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Riester-Rente - brauchen wir das?

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  • Riester-Rente - brauchen wir das?

    Zur Zeit wird ja wieder relativ viel über Rente und Altersarmut geredet. Die so genannte Riesterrente, bzw. das Kapitaldeckungsverfahren, kommt dabei aber kaum vor. Ich perönlich finde mittlerweile, dass die Riesterrente abgeschafft werden und wir wieder gänzlich zum Umlageverfahren zurückkehren sollten, und zwar aus den folgenden Gründen:

    1. Das Kapitaldeckungsverfahren ist weder "demografiefester" noch "zukunftssicherer" als das Umlageverfahren
    Das wichtigste Argument für die Riesterrente ist immer, dass das Umlageverfahren aufgrund des demografischen Wandels nicht mehr finanzierbar sei, weil auf einen Versicherten immer mehr Rentner kommen. Deswegen solle der Einzelne Zeit seines Berufslebens was auf die Hohe Kante legen, also einen Kapitalstock aufbauen, von dessen Verzinsung er dann lebt. Das bedeutet konkret, dass Generation X während ihrer Arbeitszeit ihre Ersparnisse einer Versicherungsgesellschaft gibt, welche damit z.B. Wohnimmobilien und Aktien kauft oder auch direkt Kredite vergibt. Die Verzinsung besteht dann eben aus Mieten, Dividenden und den gezahlten Kreditzinsen. Aber wer bezahlt diese? Doch offensichtlich die nachfolgende Generation Y, welche dann in Lohn und Brot steht, wenn Generation X in Rente ist.
    Jedes Rentensystem beruht darauf, dass die heute arbeitende Bevölkerung die heute sich in Rente befindliche Bevölkerung "mit durchfüttert". Ob via Kapitalstock (Mieten, Dividenden, Kreditzinsen) oder via die Bruttolöhne (Versicherungsbeiträge) umverteilt wird, ist eine reine Stilfrage.

    2. Der Einzelne wird nicht entlastet
    Folgend aus dem ersten Argument heißt es ferner immer, die Rentenbeitragssätze müssten voll fett krass steigen, auf 13 Prozent oder so, damit die in Relation zu den Rentnern schrumpfende Erwerbsbevölkerung die Alten weiter mit durchfüttern kann. Dies sei total unzumutbar, weil die Leistungsträger der Gesellschaft unter 13 Prozent Rentenbeitragssatz zusammenbrechen würden. Deswegen sollte also der gesetzliche Beitragssatz bei 10 Prozent festgezurrt werden, und zusätzlich sollen die Arbeitnehmer 4 Prozent ihres Bruttoeinkommens privat sparen. Aha! Weil 13 Prozent Beitragssatz total unzumutbar sind, machen wir also 10 Prozent Beitragssatz plus 4 Prozent private Vorsorge. So, so. Wenn das mal keine Entlastung ist!

    3. Die Sparquote steigt nicht
    Ein makroökonomisches Argument lautet, durch die Riesterrente würden die Privathaushalte mehr sparen, wodurch mehr Kapital zur Verfügung steht, was zu mehr Investitionen führt. Mal davon abgesehen, dass die Investitionen die Ersparnis bestimmen und nicht umgekehrt, ist das auch noch empirisch zumindest zweifelhaft: – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder VGR dL

    Die Sparquote ist zwar seit 2001 gestiegen, davor jedoch in den 90er-Jahren deutlich gesunken. Sie ist heute noch niedriger als Anfang der 90er. Insgesamt ist nicht zu erkennen, dass die Einführung der Riesterrente im Jahre des Herrn 2002 einen großartigen Effekt gehabt hätte...

    ...was ja auch klar ist: Warum sollte ein Haushalt, der sowieso freiwillig 10 Prozent seines Einkommens spart, jetzt zusätzlich die 4 steuersubventionierten Prozent sparen, und nicht einfach weiterhin 10 Prozent sparen, davon jedoch einen Teil in steuersubventionierte Riesterersparnis umwidmen?

