Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Risiko Charakterdrama?

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Risiko Charakterdrama?

    Vorweg, ich bin begeistert von BSG, ich liebe Star Trek, ich kucke Stargate und habe geweint bei B5 und ...... also Schubladen zulassen

    Der imho innovativste und erfrischenste Aspekt von BSG ist sein wirklicher Mut zum Charakterdrama, angesichts der Tatsache, daß sich dieser Stoff im SF-Genre behaupten will. Einem Genre (TV-Serien meine ich jetzt), daß Charakterdramen meines Erachtens großartig zu transportieren vermag, aber diese Ausrichtung nun halt mal nicht gerade erfunden hat und es daher z.T. mit einem "widerspenstigen" Publikum zu tun hat. Also dafür schon mal Hut ab! Aber sollte der Anspruch der Charakterausrichtung ein gewollter sein, hat man sich die Messlatte verdammt hoch gelegt.

    Und Vorsicht! Die Fokussierung auf die Charakterdynamik kann auch zu einer regelrechten Marotte werden. Kompliziertheit ist in keinster Weise mit Tiefgang zu verwechseln. Die Tiefe einer Charakterzeichnung erkenne ich nicht vorrangig an Unberechbarkeiten und Brüchen oder sagen wir mal der Darstellung von "dunklen Seiten", sondern v.a. an der Gesamtstimmigkeit und ihrer Bindefähigkeit, will sagen den Reibepunkten, an denen mir eine Identifikation mit dem Charakter möglich wird. Das sind in der Regel eben gerade nicht die extrem positiven oder extrem negativen Darstellungen, sondern subtile, stillere, unterschwellige Aspekte.
    Nicht Tigh, der fiese Arsch, macht für mich die Tiefe der Charakterzeichnung, sondern viel eher z.B. seine sprach- und kritiklose Anhänglichkeit, die verzweifelte Ergebenheit einem Captain Adama gegenüber, den er als seinen einzigen wahren Freund erkennt. Der fiese Arsch hat jede Menge "großartiger" Szenen mit Dialogen, der andere dagegen ... Gesten, den Blick zur Flasche oder auf ein altes Foto ... die ausklingenden Sekunden vor dem Ausblenden, Close-up, Schnitt, nächste Einstellung, schnell vorbei und leicht zu übersehen und doch so eindringlich ...

    Leider muß ich im Gegenzug vor allem bei Starbuck und Baltar bereits Tendenzen zur Eindimensionalisierung entdecken. Beide geraten mir manchmal zu geschwätzig und als Typen zu gekünstelt. Baltar, der ewig labile, schwache und geile ..... und Starbuck .... trotzig, verkracht, traumatisiert ..... jeder auf seine Art ein kleiner Monothematiker ... reicht mir als plausibler Grundmotor eines Verhältnisses zur Welt nicht immer aus .... Wie gesagt, nur leichte Tendenzen, die mich auch nur gelegentlich stören, aber wehret den Anfängen ......
    Ein-Register-Typen sind auf Dauer so langweilig wie Godzilla das Monster mit immer dem gleichen Saurierquieken ...
    Booah, war jetzt fies .... ne, da mach ich mir bei BSG wirklich keine Sorgen, dazu ist jeder einzelne Charakter schon viel zu sehr in Interaktionen eingebunden, als das er als einzelner völlig unglaubwürdig werden könnte.

    Aber, Himmel, BSG hat imho bereits in der Mini schon so großartiges Startkapital hingelegt, z.B. in der Darstellung eines Captain Adama, und dann über die erste bis dato zweite Staffel stetig zugelegt, daß ich mir fast schon Sorgen mache, ob man so ein Level auf Dauer halten kann. Denn wenn die Charaktere nicht mehr funktionieren, habe ich nichts mehr! Da ist keine Philospie, keine erhebende Vision wie in Star Trek. Kein Märchen samt visueller Überwältigung wie in Star Wars. Kein ablenkendes Technobabble und keine Berieselungsshowdowns und verdammt noch mal .... vermutlich auch kein sch*** Happy End.

