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Das Verhör des Inquisitors - der Sinn?

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  • Das Verhör des Inquisitors - der Sinn?

    Momentan schaue ich mir mal wieder die ganzen B5-Staffeln an.

    Gerade eben habe ich "Das Verhör des Inquisitors" (Staffel 2, Folge 21) angeschaut und mir ist dabei eine Frage aufgetreten.

    Was hat JMS eigentlich mit der Folge bezweckt? Ich denke, da steckt mehr dahinter, als nur die Fortführung der Storyline.

    Mir sind dabei zwei Ergebnisse aufgefallen:

    1. Wie im Film bereits erwähnt. Das nicht derjenige hervorragt, der sein Leben für Millionen oder viele lässt, sondern derjenige der es im Verborgenen für einen Einzelnen opfert.

    2. Meine persönliches Ergebnis. Man erinnert sich an Greueltaten (Jack the Ripper) viel eher, als an Sachen, die positiv für ein bestimmtes Volk bzw. die Menschheit gewirkt haben.

    Wie seht ihr die ganze Folge bzw. worin seht ihr den näheren Sinn in der Folge? (Ich meine unabhängig von der Storyline.)

    Gruß
    Vir Cotto

  • #2
    Für mich sind in dieser Folge richtige Zweifel an den Motiven der Vorlonen gekommen. Sah man sie zu Beginn der Serie noch eher in der Merlin-Rolle, wurde hier klar, dass sie Delenn und auch Sheridan eigentlich nur benutzen.

    MfG
    Whyme
    "Und wie alle Priester haben sie als erstes gelernt, Wahrheit mit "Ketzerei" zu übersetzen."
    -Frank Herbert - Der Herr des Wüstenplaneten

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    • #3
      In der Folge wurde zum ersten mal richtig klar, oder zumindest andeutungsweise, das die Vorlonen in die Geschicke anderer Rassen eingriff.

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      • #4
        Ich fand am herausragendsten wie schmal der Grat ist, auf dem sich jemand bewegt, der sich zu etwas berufen fühlt. Jack fühlt sich berufen, die Welt zu verbessern - und begeht furchtbare Taten. Delenn fühlt dasselbe - und erreicht wirklich Großes. Die Motive sind sich bis zu einem bestimmten Punkt unheimlich ähnlich, die Ergebnisse könnten unterschiedlicher kaum sein. Außerdem wird ein Kernthema der Serie intensiv betont: der Einzelne ist wichtig, jeder kann etwas erreichen, niemand darf sich einreden lassen, nur ein unwichtiges Rädchen im Getriebe zu sein.

        Ich liebe die Folge. Wayne Alexander, der Sebastian spielt, und Mira Furlan liefern großartige Leistungen ab. Außerdem mag ich solche Theaterfolgen generell.
        B5-Musikvideo gefällig?
        Oder auch BSG?

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        • #5
          Interessant finde ich auch, daß Sebastian zwar bereut, daß die Vorlonen ihn mitgenommen haben, er möchte endlich sterben.
          Aber das, was er auf der Erde getan hat, weil er von sich glaubte, ein Auserwählter zu sein, scheint er nicht im Geringsten zu bereuen.
          Seine Taten entsprangen letztendlich doch nur Eigennutz. Man erinnert sich selbst nach Jahrhunderten noch an ihn, er hat Ruhm erlangt.
          Genau dieser Wunsch ist bei Delenn nicht vorhanden. Auch wenn beide von sich glauben, auserwählt zu sein und einem größeren Ziel zu dienen, so kommt es Delenn doch darauf an, dieses Ziel zu erreichen und nicht, ein Held zu sein. Das sieht man auch in solchen Folgen wie der, in der die Markab alle sterben und Delenn ihnen in ihren letzten Stunden aufopferungsvoll Trost spendet.

          Man sieht auch, daß für Delenn "auserwählt" nicht bedeutet, daß nur sie alleine etwas erreichen kann, sondern daß sie es ist, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Wenn sie ausfällt, gibt es noch andere, die das gleiche Ziel erreichen können und dann eben zu dieser Zeit an diesen Ort gehen müssen.

