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Bastard Ass(i) goes Overseas

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  • Bastard Ass(i) goes Overseas

    Wer kennt nicht Bastard Operator from Hell, diese seit Jahren durchs Netz Geisternde Story über einen wirklichen Operator from Hell?

    Nun, ich bin da auf was gestoßen, das genauso gut, aber wesentlich länger ist (Achtung, das wird wirklich lang!!)

    Der übersicht halber jedes Kapitel in einem extra Posting. Da es gut und gerne 30 gibt, spart euch bitte der lesbarkeit zuliebe zunächst die Kommentare, oder eröffnet einen extra Diskusionsthread dafür!

    Diskusionsthread

    Viel Spass beim lesen!

    ------------------------------------------------------------------------------------

    Heute ist mein erster Arbeitstag auf dem Campus.

    Um einen guten Eindruck zu hinterlassen (der erste Eindruck ist
    bekanntlich der Entscheidende!) und um mich in die neue Situation
    einzustimmen, fruehstuecke ich lauwarmes Pepsi und microwaved
    Pizza, nachdem ich die ganze Nacht im 'Dark Sun' andere Spieler
    abgeschlachtet habe.
    Dann ziehe ich loechrige Jeans und das abgef....... T-Shirt an,
    das ich finden kann, schmiere mir die Reste der Pizza auf die
    Brust und fahre zum Campus.

    Gleich auf dem ersten Gang kommt mir ein absolut fertiger Typ
    entgegen. Bleich, schmuddelig mit fettigem Haar, Ringen unter den
    Augen und eingefallener Huehnerbrust.
    So schauen also die hiesigen Hacker aus, denke ich und hebe
    laessig gruessend die Hand. Dann erst merke ich, dass ich den
    Spiegel an Ende des Flurs gegruesst habe.

    Nach einigem Hin und Her (der Sicherheitsoffizier am Eingang
    wollte mich 'rausschmeissen, weil er mich fuer einen 'Homeless'
    hielt), finde ich ins Buero von Ginger, dem 'Human Resources
    Manager' des Instituts. Ginger ist eine angenehme 25-jaehrige
    Ueberraschung mit kupferroten kurzen Haarschopf und hinterlistig
    gruenen Augen. Sie ueberhaeuft mich zunaechst mit einen
    Riesenstapel an Formularen und Informationsmaterial, die ich alle
    laessig in die leere Pizzaschachtel schaufele. Schliesslich rennt
    hier jeder morgens (so gegen zwoelf) mit einer Pizzaschachtel
    'rum und ich wollte nicht gleich am ersten Tag als Auslaender
    erkannt werden. Gerade als ich dezent vorschlagen will, ob Ginger
    mir nicht beim Ausfuellen des ganzen Papierkrams behilflich sein
    koennte - zum Beispiel heute abend in meinem neu angemieteten
    Penthouse - gerade in dem Moment haelt sie mir eine Broschure
    ueber 'Sexual Harrasment am Arbeitsplatz' unter die Nase.

    Dann fuehrt sie mich zu meinem Buero, beziehungsweise zu dem
    lichtlosen, quadratischen, grau ausgepinselten Wuerfel, was die
    hier so sinnig 'cubicle' nennen. Mein cubicle ist vollgestopft
    mit Rechnern bzw. Rechnerteilen, alten Manuals, vergammelten
    Zeitschriften und verstaubten Ethernet-Kabel-Trommeln. Auf dem
    Schreibtisch steht eine altersschwache Sparc2 und wimmert vor
    sich hin. Auf den ersten Blick sehe ich, dass essentielle Teile
    fuer ein erfolgreiches System-Management fehlen - z.B. ein TV mit
    VCR und ein Microwave. Ginger grinst spoettisch und laesst mich
    in den Chaos allein, das mein Vorgaenger - moege er im untersten
    Kreis schmoren! - mir hinterlassen hat.

    Als allererstes mache im einzigen Regal Platz fuer meine
    Pizza-Schachtel, indem ich die ganzen 'Internal Procedure
    Manuals' (das ist das unnoetige Zeug, wo genau drinsteht, wer
    wann und warum auf welchen Rechnern welche Rechte hat) in den
    Papierkorb werfe. Dabei faellt mir auf, das dieser angefuellt ist
    mit angeschimmelten Pizzastuecken. Die Putzfrau (falls es hier so
    was gibt) muss ich mir gleich morgen mal krallen ...

    Prof. Icewater, meine neue Chefin steht ploetzlich hinter mir in
    der offenen Tuere und begruesst mich so kuehl wie ein
    antarktisches Walross. Waehrend des einleitenden chitchat mache
    eine geistige Notiz, dass sie auf weissen Turnschuhen
    daherzuschleichen pflegt. Also ist Vorsicht geboten!

    "Well, das ist also Ihr neues Reich", meint sie in einem
    Anflug von kaelteklirrender Herzlichkeit, der ihr gar nicht
    steht, und blickt sich in meinem cubicle um. "Jetzt haben
    wir nur noch ein klitzekleines Problem: ihr... aeh... Vorgaenger
    hat vergessen, das Root-Passwort zu hinterlassen. Und seitdem ...
    aeh..."
    Ich laechele nachsichtig.
    "Wo liegt da das Problem?"
    Prof. Icewater schaut mich zweifelnd an und verabschiedet sich.

    Ich setze mich an die Sparc2 und gebe ihr mit Stop-A den
    Todesstoss. Als sie schnaufend wieder hochkommt, gehe ich in den
    Single-User-Mode und unterbreche an der richtigen Stelle ein
    SUID-Skript. Dann setze ich das Root-Passwort neu und scanne
    erstmal in aller Ruhe die Userverwaltung nach weiblichen Namen,
    um sie fuer die taegliche Usermail vorzumerken. Nachdem ich die
    heutige Usermail ueberflogen habe, loesche ich saemtliche
    System-Mailboxen, um die Mitarbeiter auf den neuen System-Manager
    aufmerksam zu machen. Anschliessend schicke ich eine mail an
    alle, in der alle Rechnerbenutzer hoeflich darauf aufmerksam
    gemacht werden, dass es in den naechsten Wochen wegen
    Umstrukturierung des Rechnersystems unter Umstaenden zu
    'Unregelmaessigkeiten im Rechnerbetrieb' kommen kann.

    Die Netzverbindung zum Internet funktioniert und ist erstaunlich
    schnell. Ich logge mich mal kurz zuhause in D ein und lasse
    saemtliche Suns, auf denen User eingeloggt sind, neu booten. Nur
    damit die Kollegen zuhause nicht meinen, sie waeren mich los!

    Dann studiere ich die Broschure ueber 'Sexual Harrasment' (zu
    deutsch in etwa. 'Sexuelle Belaestigung'). Eine ziemlich gute
    Anleitung fuer Triebtaeter und alle, die es werden wollen. Vor
    allem ist darin genau beschrieben, was man alles NICHT machen
    darf. Z.B. Liftfahren: niemals mit einer Kollegin oder einen
    Kollegen ALLEIN in Lift fahren, wenn man keine Klage an den Hals
    bekommen moechte. Oder die Tuere zumachen, wenn man ein Meeting
    zu zweit hat. Oder Kollegen im Auto mitnehmen. Oder Pinup-Girls
    im Buero aufhaengen. Oder... die Liste ist erstaunlich umfassend!
    Fuer Studenten ist noch ein extra Formularblock angeheftet, auf
    denen sich Maennchen und Weibchen (oder auch andere
    Kombinationen; man ist ja schliesslich in San Francisco!) vor dem
    Beginn einer Romance gegenseitig durch Unterschrift bescheinigen
    koennen, dass es in beider Sinne geschieht. Oh Hoelle!

    Nachdem ich die Broschure gruendlich studiert habe, gehe ich
    zurueck in Gingers Buero und frage unschuldig, ob sie mir ein
    paar der Begriffe erklaeren koenne. Zum Beispiel 'space bubble',
    'pinching', 'hazing', 'mooning', 'leering', usw.
    Ginger wird etwa dunkler im Gesicht, aber sie versucht
    tatsaechlich, es zu erklaeren (diese Amis sind einfach zu
    hilfsbereit!), und ich setze mein duemmstes Gesicht auf,
    Kategorie 'die blanke Leere' und verstehe gar nichts. Nach
    einigen vergeblichen verbalen Anlaeufen, schlage ich beilaeufig
    vor, sie solle es doch mit ein paar praktischen Demonstrationen
    versuchen. Ginger guckt mich mit ihren gruenen Augen pruefend an,
    dann grinst sie und schuettelt den Kopf: "Nice try!"

    Immerhin darf ich sie zum Abendessen einladen, zwecks Fortsetzung
    des Unterrichts ...
    O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
    ----------------------------------------
    Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

  • #2
    Das wichtigste in einem neuen Job ist herauszufinden, wer das
    Geld fuer Anschaffungen verwaltet (schreibt euch das folgende
    besser auf, Leute! Ihr werdet es irgendwann mal brauchen!). Nicht
    wer das Geld HAT, sondern wer es VERWALTET ist entscheidend. Und
    am einfachsten ist es, unbekuemmert etwas zu kaufen, dann kommen
    die verantwortlichen Leute von selber an und man muss nicht lange
    nach ihnen suchen.

    Also nehme ich die Yellow Pages und suche einen Laden, der
    Workstations liefert. Fuer laecherliche 7 Riesen bestelle ich
    nach kurzem Verhandeln eine Sun Ultra II mit 20 Zoll Farbdisplay
    und deutscher Tastatur, Spy-Camera und noch einigem
    Schnickschnack (zu englisch: knickknacks).

    Die Schachtel wird noch am selbem Tag geliefert, und ich entlasse
    die alte schnaufende Sparc2 offiziell aus ihren Diensten. Einen
    gluecklichen Nachmittag lang bin ich beschaeftigt, alle meine
    Tools und Games von D auf die neue Ultra zu portieren. Nebenbei
    drangsaliere ich ein paar uebereifrige PhD-Studenten, die im
    PC-Lab ihre Thesis zusammenhacken. So ein paar Abstuerze
    zwischendurch lockern doch gleich die verkrampfte
    Deadline-Atmosphaere.

    Ploetzlich steht ER in der Tuere. Ich sehe am monetaeren Glitzern
    in seinen kleinen Schweinsaeuglein, dass ER es sein muss: der
    Financial Director from Heaven (FDfH). In der zitternden Linken
    haelt er die Rechnung meiner neuen Ultra; mit der Rechten rueckt
    er nervoes an seiner Buchhalterbrille mit Stahlbuegeln.
    "Hi" sagt er neutral zur Begruessung und taxiert finster die
    glaenzende Sun Ultra auf meinem Schreibtisch. Dann taxiert er
    mich und versucht herauszufinden, ob ich gefaehrlich sein koennte
    oder ob er mich am besten gleich mit einem gewaltigen Tritt
    zerquetschen sollte wie eine vorwitzige Kakerlake, die ihre
    sichere Deckung unter der Spuelmaschine aufgegeben hat. Er
    entscheidet sich fuer die Kakerlaken-Methode, stellt sich auf die
    Zehenspitzen, holt tief Luft und sagt:
    "SIE!"
    (es ist ein bisschen schwierig, jeweils die richtige deutsche
    Anrede fuer die Uebersetzung auszuwaehlen. Das englische 'You'
    kann bekanntlich beides sein: Hoefliche Distanz oder engste
    Fraternisierung. In diesem Falle bin ich mir ziemlich sicher,
    dass der FDfH 'Sie' meint, wenn er 'YOU' sagt; er spricht quasi
    in Grossbuchstaben!)
    "SIE haben fuer $ 7.242,65 eine Sun Ultra II mit", er blaetterte
    frenetisch in der Rechnung,
    "mit einem 20 Zoll Farbdisplay und Spezial-Tastatur, etc. etc.
    bestellt?!"
    Ich bestaetige freundlich, dass dem so sei, und frage hoeflich,
    mit wem ich die Ehre habe.
    "Ich bin Harold McGain, der Financial Director dieses Instituts",
    sagt er gewichtig und schiebt den Spitzbauch vor.
    "Sie koennen unmoeglich einfach..."
    "Ah! Der User 'mcgain'", unterbreche ich ihn und raschele in
    meinen Papieren.
    "Freut mich wirklich, Sie kennenzulernen! Der einzige User am
    Institut, der regelmaessig
    'alt.sexual.stockings.and.leather_belts' und
    'alt.sexual.perverse.in.negliglee' konsultiert. Mal im
    Vertrauen: ein ziemlich ausgefallener Geschmack, finden Sie
    nicht?"
    Seine braunen Froschaugen drohen auf meinen Teppich zu fallen; er
    schnappt erst nach Luft, dann laesst er Dampf ab wie ein
    angestochenes Kaesesouffle.
    "Das.. das... wie... woher wissen Sie...", stottert er.
    "Well, Sie wissen doch", ich streichele zaertlich die Ultra,
    "es ist alles da drin... Wissen Sie was? Das ist doch alles gar
    kein Problem. Es braucht ja niemand zu erfahren, nicht wahr?
    Alles was Sie brauchen, ist doch nur eine vernuenftige
    Erklaerung, wie Sie die Ausgaben vor dem Financial Committee
    rechtfertigen koennen, was?"
    Er nickt schwach und laesst sich in den Besuchersessel fallen,
    den ich aus der Eingangs-Lobby geklaut habe.
    "Na, dann ist doch alles beste Bohne: ich liefere Ihnen schon die
    noetigen Begruendungen!"
    Der FDfH hebt muede den Arm und deutet auf die leise schnurrende
    Ultra.
    "Und was ist damit?" fragt er weinerlich.
    "Deutsche Tastatur!" sage ich trocken.
    "Was?"
    "Schreiben Sie als Begruendung: war die einzige erhaeltliche
    Workstation mit optionaler deutscher Tastatur."
    "Aber..."
    "Schreiben Sie einfach: der Mitarbeiter (also ich) droht mit
    Klage gegen die Leitung der Universitaet wegen Diskriminierung
    von deutschen Minderheiten, wenn er nicht eine deutsche Tastatur
    erhaelt. Und Sun war die einzige Firma in der Bay Area, die eine
    deutsche Tastatur auf Lager hatte."

    Tja, ich habe meine Hausaufgaben gelernt. Das Woertchen
    'Diskriminierung' bringt sie hier alle auf Trab. Nicht ist
    besser, als im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten einer
    Minderheit anzugehoeren. Zum Beispiel beim Busfahren: Alle
    Plaetze sind besetzt mit alten Muetterchen, stillenden Muettern
    und einbeinigen WWI-Veteranen. Aber wehe es taucht jemand aus
    einer Minderheit auf! Da hopsen die Omas wie die
    Schachtelteufelchen. Aber holla! Schliesslich will man ja nicht
    auf seine alten Tage noch wegen rassistischer Diskriminierung
    eines Deutschen verklagt werden...

    Irgendwie gefaellt es mir ganz gut hier...
    O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
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    Kommentar


    • #3
      Das Institut, mein neuer Arbeitsplatz also, wurde anlaesslich der
      Uebernahme durch Prof. Icewater umbenannt in 'Applied Research in
      Semi-Conducting Hyperwavelets'.
      Also aendere ich den Namen fuer unsere Sub-Domain um in:

      ARSCH.berkeley.edu

      Der alte Name war sowieso viel zu langweilig! Natuerlich gehen
      jetzt alle Reply-Mails an die Mitarbeiter erstmal ins Nirwana.
      Aber wer moechte ernsthaft behaupten, dass email eine 100%ige
      Kommunikationsform darstellt? Na, bitte!

