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  • max
    antwortet
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Da bei Kapitalgesellschaften das Trennungsprinzip greift, würde das auch nicht unbedingt für eine höhere Besteuerung der Kapitalgesellschaft, sondern für eine höhere Abgeltungssteuer oder alternative Verfahren sprechen, so dass die tatsächlichen Einkommensmehrungen bei den Reichen angegriffen wird und nicht die Gewinne per se, von denen auch Arbeitnehmer abhängig sind.
    Mir geht es nicht um die Frage, was die beste Steuer ist. Mir geht es darum, dass in dieser Gesellschaft es offensichtlich nicht funktioniert, über die Steuern die Klassenunterschiede wenigstens abzuschwächen. Im Gegenteil alle Regierungen der letzten Jahrzehnte haben mittels ihrer Steuerpolitik die Klassenunterschiede sogar noch verstärkt - dazu kommen noch andere Massnahmen der Umverteilung zu den Herrschenden, die ich oben ja schon erwähnt hatte.

    Natürlich könnte man sagen, dass es sinnvoller ist, nur die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen zu besteuern - und nicht die Gewinne selbst. Nur muss man sich schon fragen, warum das aktuelle Steuerrecht existiert und in den letzten Jahrzehnten in diese Richtung verändert wurde.

    Die Komplexität des deutschen Steuerrechts beruht ja primär darauf, es undurchsichtig zu machen, um die Wirkungen zu verschleiern - man denke daran, dass es heute keine gesetzliche Grundlage mehr gibt, die vorhandenen Vermögen zu erfassen. Es ist kein Wunder, dass nicht nur ein Armutsbericht gefordert wird (der von der Bundesregierung regelmässig nur verzögert herauskommt), sondern auch einer über den vorhandenen Reichtum.

    Dann wäre es schnell offensichtlich, dass das Märchen, dass kein Geld für notwendige Ausgaben vorhanden wäre, eben nur ein Märchen ist.
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Viel problematischer sehe ich die Abkehr von direkten Steuern wie der progressiven Einkommenssteuer zu regressiv wirkenden indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer.
    Das ist Teil der gleichen Politik. Die Senkung der Steuern auf Gewinne wurde genauso begründet: man müsse die Leistungsträger, Eliten etc. entlasten, dann würde schon alles gut werden und die Effekte würden dann nach unten durchsickern. Nur hatte dies, was voraussehbar war, nur den Effekt, dass die Reichen steuerlich entlastet wurden, d.h. die Umverteilung verstärkt wurde.
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    außerdem schlägt auf Gemeindeebene das prozyklisch Verhalten des Steueraufkommens sehr stark durch.
    Das würde auch passieren, wenn nur die Einkommen aus Gewinnen versteuert würden - und nicht die Gewinne selbst.

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  • newman
    antwortet
    Zitat von max
    Nein, aber hier sollte genauso bekannt sein, dass der Umfang der Besteuerung von Kapitalgesellschaften geringer ist, was primär grössere Konzerne von Reichen sind
    Damit nimmst du an, dass es beherrschende Mehrheitsaktionäre gibt und es sich nicht um eine Publikums-AG handelt.
    In der Realität gibt es allerdings beides.

    Da bei Kapitalgesellschaften das Trennungsprinzip greift, würde das auch nicht unbedingt für eine höhere Besteuerung der Kapitalgesellschaft, sondern für eine höhere Abgeltungssteuer oder alternative Verfahren sprechen, so dass die tatsächlichen Einkommensmehrungen bei den Reichen angegriffen wird und nicht die Gewinne per se, von denen auch Arbeitnehmer abhängig sind. Oder man kehrt bei Nicht-Publikums-Kapitalgesellschaften vom Trennungsprinzip ab und geht zu einer Teilhabersteuer über.


    Viel problematischer sehe ich die Abkehr von direkten Steuern wie der progressiven Einkommenssteuer zu regressiv wirkenden indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer.

