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    Im Jahr 2039 verliert der Astronaut Lee Miller an Bord der International Space Station den Kontakt zur Erde. Es beginnt eine lange Phase der Isolation. Miller verliert sich mehr und mehr und mehr im Wahn, bevor er nach über 6 Jahren einem Geheimnis auf die Spur kommt…

    Soweit die Kurzbeschreibung, ab hier folgt meine mit Spoilern vollgepumpte Wertung!

    Dieser Film zählt zu dem Miesesten, was ich in den letzten Jahren im Bereich der Science Fiction gesehen habe. Sogar die „Transformers“-Filme würde ich noch höher bewerten. Was eine Charakterstudie hätte werden können, verkommt zu einem esoterischen Trip mit Musikuntermalung. Als ich die DVD entdecke und darauf las, dass dieser Film solchen Kunstwerken wie „2001“ oder „Moon“ nacheifert, wagte ich einen Spontankauf, den ich nun bitter bereue. „Love“ mit „2001“ zu vergleichen ist in etwa so, als würde man ein Teelicht mit einem Stern auf eine Stufe stellen wollen.
    Es folgt nun eine kleine Auswahl der Absonderlichkeiten des Films:

    Null Ahnung von der Raumfahrt: die ISS ist also 2039 immer noch in Betrieb? Hm, okay, aber woher kommt bitte die Schwerkraft? Während Kubrick von der Liebe zu Realität geradezu besessen war, ist hiervon nichts zu spüren. Eine Dusche gibt es dort hingegen jetzt schon, nur halt keine Schwerkraft, vielleicht hat sich da ja einer vertan. Es ist übrigens auch verdammt unwahrscheinlich, dass künftige Raumfahrtagenturen Ein-Mann-Missionen zulassen, aber das nur so am Rande. Auffallend ist auch die Beschaffenheit des Raumanzuges, den man am Ende des Films zu sehen bekommt. Einen Sauerstofftank, den Miller früher noch hatte, lässt er später einfach stehen und an den Füßen sieht man Springerstiefel, welche garantiert vor der mörderischen Kälte des Alls schützen. Ich will aber nicht zu streng sein, denn für ein Budget von nur 500.000 $ bekommt man hier ganz gelungene Kulissen und Effekte präsentiert. Dummerweise gibt es mit „District 9“ oder „Monsters“ erheblich bessere Filmwerke in einer gleichen preislichen Liga.

    Extreme-Null-Diät: 6 Jahre im All, ohne Nachschub von der Erde. Nein, das könnte nicht einmal ein Hardcore-Asket schaffen, der einen Großteil dieser Zeit nur meditiert. Die ISS kann auch solche Vorräte nicht aufnehmen. Das hier ist ein extremer Logikbruch. Zumal ich mich frage, warum man gerade so einen langen Zeitraum wählte. Völlige Isolation macht sich bei vielen Menschen schon nach wenigen Tagen oder Wochen bemerkbar.

    Parallelen zum US-Bürgerkrieg: von 1861 – 1865 tobte der amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg). Das sollte bekannt sein, aber kann mir jemand erklären, wie ein 180 Jahre altes Tagebuch auf eine moderne Raumstation kommt? Ist das bei deren Konstruktion von einem geschichtsverliebten Techniker hinter der Wandverkleidung deponiert wurden, damit ein Stück der amerikanischen Vergangenheit der Unendlichkeit begegnet, oder wie?

    Das sind nur die gröbsten Dinge. Die Auflösung weiß ebenfalls nicht zu gefallen und klaut so offenkundig von „2001“ und sogar „Sunshine“, dass man regelrecht Lust auf diese (besseren) Filme bekommt. Miller erfährt nämlich, dass die Spezies Mensch schon längst ausgestorben ist. Eine außerirdische Rasse hat danach ein Archiv der Erinnerungen angelegt. Dies wiederum begann schon im Jahr 1864, als der Autor des Tagebuches ein fremdes Schiff fand (interessanterweise stürzte es genau in den 50.000 Jahre alten Barringer-Krater in Arizona – hier musste man wohl sparen).

    Die Mitglieder der Alternative-Rockband „Angels and Airwaves“ waren hier als Produzenten tätig. Deshalb fühlt sich der Film stellenweise wie ein Musikvideo an.

