Alltag - eine Kurzgeschichte - SciFi-Forum

Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Alltag - eine Kurzgeschichte

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Alltag - eine Kurzgeschichte

    Ich habe mich heute mal hingesetzt und mal wieder etwas zu Papier gebracht. Es ist eine Kurzgeschichte, die auf der Welt meiner letzten Geschichte ("Der dunkle Berg", auch hier gepostet, siehe Signatur) beruht. Ich hoffe mal, das sie zumindest ein klein wenig Spass macht.



    Alltag


    Seit Wochen schon lag die drückende Hitze wie eine Glocke über der Ebene. Gräser und Büsche waren schon lange verdörrt und die wenigen Tiere denen er begegnete waren Paradebeispiele für Dehydrierung. Mit der rechten Hand griff er in seine Satteltasche und entnahm ihr seinen mit Wasser gefüllten Trinkschlauch. Vorsichtig benetzte er sich mit der Flüssigkeit die Lippen, bevor er einen kleinen Schluck zu sich nahm.
    Hitzeflimmern ließ die Ebene wie ein Meer aus Sand erscheinen. Nachdem er den Durst gestillt hatte, verschloss er den Schlauch und dieser wanderte wieder in die Tasche zurück. Der Reiter sah sich um und gab seinem Pferd das Zeichen sich in Bewegung zu setzen.
    Norden, sie waren nach Norden gezogen. Wie gross mochte ihr Vorsprung sein, vier vielleicht fünf Stunden? Egal, früher oder später würde er sie doch einholen, es war unausweichlich. Dann würde er sie ihrer gerechten Strafe zuführen.
    Da sie wussten das er sie verfolgte, konnten sie eigentlich gleich aufgeben. Aber es verstieß wohl gegen die Regeln, wenn man allein schon bei der Erwähnung des Namens seines Verfolgers die weisse Fahne hisste. Ihm war es aber gleich. Er würde seinen Auftrag erledigen und dann weitermachen als wäre nichts geschehen.
    AUFGRUND DER RESTWÄRME UND DES GRADES DER VERWITTERUNG WÜRDE ICH SAGEN, DIE SPUREN KÖNNEN NICHT ÄLTER ALS VIER STUNDEN SEIN. VIER VON IHNEN SIND RICHTUNG NORDEN GERITTEN UND ZWEI SIND NACH OSTEN ABGEBOGEN. WAHRSCHEINLICH UM DIR EINEN HINTERHALT ZU STELLEN.
    Ich weiss. NA DANN IST JA GUT.
    Etwas weiter im Norden befand sich eine Schlucht umgeben von hohen Felswänden. Ein perfekter Ort für einen Hinterhalt.
    WAS GEDENKT DER HERR DENN ZU UNTERNEHMEN? Weiter nach Norden reiten. SEHR AUSGEKLÜGELTER PLAN, WIRKLICH BEEINDRUCKEND. Danke, habe ich auch lange für gebraucht. DU WIRST SCHON WISSEN, WAS DU TUST. SAG MIR BESCHEID WENN DU MICH BRAUCHST. Das werde ich, keine Sorge.
    Bedächtig und ruhig setzte das Pferd ein Huf vor das andere, was sich im Laufe der Evolution als sinnvoll erwiesen hatte und sie näherten sich der Schlucht. Die sie umgebenden Felswände ragten in der ebenen Landschaft heraus wie steinerne Turmspitzen. Prüfend griff er nach seinem Schwert und spürte die angenehme Wärme, die von ihm ausging. Alles war wie es sein sollte.
    Vor vier Tagen hatte er in Beldum, einer kleinen südlich von Tessheim gelegenen Stadt den Auftrag erhalten, eine Gruppe von Dieben und Meuchelmördern aufzuhalten, die seit mehreren Wochen die Gegend unsicher machte. Sie überfielen immer wieder wehrlose Reisende und plünderten Beldum und die umliegenden Ortschaften. Da sie sich von der näheren Umgebung Tessheims fernhielten und eventuell auch, weil sie sämtliche dorthin gesandten Boten gemeuchelt hatten, war von dort keine Hilfe zu erwarten.
