni hören zu können und war mit ihm auch auf Exkursion in Marokko, wo ich sogar eine neue Art entdeckt habe. Ich hab leider nicht mehr mitbekommen, wie er sie schließlich benannt hat, aber er hatte versprochen, sie nach mir zu benennen
          Waren das Paralejurus?
          Davon wurden laut wiki einige Arten nach 2000 benannt.
          \\// Dup dor a´az Mubster
          TWR www.labrador-lord.de
          United Federation of Featherless
          SFF The 6th Year - to be continued

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          • #6
            Zitat von Thomas W. Riker Beitrag anzeigen
            Waren das Paralejurus?
            Davon wurden laut wiki einige Arten nach 2000 benannt.
            Nein, die sahen anders aus und waren älter. Ich hatte mich nämlich noch gewundert, dass er auf den ersten Blick sagen konnte, dass der noch unbekannt ist und er meinte, er kenne alle kambrischen Trilobiten, die beschrieben seien. Er wollte ihn dann auch deshalb für sich bzw. die Forschung haben, das sei wichtiger als die Sammlung eines Studenten...
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            • #7
              Zitat von Spocky Beitrag anzeigen
              Wirklich große Bedeutung als Leitfossilien hatten Trilobiten allerdings nur im Kambrium und Orduvizium, als sie die größte Vielfalt erreichten.
              na nur ist gut
              mehr als zwei Erdzeitalter ist doch recht anständig
              der Vielfalt der Arten nach scheint das ja die Vorherrschende Tierfamilie in dieser Zeit gewesen zu sein....wobei das ja auch immer ein bissl täuschen kann...Trillos haben sich auf Grund ihrer Struktur sicher häufiger als Fossilien erhalten als andere.

              Aber sehr faszinierend welche Vielfalt an Formen und Grössen hier ausgebildet wurde.
              Oft wurden Fossilien aus Marokko angeboten die so obskur aussahen das sie für mich nur alberne Fälschungen sein konnten....na ok...waren viele sicher auch ...aber die Formen gab es ja tatsächlich wie ich mir dann später erlesen habe...teilweise unglaublich...


              Gefunden habe ich noch keinen...wobei ich auch noch nicht gezielt nach Fundstätten geforscht habe. Der Mondkalb/wiki Hinweis auf den Frankenwald ist da aber Motivationshilfe
              http://www.titanic-magazin.de/news/e...der-witz-7003/

              https://www.campact.de/ttip/

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              • #8
                An der Struktur liegt es vielleicht weniger, dass Trilobiten vorhanden waren, vielmehr an der Tatsache, dass sie sich zum Wachsen Häuten mussten und die alte "Haut" für sich selbst auch fossil erhaltungsfähig, da Hartteil ist - vielleicht meinst du ja das mit Struktur. Es kann also viele Fossilien von ein und demselben Trilobiten geben, was aber niemals bei ein und demselben Wirbeltier der Fall sein wird.

                Das ist auch so ein bisschen das Problem, wenn man die Ökosysteme der dammaligen Zeit rekonstruieren will. Bei den meisten Gruppen ist es Gruppen ist es leichter. Bei Muscheln kann man, wenn man es sich einfach macht, die Gesamtzahl an einzelnen Schalen durch zwei teilen, wenn man es genauer haben will, dann schaut man, wie viele linke und rechte Seiten man hat. Bei Seepocken müsste man je nach Art durch 4 bis 8 teilen. Bei den meisten anderen Gruppen ist es wesentlich einfacher, weil ein Tier nur ein fossil abgeben kann, aber bei Gliederfüßer im allgemeinen und hier vor allem den Trilobiten im speziellen (die anderen Gruppen haben in der Paläontologie bei weitem nicht die Bedeutung, weil sie generell seltener sind und schon dadurch nicht so gut als Leitfossilien geeignet sind.
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                • #9
                  Mit der Zählung von Fossilien gerät man allerdings spätestens dann in Schwierigkeiten, wenn man Fundstellen vor sich hat, welche bestimmte Organismen anreichern. So findet man z.B. in alten Riffen naturgemäß hauptsächlich die Reste der sesshaften Organismen oder in Teergruben besonders viele Raubtiere, weil die von den anderen Kadavern angelockt wurden.
                  "En trollmand! Den har en trollmand!"