    Auch problematisch ist die Gewerbesteuer. Seit jeher wird gefordert die Gemeindefinanzierung durch alternative Konzepte zu ersetzen, wie eine Beteiligung an anderen Steuern, ob nun Einkommens-, Körperschafts-, oder Mehrwertsteuer.
    Gemeinden haben das große Problem, dass sie durch die Gewerbesteuer einer sehr ungleichen Einkommensverteilung ausgesetzt sind, manche ertrinken im Geld, manche bekommen gar nichts, außerdem schlägt auf Gemeindeebene das prozyklisch Verhalten des Steueraufkommens sehr stark durch.

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  • max
    antwortet
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Gewinnsteuern sagen allerdings recht wenig darüber aus wie reich eine Person tatsächlich ist.
    Nein, aber hier sollte genauso bekannt sein, dass der Umfang der Besteuerung von Kapitalgesellschaften geringer ist, was primär grössere Konzerne von Reichen sind - und dass diese auch deutlich mehr Möglichkeiten haben, ihren zu versteuernden Gewinn klein zu rechnen.

    Die Zahlen zeigen auf jeden Fall eindeutig, dass es um Umverteilung der Steuerlast auf die Verbrauchssteuern gab, während die Bezieher von Einkommen aus Gewinnen und Vermögen stark entlastet wurden. Gleichzeitig gab es eine Umverteilung der Einkommen auf Kosten der Arbeiter ("Arbeitnehmer"), Rentner und Bezieher von Sozialleistungen zugunsten derer, die von Gewinn und Vermögen leben. D.h. letztere haben sowohl brutto deutlich profitiert, aber noch stärker netto.

    Die Löhne eines Teils der Arbeiter sind inzwischen so niedrig, dass diese ja von der Senkung der Lohnsteuern und Sozialleistungen nicht einmal mehr profitieren würden, da sie sowieso kaum welche mehr zahlen - der Grossteil der Steuern, den diese zahlen, sind Verbrauchssteuern, da sie ihr gesamtes Einkommen verkonsumieren müssen. Ein wesentliches Problem ist hier die Entwicklung der Bruttolöhne selbst, die durch die politisch gewollte, subventionierte und auch erzwungene Entwicklung des Niedriglohnsektors in diesem Bereich vielfach unter die Armutsgrenze gefallen sind. Natürlich haben von der Ausweitung dieses Sektors erneut die Reichen profitiert, die sich so massiv Lohnkosten sparen.

    Für den Staat fallen aber so natürlich massiv Einnahmen weg - im Gegenteil, solche Löhne sind oft Kombilöhne, d.h. diese Unternehmen werden mittels Hartz IV auch noch subventioniert, was natürlich zu höheren Sozialausgaben führt, also höherer staatlichen Ausgaben.

    Wir haben aktuell schlicht und einfach ein Steuersystem, was nicht in der Lage ist, die notwendige Infrastruktur zu finanzieren - weshalb diese Infrastruktur ja einerseits vielfach mangelhaft ist und andererseits die Verschuldung laufend zunimmt. Und dies vor dem Hintergrund, dass insgesamt die Gesellschaft nicht verschuldet ist, sondern immer reicher wird - aber davon profitiert nur eine kleine Minderheit. Man denke daran, dass im letzten Aufschwung (!) der Lebensstandard der klaren Mehrheit gesunken ist.

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  • newman
    antwortet
    Zitat von max
    Insgesamt der Anteil der Gewinnsteuern am Gesamtsteueraufkommen:
    1960: 34,7%; 1980: 24,9%; 2007: 22,3%

    (Quelle: WSI Mitteilungen 11+12/2008 beruhend auf Bundesministerium der Finanzen/Arbeitskreis Steuerschätzung)

    Es sollte klar sein, dass der Anteilt der Steuern, die die Reichen zahlen, am Gesamtsteueraufkommen klar gesunken ist!
    Gewinnsteuern sagen allerdings recht wenig darüber aus wie reich eine Person tatsächlich ist. Relevant wäre die Gewinnverwendung, wird der Gewinn ausgeschüttet, wenn ja wie viel bekommt der Einzelne davon, oder wird der Gewinn investiert, wie wird er investiert, am Finanzmarkt, ein größeres Büro für den Chef oder in neue Maschinen und Arbeitskräfte. Aus Gerechtigkeitsgesichtspunkten wäre denke ich die Besteuerung der Gewinnverwendung besser geeignet als die Besteuerung der Gewinnerzielung. Schließlich sind auch Arbeitnehmer, Lieferanten ... darauf angewiesen, dass ein Unternehmen profitabel läuft und ausreichend hohe Gewinne erzielt.