    Aber die würde er auch nicht benötigen, dessen war er sich sicher. Wäre doch gelacht, wenn er mit einer vagabundierenden Bande von Möchtegern Babaren nicht allein fertig werden würde.
    Unterdessen hatte er den Eingang zur Schlucht erreicht und bedeutete seinem Reittier anzuhalten. Mit geschultem Blick sah er sich um und schüttelte den Kopf. Es roch geradezu nach einer Falle. Eigentlich hätte nur noch gefehlt, das die beiden auf der Lauer liegenden Mörder vor der Schlucht ein grosses Holzschild mit der Aufschrift Hinterhalt in den Boden gerammt hätten. Sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht ihre Spuren zu beseitigen. So viel Dummheit muss einfach bestraft werden, dachte er und stieg vom Pferd. Offensichtlich hatten sich die beiden oberhalb des Weges postiert, von wo aus sie sich seiner hinterrücks erledigen wollten.
    Seinem Pferd gab er zu verstehen, hier zu warten und begann in dem Bewusstsein, das dieses wie immer kein Wort verstanden hatte, die steil aufragende Felswand zu erklimmen. An dieser Stelle war sie noch nicht höher als vielleicht zehn, zwölf Meter und keine zwei Minuten später kniete er schon auf der steinernen Klippe. Hier oben waren die Spuren der beiden im Hinterhalt liegenden noch deutlicher als am Fusse der Wand. Er kniete nieder und besah sich die Spuren genauer. Es waren eindeutig menschliche Spuren. Doch irgendetwas stimmte nicht, nur was?
    Selbst wenn es sich bei den zweien um die grössten Volldeppen der Räuber und Mörderzunft handeln sollte, so müsste ihnen doch klar sein, das sogar ein Blinder im Dunkeln ihren Spuren hätte folgen können.Entweder hatten sie bei ihren Plünderungen und Raubzügen einige kräftige Schläge zuviel abgekommen oder aber... . Oder sie wollten das er die Spuren entdeckt. Es war zu einfach, viel zu einfach. Sofort verliess die Selbstsicherheit mit Sack und Pack sein Denken und machte der Beunruhigung Platz. Vorsichtig und bemüht keinen Laut zu dabei zu erzeugen, zog er sein Schwert aus der Scheide.
    Irgendetwas musste er übersehen haben. Mit der Waffe in der Hand ging er wieder in die Hocke und suchte die Umgebung nach Anzeichen für die Gegenwart der Gesuchten ab. Wenige Meter entfernt entdeckte er den Eingang zu einer Höhle und die Spuren führten in diese hinein.
    In dem Moment sprang sein Gefahreninstinkt vollends an. Warum sollten sie sich in einer Höhle auf die Lauer legen, von der aus sie keinen Einblick in die Schlucht hatten. Noch dazu verbauten sie sich dadurch selber ihren Rückweg. Er hatte ja schon einiges erlebt, aber so dumm konnte niemand sein, das grenzte ja schon fast an Idiotie.
    Vor dem etwa vier Meter hohen Eingang der Höhle angekommen, fiel ihm etwas auf. Der sandige Boden wirkte, als hätte jemand mit blattbewachsenen Zweigen versucht etwas zu verwischen. Allerdings wie um die Dummheit der beiden noch einmal zu unterstreichen alles, nur nicht die eigenen Spuren. Diese waren mehr als deutlich auszumachen.
    Mit zusammengekniffenen Augen spähte er in das Dunkel der Höhle, konnte aber nichts erkennen. Langsam ging er in sie hinein, das Schwert fest umklammert.
    Sofort stieg ihm ein unangenehm stechender Geruch in die Nase und ein leichter Brechreiz machte ihm zu schaffen. Schon nach wenigen Schritten konnte er die Hand vor Augen kaum mehr sehen. Wie wäre es, wenn du mal ein wenig Licht in die Angelegenheit bringst? DEIN WUNSCH IST MIR BEFEHL.
