Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Fachkräftemangel und goldene Zeiten für Arbeitnehmer

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Fachkräftemangel und goldene Zeiten für Arbeitnehmer

    Experten: Löhne steigen durch Fachkräftemangel
    Kommen goldene Zeiten für die Arbeitnehmer? Die Arbeitgeber warnen vor zu hohen Forderungen in den Tarifrunden.


    Köln/Berlin. Die Verhandlungsmacht des normalen Arbeitnehmers wird sich nach Ansicht des Direktors des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Hilmar Schneider, „erheblich verbessern“. Damit rechnen Wirtschaftsexperten aufgrund der demografischen Entwicklung sowie einer Besserung auf dem Arbeitsmarkt. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, sinkt nach Berechnungen des Forschungsinstituts Kiel Economics, einer Ausgründung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), die Zahl der Jobsuchenden bis 2014 auf 1,88 Millionen. Im Gegenzug würden die Bruttolöhne 2013 um 4,3 Prozent und 2014 um 4,9 Prozent steigen.
    (...)
    Experten: Löhne steigen durch Fachkräftemangel :: Homepage - Nachrichten - Wirtschaft :: Mittelbayerische Zeitung :: www.mittelbayerische.de

    Fassen wir also zusammen: Fachkräftemangel mag für eine Volkswirtschaft kein Optimalzustand sein, aber er bewirkt, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmer in bessere Verhandlungspositionen aufrücken, wenn es um die Lohnfrage geht. Insofern: Es lebe der Fachkräftemangel!

    Wieso werden angesichts dieser lockenden Entwicklung jetzt schon wieder Stimmen nach mehr Zuwanderung laut? Kann mir das jemand erklären? Wieso schreit man jetzt nach noch mehr Zuwanderung, wo der Arbeitsmarkt und wohl auch die Löhne nach so langer Flaute vielleicht wieder in bessere Gefilde schippern könnten?

    Nach meinem Dafürhalten kommt es immer wieder auf dasselbe hinaus: Den Arbeitnehmer klein und perspektivlos zu halten, ist von oben gewollt.

    "Fachkräftemangel? Arbeitnehmer drohen, in bessere Verhandlungspositionen aufzurücken? Kein Problem! Wir holen mehr Menschen ins Land, damit die Arbeitslosigkeit konstant hoch bleibt und jeder um seinen kleinen Job fürchten muss! Schon hat es sich mit Verhandlungen! Blödes Arbeitergewürm!"

    Was ich am allerwenigsten verstehe: Solche Forderungen nach mehr Zuwanderung kommen nicht mal von der aktuellen Schwarzgelb-Regierung, sondern von der Opposition!

    Was also geht da oben vor?

  • #2
    Vlt traut man dem seit Jahren kontinuierlich abgespeckten Bildungs- und Ausbildungssystem nicht mehr und fürchtet, dass wir alle entweder alle noch mehr verblöden oder auch noch die letzten Fachleute ins Ausland abwandern, da die Firmen bestimmte Qualifikationen einfach nicht gerecht bezahlen wollen...
    Heaven is where the police are British, the chefs are Italian, the mechanics German, the lovers French and it all is organized by the Swiss.
    Hell is where the police are German, the chefs are British, the mechanics french and the lovers are Swiss and it all is organized by the Italians.

    Kommentar


    • #3
      Zitat von burpie Beitrag anzeigen
      [...] oder auch noch die letzten Fachleute ins Ausland abwandern[...]
      Das ist übrigens ein ziemlicher Mythos. Es wandern zwar Fachkräfte ins Ausland ab, die meisten kommen aber nach wenigen Jahren wieder zurück. (€: Leider finde ich den entsprechenden Artikel nicht mehr. War aber die letzten Wochen mal in der SZ)

      Deutschland ist eben ein Hightech-Standort. Solange unser marodes Schulsystem nicht genug qualifizierte Fachkräfte ausspuckt, ist unsere Wirtschaft eben auf Zuwanderung angewiesen. Ob man da jetzt wieder eine große Verschwörung der Gutmenschen sehen will, die sich mal wieder zusammengerottet haben, um das teutsche Volk auszubeuten, bleibt jedem selbst überlassen.
      Zuletzt geändert von SF-Junky; 02.08.2010, 16:25.
      "The only thing we have to fear is fear itself!"