      Waehrend die Mitarbeiter beim Lunch sind, inspiziere ich mit
      einem Zweitschluessel aus Gingers Schreibtisch die Labs, ob auch
      ueberall ordnungsgemaess die Mikrophone angeschlossen sind. Man
      moechte doch moeglichst on-line mitbekommen, was die Mitarbeiter
      fuer Sorgen haben!

      Bei einer der alten Sparcs ist der Bildschirm nicht gesperrt und
      ein gelber Zettel klebt an der Tastatur:
      'Please do not log out! I forgot my password!'

      Ich notiere mir den Usernamen, georgia, fuer spaeter und haenge
      einen zweiten, roten Zettel darunter:
      'Hey, security dump ass! Use the command passwd to set a new
      password immediately - or you can try to find an account in
      Nevada!!!
      Signed: System Ops'

      Dann - damit die Kollegen auch mal was zu lachen haben - gebe ich
      Georgias 'passwd'-Befehl einen neuen Alias:
      'rm -r $HOME'

      (LEGAL DISCLAIMER: DON'T TRY THIS ONE AT HOME!
      KEEP IN MIND: I'M AN EXPERT - YOU'RE PROBABLY NOT!)

      Auf meinem weiteren Rundgang schaue ich mir alle Bueros - vor
      allem die mit Blick aufs Golden Gate - genau an. Meine Wahl
      faellt auf ein besonders geraeumiges Eckzimmer, ziemlich genau
      gegenueber von Prof. Icewaters heiliger Residenz an anderen Ende
      des Gebaeudes. Der gegenwaertige Besitzer ist unser Financial
      Director, Harold McGain; zumindest steht das an der Tuere. Noch!

      Zurueck in meinem cubicle recherchiere ich kurz den guten McGain
      im Computersystem der Univerwaltung. Seinen Daten nach zu
      urteilen, scheint er zu der ganz braven Sorte zu gehoeren. Zu
      aergerlich aber auch! Ich moechte schon aufgeben, da finde ich in
      seinen 'medical records' eine kilometerlange Liste von Allergien,
      an denen der gute Direktor leidet! Unter anderen vertraegt er
      kein Katzenhaar!

      Am naechsten Tag lockt mich tumultartiges Treiben auf den Gang.
      Eine Traube von Mitarbeitern und Studenten guckt durch die offene

      Tuere in McGains Buero, aus dem periodische Geraeusche wie aus
      DooM, Level 56, zu hoeren sind:
      "Hhrrchh! Hhhhrrrrccchhh!"
      Ich draenge mich durch die Schaulustigen. Director McGain ist
      krebsrot bis dunkelviolett im Gesicht, reisst die vorquellenden
      Augen auf und absorbiert offensichtlich nur noch eingeschraenkt
      Sauerstoff. Ginger und Prof. Icewater stehen kopflos am Telefon
      und beratschlagen hektisch, ob und welchen Notdienst sie
      alarmieren sollen. (Nebenbei bemerkt, in USA eine schwierige
      Frage: die einen nehmen nur Cash, die anderen wenigstens
      Mastercard und die ganz vornehmen - aber auch die teuersten -
      nehmen alle ueblichen Zahlungsmittel, sogar Checks!)

      Ich betrete souveraen den Ort des dramatischen Geschehens, fuehle
      kurz den rasenden Puls und inspiziere die unteren Augenlider des
      keuchenden Direktors. Dann frage ich ihn:
      "Sind Sie etwa Allergiker?"
      "Hhhhrchhh! Hrchaa!"
      McGain nickt muehsam.
      "Alles klar", sage ich zu Prof. Icewater.
      "Sehen Sie die violetten Flecken in seinem Gesicht? Und die
      typischen lila Ohren? Ein akuter Anfall von
      Sonnenlicht-Allergie!"
      "Hhhhrrchrchhh??!"
      "Wir muessen ihn schleunigst aus diesem Raum fortschaffen! Ich
      schlage vor, wir tragen ihn vorlaeufig in mein Buero. Das hat
      kein Sonnenlicht."

      Zwei kraeftige Studenten packen mit an, und wir bugsieren den
      schlaffen McGain in mein cubicle. Den ganzen Weg lang erlaeutere
      ich der besorgten Prof. Icewater die Symptome dieser
      lebensgefaehrlichen Allergie:
      "... hat gerade in Sued-Kalifornien in letzter Zeit massenhaft
      zugenommen. Kann sogar zum Tode durch Ersticken fuehren, wenn
      man die Patienten nicht sofort vom Tageslicht isoliert..."
      "Hhhhrchhhhrrrchhh!!!"
      "... gerade noch rechtzeitig.... nur gut, dass ich da schon
      Erfahrung hatte... kann unmoeglich in diesem hellen Buero
      bleiben..."

      In meinem dunklen cubicle geht es den Director sofort sichtlich
      besser. Er bekommt zwar immer noch keinen Ton heraus, aber die
      lila Farbe wandelt sich in ein gesuenderes Pink. Prof. Icewater
      ist schwer beeindruckt. Sie fragt, wie ich die
      Sonnenlicht-Allergie so schnell erkannt haette, ob ich etwa
      auch...? Ich beeile mich, sie des Gegenteils zu versichern:
      "... nein, nein, keine Sorge... hab' nur mal erlebt, wie so ein
      armes Schwein auf einer Aussichtsplattform in Kabul an
      Sonnenlicht-Allergie eingegangen ist; einfach erstickt, Sie
      verstehen? Ganz lila ist er angelaufen und hat Blut aus allen
      Poren geschwitzt; die Zunge hing ganz blau geschwollen aus dem
      Mund, und dann ist er ratzfatz verendet. Und das Ganze nur, weil
      auf der bloeden Plattform kein Schatten war, und sie den armen
      Kerl nicht schnell genug zurueck in den Lift schaffen konnten,
      weil eben zu dem Zeitpunkt schon wieder mal der Strom
      ausgefallen war. Sie wissen ja, wie oft in diesen Laendern der
      Strom ausfaellt, nicht wahr?"
      "Hhhhhhrrrrrcccchhhhh!!!"
      Prof Icewater zuckt zusammen; dann schaut sie sich unauffaellig
      in meinem dunklen cubicle um. Ich hatte vorher extra alle Lampen
      bis auf eine kleine, 15-Watt-Schreibtischlampe ausgeschaltet.
      Fuenf, vier, drei, zwo, eins, ...
      "Wie waere es eigentlich, wenn Sie mit McGain tauschen wuerden?"
      fragt sie mich besorgt.
      "Hhrrcchh?!!"
      Ich tue so, als ob ich diesen ueberraschenden Vorschlag erst
      ueberdenken muesste. Dann nicke ich nachdenklich.
      "Jaaaaa, das ginge vielleicht. Man koennte dann den neuen
      Netzknoten Theta gleich in McGains Buero installieren, und ich
      haette bei der Installation leichter die Kontrolle darueber.
      Ja, doch. Ich denke das ginge schon..."

      Keine sechs Stunden spaeter - McGain ist noch nicht mal von
      seinem Hausarzt zurueck - sind die beiden Bueros schon umgezogen.
      Als erstes schraube ich den Zuluftschacht der Klimaanlage auf und
      hole den alten Lumpen heraus, den ich gestern stundenlang am Fell
      der Katze meiner Nachbarn gerieben habe.

      Schliesslich will ich nicht riskieren, auch noch
      Sonnenlicht-Allergie zu bekommen...
      O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
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      Kommentar


      • #4
        Ich hole mir einen Becher voll der ekligen Fluessigkeit, die hier
        gemeinhin als Kaffee bezeichnet wird, und mache es mir mit der
        Mittagsausgabe des San Francisco Chronicle in meinem neuen Buero
        gemuetlich. Schliesslich ist es noch viel zu frueh, um an
        ernsthafte Arbeit auch nur zu denken. Und bis zum Lunch lohnt es
        sich eh nicht mehr, irgendetwas groesseres zu beginnen.

        Waehrend ich mich systematisch von hinten (Funny Pages) ueber den
        Mittelteil (Datebook, local Sports) zur Titelseite
        (Catastrophies) durcharbeite, fuehre ich auf einem Schmierzettel
        die heutige Verluststrichliste. Alles in allem eine eher ruhige
        Nacht: insgesamt 8 Tote und 24 Verletzte bei 6 verschiedenen
        Shootings in San Fran, 4 und 9 in Oakland und ein 'aus Versehen'
        erschossener Schuljunge in Berkeley. Dann war da noch ein
        Geistesgestoerter, der mitten auf dem Freeway seine Magnum
        leergeballert hat (hat aber keinen getroffen!), eine Lady, die
        beim Joggen in den Berkeley Hills von einem tollwuetigen Mountain
        Lion angefallen wurde, und ein ungluecklicher Teilnehmer eines
        Firmen-Picknics im Tilden Park, der im Suff in einen Bach
        gestolpert und ersoffen ist.

        Gleichzeitig findet auf der Leserbriefseite eine hitzige Debatte
        statt, ob man den City-Cops von Berkeley die Verwendung von
        Pfeffergas-Sprays verbieten solle. Ausserdem plaediert der
        Vertreter der ARA (American Rifle Association) fuer eine
        Ruecknahme der Sonderbesteuerung fuer automatische
        Schnellfeuer-Waffen.

        Eine wirklich reizende Gegend! So lebhaft! Vor allem Nachts!

        Wo sonst ueberall um sechs Uhr die Gesteige hochgeklappt werden,
        ist hier wenigstens noch was los auf den Strassen!

        Ich blaettere weiter zu den Kleinanzeigen. Da bitte! Ein Gun-Club
        in Oakland bietet zur Zeit Sonderkonditionen fuer neue
        Mitglieder. Einfuehrung in alle Handfeuerwaffen, auf Wunsch auch
        Unterweisung in automatischen Schnellfeuerwaffen. Spezielle
        Sondertarife fuer Hochschulangehoerige. Vielleicht sollte ich
        auch ...? Wenn irgendeiner von den lausigen Usern, die ich
        gestern geloescht habe, durchdrehen sollte...? Schliesslich waren
        da so merkwuerdige Loecher in der Wand hinter meinen
        Schreibtisch... Und was ist eigentlich mit meinem Vorgaenger
        passiert...?

        Naaay! Meine Waffe ist immer noch das Wort und der Computer!
        Seufzend lege ich die Zeitung beiseite und beginne mit der harten
        Front des Tages, indem ich in Gingers Buero vorbeischaue und mir
        ausfuehrlich den neuesten Hochschulklatsch berichten lasse.

        Nach dem Lunch, am spaeten Nachmittag, gehe ich ins Treppenhaus
        und bohre eine Stecknadel durch das rote Koaxialkabel der
        Feuermeldeanlage. Brav beginnen die Sirenen zu heulen und die
        Mitarbeiter marschieren gaehnend aus ihren Bueros, um sich in den
        nicht angekuendigten 'fire drill' einzureihen.

        In einem Land, wo alle Gebaeude praktisch aus Pappe und Sperrholz
        bestehen, wagt es keiner, einen Feueralarm zu ignorieren. Nicht
        einmal die Systemverwalter. Waehrend alle Angestellten sich unten
        auf der Strasse versammeln und auf die Feuerwehr warten, klappere
        ich in aller Ruhe die Buero der System-Manager in den anderen
        Instituten ab. Fast ueberall sind ein paar Root-Windows offen
        geblieben, und ich pflanze ein paar huebsche trojanische Pferde
        in die Systeme ein.

        Dann, bevor noch die Feuerwehrmaenner mit der Suche nach dem
        vermeintlichen Brandherd beginnen, verschwinde ich durch den
        Lieferanteneingang.

        Morgen ist auch noch ein Tag. Ich kann schliesslich nicht
        staendig Ueberstunden schieben; irgendwann faellt das auf!
        O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
        ----------------------------------------
        Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

        Kommentar


        • #5
          Die Geschichte dieser Woche widme ich Larry Waters, dem
          diesjaehrigen Gewinner des 'Darwin Awards'. (Obwohl einigen von
          euch das folgende bekannt vorkommen wird, konnte ich nicht
          widerstehen. Man beachte bitte, dass ich jedwede Verantwortung am
          Wahrheitsgehalt der folgenden Geschichte ablehne!)

          Der 'Darwin Award' wird - wie jedermann und -frau weiss (da wars
          wieder!) - jedes Jahr an diejenige Persoenlichkeit verliehen, die
          dem humanoiden Gen-Pool den groessten Dienst erweist, indem sie
          sich auf die nur denkbar duemmste Art und Weise selbst
          liquidiert. Getreu nach Darwins Prinzip: 'Survival of the
          Fittest' (und nicht 'Survival of the Fattest', wie oft
          irrtuemlich zitiert wird!).

          Der Gewinner des Jahres 1995 war ein Cola-Konsument, der bei dem
          Versuch ums Leben kam, eine Dose Coca-Cola aus einem Automaten zu
          bekommen. Er kippte den Automaten nach vorne und wurde unter ihm
          begraben.

          Der Preistraeger von 1996 war ein Sergeant der amerikanischen
          Luftwaffe, dem sein Auto (180 Spitze) zu langsam war. Er
          befestigte ein 'jet engine unit' (JATO, was immer das ist) an
          seinem Auto, fuhr fuer eine kleine Testtour in die Wueste von
          Nevada und knallte mitsamt dem Wagen etwa hundert Meter hoch in
          eine Felswand.

          Ich glaube, ihr habt jetzt eine Vorstellung...

          Und nun der Gewinner von 1997:
          Larry Waters aus Los Angeles. (uebrigens einer der wenigen, die
          die Verleihung des 'Darwin Awards' noch selbst erlebt haben...)
          Seit er ein kleiner Junge war, traeumte Larry vom Fliegen. Nach
          der Highschool trat er in die Luftwaffe ein, in der Hoffnung,
          Pilot zu werden. Seine schlechten Augen machten seinen Traum
          zunichte und er musste sich fortan damit begnuegen, die Jets
          ueber seinen Garten duesen zu sehen.

          Eines Tages hatte er einen Geistesblitz. Er wollte selber
          fliegen. Er ging in einen Army-Shop und erwarb 45 Wetterballone
          und mehrere Flaschen Helium. Ein Wetterballon misst, wenn er voll
          aufgepumpt ist etwa 1 Meter 20 im Durchmesser.

          Zuhause befestigte Larry die Ballone an seinem Gartenstuhl und
          sicherte diesen wiederum an der Stossstange seines Jeeps. Dann
          fuellte er die Ballone mit Helium.

          Nope, sorry. Der Jeep flog nicht davon; dazu waren die
          Wetterballone doch nicht in der Lage. Aber der Gartenstuhl zerrte
          froehlich an der Stossstange, und als Larry probeweise
          hineinkletterte, sank er nicht zu Boden.

          Es wuerde also klappen. Aber wie wieder herunterkommen? Larry
          nahm seine Luftpistole mit, in der Absicht, einen oder zwei der
          Ballone abzuschiessen, wenn er genug geflogen waere, und dann
          sanft zur Erde zurueckzukehren. Dann versah er sich mit ein paar
          Sandwiches und einem Sixpack Bier, band sich selbst in den
          Gartenstuhl und kappte das Ankerseil. Er dachte, so in etwa
          10 Meter Hoehe ueber seinem Garten dahinzuschweben und die
          Aussicht und das Gefuehl des Fliegens auszukosten.

          Die Sache funktionierte - aber nicht ganz so, wie geplant.