    Fazit: für einen Film zu schlecht und für ein Musikvideo zu lang – schade. Dabei macht der Hauptdarsteller (Gunner Wright) sogar eine gute Figur - zumindest in den Isolationspassagen. Abschließend würde ich „Love“ als sehr schwachen Film mit pseudophilosophischer Botschaft bewerten. Das Thema Einsamkeit hätte interessant werden können und mit den Kulissen wäre sogar ein richtig schöner Indie-Film möglich gewesen. Leider verliert man sich in Logiklöchern, in welchen man problemlos eine Raumstation parken könnte. Die nette Optik rettet dieses Machwerk dann auch nicht mehr.

    Wie fandet Ihr den Film „Love“?
    "All dies könnte bloß eine aufwändige Simulation sein,
    die in einem kleinen Gerät auf jemandes Tisch läuft."
    (Jean-Luc Picard über das Wesen der Wirklichkeit)

  • #2
    Was macht man, wenn man im Februar seinen Resturlaub nimmt, alleine keine Reise unternehmen möchte, die Freunde keine Zeit haben und es draußen schneit und ungemütlich ist ?
    Ich entschied mich gestern dazu die Videothek in der Nachbarschaft zu Plündern und mich vor dem Bildschirm einzuigeln.
    Vielleicht fühlte ich mich ja auch gleich mit dem Protagonisten ähnlich, denn der Film "Love" versprach mir eine Robinsonade a la Moon und episches a la Odyssee 2001.
    Soweit der Klappentext. Nichts von dem was er verspricht hält der Film.

    Ich muß mich leider in allen Punkten EA-Loyalist anschließen. Eigentlich wollte ich unbedingt selbst ein umfangreiches Statement dazu abgeben, aber er hat schon alles geschrieben was ich auch hätte schreiben wollen. Nur in einem Punkt bin ich etwas anderer Meinung: Der Film ist nicht nur streckenweise ein Musikvideo, er ist ein einziges pseudophilosophisches Musikvideo.
    Ich hatte das Wort pseudointellektuell im Kopf, aber EA-Loyalists Wortwahl ist noch treffender.

    Der Film hat mich regelrecht geärgert. Denn er hat weder irgendeine Erwartung, die ich hatte erfüllt, noch irgendetwas Neues hergegeben, mit dem ich auch nur ansatzweise hätte etwas anfangen können. Ich empfinde es als Dreistigkeit von den Machern den Film mit Moon oder 2001 zu vergleichen und kann jedem, der sich den Film deswegen zulegen möchte nur dringend davon abraten. Allenfalls Fans der Band Angels & Airwaves werden mit diesem Gipfel an Oberflächlichkeit etwas anfangen können. Mir ist es ein Rätsel wie dieses Machwerk auch noch Sci-Fi Preise einheimsen konnte (es wird auf dem cover mit solchen geworben).

    In den dürftigen Specials, bestehend aus deleted scenes und einem kurzen Interview mit der Band, erfährt man, daß die Band zukünftig ihren "Horizont" erweitern werde. Und Love sei der erste Schritt in diese Richtung. Den Ausflug ins SF-Genre sehe ich aber als gescheitert an und kann der Band nur empfehlen sich zukünftig mehr auf die Musik zu konzentrieren, die eine Horizonterweiterung eher nötig hätte. Ich kenne das sonstige Schaffen der Band nicht, aber der Soundtrack zu Love ist genauso flach und innovationsfrei wie der Film.
    Zuletzt geändert von Galactus; 07.02.2013, 01:44.
    "Ganz egal wo Ihr hingeht - da seid Ihr dann." (Buckaroo Banzai)

    Kommentar


    • #3
      Zitat von EA-Loyalist Beitrag anzeigen
      Wie fandet Ihr den Film „Love“?
      Eigentlich sehr gut. Man darf sich natürlich nicht vom Werbe-Klappertext verblenden lassen. Es will kein 2001 - A Space Odysssey sein. Die Narration ist eine vollkommen andere. Die Musik muss einem gefallen, aber da sie spacig klingt, passt es zum Science-Fiction-Genre.

      Kommentar

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