      Kommentar


      • #4
        Es gibt genug Fachkräfte. Es werden aber Leute jenseits der 40 nicht mehr eingestellt, da zu alt und junge Leute werden nur mit Praktika abgespeist. Dann schreit man nach Mangel und schon werden super billige Arbeitskräfte aus dem Ausland reingeholt. Ist leider so.

        Oder wie kann man sich sonst erklären, warum z.B. 40jährige IT Fachkräfte ihren Job verlieren? An "Fachkraftmangel" kann es wohl kaum liegen und auch nicht an geringen Qualifikationen.

        Kommentar


        • #5
          Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
          Das ist übrigens ein ziemlicher Mythos. Es wandern zwar Fachkräfte ins Ausland ab, die meisten kommen aber nach wenigen Jahren wieder zurück. (€: Leider finde ich den entsprechenden Artikel nicht mehr. War aber die letzten Wochen mal in der SZ)
          Richtig, wer heute gut qualifiziert ist und bereit international zu arbeiten, hat in seiner Lebensplanung höchstens die nächsten zehn Jahre (meist aber weniger) im Blick. Mehr an Vorausplanung lässt das heutige Arbeitsleben gar nicht mehr zu. Geht ein Ingenieur heute nach Kanada, wechselt er vielleicht zwei Jahre später nach Schanghai oder Brasilien. In zehn Jahren ist er dann vielleicht wieder in Dortmund oder Sydney, wer weiß? Viele gut qualifizierte Menschen gehen in Ausland, weil sich ihnen dort häufig interessantere Arbeitsplätze und bessere Karrierechancen als in Deutschland bieten.
          Hinzu kommt das viele Firmen in Deutschland in der Vergangenheit, erfahrene Mitarbeiter (mit 50+ Jahren) abgebaut haben, und gleichzeitig die eigene Ausbildung reduziert. So etwas rächt sich jetzt, wer junge Menschen in hoch qualifizierte technische Berufe locken und halten will, muss ihnen dann auch gute Karrierechancen in Deutschland einräumen.
          Well, there's always the possibility that a trash can spontaneously formed around the letter, but Occam's Razor would suggest that someone threw it out.
          Dr. Sheldon Lee Cooper

          Kommentar


          • #6
            Das Problem sehe ich eher bei den Arbeitgebern. Diese sind daran gewöhnt dass die Belegschaft nach ihrer Pfeife tanzt und froh ist über jeden Cent den man ihnen gönnt. Fachkräfte kosten Geld und das will kaum einer zahlen. Also sucht man sich lieber in Zeitarbeitsfirmen lernwillige und stellt sie zu Dumpingpreisen ein.
            Ihr müsst uns nicht fürchten, es sei denn, Eure Herzen sind nicht rein. Ihr seid Abschaum, der Jagd auf Unschuldige macht.
            Ich verspreche Euch, Ihr könnt euch nicht ewig vor der leeren Dunkelheit verstecken.
            Denn wir werden Euch zur Strecke bringen, wie die räudigen Tiere die Ihr seid.
            und Euch in die tiefsten Abgründe der Hölle verbannen

            Kommentar


            • #7
              Also das mit dem Fachkräftemangel glaube ich erst, wenn ich es sehe. Bei einer gefühlten Zahl von Arbeitslosen in der Größenordnung von 5 Millionen und nochmal so vielen Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass von Heute auf Morgen die goldenen Zeiten anbrechen. Die Gesellschaft bereitet sich übrigens schon längst darauf vor, einen Fachkräftemangel zu verhindern: das Land Sachsen will bis 2020 20.000 Angestellte im öffentlichen Dienst abbauen, Einzelhandelgeschäfte (wie z.B. Saturn) führen Selbstbedienungskassen ein, die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst wurde in einigen Bereichen ausgeweitet, die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte ist in Vorbereitung.