    4. Die konkrete Umsetzung der Rieserrente ist Mist
    Das hatten wir ja hier im Forum schonmal diskutiert. Offensichtlich ist es so, dass ein signifkanter Teil der Riesterverträge nicht zum Vorteil der Versicherten ist, sondern zum Vorteil der Versicherungsindustrie. Die Allianz AG bedankt sich ja bekanntermaßen bei den Bundestagsparteien (außer der Linken) jedes Jahr mit 60.001 Euro "Spende". Vom Finanzhai Maschmayer gar nicht zu reden.

    _____
    Ich bin kein grundsätzlicher Gegner kapitalgedeckter Rentenversicherungen. Ich sehe aber nicht, inwiefern diese in Deutschland volkswirtschaftlich besser sein sollen als das gute alte Umlageverfahren. Letztlich beruht ja auch dieses auf Kapitaldeckung, denn auch das Umlageverfahren ist darauf angewiesen, dass ordentlich investiert wird, also die Löhne steigen können. Dann kann auch der Beitragssatz steigen ohne dass der einzelne Arbeitnehmer real Lebensstandard einbüßen muss.
    Allerdings sind das doch grundsätzlich eher Stilfragen oder weltanschauliche Gesichtspunkte (die alte Entscheidung zwischen Staat vs. Privat), die den wesentlichen Unterschied machen. Kombiniert mit der idiotischen Umsetzung der Riesterrente für mich aber ein klarer Grund, einfach beim Umlageverfahren zu bleiben.

    Wie seht ihr das? Alles dummes Zeug? Redet der Grüne schon wieder Blech? Übersehe ich irgendwas ganz wichtiges?

    Discuss!
    "The only thing we have to fear is fear itself!"

  • #2
    Das ganze Konstrukt ist doch bloß eine weitere Gelddruckmaschine für die Versicherungsindustrie.

    Punkt 2 ist für mich der wesentliche Knackpunkt, der schon immer gezeigt hat, wie absurd die Argumentation der Rentenreformer ist.

    Was die angebliche Unbezahlbarkeit der Renten angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft angeht: Man könnte zur Abwechselung ja mal wieder ein paar Einnahmequellen erschließen, z. B. Rentenbeiträge auf das gesamte Einkommen nach Schweizer Modell.
    Außerdem spart "die Gesellschaft" auf der anderen Seite ja auch nicht unbeträchtlich, wenn es weniger Kinder gibt, für die man dann eben weniger Kindergärtner, Lehrer und Professoren braucht.
    Ferner wird generell der Produktivitätszuwachs bei den Horrorrechnungen für künftige Beitragssätze nicht berücksichtigt.
    "Die Wahrheit ist so schockierend, die kann man niemandem mehr zumuten." (Erwin Pelzig)

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    • #3
      Zitat von Mondkalb Beitrag anzeigen
      Punkt 2 ist für mich der wesentliche Knackpunkt, der schon immer gezeigt hat, wie absurd die Argumentation der Rentenreformer ist.
      Zumal hier ja sozial Schwache wieder die Gelackmeierten sind. Wer wenig verdient, also wenig bzw. nichts zum Sparen übrig hat, für den ist Altersarmut quasi vorprogrammiert. Im Umlageverfahren kann hier über eine entsprechende Anpassung der Rentenformel innerhalb des Rentensystems leicht von reich nach arm umverteilt werden.
      "The only thing we have to fear is fear itself!"

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      • #4
        Für das Geld was uns für Rente abgezogen wird, ist es eigentlich eine Frechheit zu fordern daß man privat vorsorgen soll.