          Interessant ist auch, daß Sheridan anscheinend von Anfang an Teil der Überprüfung war. Es scheint fast so, als hätte Sebastian nur auf ihn gewartet. Als ob er gewußt oder zumindest erwartet hätte, daß Sheridan Delenn zu Hilfe kommt. Klar, wenn sie wirklich beide "auserwählt" sind, mußte es so sein.
          Was hätte Sebastian wohl gemacht, wenn Sheridan nicht gekommen wäre? Hätte er ihn dann anderweitig geprüft, oder wäre er gleich als unwürdig abgestempelt worden?
          Und wenn Sheridan gar nicht erfahren hätte, was Sebastian mit Delenn macht? Was wäre, wenn Lennier ihn nicht verständigt hätte?
          Und was wäre dann mit Delenn geschehen? Sie hätte ja nicht die Möglichkeit gehabt, Sebastian zu zeigen, daß sie sich auch im Stillen für eine Person opfern würde, wenn gar keine andere Person dagewesen wäre.

          Machen meine Fragen überhaupt einen Sinn?
          The truth is usually just an excuse for a lack of imagination. (Garak - DS9)

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          • #6
            Kosh wird schon darauf geachtet haben, daß Sheridan verständigt wird. Wenn Lennier das nicht übernommen hätte, wär ihm schon was eingefallen *g*
            B5-Musikvideo gefällig?
            Oder auch BSG?

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            • #7
              Es ist schwierig zu sagen, was JMS (= Gott) mit dieser Folge eigentlich tiefergehend bezweckte. Ich wette, keiner von uns hat alle Geheimnisse dieser wirklich tollen Episode lösen können.

              Jeder einzelne ist wichtig. Die Allgemeinheit ist wichtig. Man opfert sich für die Allgemeinheit oder nur für eine einzige Person.

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              • #8
                Zitat von Mayan Beitrag anzeigen
                Ich fand am herausragendsten wie schmal der Grat ist, auf dem sich jemand bewegt, der sich zu etwas berufen fühlt. Jack fühlt sich berufen, die Welt zu verbessern - und begeht furchtbare Taten. Delenn fühlt dasselbe - und erreicht wirklich Großes. Die Motive sind sich bis zu einem bestimmten Punkt unheimlich ähnlich, die Ergebnisse könnten unterschiedlicher kaum sein. Außerdem wird ein Kernthema der Serie intensiv betont: der Einzelne ist wichtig, jeder kann etwas erreichen, niemand darf sich einreden lassen, nur ein unwichtiges Rädchen im Getriebe zu sein.

                Ich liebe die Folge. Wayne Alexander, der Sebastian spielt, und Mira Furlan liefern großartige Leistungen ab. Außerdem mag ich solche Theaterfolgen generell.
                Sebastian zeigt allerdings alle Anzeichen eines Fanatikers, während Delenn alles andere als eine Fanatikerin ist. Sie fühlt sich lediglich berufen.

                Der Unterschied: Der Fanatiker versucht, seine Vision mit allen Mitteln durchzusetzen, lässt sich durch absolut nichts davon abbringen und nimmt den Verlust seiner Menschlichkeit dabei bewusst in Kauf, da es um "etwas Höheres" geht.

                Delenn hingegen fühlt sich ebenfalls berufen aber ist nicht bereit, für diese Berufung andere zu opfern oder menschliche/minbarische Grundprinzipien aufzugeben. Sie will ebenfalls ihre Vision durchsetzen aber nicht um jeden Preis.

                Sie würde sich lieber selber opfern, bevor andere wegen ihr leiden, während Sebastian der Typ ist, der andere bedenkenlos opfert, um seinem "höheren Ziel" näher zu kommen.

                Mit Sicherheit ist Delenn auch eine Geläuterte durch ihre Erfahrungen im Menschen-Minbari-Krieg, wo sie sich ja zuerst wie eine Fanatikerin verhalten hat, um dann Reue zu zeigen - freilich ohne daraus die Konsequenzen zu ziehen. Sie zauderte vielmehr, bis es fast zu spät war, obwohl sie wusste, was auf dem Spiel stand.