              Insbesondere die Diskussion um das Begrüßungsgeld finde ich in höchstem Maße befremdlich. Vielleicht sollte man sich ersteinmal darüber verständigen, was unter Fachkräften tatsächlich zu verstehen ist. Ein Import von Lagerarbeitern und Pflegekräften ist auf jeden Fall völlig indiskutabel, da Millionen von Arbeitslosen für eine Ausbildung / Umschulung in solche Basis-Berufe zur Verfügung stehen.
              Mein Profil bei Last-FM:
              http://www.last.fm/user/LARG0/

              Kommentar


              • #8
                Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                Die Gesellschaft bereitet sich übrigens schon längst darauf vor, einen Fachkräftemangel zu verhindern: das Land Sachsen will bis 2020 20.000 Angestellte im öffentlichen Dienst abbauen, Einzelhandelgeschäfte (wie z.B. Saturn) führen Selbstbedienungskassen ein, die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst wurde in einigen Bereichen ausgeweitet, die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte ist in Vorbereitung.
                Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
                  Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
                  Warum?
                  Mein Profil bei Last-FM:
                  http://www.last.fm/user/LARG0/

                  Kommentar


                  • #10
                    Ich sags nochmal: Es gibt genug Fachkräfte.

                    Zuwanderungen sind nicht notwendig. Die würden nur dazu dienen, die Löhne noch mehr zu drücken und die Arbeitsschutzgesetze noch weiter auszuhebeln.

                    Kommentar


                    • #11
                      Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                      Warum?
                      Nun ja, einerseits werden Arbeitsplätze rationalisiert, andererseits will man zusätzliche Arbeitssuchende aus dem Ausland einlassen. Wo versteckt sich da der tiefere Sinn?

                      Kommentar


                      • #12
                        Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
                        Nun ja, einerseits werden Arbeitsplätze rationalisiert, andererseits will man zusätzliche Arbeitssuchende aus dem Ausland einlassen. Wo versteckt sich da der tiefere Sinn?
                        Der Sinn liegt darin, einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots entgegenzuwirken. Durch Rationalisierung werden Arbeitskräfte freigesetzt, d.h. dass Arbeitskräfteangebot steigt. Durch Zuwanderung von Arbeitskräften steigt das Arbeitskräfteangebot ebenfalls. Wir dürften uns einig sein, dass die Situation eines Angebotsüberhangs an Arbeitskraften für die Unternehmen sehr komfortabel ist.
                        Mein Profil bei Last-FM:
                        http://www.last.fm/user/LARG0/

                        Kommentar


                        • #13
                          Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                          Der Sinn liegt darin, einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots entgegenzuwirken. Durch Rationalisierung werden Arbeitskräfte freigesetzt, d.h. dass Arbeitskräfteangebot steigt. Durch Zuwanderung von Arbeitskräften steigt das Arbeitskräfteangebot ebenfalls. Wir dürften uns einig sein, dass die Situation eines Angebotsüberhangs an Arbeitskraften für die Unternehmen sehr komfortabel ist.
                          Allerdings. Was ich dann aber nicht verstehe: Warum sind es ausgerechnet die Parteien des linken Politspektrums, die ja vermeintlich "arbeitnehmerfreundlicher" sind, die auf noch mehr Zuwanderung pochen?

                          Kommentar


                          • #14
                            Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                            Der Sinn liegt darin, einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots entgegenzuwirken.
                            Vielleicht sollte man erstmal die eigenen Leute Aus- und Weiterbilden,
                            anstatt diese in Sinnlosmaßnahmen zu stecken, die nur Geld kosten.
                            So könnte man dem auch entgegenwirken.
                            ...reality.sys corrupted, restart universe...

