Tunnel Sci-Fi Trilogie -I- Das Königreich der Tausend
Die Abenteuer von Prinz Henley zu Westerburg, Patchara Petch-a-boon und Svinenysh dem Ruba.
(XXIX) Schlacht um Exa-Nano
Leise, in Maschinensprache kommunizierend, schleicht eine Spähtruppe Exa-MIL Bots durch die karge Landschaft. Diese Quadriga befindet sich etwas außerhalb Machine City II in der Steppe auf dem Trabanten Exo des Pak Prime im Indi System.
Vorrangiges Ziel der Mission ist die Selbstständigkeit der Roboter zu verbessern um auf unvorhergesehenes Eigenverantwortlich zu reagieren. Technisch gesehen huscht also ein bewegliches Neuronales Netzwerk durch die Gegend.
Ihre Köpfe kreisen. Sie scannen das Umland. Jeden Springbeutler den sie entdecken, jeder Etto in der Luft ist ein Nutzdatum, bringt Gewinn in Ihre Matrix. Freilich sind sie weit entfernt davon zu sagen wie langweilig es eigentlich hier außen zugeht, im Gegenteil: Genau das haben sich die Techniker für diese Mission gewünscht.
Keiner weiß so richtig wie sie auf erheblich überraschendes reagieren würden beziehungsweise ob Ihr Neuronalspeicher dann eine kognitive Handlung parat hätte. Aber was soll schon großartig passieren? Ein Angreifender Etto? Ein Springbeutler der ‚Hallo‘ ruft?
Derweil bricht für unsere jungen Helden der erste Morgen in der Steppe an. Svinenysh der Ruba gähnt wie ein Weltmeister, biegt sich durch und springt quasi aus dem Schlaf in den Stand. Neugierig schleicht er rüber zum gekaperten Rocktar der Lundbardens. Er kreischt:
„Aufgelöffelt, losgesperrt, heraus mit den Wheelers klopfklopfklopf!“ Dabei umgarnt er das blanke Titanium wie ein Schmusetier. „Flitzen sausen, aber schnell!“ gibt er außerdem zum Besten.
Henley reibt sich die Augen. Irgendwie muss man ja geweckt werden. Gibt schlimmeres. Aber so früh? Gerade eben erhebt sich erst der Indi vom Horizont.
„Svino, es gibt süße Stückchen mit heißem Tee. In einer Minute“ meint er deshalb zu seinem Freund.
„Soooo? Hem schnalz gut. Flitzen warten, aber dann!“ Und Tatsächlich: Patchara serviert die Speisen um festzustellen das die Draufgänger diese wohl im Sattel verdauen wollen.
Henley öffnet die Luke und holt die strahlenden Stahlrenner raus. Svinenyshs Klappe steht offen. Er quiekt unübersetzbar auf Rubsch und schüttelt sich dabei vor Glück.
„Helme aufsetzen!“ meint der junge Prinz und gibt die High-Tech-Bedeckungen aus. Um optimale Sicht und Spaß zu gewährleisten benötigen diese eleganten Rennhelme kein Visir. Sie verfügen stattdessen über einen Chemischen Airbag inklusive Vernetzung zum Wheeler. Ab einem gewissen Einschlag bzw. bei Sturz mit entsprechender Geschwindigkeit wird er ausgelöst.
Die Flüssigkeit im Helm sprießt in einem gipsartigen Schaum aus. Kopfverletzungen werden somit fast ausgeschlossen. Man reißt sich nach dem Crash einfach den Helm mitsamt Gips vom Kopf.
„Nehmt auch eure Colts mit.“ Patchara macht große Augen, Henley fährt kleinlaut fort: „Ich weiß wie unwahrscheinlich es ist, aber wir sind immerhin in Feindesland! Also bitte, Tut mir den Gefallen.“
Svino ist als erster startklar. In einer Art Rockerpose sitzt er da, bereit den Startknopf zu drücken. Henley gibt das Signal, sie flitzen los.
Meine Fresse, was für eine Power ist das denn? Den Gashebel darf man allerhöchstens streicheln. Dann dieses Design. Man bildet einfach eine Einheit mit seinem Renner. Svinenysh der Ruba ist zu übermütig. Er dreht ruckartig auf.
„Waaaah“ Sein Körper hebt ab, er klammert sich nur noch mit seinen Händen am Lenker fest. Unmöglich für einen Menschen so durchzuhalten doch Svino hat erheblich mehr Kraft in den Händen seine Knochen sind quasi eingefroren. Mit Mühe schafft er es den Gashahn zuzudrehen. Er schüttelt sich und beklopft seinen Helm.
Henley und Patchara schließen zu Ihm auf: „Sei vorsichtig Svino!“ meint die junge Diplomatentochter. „Das ist kein Spiel.“
Ja, selbst der draufgängerische Ruba merkt dass bei diesen Raketen Vorsicht angesagt ist. Er nickt Ihr zu.
Henley gibt die Richtung vor. Da vorne, das sieht aus wie ein kleiner flacher See. Er nimmt sofort Kurs darauf.
Kurz darauf flutschen alle drei übers glatte Wasser. Der Wheeler erhöht Softwaregesteuert die Drehzahl, unmöglich unterzugehen. Was für ein Rennen!
Henleys Navi zeigt in einiger Entfernung den Desapir-Canyon an. Diese Sehenswürdigkeit will er natürlich sofort seinen Freunden zeigen. Was ein Fehler. Ein Canyon hat eben die Eigenschaft hunderte von Meter abzufallen. Freilich ist er unter normalen Umständen völlig ungefährlich. Aber hier, im Kriegsgebiet?