    Außerdem darf die komplexe Verflechtung des deutschen Steuersystems nicht unterschätzt werden. So existiert seit 2000 für ausgeschüttete Gewinne kein Anrechnungsverfahren mehr, so dass sie erst beim Unternehmen und noch ein zweites Mal beim Anteilseigner besteuert werden.
    Zuletzt geändert von newman; 27.06.2009, 10:26.

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  • max
    antwortet
    Ich bin gespannt, wie die Union, die ja angeblich so wirtschaftlich kompetent sein soll, hinbekommen will, dass sie keine neue Schulden macht (momentan macht eine Unions-geführte Bundesregierung Rekordschulden!!) und die Steuern senken will.

    Es sollte klar sein, dass dies entweder nur mit massiven Sozialabbau und weiteren Verfall der Infrastruktur möglich ist, mit stark ansteigenden Schulden oder damit, dass eben wieder die Steuern erhöht werden. Wahrscheinlich wird es alles geben. D.h. Sozialabbau und weiteres Einsparen bei der Infrastruktur, weiter steigende Schulden und weitere Steuererhöhungen im Bereich der Steuern, die die Mehrheit zahlt - und Steuersenkungen für die Reichen.

    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    Die Einkommenssteuer macht ein Drittel des Gesamtsteueraufkommens aus, das Wort "nur" ist also hier vollkommen fehl am Platze.
    Deine Aussage bezog sich aber auf das Gesamtsteueraufkommen, weshalb ein Verweis alleine auf die Einkommenssteuer deine Aussage nicht stützt!

    Nehmen wir mal die Entwicklung der Steuern und ihr Anteil am Gesamtsteueraufkommen.

    Lohnsteuer (einschliesslich Solidaritätszuschlag):
    1960: 11,8%; 1980: 30,6%; 2007: 26%

    Umsatz- und Verbrauchssteuern:
    1960: 21,7%; 1980: 25,6%; 2007: 35,9%

    "Massensteuern" (d.h. Lohnsteuer, Umsatz- und Verbrauchssteuern, Steuern auf Energie, d.h. Steuern die primär von Armen, "Arbeitnehmern" sowie Teile der Mittelschichten gezahlt werden):
    1960: 37,5%; 1980: 62,0%; 2007: 69,1%

    Und nun zum Anteil der Steuern auf Gewinne:

    Veranlagte Einkommenssteuer:
    1960: 13,5%; 1980: 10,1%; 2007: 4,9%

    Körperschaftssteuer:
    1960: 9,5%; 1980: 5,8%; 2007: 5,0%

    Gewerbesteuern:
    1980: 10,5%; 1980: 7,8%; 2007: 7,5%

    Insgesamt der Anteil der Gewinnsteuern am Gesamtsteueraufkommen:
    1960: 34,7%; 1980: 24,9%; 2007: 22,3%

    (Quelle: WSI Mitteilungen 11+12/2008 beruhend auf Bundesministerium der Finanzen/Arbeitskreis Steuerschätzung)

    Es sollte klar sein, dass der Anteilt der Steuern, die die Reichen zahlen, am Gesamtsteueraufkommen klar gesunken ist!
    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    Zitat von max
    Man braucht ja nur mal die Entwicklung der Mehrwertsteuer, des Spitzensteuersatzes, der Vermögens- und Unternehmenssteuern vergleichen.
    Und wenn Du das gemacht hättest, dann wär Dir eigentlich aufgefallen dass Deine Behauptung eigentlich meinen Standpunkt stützt:

    - Mehrwertsteuer (gibt's übrigens nicht, das heißt Umsatzsteuer, "Mehrwertsteuer" ist Umgangssprache): Hier liegen wir unter dem Durchschnitt (Umsatzsteuer ? Wikipedia) - Volker 1 : Max 0
    Meine Aussage bezog sich eindeutig auf die Entwicklung. Es ist somit vollkommen sinnlos, wenn du auf den Vergleich mit anderen Staaten verweist! Laut deiner eigenen Quelle stieg der Umsatzsteuersatz von 11% (1976) auf 19% (2007), d.h. meine Aussage wird klar bestätigt. Das ist kein Tor für dich, sondern eine klare Themaverfehlung, also ein Eigentor!
    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    - Unternehmenssteuern: Hier liegen wir innerhalb der EU im oberen Viertel(Unternehmensbesteuerung ? Wikipedia) - Volker 2 : Max 0
    Genauso eine Themaverfehlung, d.h. ein Eigentor, da es nicht um den internationalen Vergleich ging, sondern um die Entwicklung in der BRD selbst!
    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    - Spitzensteuersatz: Hier liegen wir auch im oberen Viertel (Einkommensteuer (Deutschland) ? Wikipedia) - Volker 3 : Max 0
    Ebenfalls eine Themaverfehlung. Der Spitzensteuersatz sank laut Wikipedia von 56% in den 1970ern eben auf 45%. D.h. erneut wird meine Aussage bestätigt.
    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    - Vermögenssteuer: Welche Entwicklung willst Du da gesehen haben? Die Vermögenssteuer gibt's seit über einem Jahrzehnt nicht mehr
    Und hier haben wir das offensichtlichste Eigentor: die Abschaffung einer Steuer senkt diese ja auf 0%. Eine deutlichere Entwicklung kann es wohl nicht geben!

    D.h. du hast vier Eigentore fabriziert und es sollte klar sein, dass es eine massive Umverteilung gab!

    Gleichzeitig gab es ja noch Sozialabbau (bei steigenden Sozialabgaben), Rentenkürzungen (bei steigenden Rentenabgaben plus der neu eingeführten Zusatzversicherungen), Lohnkürzungen (die Löhne sind insgesamt gesunken!), Kürzungen bei den Leistungen des Gesundheitssystem (erneut mit steigenden Kosten für die gesetzlich Versicherten verbunden), Massenentlassungen, Aufbau eines "Niedriglohnsektors" (subventioniert durch Hartz IV) und immer mehr staatliche Leistungen, für die immer höhere Abgaben verbunden sind - teilweise bedingt durch die Privatisierung.

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  • Eye-Q
    antwortet
    Kann man bei euch die Einkommenssteuererklärung auch on line machen, oder nur in physischer Form?

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  • newman
    antwortet
    Zitat von Makrovirus Beitrag anzeigen
    Das ist natürlich alles nicht ganz von der Hand zu weisen, weshalb ich auch nicht finde, dass man jetzt unbedingt eine Vermögenssteuer braucht.
    Grundsätzlich wäre IMO eine relativ einfache Steuerformel (z.B. irgendwie linear ansteigend ab X€ Einkommen) mit kaum bis garkeinen Abschreibungsmöglichkeiten usw. wünschenswert, da dann alles einfacher würde und es weniger Möglichkeiten gäbe sich zu drücken. Allerdings trifft das dann natürlich auch normale Leute negativ, denn Abschreibungen usw. sind definititv nicht nur was für Reiche.
    Abschreibungen sind vor allem was für Unternehmen und zwar was vollkommen normales. Was man kritisieren kann sind rein steuerliche Abschreibungen.

    Die Komplexität des deutschen Steuersystem ergibt sich denke ich auch nicht aus der Steuerformel, ein paar Zahlen in eine Formel eingeben ist nicht das große Problem, sondern dass in Deutschland alles aufeinander aufbaut. Da gibts z.B. kein eigenes Unternehmenssteuergesetz, sondern alles baut aufm Einkommensteuergesetz auf. Ein wenig kompliziert wirds auch dadurch, dass der Staat durch die Steuer nicht nur Geld einnehmen, sondern auch politische Ziele verfolgen möchte und dass der Staat immer wieder mit neuen, veränderten oder erweiterten Gesetzen im Krieg gegen klevere Steuerberater nachrüsten muss.