          Als Larry das Ankerseil kappte, schoss der Gartenstuhl senkrecht
          in die Luft wie eine Kanonenkugel (Parallelen zu 'Baron von
          Muenchhausen' draengen sich an dieser Stelle einfach auf!). Er
          schwebte nicht sanft in 10 Meter Hoehe; er schwebte auch nicht in
          100 Meter Hoehe. Als er endlich zu steigen aufhoerte, befand sich
          Larry 3700 Meter hoch am kalifornisch-blauen Himmel. Natuerlich
          wusste Larry das nicht; er wusste nur, dass irgendetwas verdammt
          falsch gelaufen war, dass es verdammt weit bis hinunter war und
          dass es hier oben verdammt kalt war. In dieser Hoehe traute er
          sich nicht mehr, einen der Ballone abzuschiessen, in der
          verstaendlichen Befuerchtung, dass noch irgendetwas verdammt
          schiefgehen mochte. Also schwebte er langsam ueber den blauen
          Himmel, frierend und bibbernd - ueber 14 Stunden lang.

          Dann begann der Aerger erst richtig.

          Der Wind trieb Larry naemlich genau in den Hauptanflugkorridor
          des 'Los Angeles International Airport' (LAX).

          Der erste, der Larry bemerkte, war ein Pilot der Luftlinie
          'United'. Er funkte den Tower an und gab durch, dass er gerade an
          einem Kerl in einem Gartenstuhl vorbeigeflogen war, und - der
          Kerl hatte eine Pistole. Nachdem sich der Tower vergewissert
          hatte, dass der Pilot nicht uebergeschnappt war, und auf dem
          Radarschirm tatsaechlich ein kleines, nicht identifiziertes
          Objekt in der Anflugschneise zu sehen war, wurde roter Alarm
          ausgeloest. Ein Helikopter stieg auf, um sich das naeher
          anzusehen.

          Inzwischen ging es auf die Nacht zu und der uebliche abendliche

          Landwind blies Larry aufs offene Meer hinaus (LAX liegt genau an
          der Kueste des Pazifiks; abgesehen von ein paar kleineren
          vorgelagerten Inseln kommt da bis Hawaii nichts mehr!) - der
          Helikopter flog natuerlich hinterher.

          Einige Meilen weiter draussen holte er Larrys Gartenstuhl ein und
          umkreiste ihn vorsichtig. Immerhin hatte der 'United'-Pilot von
          einer Waffe gesprochen. Die Besatzung des Helikopters fand bald
          heraus, dass Larry keine boesen Absichten hatte, und beschloss,
          den armen Kerl an Bord zu holen. Aber immer wenn der Hubschrauber
          versuchte naeher heranzukommen, blies der Wind der Rotoren Larrys
          Ballone wieder weg. Schliesslich positionierte der Pilot sich
          direkt ueber den Wetterballonen und liess eine lange
          Rettungsleine herab. Larry schaffte es, die Leine zu schnappen
          und wurde an Bord gezogen. (Was mit dem Gartenstuhl und den
          Ballonen passiert ist, ist leider nicht bekannt. Wahrscheinlich
          kreisen die immer noch irgendwo in der Stratosphaere.)

          Sofort nach der Landung wurde Larry verhaftet. Als er in
          Handschellen abgefuehrt wurde, rief ihm ein Reporter hinterher,
          warum er das gemacht habe. Larry drehte sich um und sagte
          laessig:
          "Ein Mann kann nicht immer nur herumsitzen!"

          Applaus fuer Larry Waters aus Los Angeles.
          O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
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          Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

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          • #6
            "WHAT THE HELL IS THIS!!!"
            Mit lauten Knall klatscht Jerry ein Papier auf meinen
            Schreibtisch und funkelt mich angriffslustig an.

            So etwas kann ich schon gar nicht verknusen! Vor 11 Uhr morgens
            loesen Geraeusche mit mehr als 90 dB bei mir allergische
            Reaktionen aus. Andererseits scheint Jerry momentan nicht in der
            Verfassung zu sein, sich mit dem ueblichen
            "I'll come back to you!" abspeisen zu lassen.

            Jerry ist normalerweise absolut 'cool'. Er ist so 'super-cool',
            dass er eine Buechse Cola nur anschauen muss und sie bedeckt sich
            in Sekunden mit Rauhreif.

            Allerdings schaut er nicht sehr viel - ausser auf sein
            Computer-Display.

            Die schweren Augenlider unter der umgekehrt aufgesetzten
            Baseball-Kappe und den beringten Augenbrauen sind normalerweise
            auf Halbmast festgezurrt. Weitere Ringe in seiner Unter- und
            Oberlippe verhindern, dass er zu schnell spricht (was aber
            sowieso 'un-cool' waere), und wenn er Nahrung in fluessiger Form
            zu sich nimmt, rinnt unvermeidlich ein duenner Faden sein Kinn
            herab. Hoeren tut er auch nicht besonders gut, weil die vielen
            'ethnic piercings' in seinen ziemlich abstehenden Ohren staendig
            gegeneinanderklingeln. Aber Zuhoeren ist sowieso 'un-cool'! Seine
            Haare sind in verschiedenfarbigem Rautenmuster geschoren, und er
            traegt immer dieselbe kackbraune Latzhose, deren Schritt irgendwo
            bei seinen Kniekehlen baumelt. Deswegen kann er sich auch nur mit
            ganz kleinen Schritten fortbewegen, aber schneller zu laufen
            waere sowieso... genau: absolut 'un-cool'! Zur Latzhose gehoert
            ein geripptes Unterhemd, wie sie mein Grossvater immer getragen
            hat, das selbstverstaendlich die 'cool-sten' Loecher an den
            richtigen Stellen hat, die von einem absolut 'hyper-coolen'
            'ripped-underwear-designer' mit groesster Sorgfalt ausgesucht
            wurden. Durch manche der Loecher kann man seine Tatoos sehen, die
            natuerlich alle 'super-cool' sind (Stacheldraht um die
            Huehnerbrust, der sich auf dem Weg nach unten in ein 'power cord'
            verwandelt; dreimal duerft ihr raten, wo sich der zugehoerige
            Stecker befindet!). Jerrys Sonnenbrille ist so 'cool', dass sie
            jedem Vollblinden perfekt anstehen wuerde. Aber das macht ihm
            nichts aus, denn Herumlaufen waere ja, wie bereits gesagt,
            absolut 'un-cool', und zum Herumhaengen oder
            Am-Strassenrand-Sitzen reicht die Blindenbrille allemal.

            Jerry ist so 'cool', dass er eigentlich schon nicht mehr 'cool'
            ist: er ist 'nifty'! Nebenbei ist er einer unser besten Hacker
            und ein Faulpelz...

            Im Moment scheint er allerdings nicht so ganz auf seiner
            ueblichen 'coolen' Hoehe zu sein. Also nehme ich seufzend und
            aufreizend langsam den Fetzen Papier zur Hand, suche umstaendlich
            meine Lesebrille von Woolworth mit 0.0 Dioptrin und gucke
            angestrengt auf das Papier.
            "Schaut aus wie deine Lohnabrechnung", sage ich fuenf Minuten
            spaeter, waehrend derer Jerry sich muehsam beherrschend an meiner
            Tischplatte festgekrallt hat. Er reisst mir den Ausdruck aus der
            Hand und zischt:
            "Allerdings ist das meine Lohnabrechnung! Und hier?! Und das
            hier?! Was zum Teufel ist das hier?! Ginger hat gesagt, das sei
            deine verf... Idee gewesen?!"
            "Das ist nur die Abrechnung deiner Maus-Maut", sage ich
            besaenftigend und nehme die Brille ab.
            "Absolut kein Grund zur Aufregung. Ganz 'cool' bleiben, Mann!"

            Jerrys Stimme schnappt ueber:
            "Da fehlen 565 Dollar auf meinem Paycheck!!! Und ich soll cool
            bleiben! Was zum Teufel heisst das hier: 113.4 Miles Mouse Toll
            equals $ 565"
            "Ganz einfach", sage ich und nehme das Papier aus Jerrys
            zitternden Fingern.
            "Unser Hardware-Etat ist infolge einiger notwendiger
            Investitionen in der... aehm... juengeren Vergangenheit so
            zusammengeschmolzen, dass die... hmm... Institutsleitung
            beschlossen hat, eine Mautgebuehr fuer die Abnutzung der Maeuse
            einzufuehren. Weisst du ueberhaupt, wieviel wir im Jahr fuer
            kaputte Maeuse ausgeben?"
            "Ich..."
            "Fast dreitausend Dollar! Es wurde deshalb vorgeschlagen, diese
            Kosten aufwandsneutral und verschleissproportional an die
            Benutzer durchzureichen..."

            'Aufwandsneutral', 'verschleissproportional ' und 'an Benutzer
            durchreichen' habe ich mir von unserem bayerischen
            Augenbrauen-Monster T.W. abgehoert. 'Verbreiterung der
            Einkommensbasis' ist auch so ein Renner von ihm! Ich haette
            wirklich Politiker werden sollen!

            "... und deshalb werden fuer jeden Benutzer ab sofort die mit der
            Maus zurueckgelegten Meilen registriert und am Monatsende mit
            $ 5 pro Meile vom Paycheck abgezogen. uebrigens zahlen
            natuerlich auch die Studenten, allerdings nur $ 3 pro Meile..."

            Jerry starrt mich an; das muss er erstmal verdauen.
            "BUT THIS IS OUTRAGEOUS!" explodiert er schliesslich.
            "Das lasse ich mir nicht bieten! Wie soll man da noch
            wissenschaftlich arbeiten! Ich werd' mich beim Dean
            beschweren..."

            Ich zucke gelassen mit den Schultern.
            "Es soll ja noch andere Leute geben, die scharf auf einen Job an
            der Uni sind. Im Silicon Valley wimmelt es geradezu von
            frustrierten, ausgenutzten Hackern, die nur darauf warten, dass
            hier an der Cal ein ruhiger Job frei wird..."
            Ich oeffne eine Textdatei und gucke hinein.
            "... ausserdem wuerde ich hier nicht so laut vom
            'wissenschaftlich arbeiten' herumtoenen. Ich habe mir mal deine
            letzten vier Veroeffentlichungen angeschaut. Tststs. Also beim
            besten Willen: da steht doch ueberall dasselbe drin, obwohl das
            Kind jedesmal einen anderen Namen hat. Jaja, ich weiss schon:
            'publish or perish'. Aber mit so einer Veroeffentlichungsliste
            wuerde ich an deiner Stelle lieber einen Sicherheitsabstand zum
            Buero des Dean einhalten..."

            Jerry macht den Mund auf. Dann macht er ihn wieder zu, reisst mir
            die Abrechnung aus der Hand und verschwindet.

            Das Arbeitsklima wird doch gleich viel entspannter, wenn man ein
            bisschen ueber den Hintergrund seiner Mitarbeiter Bescheid
            weiss...
            O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
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            Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

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            • #7
              In meiner Mailbox ist eine Nachricht mit dem Titel:
              'Datenverlust - Bitte restaurieren!'

              Ich loesche die mail.

              Keine Stunde spaeter kommt wieder eine mail vom selben Absender:
              'Re: Datenverlust - Brauche dringend die Daten!!!'

              Ich loesche die mail.

              Gerade als ich zum Lunch gehen will, da schmatzt mein Mailer
              schon wieder (Ich habe meinen Mailer so konfiguriert, dass er vor
              dem Lunch schmatzt und nach dem Lunch ruelpst):
              'Re: Re: Datenverlust - HALLO, HOERT MICH JEMAND???'

              Ich ueberlege, ob es sich lohnt, in die mail zu gucken - aber
              dann loesche ich sie doch lieber. Man soll sich so kurz vor dem
              Mittagessen nicht ablenken lassen. Das koennte die
              Magensaftproduktion durcheinanderbringen.

              Kurz nach dem Lunch - so gegen 3 pm - klingelt mein Telefon. Weil
              heute die Sicht aufs Golden Gate so gut ist und die gegrillten
              Austern wirklich ganz ausgezeichnet waren (mit selantro-lemon
              sauce!), hebe ich ab.

              Er ist es wieder:
              "Was ist denn los?! Haben Sie meine emails nicht bekommen?!"
              Ich frage nach seinem Account und er gibt ihn mir.
              "Doch, die emails habe ich bekommen", sage ich,
              "sie stehen an 346., 347. und 348. Stelle in meiner Task-Liste."
              Er schnappt nach Luft. Dann kapiert er, was das bedeutet und er
              schnappt noch einmal nach Luft.
              "Aber ich brauche diese Daten D R I N G E N D ! Ohne die kann ich
              nicht weitermachen, und uebermorgen ist deadline fuer mein
              proposal und..."
              "Um was fuer Daten handelt es sich ueberhaupt?" frage ich.
              Er berichtet mir aufgeregt, dass er ein ganzes Dir mit
              brandaktuellen, einzigartigen, phantastischen,
              nobelpreisverdaechtigen, Ergebnissen geloescht hat.

              "Tja, herzliches Beileid. Da kann man nichts machen", versuche
              ich zu troesten,
              "dafuer haben Sie jetzt wieder mehr Platz in Ihrem Account. Und
              wahrscheinlich haben wir heute was gelernt, hmm?"

              Das muss er erst ein paar Sekunden lang verdauen, bis er auf die
              tieferen Implikationen stoesst:
              "Aeh... was soll das heissen: da kann man nichts machen?"
              erkundigt er sich mit zitternder Stimme.
              "Wir haben doch Backup?"

              Ich schweige.

              "Haben wir doch, oder?" wiederholt er leise.

              Ich schweige.

              "Oder, haben wir nicht?" fragt er mit ganz heiserer Stimme.

              "Nicht mehr", sage ich ruhig.

              "WIESO NICHT?!!!"

              "Wir hatten doch dieses schnucklige kleine Bandgeraet im
              Rechnerraum, das jede Nacht ein increment von allen Userdaten
              gemacht hat", erklaere ich.
              "Sie wissen schon, das Ding, in das man JEDEN ABEND ein neues
              Band einlegen muss. Tja, vorgestern wollten wir den Rechnerraum
              mit ein paar Blumentoepfen verschoenern. Und dabei hat jemand
              aus Versehen einen ziemlich schweren Pflanzkuebel mit blauen
              kalifornischen Jorgulieren auf das Bandgeraet fallen lassen. Und
              seit dem: keine Backups mehr..."
              "Oh, nein!"

              Das ewige Bandwechseln ging mir schon nach einer Woche auf den
              Geist. Zum Glueck habe ich in einer dunklen Ecke des Rechnerraums
              einen handlichen 5-Pfund-Hammer entdeckt
              (in einer roten Kiste mit der Aufschrift 'EMERCENCY ONLY').
              Abgesehen davon gibt es keine 'blauen kalifornischen
              Jorgulieren'; zumindest kenne ich keine - ihr vielleicht?

              "Doch, leider. Aber ich habe uns sofort ein ultramodernes
              Backup-Geraet bestellt, sogar mit einem Roboter zum
              automatischen Baenderwechseln. Das Ding steht schon hier bei mir
              zum Testen", sage ich, um ihn aufzumuntern.
              (Psychologie ist wichtig bei meinem Job!)

              Und da wird es vorerst auch bleiben. Robby kann naemlich auch
              VCR-Kassetten wechseln. Jetzt muss ich zwischen den Videos nicht
              mehr aufstehen und zum Recorder gehen...

              "Aber wo sind dann meine Daten?!" fluestert er.

              "Tja, mein erster Tip waere: nirgends mehr! Unter UNIX werden
              freigegebene Bloecke auf der Platte normalerweise sofort wieder
              ueberschrieben. Aber..."
              "Ja?"
              "Naja, manchmal, wenn es sich um ziemlich viele zusammenhaengende
              Daten handelt, sind die Files vielleicht doch noch irgendwo auf
              der Platte..."
              "Jaaah?"
              "Haben Sie denn noch die Namen der geloeschten Files?" frage ich.
              "Jaaah!!!"
              "Es kommt naemlich vor, dass sich die gelinkten Node-Entries auf
              der VAT gegensynchron aus der gespiegelten Meta-VAT decodieren
              und ueber den normalen Fodgers-Robertson-Effekt in den
              Tunnelbereich der magnetischen Resonanz der
              Bernoulli-Oberflaeche extrapolieren..."