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        • #5
          Die private Vorsorge halte ich auch für ziemlichen Schwachsinn, und die Argumente aus dem ersten Beitrag möchte ich gerne ergänzen um:

          Don't trust 'em!
          Die Konzepte der letzten Jahre liefen doch recht eindeutig: 1. erst wird von der gerade vorhanden Regierung erklärt, dass das neue Konzept ja total super sei und jeder das auf jeden Fall machen sollte. - 2. dann stimmen die Anbieter mit ein und erklären, dass man ja auf die Regierung hören sollte und auf jeden Fall ihr Produkt zum neuen Konzept kaufen sollte. - 3. und einige Monate später endet die Komödie mit dem Report irgendeines Prüfers, der nun eindeutig darlegen kann, dass das Produkt (damit letztlich inkl. Konzept) totaler Schwachsinn ist und alle Bauern die damit gefangen wurden nun vielleicht noch mit viel Glück nicht allzugroße Verluste ertragen müssen. Hupsi! Her mit einem neuen Konzept!


          Aber wenigstens können wir uns trösten: nicht nur unsere private Förderung ist Schwachsinn, sondern unser staatliches Rentensystem auch. Da muss die Oma halt Flaschen aus Mülleimern sammeln gehen; die hat eh nix besseres zu tun, Fernsehen gucken macht nur doof.

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          • #6
            Zitat von Fiesel Beitrag anzeigen
            Die private Vorsorge halte ich auch für ziemlichen Schwachsinn
            Private Vorsorge ist kein Schwachsinn. Schwachsinnig ist, sein Geld privaten Rentenversicherungen in den Hals zu werfen, und damit die Kontrolle über das eigene gesparte Geld zu verlieren.
            Wenn man privat vorsorgt dann so, das man die Anlage, Verfügbarkeit und den Gebrauch seines Vermögens, auch zukünftig an die Lebensplanung anpassen kann. Wer kann heute schon sagen, wo er in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, und welche Ziele er dann hat. Hier sein Geld über viele Jahrzehnte hinweg, nur schwer beweglich in einer Versicherung zu bunkern, ist einfach nur dumm. Wer in der Lage ist Geld zu sparen, sollte sich schon zutrauen, für sein Vermögen selbst zu sorgen.
            Well, there's always the possibility that a trash can spontaneously formed around the letter, but Occam's Razor would suggest that someone threw it out.
            Dr. Sheldon Lee Cooper

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            • #7
              Riesterrenten sind für den Einzelnen schon sinnvoll. Sie werden staatlich bezuschusst und sind - nicht zuletzt wegen der staatlichen Förderung - sicher vor dem Zugriff der HartzIV-Behörden. Vermögen auf Riesterverträgen darf bei der Berechnung des "verwertbaren Vermögens" nicht berücksichtigt werden. Dennoch können diese Verträge auch ganz normal mit Krediten beliehen werden.

              Also speziell für Menschen, die öfters oder dauerhaft mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist werden und hin und wieder arbeitslos werden, sind Riestermodelle eine sinnvolle Anlage.

              Anders sieht es natürlich aus, wenn man gut verdient und irgendwo unbefristet angestellt ist. Dann kann man sich auch auf andere Anlageformen konzentrieren.

              Übrigens gibt es auch Bausparverträge als Riesterverträge.
              Zuletzt geändert von Liopleurodon; 29.11.2012, 13:26.
              "En trollmand! Den har en trollmand!"

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              • #8
                Es ist eigentlich eine Frechheit daß das Arbeitsleben so aussieht daß die Menschen bis 65 ausgepresst werden wie die Zitronen sodaß jeder nur möglichst schnell aus der Tretmühle raus will.

                Wenn für jeden Bürger noch durchschnittlich 15-20 Jahre gemütliches Nichtstun finanziert werden sollen dann muss dafür auch ein grösserer Anteil der erwirtschafteten Arbeitseinkünfte dafür aufgebracht werden.

                Bei 45 Jahren Lebensarbeitszeit und 20 Jahren Lebensrentenzeit ist das nun mal eben fast ein Drittel.