    So leicht ists auch nicht zu verhindern, dass wer sich drückt.
    Nehmen wir ein hypothetisches Beispiel einer Vermögenssteuer. Freibetrag auf Immobilien, kein Freibetrag auf alles andere. Wer also klever genug ist sich Immobilien zu kaufen zahlt weniger als wenn er alles in andere Anlagen hineinsteckt, kann sich "drücken".

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  • Astrofan80
    antwortet
    Tja, wird bald der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 auf 9,5% rauf gesetzt?

    Am Sonntag soll das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU beschlossen werden, inklusive Steuerentlastungen. Der Vorschlag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel, Bücher oder Bustickets von 7 auf 9,5 Prozent zu erhöhen, sorgte daher für scharfe Kritik der CDU-Spitze.
    Irgendwoher muss doch das Geld für die Abwrackprämie und für die Staatsbürgschaften doch her kommen.

    Union streitet über Mehrwertsteuersatz | tagesschau.de

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  • Makrovirus
    antwortet
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Mit anderen Worten, Symbolpolitik.
    Man tut niemandem wirklich weh und wiegt die Kleinen in Sicherheit, dass sie jetzt ja gerechter behandelt würden.
    Das ist natürlich alles nicht ganz von der Hand zu weisen, weshalb ich auch nicht finde, dass man jetzt unbedingt eine Vermögenssteuer braucht.
    Grundsätzlich wäre IMO eine relativ einfache Steuerformel (z.B. irgendwie linear ansteigend ab X€ Einkommen) mit kaum bis garkeinen Abschreibungsmöglichkeiten usw. wünschenswert, da dann alles einfacher würde und es weniger Möglichkeiten gäbe sich zu drücken. Allerdings trifft das dann natürlich auch normale Leute negativ, denn Abschreibungen usw. sind definititv nicht nur was für Reiche.

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  • Eye-Q
    antwortet
    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
    Ich muss zugeben dass das nicht von mir ist. Hab ich mal wo gelesen, hat irgendein schlauer Mensch eben ausgerechnet. Aber ist doch faszinierend oder? Unser sowieso viel zu kompliziertes Steuerrecht mal ordentlich entrümpeln und schon zahlt jeder von uns 25% Steuern.
    Faszinierend? Ich fände das unfassbar, wenn das kommen würde! Und neu sind solcherlei Unfug ja nicht. Auch unser ehemaliger Finanzminister wollte so eine "Flattax".
    Von mir ausgehend, von dem ohnehin niedrigen (Kollektivvertrags)Lohn würden nochmals knapp 5% abgezogen werden. Und ich bekomme ca ~1240€/Monat, brutto. Und was ich so hier gelesen habe (im dt. Vergleich), stehe ich noch relativ gut da. Mein "Vorteil" ist, dass ich (noch) Student bin, keine Position zum verhandeln, sich dann aber (hoffentlich) meine Situation ab Herbst/Winter ändern. Jedenfalls kommt man mit dem Nettoverdienst gerade mal so lala aus. Und wenn ich bedenke, dass jemand noch ne Familie oder sonstiges mit so einem Mickergehalt durchbringen muss... Sprünge sind da keinesfalls drinnen bzw reissen die einen extrem zurück.
    Wenn man sich vor Augen hält wieviele Menschen niedrige Gehälter beziehen und sich dadurch ihre Abgaben erhöhen, dafür aber jene die viel verdienen auf einen Schlag um 20 oder mehr % entlastet (sofern sie jemals überhaupt ihre "eigentliche" Besteuerung zahlen!), so käme das einer noch ungeheurlicheren Umverteilung von unten nach oben gleich.

    Was nun Steuerrecht allgemein betrifft (wie gesagt, kann nur von Österreich sprechen), die Möglichkeiten sich sein Gehalt klein zu rechnen sind ziemlich unbegrenzt, um sich dann Lohnsteuer (oder Einkommenssteuer, je nach dem wie man in AUT verdient) zu sparen (bzw um sich vor dieser zu drücken).
    Ich hatte einige Fälle bearbeitet, wo jemand einen Jahresverdienst von 200.000€ hatte und sage und schreibe legendäre 17% abgezogen wurden (3,5% weniger als bei mir!), bei einem theoretischen Spitzensteuersatz von ~50%. Sicherlich, ein "Sonderfall", aber ich hab im ersten Moment gedacht ich seh nicht richtig.