Vier metallische Köpfe rotieren. Was ist das? Es ist schnell, aber fehlt in Ihrer Memory. Sie sehen den Wheelers hinterher und rechnen. Sie Kalkulieren Ihre Befehle durch, danach setzen Sie sich in Bewegung.
Möglichst im Schatten, hinter den Büschen in Deckung springen Sie dem neuen Ziel hinterher. Freilich ist Henleys Truppe schneller, doch schon längst haben die Bots die neuen Energiesignaturen angenavt. Die Verfolgung ist im Gange.
Eine Tatsache die unseren Helden inklusive Bordcomputer der Wheelers unbekannt ist. Auch wenn die Software der Renner ausgeklügelt ist. Eine Verfolgung durch vier Kampfroboter der Exaklasse fehlt.
Gerade ist der Rand des Plateaus erreicht. Alle drei springen von Ihren Motorrädern. Der Anblick ist überwältigend. Hinter Ihnen die karge Steppe, vor Ihnen dieser gewaltige, Millionen Jahre alte Canyon mit einem kleinen Rinnsal in der Mitte, einige hundert Meter tiefer. So klein dieser Bach auch ist: Er hat Ihn gegraben, den Desapir Cannion auf dem Exo des Pak Prime im Indi System.
Auch die Quadriga der Kampfroboter ist nun vor Ort. Versteckt hinter einem Busch sondieren Sie die Lage. Noch komplizierter ist Sie geworden. Drei bewegliche Passagiere. Klein sind sie. Menschen? Angreifer mit Kampfmaschinen?
„Wir sind MIL, wir klären und schalten aus.“ Rattert es in Ihren künstlichen Hirnen. Die Vernetzung funktioniert. Zugriff!
Vier glänzende Eisengesellen sind nun vom Stapel gelassen. Abgelenkte Sonnenstrahlen, Aufruhr in der kargen Steppe und Staubwolken begleiten das Schwadron, kündigen Sie an.
Patchara sieht die anstürmende Kampftruppe als erste. Sie schreit wie am Spieß, in Todesangst. Henley greift seinen Colt. RRRRRRRRRRRRt. Die ersten Hundert Schuss sind Geschichte. Optimales Aufpilzen schön und gut. Bei Menschen sind die Waffen verehrend! Aber bei Bots?
Zack das nächste Magazin. Der erste der Angreifer strauchelt. Nach dreihundert Schuss ist er endlich erledigt. Nun ändern die Exa-MILs die Strategie, Sie ziehen Ihre Waffen. Maschinengewehre die an Ihrem Rücken befestigt sind.
Patchara Petch-a-boon verfeuert eine hunderter nach der anderen. Wie lange reicht der Vorrat noch? Da, sie wird am Kopf getroffen, der Airbag löst aus. Keine drei Sekunden später reist sie sich Ihren nun unbrauchbaren Schutz vom Kopf, steht verwundbar da in voller Pracht.
Svinenysh wie wild agierend, überall gleichzeitig, erkennt die Gefahr. Er gibt eine Salve auf den Angreifer ab, mit wenig Wirkung. Der Bot nimmt Maß und Trifft seine Freundin am Oberarm. Zum Glück nur ein Streifschuss. Sie fängt an zu bluten.
Der junge Ruba ist nun dermaßen außer Rand und Band das er zumindest eines erreicht: Die zwei Bots konzentrieren sich auf Ihn. Svinenysh feuert wie wild hunderte, tausende Schuss auf die Angreifer und es gelingt Ihm Tatsächlich einen weiteren Aggressor auszuschalten.
Einer weniger, zwei noch aktive, ein hoher Preis. Sie haben Ihn vor sich hergetrieben. Er steht jetzt fast am Abgrund. Der zweite Exa Mil nimmt Maß, Treffer, ein schrecklicher Aufschrei, dann fällt er. In die Tiefe. Irgendwann später dann der dumpfe Aufprall unten.
Seltsam, genau im Moment von Svino’s Tod steht auch die Schlacht für eine Sekunde still. Patchara sieht mit leeren Augen zur Absturzstelle. Henley bekämpft den vierten Bot.
Die Welt bricht zusammen, das unmögliche ist Passiert. Keine Patronen mehr, zwei Bots noch am Leben. Das absolute Ende? Jetzt schon?
Es kommt anders! In Menschensprache, auf Deutsch, wie auch immer man will rattert Henleys Gegner los: „Nein, es ist Unsinn, TOTAL FALSCH!“ und er nimmt Maß. Er metzelt Svino’s Mörder von hinten nieder. Dann sackt er zusammen.
Die Schlacht ist vorbei, die absolute Leere kehrt zurück, das unaussprechliche ist passiert. Henley’s Blick sucht Svinenysh, er findet Patchara. Nun weiß er es auch.
Patchara Petch-a-boon steht da, blutend, den Colt in der Hand. Sie weint. So wie es nur die Asiaten können. Es läuft einfach aus Ihren Augen, wie Wasser. Keine Regung im Gesicht, außer ab und zu einem Blinzeln.
Henley rennt auf Sie zu, hüpft über den zerstörten Roboter vor Ihr und nimmt Sie in den Arm. Auch er weint nun bitterlich.
Sekunden oder Minuten? Keiner weiß es genau, irgendwann jedoch sehen Sie sich um. Ihre Blicke schweifen über das Schlachtfeld. Alle ausgeschaltet, bis auf Ihren Retter.
Da hinten kauert er. Jeder der beiden hatte nahezu alle Munition bereits aufgebraucht. Hätte dieser Stahlhaufen da hinten in der Sonne, weitergemacht, währen Henley und Patchara nun ebenfalls tot.
Sie wischen sich die Tränen aus den Gesichtern und machen sich auf zu Ihrem Retter.
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