                .
                EDIT (autom. Beitragszusammenführung) :

                shootingstar schrieb nach 1 Minute und 9 Sekunden:

                Zitat von Liopleurodon Beitrag anzeigen
                Riesterrenten sind für den Einzelnen schon sinnvoll. Sie werden staatlich bezuschusst und sinde.
                Den Zuschuss frisst doch die Gebühr die die Versicherer erheben wieder auf....
                Zuletzt geändert von shootingstar; 29.11.2012, 16:18. Grund: Antwort auf eigenen Beitrag innerhalb von 24 Stunden!

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                • #9
                  Kein Mensch braucht die Riester-Rente.

                  Die Versicherungsindustrie berechnet die priv. Monatsrente anhand von total abgehobenen Lebenserwartungen. D.h. man kriegt im Endeffekt nichtmal das eingezahlte Geld wieder rein wenn man früher stirbt.
                  When I feed the poor, they call me a saint.
                  When I ask why the poor are hungry, they call me a communist.


                  ~ Hélder Câmara

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                  • #10
                    Zitat von Liopleurodon Beitrag anzeigen
                    Riesterrenten sind für den Einzelnen schon sinnvoll. Sie werden staatlich bezuschusst und sind - nicht zuletzt wegen der staatlichen Förderung - sicher vor dem Zugriff der HartzIV-Behörden. Vermögen auf Riesterverträgen darf bei der Berechnung des "verwertbaren Vermögens" nicht berücksichtigt werden. Dennoch können diese Verträge auch ganz normal mit Krediten beliehen werden.
                    ABER wenn man Später seine staatliche Minirente aufstocken muss, wird das was man aus der Riester raus bekommt sehr wohl angerechnet. Das Argument ist also völlig fürn Arsch ums mal deutlich zu sagen.

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                    • #11
                      Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                      Jedes Rentensystem beruht darauf, dass die heute arbeitende Bevölkerung die heute sich in Rente befindliche Bevölkerung "mit durchfüttert". Ob via Kapitalstock (Mieten, Dividenden, Kreditzinsen) oder via die Bruttolöhne (Versicherungsbeiträge) umverteilt wird, ist eine reine Stilfrage.
                      Also abgesehen davon, dass z.T. auch Rentner Mieten zahlen, besteht der Unterschied darin, dass ein kapitalgedecktes System so gedacht ist, dass jede Kohorte soviel investiert, dass die Erträge später für die Alterversorgung ausreichen. Natürlich muss auch diese Dividenden irgendwer bezahlen, der Kreis der dafür in Frage kommenden ist aber viel größer. Nicht nur sind es nicht ausschließlich Arbeitnehmereinkommen, sondern auch andere Einkunftsarten, es können beispielsweise auch Investoren aus dem Ausland sein.

                      Der Nachteil dieses sog. "Generationenvertrages" besteht eben darin, dass sich jede Veränderung der Demographie wie auch der Ausbildungsdauer sofort in Schwankungen der zur Verfügung stehenden Einnahmen der RV niederschlägt. Adenauer mit seinem Spruch "Kinder kriegen die Leute immer" konnte halt nicht den Pillenknick, eine tiefe Rezession und die verfehlte deutsche Familienpolitik vorhersehen.

                      Deshalb bin ich der Meinung, dass die Altersversorgung von der Demographie so gut es geht entkoppelt werden sollte, damit nicht jede dieser Veränderungen sofort auf die RV-Beiträge oder das Rentenniveau durchschlägt. Diese Begrenzung in der dt. RV der Rücklage auf eine Laufzeit von ein paar Wochen halte ich für den größten Blödsinn.

                      Allerdings sind das doch grundsätzlich eher Stilfragen oder weltanschauliche Gesichtspunkte (die alte Entscheidung zwischen Staat vs. Privat), die den wesentlichen Unterschied machen.
                      Warum muss das eine Entscheidung zwischen Staat und Privat sein? Es sind auch staatliche kapitalgedeckte Systeme denkbar bzw. es hat sie schon gegeben (das dt. ges. RV-System war z.B. ursprünglich mal kapitalgedeckt und wurde erst nachträglich auf Umlagefinanzierung umgestellt, ich glaube, es gibt auch noch andere, GB z.B., müsste ich aber selber nachschlagen).