              Ich kann's einfach nicht lassen!

              "Oh...", sagt er. "natuerlich..."
              Das heisst also: DUMMY MODE ON!

              "Versuchen Sie doch einfach mal folgendes", sage ich.
              "Sie legen das geloeschte Dir wieder an und erzeugen darin mit
              dem Befehl 'touch' genau die Files, die geloescht wurden.
              Manchmal synchronisieren die Eintraege dann an die richtige
              Stelle in der VAT und die Daten werden wieder sichtbar. Aber
              wenn ueberhaupt, dann erst wenn wieder alle Filenamen komplett
              da sind"
              "Aha... aber das waren ja Hunderte von Namen...", sagt er.
              "Tja, ich habe ja auch nicht gesagt, dass es einfach ist...",
              sage ich bedauernd. Wie gesagt: manchmal kann ich mich selber
              nicht ausstehen... Er sagt, dass er es immerhin versuchen werde,
              und legt auf.

              Das wird ihn die Nacht ueber beschaeftigen - und ihn morgen
              hoffentlich davon abhalten, weitere emails an 'admin' zu
              schicken...
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              Kommentar


              • #8
                Zum woechentlichen neo-traditionellen Halb-Vier-Uhr-Tee gibt es
                warme 'scones'
                (Erklaerung fuer Provinzler: traditionelles englisches
                Teegebaeck, das von der Konsistenz ein wenig an die bayerischen
                'Boxer' erinnert - allerdings ohne den Zuckerguss!
                (Jetzt wissen natuerlich wieder 90 % von euch nicht, was
                'Boxer' sind!
                (Kann ich aber auch nix dafuer, wenn ihr im falschen
                Bundesland wohnt!!
                (I love brackets!!!
                (;-)
                )
                )
                )
                )
                Die 'scones' holt Ginger hoechstselbst aus einer dafuer
                spezialisierten Baeckerei - etwa 27 Meilen vom Campus entfernt.
                (Benzin ist recht preiswert in Kalifornien!)
                Frueher, bevor ich am 'ARSCH' eingestellt wurde, hatte es einen
                traditionellen Fuenf-Uhr-Tee gegeben, der mangels Beteiligung der
                Angestellten praktisch nie stattfand. Welche halbwegs
                vernuenftige humanoide Lebensform ist um fuenf Uhr noch im Buero?
                Allerhoechstens ein paar unverbesserliche Hacker vom Saturn ...

                Seit allerdings auf meinen Vorschlag der Termin auf 3:30pm
                vorverlegt wurde und ich zudem den Wartungszyklus fuer unsere
                Workstation-Cluster auf diesen Termin verlegt habe, ist die
                Beteiligung der Belegschaft um mehrere Tausend Prozent
                gestiegen ...

                Zu den warmen 'scones' schmeckt am besten frische, salzige
                Butter. Also gehe ich in die Teekueche und hole ein frisches
                Paeckchen aus dem Kuehlschrank. Als ich es auswickeln moechte,
                faellt mein Blick auf den Aufdruck:

                "FRISCHES PAeCKCHEN! HIER OeFFNEN!"

                Wirklich interessant! Es haette sich ja auch um voellig verranzte
                Butter aus dem Freiheitskrieg handeln koennen! Also muss man den
                beruhigenden Hinweis 'FRISCHES PAeCKCHEN' wirklich dankbar zur
                Kenntnis nehmen. Und 'HIER OeFFNEN' steht praktischerweise auf
                der einzigen freien Lasche des Pergamentpapiers, damit ich auch
                nicht aus Versehen mit dem Buechsenoeffner 'rangehe!

                Sheeeeesh-Aaaargggg!!!
                Manchmal uebertreiben sie es schon ein bisschen hier - ein
                bisschen?

                Fuer meinen mintgruenen Ford Mustang habe ich mir einen 'sun
                screen' besorgt. Das ist im Prinzip nur ein riesiges,
                farbenfrohes Stueck Pappe, das man hinter die Windschutzscheibe
                klemmt, damit die Sonne nicht den ganzen Tag ins geparkte Auto
                knallt. Und was steht mit grossen roten Buchstaben auf der
                Rueckseite:

                'WARNING: DO NOT DRIVE WITH SCREEN IN PLACE!'

                Sheeeeesh-Aaaargggg!!!

                Nach dem Tee mache ich meine Runde durch die Labs, um zu
                kontrollieren, ob die Studenten noch ein paar 'scones' mitgehen
                haben lassen und jetzt die Tastaturen vollbroeseln. Wenn ich
                einen erwische, gibt es eine ernste Verwarnung, 10 Dollar Strafe
                und ich konfisziere sofort das corpus delicti. Das Geld kommt in
                die schwarze Kasse fuer 'Sonderanschaffungen' (wo auch die
                Maus-Maut hinfliesst!), und die beschlagnahmten 'scones' kommen
                in meinen Magen.

                Einigermassen gesaettigt kehre ich in mein Buero zurueck und
                schaue nach, was heute noch ansteht:
                Meine Mailbox? Leer! Ausgezeichnet! Allmaehlich scheinen meine
                Erziehungsbemuehungen Fruechte zu tragen ...
                Die Mailboxen der Mitarbeiter? Ich ueberfliege kurz die Titel -
                Nichts was sich fuer eine kleine Erpressung lohnen wuerde ...

                Ich klicke mich durch die Pages von ein paar lokalen
                Tageszeitungen. Schliesslich muss man sich mit der fremden Kultur
                vertraut machen. Und was hilft da besser, als die Klatschspalten
                der lokalen Presse.

                Probleme mit der Sprache? Aber woher denn! Amerikanisches
                Englisch ist sowieso verkapptes Deutsch ...
                Wie? Ihr zweifelt? Ok, let's see ...

                "... and her frumpy Hausfrau look fits more for a
                Putz-around-the-house than for a gala dinner..."
                (kritische Anmerkungen zur Mode der Hollywood-Prominenz)

                ".. while years ago kids used to spent their free time in
                the Kinder-Gym, nowadays the only observable movement may be a
                very cool sneer ..."
                (kritische Anmerkungen zur heutigen Jugend)

                "... and then all suddenly it's there: Wanderlust fills your
                mind ..."
                (Hiking tips)

                "... pure Schadenfreude on the winner's side and the Angst
                for the rest of us ..."
                (sarkastische Bemerkungen zur neuesten Game-Show, bei der es
                darum geht, moeglichst viele Gegner mit blauem Schimmelkaese zu
                ersticken, waehrend gleichzeitig Verse von Bukowsky rezitiert
                werden)

                "... he cautiously approached his vicious
                Doppelgaenger ..."
                (Fortsetzungsroman ueber kartoffelaehnliche Aliens, die sich als
                Menschen replizieren. Wir raten ab!)

                "... influenced by an overthrown Weltanschauung
                that..."
                "... however, considering the Zeitgeist in ..."
                (Philosophisches Feuilleton - unverkennbar!)

                "... again to be said that the politically correct positive
                thinking regarding the EURO is set ueber alles ..."
                (Tendenzioeses Editorial zur Europapolitik)

                "... walked back to the microphone and continued his
                Spiel ..."
                (Schon wieder Feuilleton! Diesmal der Kritiker)

                "... but the Green Party - after a few detours - got back to
                it's fruitless Realpolitik ..."
                (Politischer Kommentar, republikanisch)

                "... Ur-pepper ..."
                (Kochrezepte, demokratisch)

                Auf dem Nachhauseweg besuche ich noch ein paar oeffentliche
                PC-Labors in unserem Gebaeude und packe bei einem halben Dutzend
                Windoofs-Rechnern die DOS-Box in den Autostart-Ordner. Bei den
                Macs lenke ich die Drucker-Queues um auf den Laserdrucker im
                Sekretariat des Deans. Die Sekretaerin des Deans ist ein
                besonders boesartiger wasserstoffgebleichter Drachen mit
                kuenstlich verlaengerten, dunkelroten Krallen, deren Buero man
                nicht ohne kugelsichere Weste betreten sollte ...
                O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
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                • #9
                  1906, San Francisco, California. Die Braende, die das grosse
                  Erdbeben ausgeloest hatte, sind unter Kontrolle. Ich habe bereits
                  die Wasserversorgung in 95 % der Haushalte wiederhergestellt und
                  der Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur ist im vollen Gange.
                  Die Finanzlage stabilisiert sich allmaehlich, und ich lockere ein
                  wenig die Steuerschraube, was mir wiederum ein paar Prozent in
                  den Umfragen einbringt. Wenn jetzt nicht noch ein Monster
                  auftaucht und Golden Gate Park verwuestet, werde ich die naechste
                  Wahl haushoch gewinnen.

                  Eine kleine Pause kann nicht schaden, denke ich und nehme die
                  Haende von der Tastatur. Es wird auch hoechste Zeit: meine rechte
                  Hand fuehlt sich taub an und seit einer Stunde kaempfe ich mit
                  Kraempfen im Unterarm. Vier Stunden City2000 am Stueck ist
                  vielleicht doch etwas zuviel!

                  Kollege Ron trampelt auf seinen ueberdimensionierten
                  Joggingschuhen an meinem Zimmer vorbei und sieht, wie ich meine
                  Hand massiere.
                  "Zuviel gearbeitet?" sagt er grinsend.
                  "Du solltest mehr fuer deine Fitness tun, sonst bist du mit 40
                  reif fuer die erste Herzattacke..."
                  "Harhar", sage ich und loesche rasch alle seine emails in der
                  Mail Spool Area.

                  Ron gehoert der hier weitverbreiteten Gattung der
                  Auto-Masochisten an. Er ist nur gluecklich, wenn er sich taeglich
                  mindestens eine Stunde lang selbst quaelen kann. Z. B. faehrt er
                  nicht, wie alle anderen vernunftbegabten Lebewesen, die es in
                  jahrmillionlanger muehsamer Evolution geschafft haben, Cabriolets
                  zu entwickeln, mit dem Auto ins Buero, sondern mit dem Fahrrad
                  - Verzeihung! - mit dem Mountainbike, wollte ich sagen. An sich
                  waere das ja noch relativ harmlos (obwohl die Vollbluthacker
                  unter euch sicher bereits die Stirne runzeln), aber Ron wohnt auf
                  den Berkeley Hills - circa 350 Meter ueber Normalnull; und der
                  Campus liegt auf Meereshoehe! Letzte Woche ist er "mal eben so"
                  von Alcatraz nach Angel Island geschwommen. Jeder, der 'Escape
                  from Alcatraz' gesehen hat, weiss, dass das Wasser eiskalt ist,
                  von Haien wimmelt und es nur eine kurze halbe Stunde zwischen den
                  Tiden gibt, waehrend der die gefaehrlichen Stroemungen abflauen.
                  Natuerlich laeuft er jedes Wochenende einige Zig Meilen durch die
                  Hitze - am liebsten auf steile Berge, damit es nicht zu
                  langweilig wird. An den Strand nach Point Reyes faehrt Ron mit
                  dem Fahrrad. Wenn er allein ist und ihn keine Langweiler
                  aufhalten, braucht ER dafuer eineinhalb Stunden. ICH brauche dazu
                  eine Stunde - mit meinem mintgruenen Mustang auf dem Freeway!
                  Alle grossen Marathonlaeufe der westlichen Hemisphaere hat Ron
                  bereits erfolgreich absolviert. Sein groesster Kummer ist, dass
                  er noch niemanden gefunden hat, der mit ihm 'The Big Run' machen
                  moechte. 'The Big Run' fuehrt vom tiefsten zum hoechsten Punkt
                  der Vereinigten Staaten (ausser Alaska), also vom Death Valley
                  (282 Fuss unter Null, ca. 46 Grad im Schatten) bis zum Gipfel des
                  Mt. Whitney (14495 Fuss ueber Null, ewiges Eis), und das Ganze
                  innerhalb von 24 Stunden.

                  Die Aufzaehlung liesse sich fortsetzen, aber ich denke, ihr wisst
                  jetzt, was ich unter 'Auto-Masochisten' verstehe. Wuerde mich gar
                  nicht wundern, wenn Ron demnaechst nach Hawaii schwimmen
                  wuerde...

                  Trotzdem, vielleicht sollte ich auch mal was fuer meine Figur
                  tun... Immerhin faellt mir auf, dass ich letzter Zeit die Arme
                  immer weiter strecken muss, um an die Tastatur zu kommen.

                  Diaet halten? Kommt nicht in Frage! Ausserdem mache ich sowieso
                  schon seit Jahren eine strikte Pizzadiaet... Durch die Hitze
                  joggen? Forget it! Bin ich Arnold Schwarzenegger? Wenn ich schon
                  'work out' mache, dann mit allen technischen Schikanen!

                  Ich gehe zwei Block weiter zum 'Platinum Gym', dem teuersten
                  Fitness-Tempel am Ort, und sage dem Blondie-Girl am Empfang, dass
                  um die Ecke ein Pickup meinen Wagen behindert, und ich nicht
                  wegfahren kann, und ob sie nicht vielleicht mal ganz hoppti
                  nachschauen koennte, ob es vielleicht der Pickup von einem ihrer
                  beknackten Kunden sei. Eingeschuechtert verlaesst die Kleine
                  ihren Posten, OHNE VORHER IHR TERMINAL ZU SPERREN! Zehn Minuten
                  spaeter kommt sie ganz verwirrt zurueck und entschuldigt sich
                  tausendmal, aber sie koenne keinen Pickup sehen, der ein
                  parkendes Auto behindere.
                  "Oh?" sage ich und laechele mein charmantestes Laecheln,
                  "Wahrscheinlich ist der Kerl schon selber weggefahren. Ich habe
                  noch ein klitzekleines Problem: Ich habe leider meine
                  Mitgliedskarte verloren. Aber ihr habt ja alle meine Daten im
                  Computer..."
                  Ihr Gesichtchen unter dem blonden Haarschopf hellt sich auf:
                  das ist etwas, wo sie helfen kann!

                  Bald darauf bin ich im Besitz einer funkelnagelneuen
                  Mitgliedskarte (Gold Plus) fuer das naechste Jahr und sitze im
                  'Cardiovascular Training Center' auf einer 'tread mill'. Der Raum
                  ist konstant auf 22 Grad und 78 % Luftfeuchtigkeit klimatisiert,
                  das Licht mit sanfter UVA Strahlung angereichert und saemtliche
                  anwesenden Auto-Masochisten sind an Herzmonitore angeschlossen.
                  Meine 'tread mill' ist eine Art robustes Fahrrad auf Stelzen, das
                  ein sadistisch veranlagter Ingenieur mit einem zufallsgesteuerten
                  Steigungsprofil ausgestattet hat. Direkt vor meiner Nase ist ein
                  grosses 17 Zoll Farbdisplay, auf dem ich wahlweise folgende
                  Informationen abrufen kann:

                  - die Uhrzeit,
                  - die verstrichene Trainingszeit,
                  - meine Pulsrate,
                  - meine 'burning rate' (Kalorien pro Stunde),
                  - meine bereits erzeugte Energiemenge,
                  - meine (virtuelle) Geschwindigkeit,
                  - die aktuelle Steigung (auf die ich keinen Einfluss habe, weil
                  ich den Zugangskode zu dem bloeden Ding noch nicht
                  'rausbekommen habe),
                  - das Steigungsprofile der naechsten 60 Sekunden (damit ich mich
                  schon mal geistig darauf einstellen kann),
                  - den Wetterbericht,
                  - das heutige Menue im Casino,
                  - die Aussentemperatur, Innentemperatur und Luftfeuchtigkeit,
                  - den aktuellen Dow Jones Index,
                  - den Bay Area Traffic Report,
                  - 46 Fernsehkanaele (einschliesslich HBO und ShowTime),
                  - meinen letzten Kontostand,
                  - die letzten Sonderangebote im Supermarkt um die Ecke.