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  • Gast-Avatar
    Ein Gast antwortete
    Zitat von Makrovirus Beitrag anzeigen
    Sowas kann man ja glücklicherweise über Freibeträge lösen, weshalb eine Vermögenssteuer schon Sinn machen kann, auch wenn sie wegen der "winzigen" Summen in der Praxis wohl nur genutzt werden kann, um die Verteilung der Steuerlast etwas gerechter zu machen und nicht um großartig Geld (zusätzlich) einzunehmen.
    Der Ströbele hatte glaub ich mal einen Freibetrag von 200.000€ pro Erwachsenen und 50.000€ pro Kind vorgeschlagen. Eine Familie mit zwei Kindern hätte somit 500.000€ frei (bzw. nach dem Auszug der Kinder noch 400.000€). Da werden die meisten schwäbischen Häuslebauer vermutlich nicht allzuweit darüber liegen, weshalb man sich das 1% Steuer dann auch gerade noch leisten könnte (wenn man überahupt noch irgendwas zahlen müsste).
    Natürlich müsste man das Gesamtkonzept dann so anpassen, dass die Leute ihre Steuern in jedem Fall noch aus ihren Einnahmen bezahlen können und kein Vermögen aufgeben müssen.
    Also an Bürokraten fehlt es in diesem Thema schon mal nicht

    Wir wissen doch schon seit Jahrzehnten woran unser Steuerrecht krankt:
    - Kompliziert
    - intransparent
    - beratungsaufwendig
    - unzählige Sonderregelungen und Ausnahmen

    Und was lese ich dazu als Lösungsvorschlag? NOCH mehr Vorschriften, Gesetze, Sonderregelungen, usw.

    Prima

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  • Oliver Hansen
    antwortet
    Es gäbe alternativ auch die Möglichkeit, bei der Vermögensteuer einfach den Grenzwert etwas anzuheben. Kaum ein Häuslebauer dürfte ein Haus im Wert von mehr als 300.000 Euro haben. 500.000 Euro als Grenzwert für die Steuerpflicht wären wohl angemessen.

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  • newman
    antwortet
    Ach ja, was die Progression angeht, sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass ein proportionaler Tarif natürlich eine progressive Wirkung entfaltet. Weil man hier manchmal den Eindruck haben könnte, die Progression wäre in ihrer Wirkung irgendwann aufgehoben.

    Zitat von Makrovirus
    auch wenn sie wegen der "winzigen" Summen in der Praxis wohl nur genutzt werden kann, um die Verteilung der Steuerlast etwas gerechter zu machen und nicht um großartig Geld (zusätzlich) einzunehmen.
    Mit anderen Worten, Symbolpolitik.
    Man tut niemandem wirklich weh und wiegt die Kleinen in Sicherheit, dass sie jetzt ja gerechter behandelt würden.

    Und wehe die Herrn lassen sich scheiden und sind plötzlich alleine. Die Ehe ist schließlich kein Spaß, sondern ein Zweckbündnis.
    Sprechen wir dann eigentlich von einem Freibetrag pro Vermögensart oder pro Vermögen?
    Ich sehe da schon einige Probleme wenn man absolut alle Vermögensarten gleich behandeln möchte.

    Zitat von Makrovirus
    Natürlich müsste man das Gesamtkonzept dann so anpassen, dass die Leute ihre Steuern in jedem Fall noch aus ihren Einnahmen bezahlen können und kein Vermögen aufgeben müssen.
    Was dann ja irgendwie am Sinn und Zweck einer Vermögenssteuer vorbeigeht. Unbürokratischer und mit weit weniger Bewertungsschwierigkeiten versehen, wäre es dann doch wenn man einfach unmittelbar diese Einnahmen höher besteuert.