                Diese Erfahrung hat sie sicherlich geprägt und ihr zukünftiges Verhalten beeinflusst. Die Delenn von Babylon 5 tritt selbstbewusster und energischer auf, wenn es darum geht, ihre Überzeugungen zu vertreten, als die Delenn, die im Krieg gegen die Menschen dem Grauen Rat angehörte.

                Ihr wird ja auch von anderen Minbari vorgeworfen, ihre Transformation und ihr Verhalten sei das Ergebnis von Schuldgefühlen auf Grund ihrer Rolle im Krieg gegen die Menschen.

                Worum es in der Folge "Comes the Inquisitor" geht, ist mir eigentlich ziemlich klar:

                Erstens soll gezeigt werden, dass die Vorlonen nicht nur die guten Vaterfiguren sind, als die sie sich gerne darstellen. Sie können auch grausam, berechenbar und skrupellos sein (meine persönliche Überzeugung ist ja nach wie vor, dass die Vorlonen im Kern bösartiger sind, als die Schatten).

                Zweitens muss man auch den Sendezeitpunkt der Folge beachten: Es ist die vorletzte Folge vor dem Finale der zweiten Staffel. Es soll damit Appetit auf die dritte Staffel gemacht werden, in der dann die Dinge geschehen, für die Delenn und Sheridan die richtigen Personen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit sind.

                Dieser ganze Verhör-Schnurks ist zwar schauspielerisch ein interessantes Kammerspiel aber im Grunde genommen für die Handlung unbedeutend.

                Auf einmal haben die Vorlonen Zweifel an Delenns charakterlicher Eignung? Schwachsinn. Erstens kennen die Vorlonen Delenn schon seit rund 15 Jahren - sie stand ständig mit ihnen in Kontakt. Zweitens hätte jederzeit ein simpler Gedankenscan ausgereicht - warum also dieses sadistische Verhör? Haben Vorlonen Spaß an Sado-Maso-Spielchen oder wie?

                Einen tiefer gehenden Sinn, als die zwei von mir genannten, kann ich darin nicht erkennen. Diese Folge muss man rein politisch im Sinne der Serienproduzenten sehen. Sie dient als Appetithappen für die dritte Season.

                Gruß,

                Frank

                P.S:: Obwohl... wenn man ganz tief in die Gleichniskiste greift, dann könnte man auch sagen, es hat was mit "Leiden und sich opfern für andere" im Sinne von Jesus Christus zu tun. Aber das ist mir dann doch ein wenig zu religiös angehaucht.
                "Wenn das deutsche Fernsehen ein Pferd wäre, hätte man es schon längst erschossen" (Oliver Kalkofe)
                "Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann ist es das Recht Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen"
                (George Orwell)

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                • #9
                  Für eine längere Antwort habe ich im Moment keine Zeit, aber eh ich's vergesse:

                  Zitat von Laserfrankie Beitrag anzeigen
                  Auf einmal haben die Vorlonen Zweifel an Delenns charakterlicher Eignung?
                  Haben sie nicht. Das Ende macht IMO ziemlich deutlich, daß es in erster Linie um Delenns und Sheridans Zweifel geht, nicht die der Vorlonen.
                  B5-Musikvideo gefällig?
                  Oder auch BSG?

                  Kommentar


                  • #10
                    Zitat von Mayan Beitrag anzeigen
                    Für eine längere Antwort habe ich im Moment keine Zeit, aber eh ich's vergesse:


                    Haben sie nicht. Das Ende macht IMO ziemlich deutlich, daß es in erster Linie um Delenns und Sheridans Zweifel geht, nicht die der Vorlonen.

                    Also sozusagen das alte Lied von der Stärkung durch Leiden? Ein Motivationsseminar a la Vorlonen? Hmmm...

                    Weiß nicht. Aber du hast schon recht. Am Ende gehen natürlich beide mit dem Glauben aus der ganzen Sache - die Frage ist, ob sich an der folgenden Handlung etwas geändert hätte ohne dieses "Verhör"...