                  Nachdem ich saemtliche erforderlichen Disclaimer unterschrieben
                  habe, dass ich auf eigenes Risiko trainiere und unter gar keinen
                  Umstaenden die Leitung des Fitness-Centers fuer etwaige
                  Verletzungen oder gar ein vorzeitiges Ableben gerichtlich
                  belangen werde, fuelle ich zuallererst ein Beschwerdeformular
                  aus, in dem ich beklage, dass von den 'tread mills' aus kein
                  Internet-Zugang moeglich ist.

                  Dann beginne ich mit dem eigentlichen Training: Fuenf Minuten
                  spaeter bin ich im Kontrollprogramm meiner 'tread mill' und
                  aendere das Vorzeichen des Kraftwiderstands. Die Pulsrate stelle
                  ich kontant auf 174. Dann waehle ich die hoechste Stufe und die
                  'tread mill' beginnt von sich aus zu strampeln. Ich muss mich nur
                  noch zuruecklehnen und die Beine entspannen.

                  Neben mir schwitzt eine etwa 40jaehrige Asiatin, die links und
                  rechts ueber den Sitz quillt. Ich schiele diskret auf ihr
                  Display: sie ist auf der hoechsten Schwierigkeitsstufe, Pulsrate
                  142 und Trainingszeit bereits 53 Minuten. Auf ihrem
                  schweissbedeckten Gesicht liegt ein entruecktes Laecheln; die
                  Augen sind halb geschlossen. Sie murmelt leise vor sich hin,
                  waehrend sie schnaufend in die Pedale steigt. Ich spitze die
                  Ohren (+20 dB):
                  "Meine Beine werden staerker und staerker. Ich werde jeden Tag
                  staerker. Meine Leistung steigert sich und steigert sich und
                  steigert sich. Mein Bauch ist flacher und staerker als gestern.
                  Meine Knie sind stark und flexibel. Mein Koerper fuehlt sich
                  super. Ich brauche keine Suessigkeiten mehr. Ich fuehle mich
                  wohl..."
                  So geht das die ganze Zeit. Ununterbrochen. Psycho-Training.
                  Stand auch in einer der vielen Broschuren, die sie mir bei der
                  Anmeldung in die Hand gedrueckt hatten.
                  Es geht mir auf den Geist! Mal sehen, was man dagegen tun kann...

                  Ich beginne zu keuchen und zu schnaufen. Dann wuerge ich
                  kurzatmig kurze Woerter hervor:
                  "Aarrg... Oh, Gott... Uaaarg... Shit!... Uff!... Oh, Gott..."

                  Meine Nachbarin kommt aus dem Takt und schaut irritiert zu mir
                  herueber.
                  "Wissen Sie, an was ich immer denken muss, wenn ich hier bin?"
                  frage ich. Sie schuettelt stumm den Kopf.
                  "Schokolade", sage ich sehnsuechtig,
                  "Tonnen von Schokolade. Kartoffelchips, ganze Saecke voll. Oder
                  Icecream, am besten Marshmallow Fudge von Baskin Robins mit der
                  leckeren Peanut-Roasted-Almond-Sauce..."
                  Die Quallen-Frau schluckt hart und guckt wieder auf ihr Display.
                  Ihre 'burning rate' ist bereit um 15 Kalorien pro Stunde
                  gefallen. Ich seufze so laut, dass sie zusammenzuckt.
                  "Ist das nicht eine unglaubliche Schinderei hier?" aechze ich.
                  "Da sitzt man nun stundenlang und rackert sich ab, und nimmt
                  trotzdem nicht ab... Da sehen Sie mal: ich bin auf 174 und
                  fuehle mich graesslich! Richtig uebel kann es einem werden, wenn
                  man sich so ueberanstrengt..."
                  Die Quallenfrau wirft einen verzweifelten Blick auf meine wie
                  rasend wirbelnden Beine und wird selber immer langsamer.
                  "Schaetze, ich werde mich noch ein wenig steigern muessen",
                  seufze ich resigniert.
                  "So hat das ja alles keinen Sinn..."
                  Kurze Zeit spaeter wirft sie heulend das Handtuch und wabbelt
                  schniefend zum Ausgang.

                  Erfrischt gucke ich mir das 'Strength Center' an: lauter
                  vollcomputerisierte Kraftmaschinen fuer jeden nur denkbaren
                  Muskel der menschlichen Anatomie (von einigen Muskeln wusste ich
                  nicht mal, dass sie existieren!). Ich fummele ein wenig am
                  Control-Panel der 'Pull Down' Maschine herum und erhoehe den
                  'Negative Resistance Factor' auf 1000%. Dann suche ich die
                  Trainerin vom Dienst, ein zierliches Persoenchen mit Muskelknoten
                  an jeder freien Ecke, und bitte sie, mir die 'Pull Down' Maschine
                  zu erklaeren.
                  "Ganz einfach", sagt sie professionell und besteigt das riesige
                  Folterinstrument.
                  "Sie setzen sich hier hin, waehlen das aufgelegte Gewicht mit
                  dieser Tastatur und ziehen dann diese beiden Griffe immer bis
                  auf Schulterhoehe herunter. Schoen langsam. Diese Maschine
                  produziert wie alle anderen auch ein hoeheres Gewicht auf dem
                  Weg nach oben als nach unten... Aaaaarrrrrg!!!"
                  Die 1000% Negativgewicht reissen die Trainerin wie nichts in die
                  Hoehe; dort strampelt sie verzweifelt mit den Beinen und schreit
                  um Hilfe. Ich simuliere Panik und reisse den Netzstecker der
                  Maschine aus der Wand. Die Maschine laesst los, und die Trainerin
                  knallt aus 3 Meter Hoehe hart auf den Fussboden.
                  "Ich glaube, ich gehe doch lieber in die Aerobic-Klasse", sage
                  ich und verziehe mich diskret.

                  Im Aerobic-Studio ist ein muskelbepackter ebenholzschwarzer
                  Sadist mit weissen Tennisschuhen dabei, eine Gruppe von
                  schwitzenden weissen Frauen in papageienhaften Gewaendern bis
                  aufs Blut zu maltraetieren.
                  "Yeaah! Feel the burn! Do yah feel it? Are you burning yet?
                  Yeeesss! That's what you want, huh? Your body is never on
                  vacation..."
                  Man kann sehen, dass es ihm Spass macht, alle die verweichlichten
                  Weissbrote der gehobenen Mittelklasse auszuwringen. Und
                  gleichzeitig kann er auch noch seine Lieblingsplatten hoeren.
                  Kein schlechter Job! Als ich dazukomme, zaehlt er gerade fuer
                  Liegestuetze den Countdown im Takt der Musik:
                  "... elf... zehn... neun... acht... sieben... sechs... fuenf..."
                  Er sieht mich in der Tuer stehen und grinst gluecklich von einem
                  Ohr zum anderen. Die feminimen Weissbrote schnaufen und stoehnen.
                  Ich lasse meinen kritischen Blick ueber die schweissnassen,
                  aechzenden Leiber schweifen, schuettele langsam den Kopf und
                  deute mit dem Daumen nach unten...
                  Der Aerobic-Sadist grinst noch breiter:
                  "... vier... drei... zwei........ neun... acht... sieben..."
                  Erstickte Protestrufe aus der Gruppe; einige geben auf und
                  bleiben in einer Pfuetze aus Schweiss liegen. Der Aerobic-Sadist
                  springt zu der Frau, die am lautesten protestiert hat, und
                  schreit im Kasernenton:
                  "Fuenf extra! Aber flotty! Fuenf... vier... drei..."

                  Vielleicht sollte ich mich als Trainer bewerben...
                  O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                  ----------------------------------------
                  Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

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                  • #10
                    Mein Liste der zu erledigenden Aufgaben (Task List) ist auf 234
                    angeschwollen. Also gehe ich auf den Flur und werfe mit einem
                    nassen Lappen nach der runden Deckenlampe, bis Ginger mit der
                    Tagespost vorbeikommt. Sie beobachtet mich eine Weile aus
                    sicherer Entfernung, wie ich mit stupider Hartnaeckigkeit immer
                    wieder den nassen Lappen aufnehme und nach der Lampe schleudere.
                    Nach dem zehnten Wurf ueberwaeltigt ihre angeborene weibliche
                    Neugierde die anerzogene amerikanische Zurueckhaltung, und sie
                    fragt mich, was ich da tue.
                    "Ich werfe einen nassen Lappen nach der Deckenlampe", sage ich.
                    Ginger bruetete einen Moment ueber dem Sinn dieser Aussage, ob
                    ihr da vielleicht eine tiefere Bedeutung entgangen sei; dann
                    fragt sie beherzt:
                    "Und wozu soll das bitte gut sein?"
                    "Ich uebe Korbwerfen", antworte ich.

                    Nun ist Basketball eine der vielen Ball-Manien der Amerikaner.
                    (Ist euch schon mal aufgefallen, dass Amerikaner handorientiert
                    und Europaeer fussorientiert sind? Man kann einen sehr einfachen
                    kulturellen Zugehoerigkeitstest machen, indem man einem
                    Amerikaner und einem Europaeer jeweils einen Ball zuwirft.
                    Derjenige, der den Ball wegtritt, statt in zu fangen, ist der
                    Europaeer!)
                    Deswegen ist es nicht weiter auffaellig, wenn ein Amerikaner
                    sogar am Arbeitsplatz Korbwerfen uebt - allerdings im allgemeinen
                    mit einer Miniaturversion von Ball und Korb, und nicht mit einem
                    nassen Lappen!

                    Inzwischen hat sich Ginger zur naechsten Frage durchgearbeitet:
                    "Aber warum uebst du Korbwerfen mit einem nassen Lappen, statt
                    mit einem Ball?"
                    "Weil mit einem Ball die Lampe kaputtginge", erklaere ich und
                    werfe wieder.

                    Ueberwaeltigt von soviel Logik laesst mich Ginger mit meinem
                    Lappen allein, und ich mache noch ein paar Wuerfe, bis ich
                    ziemlich fit bin. Dann steige ich aufs Dach hinauf und werfe den
                    Lappen mit einem einzigen eleganten Schwung ueber die
                    Mikro-Link-Antenne, die unser Subnetz mit dem Internet auf dem
                    Campus verbindet. Die Feuchtigkeit im Lappen unterbricht die
                    Mikrowellen, und mit einem Schlag sind wir von der grossen weiten
                    Cyberwelt abgeschnitten.

                    Als ich in mein Buero am ARSCH zurueckkomme, klingeln schon die
                    Alarmglocken. Von allen Enden des Instituts kommen emails
                    verzweifelter Mitarbeiter, die es mitten im schoensten Surfen
                    erwischt hat. Ich schicke eine email an alle, in der ich lapidar
                    mitteile, dass unsere Internet-Anbindung aus noch unbekannten
                    Gruenden zusammengebrochen sei, dass diese Aufgabe absolute
                    Prioritaet habe und ich mir deshalb erlaube, saemtliche andere
                    Punkte auf meiner Task-Liste zu streichen. Und falls jemand etwas
                    dagegen haette, solle er sich bitte oeffentlich per email dazu
                    aeussern. Natuerlich wagt es keiner, die Prioritaet der
                    Internet-Anbindung anzuzweifeln - schliesslich moechte niemand
                    gern von einem aufgebrachten Mob Internetsuechtiger gelyncht

                    werden. Dann fuege ich noch hinzu, dass ich bis zum Abschluss der
                    erfolgreichen Reparatur unter keinen Umstaenden gestoert werden
                    moechte, und dass die Verbindung noch heute wieder funktionieren
                    werde.

                    Dann schliesse ich mein Buero ab und gehe hinueber ins Casino des
                    Faculty Clubs. Nach einem ausgiebigen fuenfgaengigen Lunch mit
                    einem vollmundigen Coastal Chardonay gehe ich laessig zur Kasse
                    und verlange die Rechnung. In dem Moment, wo die Check-Maus meine
                    Tischnummer eintippt, ziehe ich ganz kurz das Netzkabel aus ihrem
                    Computer. Natuerlich stirbt sofort das OS der Kasse, und die
                    Check-Maus bekommt das Ding nicht wieder zum Laufen. Ich schaue
                    auf meine Armbanduhr, trommele mit den Fingern und bemerke dass
                    ich eigentlich weg muesste, und so weiter, und ob ich ihr nicht
                    helfen koennte. Erleichtert laesst sie mich an die Tastatur, und
                    ich fummele ein wenig daran herum. Dann sage ich, dass ich ohne
                    das Master-Passwort nicht weiterkomme, und dass sie den Manager
                    suchen soll. Sie sprintet los und ich kann in aller Ruhe meine
                    gespeicherte Rechnung auf ein vernuenftiges Mass reduzieren.
                    Leider kommt sie schon wieder zurueck, gerade als ich die
                    gebuchten Trinkgelder der letzten 6 Monate auf mein
                    Kreditkartenkonto rueckueberweisen moechte. Naja, man kann nicht
                    alles haben! Ich bezahle meine Rechnung ueber $ 0.95 und gehe
                    zurueck zum ARSCH.

                    Auf dem Flur vor meinem Buero patrouilliert der harte Kern meiner
                    internetabhaengigen Kollegen. Erste Entzugserscheinungen
                    (Mausfingerzittern und aehnliches) zeigen sich bereits bei den
                    ganz schweren Faellen. Als sie mich ausserhalb meines Bueros
                    sehen, erstarrt der ganze Haufen fuer einen Moment, dann stuerzen
                    sie sich wie eine Meute ausgehungerter Serengeti-Hyaenen auf
                    mich.
                    "Was machst du hier draussen!?"
                    "Ich dachte, du bist dran die IN-Verbindung zu reparieren!!"
                    "Weisst du nicht, wieviele Leute darauf warten, Idiot?!"
                    "Wo warst du!? Etwa beim Lunch?? Er war beim Lunch!!! Ist das zu
                    fassen..."
                    Einer bekommt sogar einen hysterischen Lachkrampf; ein anderer
                    beisst sich mit irrem Blick in die Handknoechel.

                    Ich hebe beide Arme, damit sie mich zu Wort kommen lassen.
                    "Ich bin hart an der Sache dran", sage ich ernsthaft.
                    Hoehnisches Gelaechter antwortet mir.
                    "Ich wette einen Zwanziger, dass wir heute nicht mehr on-line
                    gehen", faucht Jerry hetzerisch.
                    "Wie soll denn was vorangehen, wenn der Kerl sich hier draussen
                    'rumtreibt!"
                    Kerl? Mein lieber Freund... Ich nehme mir vor, bei naechster
                    Gelegenheit den Paket-Scrambler in Jerrys Workstation wieder zu
                    aktivieren. Ein huebsches kleines Socket-Filter, dass die
                    Adressen aller abgehenden Pakete durcheinanderbringt. Das hat
                    schon manchen Surfer in den Wahnsinn getrieben...

                    Die Kollegen knurren beifaellig. Ich lasse mich nicht aus der
                    Ruhe bringen. Nach meiner Rechnung muesste der Lappen inzwischen
                    fast trocken sein und die Mikrowellen nicht mehr abschirmen.
                    "Top!" sage ich und halte Jerry eine Zwanzig-Dollar-Note unter
                    die Nase. Nach amerikanischen Maenner-Ehren-Kodex kann er jetzt
                    keinen Rueckzieher mehr machen. Muerrisch holt er auch einen
                    Zwanziger heraus und deponiert ihn bei Ginger, die gerade
                    vorbeikommt.
                    "Das letzte Mal hat es drei Tage gedauert", versucht Ron ihn zu
                    troesten.