                            Kommentar


                            • #15
                              Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                              Also das mit dem Fachkräftemangel glaube ich erst, wenn ich es sehe. Bei einer gefühlten Zahl von Arbeitslosen in der Größenordnung von 5 Millionen und nochmal so vielen Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass von Heute auf Morgen die goldenen Zeiten anbrechen. Die Gesellschaft bereitet sich übrigens schon längst darauf vor, einen Fachkräftemangel zu verhindern: das Land Sachsen will bis 2020 20.000 Angestellte im öffentlichen Dienst abbauen,
                              Was ich mich gerade frage, über welche Fachkräfte reden wir?
                              Sind dies Fachkräfte mit einer Lehr- bzw. Berufsausbildung oder Akademiker mit abgeschlossenem Studium usw.
                              Vielleicht sollte man das mal etwas näher definieren, da sonst jeder unterschiedliche Vorstellungen von Fachkräften hat.


                              Einzelhandelgeschäfte (wie z.B. Saturn) führen Selbstbedienungskassen ein, die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst wurde in einigen Bereichen ausgeweitet, die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte ist in Vorbereitung.
                              Bezügl. Selbstbedienungskassen ertappe ich mich übrigens hier selbst, denn der Ikea bietet diese schon seit einiger Zeit an und ich habe diese schon recht oft benutzt, da es einfach viel schneller geht, ich nicht so lange an der Warteschlange anstehen muß und sowieso mit EC Karte bezahle.

                              Langfristig gewinnt man hier als Kunde natürlich, wie bei so vielen Einsparungsmaßnahmen (gab's früher nichtmal nen Tankwart an der Tanke? ), nichts wenn es dann nur noch solche Kassen gibt, es ist halt nur kurzfristig recht praktisch.



                              Insbesondere die Diskussion um das Begrüßungsgeld finde ich in höchstem Maße befremdlich. Vielleicht sollte man sich ersteinmal darüber verständigen, was unter Fachkräften tatsächlich zu verstehen ist.
                              Meiner Meinung nach kommt es auf die Art der Fachkräfte an.
                              Unersetzbare Spitzenfachkräfte wie z.B. gute Professoren kann man IMO durchaus importieren.
                              Im Niedriglohnsektor sollte man aber IMO erstmal z.B. das Integrationsproblem lösen. Solange es da noch Personen gibt, die nichtmal einen Schulabschluß schaffen sehe ich keinen Sinn darin, noch mehr Personal zu importieren, weil diese Lösung ja dann auch wieder nicht unbedingt langfristig ist, denn die importierten Eltern mögen dann für den kurzen Moment vielleicht qualifiziert sein, aber was, wenn dann die Nachkommen es wieder nicht sind und dann so ohne Abschluß dastehen, wie heute einige andere Immigrantenkinder?
                              Das sollte also schon eine dauerhaft sinnvolle Lösung sein.


                              .
                              EDIT (autom. Beitragszusammenführung) :

                              Cordess schrieb nach 12 Minuten und 39 Sekunden:

                              Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
                              Allerdings. Was ich dann aber nicht verstehe: Warum sind es ausgerechnet die Parteien des linken Politspektrums, die ja vermeintlich "arbeitnehmerfreundlicher" sind, die auf noch mehr Zuwanderung pochen?
                              Vielleicht ist es Stimmenfang?

                              Ich kann mir z.B. vorstellen, daß sich das für einen immigrierten Deutschen (der ja wählen darf) gut anhört, wenn er so die Aussicht hat, daß sein Cousin oder geliebter Neffen usw. ebenfalls noch einwandern kann.
                              Eine Möglichkeit wäre dies IMO durchaus.
                              Zuletzt geändert von Cordess; 03.08.2010, 04:37. Grund: Antwort auf eigenen Beitrag innerhalb von 24 Stunden!
                              Ein paar praktische Links:
                              In Deutschland empfangbare FreeTV Programme und die jeweiligen Satellitenpositionen
                              Aktuelles Satellitenbild
                              Radioaktivitätsmessnetz des BfS

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X