    Kann das gutgehen .... äh .... sagen wir mal .... sieben Seasons lang?
    Zuletzt geändert von Uschi; 20.02.2006, 17:41.

  • #2
    Sehr schön in Worte gefasst. Kann ich nur zustimmen.
    Auch in Bezug darauf, das (negative) Extreme in Figuren noch keine Cahraktertiefe alleine ausmachen.

    Dein letzter Punkt war auch immer meine Kritik an BSG. Die Selbstlimitierung, ausschliesslich den Fokus auf die Charaktere zu setzen.
    Wenn das nicht mehr funktioniert, man nicht mehr mit ihnen fiebert und leidet und sich freut, bleibt bei BSG nichts mehr übrig.
    Denn da ist eben all das von dir Angesprochene einfach nicht da. Und wird wohl auch nicht kommen. Finde ich immer noch bedauerlich.
    Zuletzt geändert von Atlantia; 17.02.2006, 23:57.

    Kommentar


    • #3
      Zitat von Uschi
      Nicht Tigh, der fiese Arsch, macht für mich die Tiefe der Charakterzeichnung, sondern viel eher z.B. seine sprach- und kritiklose Anhänglichkeit, die verzweifelte Ergebenheit einem Captain Adama gegenüber, den er als seinen einzigen wahren Freund erkennt.
      ...
      Aber, Himmel, BSG hat imho bereits in der Mini schon so großartiges Startkapital hingelegt, z.B. in der Darstellung eines Captain Adama, und dann über die erste bis dato zweite Staffel stetig zugelegt, daß ich mir fast schon Sorgen mache, ob man so ein Level auf Dauer halten kann.
      Du meinst Commander Adama oder? Lee 'Apollo' Adama ist nämlich Captain
      Komm in den Space Pub
      Caprica-City.de + Forum

      Kommentar


      • #4
        Zitat von Balian
        Du meinst Commander Adama oder? Lee 'Apollo' Adama ist nämlich Captain
        Richtig! Ersetzt Captain durch Commander. *gegendieStirnklatsch*

        Kommentar


        • #5
          Ich denke auch dass ähnlich LOST die Charaktere die größte Stärke von BSG:TNS sind. Dies mag erfrischend anders sein und gefällt mir auch ganz gut. Jedoch sollte man auch die Geschichte nicht außer Acht lassen. Eine Mischung aus Charakter- und Story-Elementen gehört her (Vergleich z.B. DS9 und B5). Im Moment passt die Kombi noch. Wenn die Story jedoch vernachlässigt werden sollte, seh ich kaum Chancen für ne wirklich langlebige Serie (sprich 5-7 Staffeln aufwärts).

          Kommentar


          • #6
            Once more with feeling...


            Ich glaube, der "Fehler" liegt weiter an der Oberfläche; allein schon in der Verpackung, in der BSG daherkommt.

            BSG mag im All stattfinden, aber Sci Fi ist da ja nicht wirklich. Viele der Kritikpunkt in den jetzt doch zahlreichen "Ich hasse BSG 75" Threads kommen genau aus diesem Dilemma heraus.
            Aus dem Versuch heraus die Serie in die Schemata des Visionären und Zukünftigen zu pressen. Und dann knallt´s.

            Ich finde den Begriff Charakterdrama sehr gut gewählt. Überspitzt ausgedrückt
            eine ernsthafte Soap mit gelegentlichem Sperrfeuer. BSG steht sicherlich
            Band of Brothers näher, als Star Trek oder anderen geliebten Vertretern des Genres.

            Sicherlich besteht darin das größte Risiko für die Serie (naja vll. neben der Gefahr zur "Katie Sackhoff"-Show zu werden :-).

            Andererseits scheut die Serie nicht neue Charakter nach vorne zu bringen, so daß der Fluß doch konstant ist.

            Ich mag da zu den wenigen Gläubigen gehören, aber BSG hat definitiv noch einen Hauptstrang im Ärmel.
            Die Serie wird nicht in einer finalen Schlacht enden, in der die Menschheit sich aus den Trümmern der Cylonen erhebt.
            Und ich denke, daß der Weg zur "anderen Lösung" noch sehr viele spannende Aspekte bietet.
            Diese Jungs da draußen sind meine Jungs.