                    In dem Moment stuerzt ein Student aus dem PC Labor.
                    "Das Netz ist wieder da!" kreischt er mit verzuecktem Blick.
                    Ringsherum Jubelschreie und kleine Staubwolken, als die Kollegen
                    zu ihren Workstations sprinten; nur Jerry zieht ein langes
                    Gesicht, waehrend ich mir die zwei Zwanziger schnappe.
                    O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                    ----------------------------------------
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                    • #11
                      Ich installiere gerade meine neueste Errungenschaft, eine echte
                      mexikanische Haengematte, in meinem Buero, als Prof. Icewater an
                      meiner Tuer vorbeikommt und voll die Bremsen anzieht. Ihre
                      eisgrauen Augen streichen missbilligend ueber das
                      farbenpraechtige Muster der Haengematte und sie fragt mich mit
                      vor Kaelte klirrender Stimme, ob irgendetwas nicht in Ordnung
                      sei. Ich mustere sorgfaeltig mein Buero, und versichere, dass im
                      Gegenteil alles in bester Ordnung sei.
                      "Und was ist das hier?" haucht Prof. Icewater. Bilde ich mir das
                      nur ein, oder beschlagen sich ploetzlich meine Fensterscheiben?
                      Muss mir unbedingt mal eines von diesen
                      Infrarot-Fern-Thermometern bei den Physikern ausleihen...
                      "Das?" sage ich ueberrascht und betrachte erstaunt die Matte, die
                      sich quer durch den Raum erstreckt.
                      "Das ist eine Haengematte, HAENGE-MATTE, Haenge wie Henker, Matte
                      wie Mathematik. Haengematten bilden ein uraltes Kulturgut der
                      seefahrenden Voelker, insbesondere des Mittelmeerraums..."
                      "Lassen Sie den Quatsch!" faucht Icewater. Offensichtlich ist sie
                      heute nicht in der allerbesten Stimmung.
                      "Was hat das Ding hier zu suchen? Sie sind hier nicht zum
                      Schlafen angestellt..."

                      Ich schalte um auf serioes-wissenschaftlich.
                      "Natuerlich nicht", versichere ich ernst.
                      "Es handelt sich um ein NSF-finanziertes Experiment. Ich habe
                      mich freiwillig als Versuchsperson der NASA angeboten, und die
                      haben mir postwendend diese Test-Haengematte geschickt. Es geht
                      darum zu klaeren, ob man mit beeintraechtigtem
                      Gleichgewichtssinn in der bemannten Raumfahrt genauso schnell
                      und zuverlaessig tippen kann, wie auf festen Boden. Eine
                      spezielle Software registriert automatisch, wie oft und welche
                      Tasten ich korrigiere, wenn ich in der Haengematte liege..."

                      Im allgemeinen sollte das genuegen. Worte wie 'NASA' und 'NSF'
                      (National Science Foundation) lassen gewoehnlich jeden
                      normal-sterblichen Wissenschaftler in Ehrfurcht erstarren. Aber
                      Icewater ist ein ganz besonderer Fall - und ich weiss das! Bevor
                      sie auf die Idee kommen kann, irgendwelche schriftlichen
                      Unterlagen, Vertraege, etc. einsehen zu wollen, sage ich rasch:
                      "Am besten ich zeige Ihnen rasch die NASA-Web-Seite, wo das
                      Projekt beschrieben wird."
                      Icewater ueberfliegt mit zusammengekniffenen Lippen rasch die
                      geschmackvoll gestylte Seite mit dem NASA-Emblem auf meinem
                      Display.
                      "Na schoen", gibt sie schliesslich zoegernd ihr Einverstaendnis,
                      "aber ich moechte nicht hoeren, dass Ihr Arbeitseinsatz darunter
                      leidet..."
                      Ich versichere ihr, dass das sicher nicht der Fall sein wird.

                      Von mir erfaehrt sie so etwas sowieso nicht; und falls irgendein
                      Mitarbeiter es wagen sollte sich zu beschweren, dann hat er die

                      erste Voraussetzung fuer seine allzu kurze Hochschulkarriere
                      nicht kapiert: 'Never mess around with the system guys!'

                      Es ist uebrigens erstaunlich, welche Glaubwuerdigkeit Web-Seiten
                      selbst bei misstrauischen Professoren geniessen - auch wenn sie
                      von der Platte anstatt aus dem Netz geladen wurden!

                      Ich installiere einen zweiten Monitor unter der Decke und lege
                      mich zur Probe in die Haengematte. Als erste Fingeruebung
                      blockiere ich bei allen Workstations (ausser meiner eigenen) alle
                      eingehenden Netzpakete groesser als 1 KB. Das hat den komischen
                      Effekt, dass die Web-Browser einen Server zwar kontaktieren und
                      die Adresse der gewuenschten Page uebermitteln koennen, die Page
                      aber leer zurueckkommt. Die lapidare Fehlermeldung des Browsers
                      ist dann 'Document contains no data', und das kann einen echten
                      Web-Surfer reif machen fuer die naechste Therapie.

                      Nach dieser Aufwaermphase bemerke ich, dass ich von der
                      Haengematte aus nicht an meine Kuehlbox herankomme und behebe
                      diesen Mangel sofort.

                      Um die Zeit bis zum Lunch zu ueberbruecken, lese ich die neuesten
                      Online Hochschulmeldungen: Ein Frischling, und zwar ein gewisser
                      Howard Stale aus L. A., hat einen Professor der UCB auf 5 Mios
                      verklagt, weil er sich durch die schlechte Note in der
                      Abschlusspruefung 'stigmatisiert fuehle'. Bei solchen Prozessen
                      hat der arme Professor normalerweise keine Chance, weil die Jurys
                      in Berkeley in Analogie zur demoskopischen Verteilung zu 60 % aus
                      Studenten bestehen.

                      Ich poke ein wenig im Online Verzeichnis der Uni herum - und
                      finde tatsaechlich die email Adresse des guten Howard! Der
                      'Stigmatiker' muss einen miesen Anwalt haben, sonst haette er
                      laengst seine Daten loeschen lassen.

                      Im Verwaltungsrechner der Uni finde ich in der letzten Abrechnung
                      von Howards Gym-Gebuehren seine Kreditkarten-Nummer. Ich gehe auf
                      die Web-Seite eines hiesigen Hardware-Stores und bestelle unter
                      seinem Namen fuenf solide Kettensaegen verschiedener Hersteller.
                      Als Lieferadressen gebe ich das Buero des Professors und seines
                      Anwalts an. Eine solche freundliche kleine Drohung bringt jeden
                      noch so langweiligen Prozess in Schwung!

                      Nach kurzem ueberlegen bestelle ich noch acht laufende Meter
                      4-Zoll-Balken, einen Zweipfundhammer und vier lange
                      Zimmermannsnaegel, lasse das Zeug diesmal an den Studenten
                      liefern und schicke eine Kopie der Rechnung an den Anwalt des
                      Professors. Wenn schon stigmatisiert, dann richtig!

                      Ginger kommt mit der Post an meinem Buero vorbei (wobei die Post
                      mehr von ihren huebschen Beinen verdeckt, als ihr neuester
                      Minirock) und sieht mich entspannt in der Haengematte liegen. Sie
                      fragt mit besorgter Stimme, ob es mir etwa nicht gut gehe. Ich
                      frage mit letzter Kraft, ob sie sich auf Mund-zu-Mund-Beatmung
                      verstehe, aber sie grinst mich nur spoettisch an und stoeckelt
                      hueftenschwingend den Gang hinunter. Wie kann man bei dieser
                      ausgebufften kleinen Hexe bloss weiterkommen?
                      O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                      ----------------------------------------
                      Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

                      Kommentar


                      • #12
                        Ich bin gerade mitten in einer schwierigen Versuchsreihe und
                        versuche, die optimale Hoehe meiner Haengematte durch das
                        empirische HIAT-Verfahren ('hang in and try') herauszubekommen,
                        als ich ploetzlich durch ein merkwuerdiges, unbekanntes Geraeusch
                        abgelenkt werde. Zuerst untersuche ich meinen 4 x 120 Watt
                        Verstaerker, ob da vielleicht eine Stoerung vorliegt; dann merke
                        ich, dass das Telefon klingelt.

                        Ich lasse es eine Weile vor sich hin duedeln, damit die
                        eingerosteten Piezos wieder in Schwung kommen; schliesslich hebe
                        ich ab.

                        "Hallo", sage ich.
                        "Hi. Ist das die Computer-Unterstuetzung?"
                        Die unbekannte Stimme klingt sexy; also bleibe ich dran.
                        "Am Apparat. Gibt es ein Problem?"
                        "Aehm... ja, ich komme mit der Installation von WinWord auf
                        meinem PC nicht weiter..."
                        Grosser Core-Dump! Ich unterdruecke meinen ersten Reflex, sofort
                        wieder aufzulegen. Die Stimme klingt ja, wie gesagt, sexy.
                        "Ja?" sage ich.
                        "Ja... hmm... also, irgendwie weiss ich nicht, was ich jetzt
                        machen soll... Da steht auf dem Bildschirm: 'press any key to
                        continue'..."
                        "Und?" frage ich. Die Sache beginnt mich zu interessieren.
                        "Ja... aeh...", lispelt sie hilflos,
                        "ich kann auf meinem Keyboard die ANY-Taste nicht finden..."

                        VOLLTREFFER -- UND HIER SIND WIR WIEDER:
                        IM TIEFEN TAL DER SUPERDEPPEN!

                        BULLSHIT MODE ON!

                        "Tja, hmm", sage ich und versuche, meine zuckenden Mundwinkel in
                        den Griff zu bekommen.
                        "Das ist allerdings merkwuerdig. Gewoehnlich ist die ANY-Taste
                        links oberhalb vom Nummern-Pad. Vielleicht hat man Ihnen aus
                        Versehen ein europaeisches Modell geliefert? Aber das ist
                        ueberhaupt kein Problem. Gluecklicherweise koennen Sie ja immer
                        noch durch die richtige Tastenkombination alle moeglichen
                        ASCII-Codes auf Ihrem Keyboard erzeugen, nicht wahr?"
                        Kurzes Schweigen. Dann:
                        "Aeh... was?"
                        "Passen Sie auf", sage ich ganz der liebe Onkel von der
                        freundlichen Hotline.
                        "Jedesmal, wenn Sie die ANY-Taste brauchen, druecken Sie einfach
                        die folgenden drei Tasten gleichzeitig: die Taste, wo 'ALT'
                        draufsteht, die Taste, wo 'CTRL' draufsteht, und die Taste ueber
                        der RETURN-Taste. Das ist naemlich die ANY-Kombination. Sie
                        wissen doch hoffentlich, welches die RETURN-Taste ist?"
                        Sie beeilt sich, mir zu versichern, dass sie die RETURN-Taste
                        sehr gut kenne. Schliesslich will man nicht ganz bloed dastehen.
                        "Na schoen", sage ich.
                        "Durch diese Tastenkombination wird der ASCII-Code der ANY-Taste
                        simuliert, verstehen Sie? Ganz einfach immer diese drei Tasten
                        druecken."
                        "Ach? So einfach ist das?" wundert sie sich.
                        Sie wird sich gleich noch mehr wundern. Auf alle Faelle notiere
                        ich ihre Caller-ID, damit ich beim naechsten Mal nicht mehr
                        abhebe.

                        Nach dem Lunch liege ich in meiner Haengematte und verdaue. Das
                        Telefon ruehrt sich nicht mehr. Eigentlich koennte ich ein
                        bisschen Abwechslung durchaus gebrauchen. Aber seit ein
                        Mitarbeiter einen schweren Stromschlag abgekriegt hat, nachdem er
                        sich durch mich hat beraten lassen, traut sich niemand mehr,
                        meine Dienste in Anspruch zu nehmen. Ich fummele ein bisschen in
                        der ISDN-Anlage der Uni herum und lenke alle Anrufe der Hotline
                        im PC-Labor auf meinen Anschluss um. Mein Telefon beginnt sofort
                        zu duedeln.

                        "PC-Hotline. Wie kann ich Ihnen helfen?" melde ich mich.
                        "Ja, hallo! Hier ist... aeh, egal. Ich wollte eigentlich nur
                        fragen, ob ich auf meinem neuen PC noch Garantie habe. Weil...
                        naemlich, der Kaffeetassenhalter ist abgebrochen..."
                        Das ist sogar fuer mich etwas Neues! Donnerwetter! Echt
                        fortschrittlich hier an der Westkueste - PCs mit eingebautem
                        Kaffeetassenhalter...
                        "Hab ich das richtig verstanden", sage ich,
                        "der Kaffeetassenhalter an Ihrem neuen PC ist abgebrochen?"
                        "Genau!"
                        "Aeh, wo ist der denn angebracht? Hat er das gleiche
                        Markenzeichen wie der PC selber?"
                        Er raschelt etwas im Hintergrund herum, dann nuschelt er:
                        "Vorne am Gehaeuse. Nee, der hat kein Markenzeichen 'drauf..."

                        "Ist er am Gehaeuse angeklebt? So etwa wie die Tassenhalter im
                        Auto?"
                        "Nee, der war versenkbar. Aber jetzt is' er abgebrochen. '4x'
                        steht vorne 'drauf. Ist das 'ne Marke?"
                        Ich kapiere endlich, dass der Kerl seinen CDROM-Schlitten als
                        Tassenhalter missbraucht hat und gehe kurz in den Zustand ROTFL.
                        Als ich wieder zu Atem komme, empfehle ich dem Burschen in
                        Zukunft seinen Kaffee lieber oben auf dem Schirm abzustellen.
                        "Da bleibt er naemlich laenger warm, von wegen der heissen Abluft
                        von der Bildroehre, verstehen Sie?"
                        Er bedankt sich herzlich fuer den heissen Tip. Hoffentlich kippt
                        er bald mal den Kaffee in die Innereien seines Displays. Manchen
                        Leuten sollte man wirklich keinen Rechner in die Finger geben!
                        Warum gibt es eigentlich keine Rechner-Fuehrer-Scheine?

                        Kaum ist der Hoerer auf der Gabel, duedelt es schon wieder.
                        Diesmal ist es eine Frau. Zumindest klingt es so. In San
                        Francisco kann man da nie so ganz sicher sein...
                        "Aeh, ich weiss nicht, ob ich da richtig bin. Sie sind doch die
                        PC-Beratung, oder?"
                        Ich bestaetige, dass dem so sein, und frage freundlich nach ihrem
                        Problem. Hier an der Westkueste ist ein Computerproblem eine sehr
                        persoenliche, ja fast schon peinliche Sache. Manche bringen ihren
                        PC sogar mit zum Therapeuten.
                        "Hmm, ja also: meine Maus funktioniert einfach nicht so mehr
                        richtig. Auch wenn ich sie nur auf dem Maus-Pad benutze. Kann
                        man da was machen?"
                        Ich ueberlege nicht lange:
                        "Verwenden Sie denn den mitgelieferten Staubschutz?"
                        "Aeh... nein?"
                        "Sagen Sie bloss, Ihre Maus kam ohne Staubschutz. So eine
                        durchsichtige Plastikhuelle, nein?"
                        "Aehm... ja, doch. Aber..."
                        "WAS - ABER!"
                        "Ich dachte, das sei nur die Verpackung...", fluestert sie
                        eingeschuechtert.
                        "Die Verpackung!" stoehne ich.
                        "Jetzt machen Sie sich mal aber auf die Socken und finden Sie
                        schleunigst den Staubschutz fuer Ihre Maus! Ist ja kein Wunder,
                        wenn die arme Maus nicht mehr funktioniert!"
                        Sie verspricht hastig, dass sie sich sofort darum kuemmern werde
                        und legt auf. Schade, dass ich nicht sehen kann, wie sie
                        versucht, mit einer verpackten Maus zurechtzukommen...