    Die Waffe in seiner Hand begann nun immer stärker in einem rötlichen Ton zu leuchten. Im nächsten Augenblick stieß er mit seinem Fuss gegen etwas am Boden liegendes und hielt inne. Den Atem anhaltend und gegen den durch diesen widerlichen Gestank ausgelösten Brechreiz ankämpfend kniete er sich nieder.
    Das gibt es doch gar nicht, wollen die mich verarschen, dachte er, als er erkannte, was da vor ihm auf dem Boden lag. Es waren zwei armlange Schwerter, mehrere Dolche und zwei lederne Rüstungen.
    In Gedanken rekapitulierte er seinen Auftrag noch einmal. Doch in keinem der ihm zugetragenen Berichte war von unterbelichteten in Höhlen auf ihre Opfer lauernden Flitzern die Rede und dies wäre durchaus eine Erwähnung wert gewesen.
    Langsam stand er auf und hielt das nun stark leuchtende Schwert weiter in die Dunkelheit hinein. Doch auch mit dessen Hilfe konnte er kaum die nächsten Meter vor sich erkennen. Was hätte er jetzt dafür gegeben, Tritis mit seinem kleinen Freund Hoogi an seiner Seite zu haben. Der kleine Murmler war auch im tiefsten Dunkel in der Lage sich zurechtzufinden. Doch nach ihrem Abenteuer im dunklen Berg waren die beiden wieder zu ihrer Baumhöhle am Fusse der Skeldar Berge zurückgekehrt.
    Also musste es eben so gehen.
    Versuche doch einmal herauszubekommen, woher dieser fürchterliche Gestank kommt, sprach er zu der KI in seinem Kopf.
    Dem rötlichen Lichtschein seines Schwertes folgend setzte er seinen Weg tiefer in die Höhle fort. Diese war deutlich grösser, als es von aussen den Anschein gehabt hatte. Nur kurz darauf gabelte sich der Weg auf. Ein Gang führte in einem leichten seitlichen Bogen nach Osten und der andere weiter in nördliche Richtung. Mit vorsichtigen Schritten trat er zunächst einige Meter in den nach Norden führenden Gang und blieb stehen. Hmm, ich weiss nicht, vielleicht sollten wir doch mal einen Blick in den anderen werfen, ging es ihm durch den Kopf und er drehte sich um.
    Als er in den Gang trat, traf ihn der beissende Geruch wie ein Faustschlag. Oh ja, hier sind wir richtig. Immer der Nase nach wie es so sagt. Mit einer Hand als Schutz vor dem hier beinahe unerträglichen Gestank vor Mund und Nase ging er etwa ein Dutzend Meter in den nur vom Schein seines Schwertes erhellten Gang. Die Wände bestanden aus einem dunkelbraunen brüchigen Stein und waren an den meisten Stellen dicht mit Moss überwuchert.
    Plötzlich liess ihn ein Geräusch hinter ihm aufhorchen und er hielt in der Bewegung inne. TORDAL. Nicht jetzt. ICH WOLLTE NUR... . Nicht jetzt habe ich gesagt und dimme das Licht.
    Ganz langsam und bedächtig drehte er sich herum und versuchte etwas im Halbdunkel des Ganges, durch den er eben gekommen war zu erkennen. Da, wieder dieses Geräusch. Dieses Mal erschien es ihm aber deutlich näher zu sein als noch vor wenigen Augenblicken. Es klang fast wie... . Mehr Licht, ich brauche mehr Licht. KOMMT SOFORT, ABER DU SOLLTEST WISSEN... . "Oh verdammt!"
    Keine fünf Meter von ihm entfernt konnte er die Umrisse eines gewaltigen Körpers erkennen, welcher beinahe den gesamten Gang ausfüllte. Ein bedrohliches Knurren drang von der Kreatur zu ihm herüber. Im nächsten Moment riss diese ein furchterregend grosses Maul mit ebensolchen Kiefern und Zähnen auf und brüllte ihm ihre Wut entgegen.