            Kommentar


            • #7
              Zitat von HanSolo
              ..... Wenn die Story jedoch vernachlässigt werden sollte, seh ich kaum Chancen für ne wirklich langlebige Serie (sprich 5-7 Staffeln aufwärts).
              Ehrlich gesagt bézweilfe ich stark das die Serie jemals mehr als 7 Staffeln hergibt und das ist imho schon extrem. 5 Staffeln könnte da schon eher passen. Lieber eine "kurze" gute Serie als eine mit Lückenfüller-Folgen nur um eine gewisse Länge herauszukitzeln.
              "The Evil Overlord Handbook" Rule # 46
              If any of my advisors ever says to me "My lord, he is but one man, and what can one man possibly do?" I will reply "This.", and then shoot him.

              Kommentar


              • #8
                Zitat von Cmdr. Marshall
                BSG mag im All stattfinden, aber Sci Fi ist da ja nicht wirklich.
                Das Setting wird genutzt um eine Allegorie oder Parallele auf den "War on Terror" liefern.
                Das ist klar Science Fiction. Nur nicht wissenschaftliche SciFi, die versucht detailiert eine Welt, deren Bewohner und Technik zu beschreiben, rein aber gesellschaftliche (oft wird beides kombiniert, aber man findet die zwei auch getrennt vor)
                In den Folgen stecken jede Menge Kommentare über das Verhalten der heutigen Menschen, wie die Behandlung von Gefangenen, Demokratie vs Diktatur, Freiheit vs Sicherheit, ist es wert dass man seine Gesellschaft radikal umbaut nur um zu überleben oder zu gewinnen, etc...
                Oder auch mal andere Dinge wie Stammzellforschung

                Nur die Erzählstruktur rückt die Charaktere stark in den Vordergrund und nicht die Story, welche aber vorhanden ist

                Ich denke auch nicht, dass BSG unbedingt Material für 7 Staffeln hat. Aber mit 4 oder 5 guten Jahren bin ich auch schon zufrieden, wenn man dann die Geschichte zu Ende erzählt
                "Bright, shiny futures are overrated anyway" - Lee Adama, Scar
                "
                Throughout history the nexus between man and machine has spun some of the most dramatic, compelling and entertaining fiction." - The Hybrid, The Passage

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Serenity
                  Ich denke auch nicht, dass BSG unbedingt Material für 7 Staffeln hat. Aber mit 4 oder 5 guten Jahren bin ich auch schon zufrieden, wenn man dann die Geschichte zu Ende erzählt
                  Und hoffentlich wird dann nicht einfach ein Ende hingequetscht, weil die Serie abgesetzt wird. War leider bei ENT so der Fall, und war irgendwie unpassend.
                  But someday we'll catch a glimpse of eternity, as the world stands still for a moment.
                  And I guess we will be making history, when we all join hands, just to watch the sky.
                  For a moment...

                  Kommentar


                  • #10
                    "so say we all"

                    Ich denke nicht und hoffe es auch nicht, vielleicht hat ja Moore für diesen Fall einen Plan B (inzwischen sollten SciFi Serien Produzenten sowas in Peto haben, betrifft ja nicht nur ENT als SciFi Serie) um in einigen wenigen Folgen, dass ganze zu einem plausiblen und gutem Ende zu bringen.
                    "The Evil Overlord Handbook" Rule # 46
                    If any of my advisors ever says to me "My lord, he is but one man, and what can one man possibly do?" I will reply "This.", and then shoot him.

                    Kommentar


                    • #11
                      Ich denke man könnte ab einem bestimmte Punkt die Serie Charaktertechnisch komplett umkrempeln zB indem man einfach in der Timeline einen Zeitsprung vollführt dh ab einer Staffel spielt die Serie dann etwa 20 oder 30 jahre nach der ersten..... könnte klappen aber könnte auch furchtbar in die Hose gehen...
                      So say we all

                      Kommentar

                      Lädt...
                      X