    Unser Steuersystem möchte Leistungsfähigkeit höher besteuern, wer leistungsfähiger ist höher und wer weniger leistungsfähig ist geringer. Das ist der Maßstab. Und in meinen Augen sind Einkommen und Konsum klare Maßstäbe für Leistungsfähigkeit, Vermögen an sich dagegen nicht automatisch. Geldvermögen ist ein Hinweis auf hohe Leistungsfähigkeit. Ein Haus erhöhrt dagegen keine Leistungsfähigkeit, erst wenn ich das Haus verkaufe wird diese wieder erhöht. Anstatt also mehrfach zu besteuern, die Einkommenserzielung, die Einkommensverwendung und das gekaufte Objekt, greif ich doch lieber auf der ersten Stufe, wo man auch noch schlechter ausweichen kann, etwas stärker zu.
    Zuletzt geändert von newman; 26.06.2009, 10:36.

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  • Makrovirus
    antwortet
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Man denke hier jedoch auch an den schwäbischen Häuslebauer, der sein Haus verkaufen muss, weil er nicht das Einkommen hat die Vermögenssteuer zu bezahlen. Da müssten unmögliche Ausnahmeregelungen her, die wiederum nur zur Verfassungswidrigkeit führen.
    Sowas kann man ja glücklicherweise über Freibeträge lösen, weshalb eine Vermögenssteuer schon Sinn machen kann, auch wenn sie wegen der "winzigen" Summen in der Praxis wohl nur genutzt werden kann, um die Verteilung der Steuerlast etwas gerechter zu machen und nicht um großartig Geld (zusätzlich) einzunehmen.
    Der Ströbele hatte glaub ich mal einen Freibetrag von 200.000€ pro Erwachsenen und 50.000€ pro Kind vorgeschlagen. Eine Familie mit zwei Kindern hätte somit 500.000€ frei (bzw. nach dem Auszug der Kinder noch 400.000€). Da werden die meisten schwäbischen Häuslebauer vermutlich nicht allzuweit darüber liegen, weshalb man sich das 1% Steuer dann auch gerade noch leisten könnte (wenn man überahupt noch irgendwas zahlen müsste).
    Natürlich müsste man das Gesamtkonzept dann so anpassen, dass die Leute ihre Steuern in jedem Fall noch aus ihren Einnahmen bezahlen können und kein Vermögen aufgeben müssen.
    Zuletzt geändert von Makrovirus; 26.06.2009, 10:08.

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  • newman
    antwortet
    Zitat von Kai "the spy" Beitrag anzeigen
    Also war nicht die Steuer an sich verfassungswidrig, sondern das ungleiche Verhältnis zwischen der Versteuerung von Vermögen und Immobilien. Der logische Schluss wäre doch eigentlich, die Besteuerung von Immobilien zu erhöhen, oder?!
    Man denke hier jedoch auch an den schwäbischen Häuslebauer, der sein Haus verkaufen muss, weil er nicht das Einkommen hat die Vermögenssteuer zu bezahlen. Da müssten unmögliche Ausnahmeregelungen her, die wiederum nur zur Verfassungswidrigkeit führen.

    42%. Das ist irgendwie erheblich weniger als die 53% von damals. Und wenn der hohe Spitzensteuersatz damals der Grund für die Abschaffung der Vermögensteuer war, und der Spitzensteuersatz heute immerhin 11% unter dem damaligen Satz liegt ... Was spricht nochmal gegen die Vermögensteuer?!
    Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes wird ja inzwischen wieder von vielen Parteien diskutiert. Mich würden nur mal Zahlen interessieren wie viel das letztendlich in die Kassen bringt. Irgendwer wird da doch bestimmt beauftragt sein das zu prognostizieren.
    Denn natürlich kann man die Progression nicht ins Unendliche fortführen. Irgendwann erreicht man einen Höhepunkt an Staatseinnahmen, bei noch höheren Sätzen sinken die Einnahmen dann wieder. Sinn macht es aus Staatsicht natürlich nur den Höhepunkt an Einnahmen zu finden und nicht alleine aus ideologischen Gründen abschöpfen zu wollen.

    Vermögenssteuer + Einkommenssteuer dürfen halt laut Verfassungsgericht zusammengenommen nicht mehr als 50% des Eigentums angreifen, abgeleitet aus das Eigentum ist garantiert und das Eigentum verpflichtet.

    Im übrigen ist der höchste Einkommenssteuersatz derzeit bei 45%; 47,475 % mit Solidaritätszuschlag.

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