    Ein Schwall heißen unangenehm in der Nase stechenden Atems schlug ihm entgegen. IM ÜBRIGEN KONNTE ICH DEN GERUCH IDENTIFIZIEREN. ES HANDELT SICH DABEI UM EXKREMENTE. Was du nicht sagst entgegnete Tordal der schon vorher in eine ähnliche Richtung dachte und wich langsam vor dem Ungetüm zurück. DURCH DEN HOHEN AMMONIAKANTEIL KONNTE ICH DIESE EINEM HÖHLENDRACHEN ZUORDNEN. GUT NICHT WAHR? Ja sehr gut, aber etwas spät findest du nicht auch? ICH WOLLTE JA... . Können wir das vielleicht später ausidskutieren? Ich bin gerade beschäftigt, wie du vielleicht schon gemerkt hast.
    Der Drache hatte sich unterdessen in Bewegung gesetzt und raste mit unglaublicher Geschwindigkeit auf ihn zu. Tordal drehte sich um und begann zu laufen. WUSSTEST DU EIGENTLICH DAS AMMONIAK GIFTIG IST? DU SOLLTEST VERSUCHEN NICHT ZUVIEL DAVON EINZUATMEN. Mach dir da mal keine Sorgen. Ich bin nicht sein Zahnarzt und wollte ihm eigentlich nicht direkt in den Rachen sehen, weisst du. So schnell er konnte lief er tiefer in die Höhle hinein, doch der Drache kam immer näher. Er konnte sein wütendes Schnaufen direkt hinter sich hören und spürte seinen heissen Atem im Nacken.
    DAS SIEHT NICHT GUT AUS. Wenn das dein einziger Beitrag zur Diskussion ist, halt´die Klappe.
    Plötzlich stolperte der Kopfgeldjäger über etwas und fiel der Länge nach hin. Im selben Moment schoss ein mächtiger Flammenstrahl direkt über seinen Kopf und verfehlte ihn nur um Haaresbreite.
    Das Tier konnte seinen tonnenschweren Körper nicht schnell genug abbremsen und raste über ihn hinweg. Wobei seine massiven Beine nur wenige Zentimeter von ihm entfernt über den steinigen Untergrund donnerten.
    Schmerz durchzuckte seinen rechten Arm und er sah, das ein Teil seiner Rüstung an diesem Feuer gefangen hatte. Mit hektischen Armbewegungen wälzte er sich über den Boden und versuchte es zu löschen, was ihm schliesslich auch gelang. Kurz schloss er die Augen holte tief Luft und wollte sich erheben, als er die Ursache seines Stolperns entdeckte. Keinen halben Meter von ihm entfernt lag ein abgetrennter Schädel und gleich daneben ein weiterer.
    Diese elenden Idioten, schoss es ihm in den Kopf. Sie haben sich doch tatsächlich geopfert, um mich hier in die Falles zu locken. Das ist doch purer Wahnsinn. Es musste sich einfach um die beiden von ihm verfolgten handeln. Denn an den Schädeln waren keinerlei Verwitterungsspuren zu erkennen. Ebensowenig wie Spuren eines Kampfes zu sehen waren.
    Der Drache hatte unterdessen kehrtgemacht und rannte wieder auf ihn zu. Tordal spürte wie der Boden unter dem gewaltigen Körper des Ungetüms erzitterte.
    Hast du irgendeine Idee? DU KÖNNTEST WEGLAUFEN. Hast du vielleicht irgendeine nützliche Idee? Die KI in seinem Kopf schwieg. Was ist denn nun? ICH BERECHNE GERADE VERSCHIEDENE MÖGLICHKEITEN, EINEN AUGENBLICK NOCH.
    Mühsam erhob er sich und lief dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung vor dem Höhlendrachen davon. Dieser beschleunigte seinen massigen Körper und holte immer weiter auf. Unterdessen hatte Tordal wieder die Weggabelung erreicht und entschied sich Richtung Höhleneingang zu laufen. Vielleicht konnte er mit etwas Bewegungsfreiheit mehr gegen seinen Verfolger ausrichten.
    Während er lief, musste er an die beiden in der Höhle ums Leben gekommenen Meuchelmörder denken. Offensichtlich wussten sie, das sie gegen ihn keine Chance haben würden und hatten sich bereitwillig geopfert. Denn kein Mensch konnte im Alleingang einen Drachen besiegen, nicht einmal er. Mit raumgreifenden Schritten stürmte er weiter Richtung Höhleneingang.