                        Der naechste Anrufer haelt sich nicht lange mit unnoetigen
                        Vorreden auf:
                        "Mein PC faxt nicht!"
                        "Aha", sage ich, vorsichtig geworden,
                        "Sie haben nicht zufaellig das Dokument zusammengefaltet und in
                        den Schlitten des CDROMs gefuettert?"
                        "Was? Wie? Ich habe doch gar kein CDROM. Ich sagte, mein PC faxt
                        einfach nicht. Ich verwende die mit dem Modem gelieferte
                        Fax-Software..."
                        Ich bitte den erregten Anrufer kurz zu beschreiben, was er im
                        Einzelnen macht.
                        "Ich erstelle ganz normal ein Dokument. Dann gehe ich in die
                        Fax-Software, waehle 'Senden' aus und gebe die Faxnummer ein.
                        Dann hoert man ihn waehlen und ein hohes Pfeifen, aber beim
                        Empfaenger kommt immer nur ein leeres Blatt an..."
                        "Hmm, klingt ganz normal. Haben Sie es denn schon mit
                        verschiedenen Faxnummern versucht?"
                        Er bestaetigt entruestet, dass er es jetzt schon fuenfmal mit
                        drei verschiedenen Nummern versucht habe.
                        "Und ausserdem wird das auch allmaehlich ganz schoen
                        anstrengend", fuegt er mit beleidigter Stimme hinzu.
                        "Anstrengend?" frage ich ueberrascht.
                        "Naja, immer so lange das Dokument gegen den Schirm halten, meine
                        ich. Man will ja nicht, dass es verwackelt, oder?"

                        Das ist zuviel! Ich lege auf - und gehe nach Hause!
                        O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                        ----------------------------------------
                        Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

                        Kommentar


                        • #13
                          Das entsetzlich duenne Gebraeu, das sich die Mitarbeiter hier
                          literweise intravenoes 'reinziehen, und was trotz aller
                          Scheusslichkeit immer noch als 'Coffee' bezeichnet wird, geht mir
                          so gegen den Strich, dass ich mich kategorisch weigere, meinen
                          Luxuskoerper damit zu verseuchen.

                          Eine Woche lang traeufele ich jeden morgen Tippex-Verduenner in
                          den Kaffee. Als aber keiner der geschmacksamputierten Kollegen
                          darauf reagiert, beschliesse ich ganz gegen meine sonstige
                          Veranlagung altruistisch aktiv zu werden. Ich ziehe also los und
                          kaufe die teuerste Espresso- und Kaffeemaschine (Marke
                          'Executive's Delight'), 20 Pfund besten italienischen Kaffee und
                          eine Mini-Video-Kamera. Die Rechnung lasse ich ans Buero des
                          Deans faxen; und schon nach wenigen Stunden kann ich mich
                          entspannt mit einer Tasse frischen Cappuccinos in die Haengematte
                          legen.

                          In absoluter Rekordzeit von nur 2 Stunden, 36 Minuten und 12
                          Sekunden ruft das Sekretariat des Deans bei mir an und beschwert
                          sich ueber die Rechnung. Sie sagen, dass ich... und ueberhaupt...
                          keinerlei Befugnis... mit Konsequenzen sei zu rechnen... und
                          ueberhaupt... unglaublich... skandaloes... und ueberhaupt... noch
                          nie dagewesen... und koennte ja jeder kommen... und ueberhaupt...
                          Ich warte, bis ihnen die Luft ausgeht; dann verlange ich ganz
                          cool den Dean selber zu sprechen. Nach kurzem Zoegern - immerhin
                          habe ich keinen Gespraechstermin - stellen sie mich durch. Die
                          Durchstellung dauert fast eine Minute; also haben sie den Dean im
                          Telegrammstil ueber die Situation aufgeklaert, und ich muss mich
                          nicht mit langen Erklaerungen aufhalten.
                          "Haben sie einen Web-Browser auf Ihrer Maschine?" frage ich,
                          bevor der Dean ueberhaupt Luft holen kann.
                          "Aeh... ja?"
                          "Geben Sie bitte folgende Adresse ein..."
                          Ich diktiere ihm eine URL an der Stanford University, der
                          Erz-Rivalin von Berkeley am anderen Ende der Bay.
                          "Was Sie da sehen", sage ich ernst,
                          "ist ein Online-Bild der weltberuehmten Kaffee-Maschine im CS Lab
                          der Stanford University. Ueber diese Web-Page koennen die
                          Mitarbeiter des Labs jederzeit sehen, wie hoch der momentane
                          Kaffeespiegel in der Kaffeemaschine ist."
                          "Ja, aber..."
                          "Dieses Bild ging um die Welt", lasse ich ihn nicht zu Wort
                          kommen,
                          "als revolutionaeres und zugleich glorreich sinnloses Beispiel

                          von vernetzter Multimedia-Technologie. Und damit verbunden war
                          immer der Name STANFORD!"
                          "Ich weiss", sagt der Dean,
                          "aber..."
                          "UND WAS IST MIT BERKELEY?" fahre ich unerbittlich fort.
                          "WAS HABEN WIR DEM ENTGEGENZUSETZEN? NICHTS!!!"

                          Der Dean schweigt betroffen.

                          Das komplizierte Wettbewerbssystem der amerikanischen
                          Spitzen-Universitaeten ist eine ernste Sache. Ein gutes Image
                          kann sich in klingende Muenze verwandeln: wenn eine Universitaet
                          als renommiert gilt, kann sie ihre Semestergebuehren
                          hinaufschrauben (Berkeley derzeit $15.000 pro Jahr (fuer
                          Nicht-Kalifornier, Kalifornier zahlen nur etwa $6000), Stanford
                          je nach Studienzweig zwischen $12.000 bis $25.000 pro Jahr, an
                          der Ostkueste gibt es Medical Schools, die bis zu 25.000 Dollar
                          verlangen).

                          Bevor sich der Dean erholen kann, gebe ich ihm die URL eines
                          unserer uralten Macs durch, den ich zu diesem Zweck extra wieder
                          ans Netz gehaengt habe.
                          "Auf diesem Bild", erlaeutere ich mit verhaltenem Pathos in der
                          Stimme,
                          "koennen Sie nicht nur den Kaffeestand ablesen, sondern zudem
                          noch den momentanen Dampfdruck der Espresso-Maschine ermitteln,
                          per HTML-Formular die Temperatur der Heizplatte regeln, und
                          bekommen zudem noch eine Sound-Uebertragung der letzten fuenf
                          Milch-Schaeum-Vorgaenge geliefert..."

                          In der Tat hoere ich im Hintergrund das infernalische Gestoehne
                          der neuen Espresso-Maschine; der Dean weiss also zumindest, wie
                          man auf einem HTML-Dokument einen Button drueckt. Deshalb ist er
                          wahrscheinlich auch Dean, und nicht nur Professor!

                          "Und wissen Sie, wo dieses ergreifende Beispiel bis zur absoluten
                          Sinnlosigkeit vorangetriebener High-Tech installiert ist?
                          IN UNSEREM DEPARTMENT!!!"

                          Was uebrigens nicht zu uebersehen ist, weil ich die ganzen Pages
                          mit dem Logo des Computer Science Departments von Berkeley
                          gepflastert habe!

                          Zehn Sekunden ist Schweigen in der Leitung. Der Dean muss sich
                          blitzschnell eine gute Ausrede einfallen lassen, wie er die
                          unvorhergesehene Ausgabe vor dem financial department
                          rechtfertigen kann. Aber sowas findet sich immer...
                          Schliesslich sagt er:
                          "Nun, gut. Aber..."
                          "Nein", unterbreche ich,
                          "gar nicht gut!"
                          "Aeh... was?"
                          "Koennen Sie sich vorstellen, wieviele Zugriffe auf diese Page
                          stattfinden werden, wenn sich die Sache erstmal herumgesprochen
                          hat? Zigtausende! Wie soll das unsere Domaene verkraften, wenn
                          sie nur an einer laecherlichen 10 MBit-Leitung haengt? Und was
                          fuer ein Eindruck wird das sein, wenn man 10 Minuten warten
                          muss, bis sich die Page aufbaut?"
                          "Aber..."
                          "Berkeley kann sich keine vernuenftige Netztechnologie leisten,
                          wird es heissen. Brillante Ideen, aber nichts dahinter! Big hat,
                          no cattle! Der einzige vernuenftige Ausweg ist eine solide
                          FDDI-Verbindung vom Backbone zu unserer Domaine. Die war sowieso
                          frueher oder spaeter faellig. Kostenpunkt laecherliche 7.000
                          Dollar."

                          Der Dean schnappt nach Luft. Sein Blutdruck steigt bekannterweise
                          proportional zu den genannten Summen.
                          "Unmoeglich!" japst er.
                          "Schalten Sie das Ding sofort ab!"
                          "Zu spaet!" kontere ich.
                          "Einige unserer Studenten haben die URL bereits im USENET
                          gepostet. Wenn wir es jetzt wieder herausnehmen, ist die Blamage
                          fuer Berkeley zu gross; das koennen Sie nicht verantworten,
                          oder?"

                          Genaugenommen wissen die betreffenden Studenten gar nichts davon,
                          dass sie etwas im USENET gepostet haben. Das ist der Vorteil,
                          wenn man Zugang zu allen Mailboxen hat!

                          Der Dean windet sich wie ein elektrischer Aal, der aus Versehen
                          in die Kanalisation eines Kernkraftwerks geraten ist. Aber
                          schliesslich gibt er mir eine muendliche Zusage, dass er sich bei
                          der naechsten Haushaltssitzung fuer einen Netzausbau einsetzen
                          wird. Von der Kaffeemaschine ist auf einmal nicht mehr die Rede!

                          Nachdem ich aufgelegt habe, liege ich in der Haengematte,
                          schluerfe meinen Cappuccino und sinniere darueber nach, ob ich
                          mich nicht doch einmal als Bundesfinanzminister bewerben
                          sollte...
                          O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                          ----------------------------------------
                          Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

                          Kommentar


                          • #14
                            'PR', wie jeder weiss, steht fuer 'public relations' und ist
                            neben der Gesellschaftsdefinition-Nummer-Eins die wichtigste
                            Sache im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten.
                            (Gesellschaftsdefinition-Nummer-Eins in den USA
                            - fuer alle, die es noch nicht wissen sollten -
                            ist der einfache Satz: 'More Money!')

                            Alles, naja, fast alles wird der PR untergeordnet: Das Wetter,
                            die ganze Politik und das Balzverhalten amerikanischer Maenner.
                            Im engeren Sinne gibt es ausser der normalen Werbung auch noch so
                            Dinge wie Anti-Werbung (in Deutschland verboten, also zerbrecht
                            euch nicht den Kopf darueber), Imagepflege, Infomercials,
                            Meta-Werbung und Meta-Meta-Werbung.

                            Anti-Werbung ist, wenn ein Mercedes E 500 unter der Last einer
                            fuenfkoepfigen Familie mit zwei Hunden zusammenbricht, weil alle
                            Familienmitglieder krankhaft uebergewichtig sind und der 500er in
                            der hoechsten Ausstattung soviel Schnickschnack (amerikanisch:
                            'snigsnags') an Bord hat, dass nur noch 200 kg Zuladung moeglich
                            sind. Andererseits dann der kleinste Mazda mit der gleichen
                            Ladung mirakuloeserweise einen Kavaliersstart hinlegen kann.

                            Ein Infomercial ist eine verkappte Werbung, die subversiv so tut,
                            als waere sie keine - also so ziemlich dasselbe wie bei uns die
                            Stiftung Warentest. Das ist in USA nicht besonders schwierig,
                            weil gleichzeitig die Nachrichtensendungen sich alle Muehe geben,
                            wie Werbung auszusehen. Man trifft sich also irgendwo im selben
                            Info-Sumpf! Ein prima Beispiel fuer ein Infomercial ist der
                            folgende Text auf einer Milchtuete
                            (Kommentare von mir in Klammern):

                            "What Makes a Dairy Cow Contented? To a dairy cow, contentment
                            means feeling comfortable, being healthy, and eating well... and
                            Berkeley Farms Holstein cows (!) are among the most contented
                            cows around!"
                            (Als gute Bayern wissen wir, dass das gelogen sein muss: nur

                            bayrische Kuehe sind bekanntlich glueckliche Kuehe! Ausgenommen
                            vielleicht noch die Milka-Kuh!)

                            "They live on the finest farms in Northern California, from the
                            rolling Hills of Marin and Sonoma Counties to the lush San
                            Joaqim Valley!"
                            (Marin liegt direkt am Pazifik und dort ist es normalerweise so
                            windig, dass es eine Kuh von den Hufen hebt. Das San Joaqim
                            Valley ist im Sommer eine einzige Wueste mit Temperaturen ueber
                            40 Grad!)

                            "Calves lucky enough to be born on the Berkeley Farms dairy farm
                            are watched over by a special attendant for several weeks to
                            make sure they get the best possible start in life."
                            (Der Zuechter entscheidet innerhalb der ersten 4 Wochen, ob das
                            Vieh zur Milchkuh taugt oder gleich in Hamburger
                            weiterverarbeitet wird.)

                            "After that time, Berkeley Farms cows have their own
                            nutritionist, who make sure they continue to enjoy the best of
                            health!"
                            (Zu deutsch: sie bekommen taeglich eine milchfoerdernde
                            Hormonspritze verpasst!)

                            "Because Berkeley Farms' healthy, contented cows produce the best
                            milk, Berkeley Farms delivers the freshest and best-tasting
                            dairy products available anywhere!"
                            (Man beachte die absolut unaufdringliche Erwaehnung des
                            Markennamens!)

                            Meta-Werbung ist, wenn die normale Werbung schon so abgedroschen
                            ist, dass nur noch massive Eigenverarschung die Aufmerksamkeit
                            des Beworbenen erregen kann. Beispiel: ein Fatty stopft so lange
                            Fruehstuecksflocken in sich hinein, bis er platzt und die
                            Umgebung im Umkreis von 300 Metern mit Milch, Flocken, Schleim
                            und blutigen Fleischfetzen bepflastert.

                            Meta-Meta-Werbung geht noch einen Schritt weiter (oder zurueck)
                            und ist gedacht fuer die Leute, denen die vorangegangene
                            Meta-Werbung so an die Nieren gegangen ist, dass sie jede normale
                            Werbung ohne Blut und Gemetzel als Labsal fuer die Seele
                            betrachten. Meta-Meta-Werbung ist also genaugenommen nichts
                            anderes als altmodische Werbung a la Klementine - nur geschieht
                            es in innerhalb eines ganz anderen Paradigmas.
                            (Bitte keine emails mehr: Was ist ein 'Paradigma'!).
                            Meta-Meta-Werbung ist zur Zeit bei den Werbeagenturen ganz
                            besonders beliebt, weil man die alten Schinken der 60iger und
                            70iger Jahre aus den Archiven holen und neu vergolden kann...

                            Jedenfalls, weil PR hier so wichtig ist, kann auch der BAfH es
                            nicht einfach so tolerieren, wenn hinter seinem Ruecken ueber die
                            Qualitaet der Systemverwaltung gestaenkert wird!