                    Gruß,

                    Frank
                    "Wenn das deutsche Fernsehen ein Pferd wäre, hätte man es schon längst erschossen" (Oliver Kalkofe)
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                    • #11
                      Zitat von Laserfrankie
                      Weiß nicht. Aber du hast schon recht. Am Ende gehen natürlich beide mit dem Glauben aus der ganzen Sache - die Frage ist, ob sich an der folgenden Handlung etwas geändert hätte ohne dieses "Verhör"...
                      Das glaube ich nun auch wieder nicht

                      Zitat von Laserfrankie Beitrag anzeigen
                      Sebastian zeigt allerdings alle Anzeichen eines Fanatikers, während Delenn alles andere als eine Fanatikerin ist. Sie fühlt sich lediglich berufen.
                      Ja und damit ist Delenn quasi eine positive "Fanatikerin". Der Unterschied ist oft eben ziemlich klein.

                      Delenn hingegen fühlt sich ebenfalls berufen aber ist nicht bereit, für diese Berufung andere zu opfern oder menschliche/minbarische Grundprinzipien aufzugeben. Sie will ebenfalls ihre Vision durchsetzen aber nicht um jeden Preis.
                      Das würde ich so nicht sagen. Sie ist nicht unbedingt weniger "fanatisch" was ihre Mission angeht, aber ihre Mission ist eine grundlegend andere: Leben. Das impliziert natürlich zwangsläufig, daß sie dafür nicht bedenkenlos Leute opfert. Mir gefällt in dem Zusammenhang vor allem die Folge, in der sich eine White Star opfern muß, um den Schatten falsche Informationen zuzuspielen. Delenn führt die anfängliche Unterhaltung mit dem entsprechenden Captain, was vollkommen logisch ist, schließlich ist sie Entil'Zha. Der Befehl kommt dann aber von Sheridan. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das Absicht war.

                      Außerdem ist ein ganz entscheidender Unterschied natürlich, daß Delenn sich und ihre Handlungen hinterfragt. Sie hat durchaus Zweifel, was bei Sebastian, oder besser Jack *g*, nicht gegeben war.

                      Mit Sicherheit ist Delenn auch eine Geläuterte durch ihre Erfahrungen im Menschen-Minbari-Krieg, wo sie sich ja zuerst wie eine Fanatikerin verhalten hat, um dann Reue zu zeigen - freilich ohne daraus die Konsequenzen zu ziehen. Sie zauderte vielmehr, bis es fast zu spät war, obwohl sie wusste, was auf dem Spiel stand.
                      Als Zaudern habe ich das nicht empfunden, schließlich war sie auch diejenige, die diese fehlgeschlagene Vermittlungsmission angeleiert hat. Sie sah schlicht keinen Weg, um die Sache zu beenden.

                      Diese Erfahrung hat sie sicherlich geprägt und ihr zukünftiges Verhalten beeinflusst. Die Delenn von Babylon 5 tritt selbstbewusster und energischer auf, wenn es darum geht, ihre Überzeugungen zu vertreten, als die Delenn, die im Krieg gegen die Menschen dem Grauen Rat angehörte.
                      Das stimmt. Mal abgesehen von ihren Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Krieg ist sie da aber auch ein gutes Jahrzehnt älter und reifer.

                      Zweitens muss man auch den Sendezeitpunkt der Folge beachten: Es ist die vorletzte Folge vor dem Finale der zweiten Staffel. Es soll damit Appetit auf die dritte Staffel gemacht werden, in der dann die Dinge geschehen, für die Delenn und Sheridan die richtigen Personen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit sind.
                      Klar. Außerdem ist eine Folge zum Luftholen, die die Handlung nicht wirklich voranbringt, vor Staffelfinalen nicht unbedingt unüblich.

                      Ich werde sobald ich wieder rankomme nochmal die Einleitung zum entsprechenden Skript lesen. Mal sehen, ob da noch was zur Intention drin stand.
                      B5-Musikvideo gefällig?
                      Oder auch BSG?

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