                      Es wird - vor allem im linken politischen Spektrum - nach meiner Erfahrung in einem Maß zu einer weltanschaulichen Frage gemacht, die eine vernünftige Diskussion über das Thema fast völlig unmöglich macht, wenn eine Umlagefinanzierung befürwortet wird, weil sich "Umlage" so solidarisch anhört und "kapitalgedeckt" so böse kapitalistisch klingt. Ich sehe weder, warum das eine Entscheidung zwischen Privat und Staat sein muss, noch, warum es eine Entweder-Oder-Entscheidung sein muss. Warum sollte nicht eine Kombination aus kapitalgedecktem und umlagefinanziertem System auch in staatlicher Trägerschaft denkbar sein? Noch heißt "kapitalgedeckte Vorsorge" dasselbe wie "individuelle Vorsorge". Es kann durchaus innerhalb der Kohorte eine Umlagefinanzierung stattfinden. Nur eben nicht über Kohorten hinweg.

                      Zitat von Enas Yorl
                      Wenn man privat vorsorgt dann so, das man die Anlage, Verfügbarkeit und den Gebrauch seines Vermögens, auch zukünftig an die Lebensplanung anpassen kann. Wer kann heute schon sagen, wo er in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, und welche Ziele er dann hat. Hier sein Geld über viele Jahrzehnte hinweg, nur schwer beweglich in einer Versicherung zu bunkern, ist einfach nur dumm.
                      Kann man so pauschal nicht sagen. Es kommt immer auf die Situation an. Beispielsweise sind private Rentenverträge so ziemlich das einzige, was gegen alle möglichen Unterhaltsansprüche oder bei einer Insolvenz vor dem Zugriff sicher sind, wohingegen andere Arten der Vorsorge in so einem Fall beim Teufel sind.

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                      • #12
                        Zitat von Chloe Beitrag anzeigen
                        Also abgesehen davon, dass z.T. auch Rentner Mieten zahlen, besteht der Unterschied darin, dass ein kapitalgedecktes System so gedacht ist, dass jede Kohorte soviel investiert, dass die Erträge später für die Alterversorgung ausreichen.
                        Na, dazu brauchen wir aber kein kapitalgedecktes Rentensystem. Der Staat kann auch z.B. durch verbesserte Abschreibungsbedingungen versuchen die Investitionsquote zu erhöhen. Und die Investitionsquote ist ja auch nicht gestiegen. Im Gegenteil, sie ist im Zeitraum von 2005 bis 2010 sogar leicht unter dem Niveau der vorhergehenden fünf Jahre gelegen: http://wko.at/statistik/eu/europa-in...ionsquoten.pdf

                        Liegt sicher auch an den Rezession 2009, aber wir hatten auch 2002 bis 2004 eine Rezession. Darüber hinaus ist auch bei den Investitionen kein Einfluss der Riesterrente zu sehen: http://c1.ftd.de/wirtschaftswunder/d...nSchieritz.pdf (ab Seite zwei, vor allem die Entwicklung der staatlichen Investitionen vor dem Hintergrund der Argumentation für die Riesterrente einfach nur erbärmlich)


                        Natürlich muss auch diese Dividenden irgendwer bezahlen, der Kreis der dafür in Frage kommenden ist aber viel größer. Nicht nur sind es nicht ausschließlich Arbeitnehmereinkommen, sondern auch andere Einkunftsarten, es können beispielsweise auch Investoren aus dem Ausland sein.
                        Man kann auch im Umlageverfahren andere Einkunftsarten mit einbeziehen, was unter dem Stichwort Bürgerversicherung auch getan wird.

                        Und ja, Auslandsvermögen, also dafür entschwindet meine Begeisterung im Angesicht der aktuellen Krise doch sehr zügig gegen Null. In welchem Ausland soll man denn da eigentlich investieren? Die meisten anderen Industrienationen altern genauso wie Germanien. Blieben höchstens aufstrebende Schwellen- und Entwicklungsländer, aber ob die sicherheits- und stabilitätsbewussten Deutschen ihre Rente unbedingt in Lateinamerika oder Fernasien bunkern wollen?