                            Die betreffende Kollegin, Marcia, ist eine von der ganz
                            vorsichtigen Sorte und hat fuer ihre Beschwerdemail an Prof.
                            Icewater ein anonymes Mail-Relay in Finnland verwendet.
                            Dummerweise hat sie nicht bedacht, dass auch jede ausgehende Mail
                            zuerst mal im System ge-queued wird und somit meinen speziellen
                            Mail-Filter zugaenglich wird, das alle Mails, die meinen Namen
                            enthalten, automatisch an mich abzweigt. Unter anderem beschwert
                            sie sich bei der Chefin darueber, dass mein Telefonanschluss
                            entweder staendig belegt sei oder ich nicht 'rangehen und
                            gleichzeitig nicht auf email reagieren wuerde. Ausserdem, so
                            Marcia weiter, hielte ich mich nicht an die
                            'first-come-first-serve'-Methode, sondern wuerde gewisse
                            namentlich nicht genannte Kolleginnen (sic!) ausser der Reihe
                            bevorzugen!

                            Da hier in Berkeley offiziell immer noch die Meinung vertreten
                            wird, dass email eine sichere Kommunikationsform (Lach!) sei, bei
                            der die Privatsphaere uneingeschraenkt geschuetzt werde
                            (Lach-Wieher!), kann ich mit der abgefangenen Mail nicht direkt
                            gegen Marcia vorgehen. Aber ich werde dafuer sorgen, dass sie
                            meine Dienste in Zukunft besser zu schaetzen weiss...

                            Um die Lunchzeit albere ich mit Ginger im Flur herum und warte,
                            bis Marcia ihr Buero verlaesst. Kaum ist sie weg, gehe ich an
                            ihre Workstation und fahre mit dem Root-Passwort ihre
                            X-Oberflaeche hoch. Ich mache rasch einen screen shot von der
                            gesamten Oberflaeche und speichere ihn als ihr Hintergrundbild
                            ab. Dann loesche ich alle Applikationen, die sonst beim
                            Hochfahren gestartet werden und ersetze in allen Popup-Menus die
                            Programm-Aufrufe durch Beeps.
                            (Koennt ihr mir noch folgen? Nein? Kann man nix machen...)

                            Keine halbe Stunde spaeter ruft sie an.
                            "Hallo", sage ich.
                            "Aehm... hi! Hier ist Marcia. Ich habe ein Problem mit..."
                            "Schicken Sie mir eine Email", unterbreche ich sie.
                            "Aber..."
                            "Ich habe strikte Anweisung bekommen, Anfragen nur noch in der
                            Reihenfolge des Email-Eingangs zu bearbeiten", sage ich, lege
                            auf und beginne zu zaehlen. Bei 5 klingelt es wieder.
                            "Hallo", sage ich.
                            "Aehm... ich kann keine email schicken, weil ich nicht in meine
                            Maschine komme..."
                            "Koennen Sie sich nicht mehr einloggen?" frage ich scheinheilig.
                            "Doch, aber..."
                            "Dann gehen Sie an eine andere Maschine, loggen sich ein und
                            schicken mir von dort eine ausfuehrliches Trouble-Ticket", sage
                            ich und lege auf.
                            Sie braucht nur 3 Minuten, um herauszufinden, dass auch das nicht
                            geht. Das Telefon klingelt.
                            "Hallo", sage ich.
                            "Ich..."
                            Ich simuliere den gestressten, ueberarbeiteten System-Engel:
                            "Sie schon wieder! Ich habe gerade erst von der Chefin einen
                            Anschiss bekommen, weil ich dauernd an der Strippe haenge,
                            anstatt meine Trouble-Tickets zu bearbeiten. Ich habe keine
                            Lust, mir noch einen einzuhandeln!"

                            Das stimmt zwar nicht, weil ich Marcias Mail an Icewater
                            selbstredend nach /dev/null kopiert habe, aber das kann sie ja
                            nicht wissen.

                            Ein paar Sekunden ist es still in der Leitung. Dann erklaert sie
                            hastig, dass auch auf allen anderen Maschinen es nur piepst, wenn
                            sie etwas auf ihrer Oberflaeche anklicken will.
                            "Na schoen", sage ich seufzend,
                            "ausnahmsweise. Aber dass mir ja niemand davon erfaehrt, dass ich
                            Sie vorgezogen habe..."
                            Sie versichert mir hastig, dass sie absolut verschwiegen sei. Die
                            Reue trieft aus allen Vokalen.

                            Ich gehe in ihren Account und verwische rasch alle meine Spuren.
                            Das kann man normalerweise ganz einfach und elegant mit dem
                            Kommando 'rm -rf $HOME' erledigen (Das war ein TIP, Leute!
                            Schreibt ihn euch auf!). Diesmal allerdings verzichte ich aus
                            gewissen Gruenden darauf und loesche tatsaechlich nur, was noetig
                            ist.

                            Dann sage ich:
                            "Hmm, tja. Sieht ganz so aus, als der Lunchy-Punchy-Virus wieder
                            zugeschlagen haette..."
                            "Lunchy-Punchy?"
                            "Ja, Sie wissen schon... der neue Retro-Virus aus Transilvanien,
                            der immer dann zuschlaegt, wenn zwischen 12 und 1 Uhr die
                            Aktivitaet auf der Workstation nachlaesst..."
                            "Ach ja?" sagt sie tapfer,
                            "davon habe ich auch schon gehoert..."

                            Logisch! Wenn man zu ihnen sagt 'Sie wissen schon...' koennen die
                            Leute gar nicht mehr anders, als 'schon davon gehoert zu haben'!

                            "So, alles erledigt", sage ich.
                            "Der Virus ist neutralisiert, und Sie sollten wieder normal
                            arbeiten koennen."
                            "Ah! Danke!" sagt sie erleichtert und will schon auflegen. Aber
                            so leicht lasse ich sie nicht vom Haken!
                            "Wissen Sie eigentlich, dass naechste Woche an der Uni die
                            'SysAdmin Awareness Week' stattfindet? Nach dem, was heute
                            passiert ist, koennten Sie doch so freundlich sein, und bei der
                            Festveranstaltung ein paar nette Worte ueber den hervorragenden
                            Service hier sagen...?"

                            Marcia schluckt hoerbar. Man hoert die Schweisstropfen auf die
                            Sprechmuschel plaetschern. Schliesslich wuergt sie:
                            "Aber... aeh... ja, natuerlich... GERNE!"

                            Ich bin so ein Sadist!
                            O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                            ----------------------------------------
                            Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

                            Kommentar


                            • #15
                              Einer der ganz grossen Vorteile, in den USA ein 'system guy' zu
                              sein, ist die Tatsache, dass man zwar an der Uni arbeitet, aber
                              niemand ernsthaft erwartet, dass man irgendwelche
                              wissenschaftlichen Veroeffentlichungen macht. Auf diese Weise hat
                              man die Moeglichkeit, Studenten zu triezen, ohne wirklich
                              wissenschaftlich arbeiten zu muessen. Andererseits kann man sich
                              trotzdem als 'scientist' bezeichnen - zum Beispiel, wenn man
                              einen neuen Kredit braucht oder ein Maedchen beeindrucken will!

                              Waehrend also die Kollegen nach der Devise 'Publish or Perish'
                              wie die gebissenen Affen Paper schreiben, weil sie genau wissen,
                              dass ihr Arbeitsvertrag nur verlaengert wird, wenn sie pro Jahr
                              mindestens 5 Veroeffentlichungen nachweisen koennen, kann ich in
                              aller Ruhe durch die Email der Studentinnen browsen. Ab und zu
                              habe ich das Glueck, dass mir einer sein Paper zum 'review' gibt.
                              Warum das ein Glueck ist? Weil es mir die Chance gibt, ungestraft
                              die Arbeit eines anderen in den Dreck zu zerren!

                              Natuerlich mache ich mir nicht die Muehe, das Paper tatsaechlich
                              zu verstehen! Das koennte ja in geistige Arbeit ausarten - und
                              ich brauche alle meine mentalen Kapazitaeten, um die User im
                              System in Schach zu halten! Nein, ich fetze nur so durch die
                              Spalten und suche nach einfachen Woertern, die ich durch andere,
                              schwerer verstaendliche Ausdruecke ersetze. Z. B. ersetze ich
                              'bedenken' durch 'ernsthaft in die innere Wahl von potentiellen
                              Erwaegungen ziehen' oder 'daraus folgt' durch 'unter
                              Beruecksichtigung aller hypothetischen Praemissen koennte daraus
                              evident werden' oder 'Untersuchung' durch 'breit angelegte,
                              empirisch gestuetzte Analyse' usw. Sollte der Text danach immer
                              noch zu leserlich sein, verteile ich per Zufall kryptische rote
                              Krakel an der Rand und unterstreiche beliebige Textstellen. Wenn
                              dann spaeter der verzweifelte Autor zu mir zurueckkommt, weil er
                              die Kritzel nicht interpretieren kann, gebe ich zu, dass auch ich
                              mich nicht mehr erinnern kann. Dann runzele ich sorgenvoll die
                              Stirn und sage:
                              "Aber irgendwie... ich weiss nicht... war das eine ziemlich
                              wichtige Bemerkung. Wenn ich mich bloss erinnern koennte..."
                              Nach drei, vier solchen 'Hinweisen' ist der Kollege reif fuer die
                              Klapsmuehle und nahe daran, das Paper komplett neu zu schreiben.

                              Wenn das Paper sowieso schon unleserlich bei mir abgeliefert wird
                              (was ziemlich haeufig vorkommt), beschraenke ich mich darauf, am
                              Layout herumzudoktern. Zum Beispiel empfehle ich, die Zahl der
                              Spalten auf fuenf zu erhoehen und den Font der Ueberschriften auf
                              Groesse 8pt zu reduzieren. Oder ich behaupte, dass die Graphiken
                              'nicht instruktiv genug' seien und das aesthetische Empfinden des
                              Leser beleidigten.

                              Aber am liebsten uebersetze ich Dokumente ins Deutsche. Ab und zu
                              machen Leute den Fehler, mich um Hilfe zu bitten, wenn sie etwas
                              nach Deutschland schicken muessen. Teilweise geschieht dies auch
                              deshalb, weil ich das Geruecht verbreiten liess, dass deutsche
                              Behoerden alle Anschreiben, die nicht im korrekten Amtsdeutsch
                              verfasst seien, sofort in den Reisswolf werfen. Am besten sind
                              Zeugnisse von Studenten, die sich bei einer deutschen Uni
                              bewerben wollen. Jeder weiss, dass Zeugnisse immer zwischen den
                              Zeilen gelesen werden. Es ist ueberhaupt kein Problem, all die
                              bekannten Zeugnis-Killerphrasen unterzubringen, zum Beispiel:
                              "Sie hat sich bemueht, die ihr uebertragenen Arbeiten zu unserer
                              Zufriedenheit zu erledigen..." (bekommt ueberhaupt nichts auf
                              die Reihe, egal wie oft man es auch erklaert)
                              "Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des
                              Betriebsklimas bei..." (notorischer Alkoholiker)
                              "Fuer die Belange der Belegschaft bewies er ein umfassendes
                              Einfuehlungsvermoegen..." (Vorsicht: schwul!)

                              Manchmal habe ich sogar das Glueck, die Orginaldokumente in die
                              Finger zu bekommen. Dann verlaengere ich vorsichtig die
                              Unterschrift mit einen Haken nach RECHTS. Das bedeutet:
                              "Achtung! Der Typ ist Mitglied in einer LINKS gerichteten Partei!
                              Rufen Sie mich auf jeden Fall an!"
                              (Kein Scheiss! Wer's nicht glaubt, kann nachsehen. Wo, hab ich
                              vergessen...)

                              Zusaetzlich fuege ich in die Anrede des Begleitschreibens
                              irgendwelche fiktiven Titel ein. Statt 'Sehr geehrter Herr
                              Sowieso' schreibe ich: 'Hochgeehrtester und grossmaechtigster
                              Auslandsbehoerden-Gross-Mufti-Pascha Dr.-phil. von Sowieso'. Im
                              allgemeinen finden das die Studenten hier ganz in Ordnung, weil
                              irgendwann in den zwanziger Jahren jemand in den USA das Geruecht
                              verbreitet hat, in Deutschland haette jeder einen Titel und wehe,
                              man vergisst diesen bei der Anrede! (Wobei nicht ganz von der
                              Hand zu weisen ist, dass an dem Geruecht was dran ist!)

                              Es klopft und 'Barbie' streckt ihren Blondschopf herein.
                              Natuerlich heisst sie nicht wirklich Barbie! Und jeder, der es
                              wagen wuerde, sie so zu nennen, wuerde wegen 'sexual harassments'
                              oeffentlich gevierteilt! Aber sie ist nun mal der seltene Fall
                              des Traums vom 'American Girl', mit blauen Bambi-Augen, langem
                              blonden Haar, etc. etc. pp. (Wenn ich's mir recht ueberlege,
                              hatte Bambi glaube ich braune Augen; egal ihr wisst, was ich
                              meine!)

                              Barbie haucht, ob ich eine Sekunde Zeit fuer sie haette, und
                              klimpert verheissungsvoll mit den ueberfrachteten Augenlidern.
                              Natuerlich habe ich IMMER Zeit fuer Barbie! Damit wir uns
                              ungestoerter unterhalten koennen, kille ich rasch saemtliche
                              User-Batches auf dem Server und fahre die sirrenden Festplatten
                              herunter. Dann eroeffnet mir Barbie leicht erroetend, dass sie
                              einen deutschen Brieffreund (!) habe und sie moechte sooooo gerne
                              ein paar deutsche Zeilen an ihren Brief anhaengen, aber leider
                              habe sie nur Spanisch in der Highschool gehabt, und ob ich
                              vielleicht so freundlich sein koennte, undsoweiter tataatataa...

                              Es ist wirklich eine Unsitte, dass manche Leute immer noch mit
                              gebleichter Zellulose kommunizieren! Man denke nur an die ganzen
                              abgeholzten Urwaelder!! Und ausserdem bekomme ich auf diese Weise
                              ja gar nichts mit!!!

                              Mist! Sie zeigt mir sogar ein Foto von dem Gecken - ein
                              fuerchterlich gut aussehender, braungebrannter Spunt, der sich
                              gerade an einer Reckstange hochzieht, so dass alle Muskelpakete
                              herauszuknallen drohen - und es dabei auch noch fertigbringt zu
                              lachen!

                              Ich nehme Papier und Bleistift zur Hand, und Barbie liest mir
                              ihren Entwurf fuer die angefuegten deutschen Zeilen vor - und
                              wird dabei womoeglich noch roeter. Dabei ist es bloss harmloses
                              romantisches Gefasel:

                              Barbie: "I'm looking forward to walk with you hand in hand down a
                              wonderful beach next summer."
                              Ich schreibe: "Ich bin schauend nach vorne, dich kraeftig
                              durchzuwalken mit wundervoller Unterhand am Strand
                              im naechsten Sommer."

                              Barbie: "We'll swim in the clear blue water and gaze in the stars
                              at night."
                              Ich schreibe: "Willst schwimmen mit einem Klaren bis deiner ganz
                              blau und nachts wickle ich ihn in Gaze."

                              Barbie: "We'll roam around like free and happy birds and go back
                              to our cozy little nest at night."
                              Ich schreibe: "Wir werden rammeln mehrere Runden, lecken Freud
                              (am A...) und einige glueckliche Voegeleien, und
                              der gottverdammte Baecker kotzt ein kleines Nest
                              vor Neid."

                              Barbie: "The time will fly, but last in our memories forever."
                              Ich schreibe: "Die wilden Zeitfliegen buttern unsere Memoiren ein
                              im Fieber."

                              Barbie: "So long, my friend!"
                              Ich schreibe: "So lang ist er, mein Freundchen!"

                              Mal sehen, ob die Brieffreundschaft anhaelt...
                              O' mein Gott!....es ist voller Sterne.
                              ----------------------------------------
                              Streite nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herab, dann machen sie dich mit ihrer Erfahrung nieder!

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