    Was ist denn nun, hast du etwas für mich? OH, ICH HÄTTE DA SO EINIGE IDEEN. ABER SIE ALLE HABEN EINS GEMEINSAM, DU WIRST STERBEN. Du kannst einen wirklich aufbauen, weisst du das. Vor sich konnte er schon Tageslicht erkennen und Hoffnung keimte in ihm auf. Doch schon spürte er wieder den heissen Atem seines Verfolgers. Ein ohrenbetäubendes Grollen liess ihn erschaudern.
    Ein weiterer Feuerstoss, doch dieses Mal ungenauer verfehlte ihn um gut zwei Meter. Nur noch ein paar Meter, dann würde er den Eingang erreichen.
    Mit einem Satz sprang er aus der Höhle und rollte sich nach rechts ab. Der Drache schoss wie ein übergrosses Projektil an ihm vorbei und versuchte seinen Körper auf dem sandigen Untergrund vor der Höhle zu stehen zu bringen. Dabei riss er den sandigen Boden auf einer Länge von gut dreissig Metern regelrecht auf.
    Erst jetzt sah Tordal ihn in seiner vollen Grösse und stiess einen Fluch aus. Das verdammte Ding musste mindestens zwanzig Meter von Kopf bis zur Schwanzspitze messen. Verschiedene Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Zum einem fragte er sich, ob es eine etwas kleinere Ausgabe nicht auch getan hätte und zum anderen und das war wie er fand entscheidend, warum immer er?
    Ihm schien, als hätte das Schicksal eine ungemeine Freude daran, ihn von einer Gefahr in die nächste zu stürzen. Nach der Sache mit dem dunklen Berg wollte er es eigentlich etwas ruhiger angehen lassen. Doch nein, er musste ja unbedingt dem wahrscheinlich grössten und übellaunigsten Höhlendrachen des gesamten Kontinents über den Weg laufen. "Das ist mal wieder typisch", schrie er und reckte dabei wutentbrannt sein Schwert gen Himmel.
    Das brachte ihn zwar keinen Schritt weiter, aber es tat gut.
    "Das ist also Tordal, der berühmte Kopfgeldjäger," erklang eine Stimme direkt über ihm.
    Verwirrt sah er zum Himmel und entdeckte keine zehn Meter über dem Boden einen Ballon mit einer hölzernen Kanzel darunter. In dieser konnte er vier mit Bögen und Schwertern bewaffnete Gestalten erkennen, welche ihn von oben herab angrinsten.
    "Da ist er uns doch direkt in die Falle gelaufen, der angeblich so clevere und unbesiegbare Tordal," rief einer von ihnen, wahrscheinlich der Anführer zu ihm hinunter.
    Der Drachen bewegte sich mittlerweile wieder in seine Richtung, blieb aber dann stehen und beäugte das seltsame Fluggefährt. Wahrscheinlich konnte er damit nichts anfangen, denn er blieb unschlüssig stehen und pendelte dabei mit dem Kopf zwischen dem Kopfgeldjäger und dem Ballon hin und her.
    "Dieses Schauspiel konnten wir uns doch nicht entgehen lassen. Tordal der Kopfgeldjäger wird von einem Höhlendrachen seinem gerechten Urteil zugeführt. Was bietet sich bei den bekanntlich flugunfähigen Höhlendrachen da mehr an als ein Ballon?" Dabei deutete er voller Stolz auf das über dem Boden schwebende Vehikel. "Jetzt zeig mal was du kannst."
    OHA, ER KOMMT.
    In diesem Moment schien der Drache sich zu einem Entschluss durchgerungen zu haben, schnaufte einmal kurz und stürmte los. Das sehe ich und was jetzt? Die Ballonbesatzung quittierte das Losstürmen des Drachens mit einem Freudengeschrei, welches sich aber bald erst in Erstaunen und dann in Panik wandelte.