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                  • #10
                    So schlau sind natürlich auch die Paläontologen, dass sie das schon berücksichtigen und deshalb eine Ökosystemanalyse nicht auf solche Daten aufbauern
                    Für meine Königin, die so reich wäre, wenn es sie nicht gäbe ;)
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                    • #11
                      Zitat von Mondkalb Beitrag anzeigen
                      Es gab über 15000 Arten, die sich während der mehr als 250 Millionen Jahre, die diese Tiere auf der Erde vorkamen, entwickelten.
                      Mit so vielen Arten hätten sie gar nicht aussterben dürfen, schließlich sind sie auch nichts viel anderes als Insekten, von denen es nur so wimmelt.

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                      • #12
                        Während der ganzen Zeit ihres Bestehens gab es so viele, wahrscheinlich sogar noch wesentlich mehr. Durch verschieden Ereignisse, die zu Massenaussterben führten, wurde aber der Artenreichtum im Laufe der Zeit reduziert, um sich dann wieder zu verbreitern.
                        Kurz vor ihrem Ende war ihre Artenzahl wohl nur noch relativ gering. Sie starben am Ende des Perm mit einem Ereignis aus, bei dem 95% der wirbellosen Meerestiere ausstarben.

                        Möglicherweise wurde ihnen ja das Calcit in ihrem Panzer und den Augen zum Verhängnis. Wenn durch Vulkanismus oder einen Meteoriteneinschlag eine starke Übersäuerung des Meeres eingetreten wäre, hätte das verhängnisvolle Folgen für sie gehabt.
                        Zuletzt geändert von Mondkalb; 24.09.2013, 22:04.
                        "Die Wahrheit ist so schockierend, die kann man niemandem mehr zumuten." (Erwin Pelzig)

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                        • #13
                          Man muss auch zwischen einer großen Artenvielfalt (= viele verschiedene Arten, meist jeweils mit einer geringen Individuenzahl) und einer großen Individuenzahl (meist von wenigen speziellen Arten) unterscheiden.

                          Letzteres ist die Voraussetzung, daß die Tiere als Leitfossilien verwendet werden können (eine hohe Individuenzahl = hohe geografische Verbreitung von wenigen, gut unterscheidbaren Arten). Allerdings bedeutet genau das auch eine hohe Empfindlichkeit auf Veränderungen des Ökosystems.
                          .

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                          • #14
                            Zitat von irony Beitrag anzeigen
                            Mit so vielen Arten hätten sie gar nicht aussterben dürfen, schließlich sind sie auch nichts viel anderes als Insekten, von denen es nur so wimmelt.
                            Das Argument ist nicht schlüssig. Erst einmal existierten diese vielen Arten nicht alle gleichzeitig. Zweitens sieht man in der Fossilüberlieferung eine allmähliche und langsame Abnahme der Trilobitenarten seit dem Kambrium/Ordovizium, was ein Hinweis darauf ist, dass der Lebensstil der Trilobiten nicht mehr so konkurrenzfähig war. Es fiel ihnen schwer, neue Arten zu bilden, während von den bestehenden Arten immer wieder welche verschwanden. Die letzten paar Arten fielen dann dem großen Sterben am Perm/Trias-Übergang zum Opfer.

                            Auch die Zeit der Insekten wird irgendwann in ferner Zukunft zu einem Ende kommen.
                            "En trollmand! Den har en trollmand!"

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                            • #15
                              Die für das Paläozoikum charakteristischsten Tiere sind zweifellos die zu den Gliederfüßlern (Arthropoda) gehörigen Dreilappkrebse (Trilobiten). Heute wissen wir, dass zu Beginn des Paläozoikums 60% der bekannten Tierarten zu dieser Gruppe zählen. Die Trilobiten erreichten kosmopolitische Verbreitung und viele Gattungen sind in allen Teilen der Erde zu finden.

                              Die Lichter am Fluss tanzen um ein Feuer.
                              Stille, es ist Frieden geworden, in mir und mit euch allen. by Laeg
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