    HINLEGEN, JETZT! Auch Tordal ahnte, was jetzt kommen würde und warf sich auf den Boden.
    Noch im Laufen stiess die Bestie einen mächtigen Flammenstrahl in Richtung des Ballons aus. Offensichtlich war es doch nicht ganz so weit her mit der Intelligenz der Ballonbesatzung. Denn jede bekannte Drachenart war in der Lage Feuer zu speien und der wutschnaubende König der Übellaunigkeit unter ihnen bildete dabei keine Ausnahme, wie Tordal schon am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte.
    In dem Moment, in dem die Flammenzunge den Ballon traf, fing dieser auch schon Feuer. Das Gefährt kippte bedrohlich zur Seite und sackte um mehrere Meter ab.
    Panische Stimmen drangen aus der Kanzel zu ihm herunter und er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Hochmut kommt vor dem Fall, dachte er sich.
    Dem Kopfgeldjäger schenkte der Drache momentan nicht die geringste Beachtung und wartete seelenruhig auf den zum Boden trudelnden Ballon.
    Es sah beinahe so aus, als ob einige der Besatzungsmitglieder tatsächlich versuchten, die Flammen welche mittlerweile vom gesamten Ballon Besitz ergriffen hatten, auszupusten. Zwar hatte er keine Ahnung über welches Lungenvolumen die Jungs dort oben verfügten, aber er schätzte die Erfolgsaussichten dieses Unterfangens auf unter Null. ICH HABE DA EINE IDEE. Ach schön, das du doch noch da bist. Ich dachte schon, du hast dich abgesetzt. WIE WÄRE ES DENN, WENN DU EINFACH VERSCHWINDEST. Abhauen, seit wann fliehen wir vor der Gefahr? Bisher hatte ich immer das Gefühl, wir würden sie mit Kompass und Karte suchen und zur Sicherheit noch Freikarten an alle Drachen, Dämonen, Mörder, Magier und Verrückten des Kontinents verteilen. "Denn bei mir ist ja jeder Wahnsinnige eingeladen und ein gerngesehener Gast", rief er offensichtlich in einem Anfall beginnenden Wahnsinns mit Blick in den Himmel. DU KANNST IHN NICHT BESIEGEN UND DAS WEISST DU. WENN DU MÖCHTEST, KANN ICH ES DIR VORRECHNEN. Nein, nicht nötig. AUSSERDEM HAST DU DEINEN AUFTRAG ERFÜLLT, WIE IST DOCH EGAL. Da ist was dran. Hmm, aber erzähle es keinem weiter. SCHERZKEKS. Wie bitte? SCHON GUT. Gemächlichen Schrittes entfernte er sich daraufhin von Ort des Geschehens. Hinter sich hörte er noch das wütende Brüllen des Drachen und die verzweifelten Schreie der Mörderbande. Doch schon bald darauf kehrte Ruhe ein.
    "Ich könnte sagen, das ich sie alle auf einmal erwischt habe. Ha, alle mit einem Streich." Dabei fuchtelte er wie im Kampf mit seinem Schwert umher. "Oder klingt das vielleicht etwas übertrieben, was meinst du?" DIR WIRD SCHON ETWAS EINFALLEN, DA MACHE ICH MIR KEINE SORGEN.
    "Übrigens sollten wir mal ein wenig an unserer Kommunikation arbeiten. Da scheint mir durchaus noch etwas Spielraum für Verbesserungen zu sein." KLAR, JETZT IST WIEDER DIE KI AN ALLEM SCHULD. "Das habe ich nicht gesagt", rechtfertigte sich der Kopfgeldjäger. ABER GEDACHT,VERGISS NICHT DAS ICH IN DEINEM KOPF SITZE. "Es ist aber durchaus ein Unterschied etwas zu denken oder es auszusprechen". FÜR MICH NICHT. Ja, ja schon gut und jetzt sei ruhig.
    Zuletzt geändert von Tordal; 20.08.2006, 18:36.
    "Not born. SHIT into existence." - Noman the Golgothan
    "Man schicke dem Substantiv zwanzig Adjektive voraus, und niemand wird merken, daß man einen Haufen Kot beschreibt. Adjektive wirken wie eine Nebelbank."
    Norman Mailer

    #2
    also zu deiner geschichte : zuerst hab ich überhaupt nicht verstanden mit wem er da redet (kann aber auch an mir liegen ) .habs so etwa in der mitte deiner geschichte dann auch endlich gerafft .ja sonst fand ich sie eigentlich recht gelungen.musste an manchen stellen wirklich lachen.

    Kommentar


      #3
      @somebody-like-me

      Das liegt daran, das man eigentlich vorher meine Geschichte "Der dunkle Berg" (siehe Signatur) lesen müsste, um es richtig zu verstehen. Aber die ist um einiges länger. Auf der Welt dieser Geschichte beruht diese hier. Dort wird auch die Hauptfigur eingeführt.
      "Not born. SHIT into existence." - Noman the Golgothan
      "Man schicke dem Substantiv zwanzig Adjektive voraus, und niemand wird merken, daß man einen Haufen Kot beschreibt. Adjektive wirken wie eine Nebelbank."
      Norman Mailer

      Kommentar


        #4
        Klasse Geschichte. Ich mag Deinen Humor in den Gesprächen zwischen Tordal und seiner KI.

        Nur ein paar Patzer waren drin, Du solltest sie Dir also noch einmal durchlesen und die Fehler rausnehmen (z.B. in der Höhle als der Drache über Tordal hinwegrauscht ist ein "Körper" zu viel in dem Satz).

        Ich freue mich auf weitere Storys

        Liska

        PS: OKay, ich hab Dich gelobhudelt. Meine Kontonummer lautet: 45XXXXXXX
        It is the heart that gives - the fingers just let go. (Nigerianisches Sprichwort)

        Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (A. Einstein)

        Kommentar


          #5
          Da ich ja deine Geschichte "Der dunkle Berg" gelesen habe, war es für mich leicht Sinn und Handlung dieser Kurzgeschichte zu erfassen und auch zu verstehen. Auch diese Kurzgeschichte gefällt mir sehr gut.
          Als Gott die Welt erschuf, schickte er drei Lichter. Ein kleines für die Nacht, ein großes für den Tag, aber das schönste Licht legte er in Biancas Augen! - Als Sarah geboren wurde, war es ein regnerischer Tag, doch es regnete nicht wirklich, es war der Himmel, der weinte, weil er seinen schönsten Stern verloren hatte! - Als Emily geboren wurde, kamen alle Engel zusammen und streuten Mondstaub in ihr Haar und das Licht der Sterne in ihre wunderschönen Augen! Leonies Augen spiegeln das Blau des Meeres wieder und funkeln wie die Sterne am Nachthimmel!

          Kommentar


            #6
            OK, ich hab auch mal wieder den falschen Weg genommen und zu erst die kürzere gelesen, aber man kann sie auch ohne den "dunklen Berg" verstehen. Man fragt sich zwar schon, mit wem er redet, aber du hast es ja im weiteren Verlauf erwähnt.



            freu mich da shcon drauf die lange zu lesen
            "It's Zen, right?" - "Is it?" | ~Ich mag Gefühle nicht, sie passen nicht unters Mikroskop und in kein Reagenzglas~
            ...trau dich nur zu spinnen, es liegt in deiner Hand! (PUR-Abenteuerland) | Bitte um Vergebung, nicht um Erlaubnis!(Brom)

            Kommentar


              #7
              Oh, ich war ja schon länger nicht mehr hier. Offensichtlich scheint die Geschichte ja ganz gut anzukommen, freut mich wirklich.

              @preX

              Gerade die Gespräche mit seiner KI wirken, wenn man "Der dunkle Berg" nicht kennt, sicherlich erst einmal verwirrend. Das Problem ist nur, das in "Der dunkle Berg" dies auch erst kurz vor Schluss aufgelöst wird und jetzt natürlich der Effekt verloren geht, wenn man zuerst diese Geschichte hier liest.


              Ich kann übrigens nur empfehlen, vorher "Der dunkle Berg" zu lesen. Ansonsten kann es evtl. an einigen Stellen zu leichter geistiger Verwirrung führen. Wer also vorhat auch die dieser zugrundeliegende längere Geschichte zu lesen, sollte auch mit dieser anfangen. Dafür gibt es auch noch mehr gute Gründe.
              "Not born. SHIT into existence." - Noman the Golgothan
              "Man schicke dem Substantiv zwanzig Adjektive voraus, und niemand wird merken, daß man einen Haufen Kot beschreibt. Adjektive wirken wie eine Nebelbank."
              Norman Mailer

              Kommentar

              Lädt...
              X