                        Deshalb bin ich der Meinung, dass die Altersversorgung von der Demographie so gut es geht entkoppelt werden sollte
                        Ja, genau da setzt eben wie gesagt mein Widerspruch an, da eben volkswirtschaftlich gesehen nichts von der Demographie entkoppelt werden kann. Das geht nur über Außenhandelsungleichgewichte, von denen wir dringend weg müssen.


                        Warum muss das eine Entscheidung zwischen Staat und Privat sein?
                        Das sollte nur ein Beispiel sein, hätte ich dazu schreiben sollen.

                        Über ein staatliches System wie in Schweden kann man vma gerne jederzeit reden, wenn man denn unbedingt ein Kapitaldeckungsverfahren möchte. Aber diesen Riester-Scheiß, der so offenkundig in erster Linie dazu da ist, der privaten Versicherungswirtschaft die Pfründe zu sichern, brauchen wir ganz sicher nicht.
                        "The only thing we have to fear is fear itself!"

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                        • #13
                          Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                          Na, dazu brauchen wir aber kein kapitalgedecktes Rentensystem. Der Staat kann auch z.B. durch verbesserte Abschreibungsbedingungen versuchen die Investitionsquote zu erhöhen.
                          Selbst wenn das gelingt (was keineswegs gesichert ist) bedeutet eine erhöhte Investitionsquote nicht notwendigerweise, dass die Rentenbeiträge im erforderlichen Maß steigen. Die Abschreibungsmöglichkeiten müssen die Investitionen erhöhen und die Investitionen wiederum müssen beitragspflichtige Arbeitsplätze schaffen. Für die Sicherstellung der Altersversorgung ist mir dieser Zusammenhang etwas zu indirekt.

                          Man kann auch im Umlageverfahren andere Einkunftsarten mit einbeziehen, was unter dem Stichwort Bürgerversicherung auch getan wird.
                          Gegen die habe ich überhaupt nichts, ob sie das Problem alleine lösen kann, bezweifle ich allerdings.

                          Und ja, Auslandsvermögen, also dafür entschwindet meine Begeisterung im Angesicht der aktuellen Krise doch sehr zügig gegen Null. In welchem Ausland soll man denn da eigentlich investieren? Die meisten anderen Industrienationen altern genauso wie Germanien. Blieben höchstens aufstrebende Schwellen- und Entwicklungsländer, aber ob die sicherheits- und stabilitätsbewussten Deutschen ihre Rente unbedingt in Lateinamerika oder Fernasien bunkern wollen?
                          Ich habe auch keine Patentlösungen, klar scheint mir jedoch, dass die Möglichkeiten, Schwankungen in den für Rentenzahlungen verfügbaren Töpfen umso größer sind, je größer der Kreis der potenziell Einzahlenden ist.

                          Ja, genau da setzt eben wie gesagt mein Widerspruch an, da eben volkswirtschaftlich gesehen nichts von der Demographie entkoppelt werden kann.
                          Deswegen habe ich auch geschrieben "so gut es geht". Man kann die Schwankungen zumindest versuchen abfedern, indem man den Kreis der Beitragszahler ausweitet und vor allem einen über diese paar Wochen hinausgehenden Rücklagentopf bildet. Dieses von der Hand-in-den-Mund-leben gibts doch sonst auch nirgendwo, auch in der Krankenversicherung nicht. Solange das System so bleibt wie es ist, bleiben nur Beitragserhöhungen, Rentenkürzungen oder Erhöhungen des Rentenalters.

                          Über ein staatliches System wie in Schweden kann man vma gerne jederzeit reden, wenn man denn unbedingt ein Kapitaldeckungsverfahren möchte. Aber diesen Riester-Scheiß, der so offenkundig in erster Linie dazu da ist, der privaten Versicherungswirtschaft die Pfründe zu sichern, brauchen wir ganz sicher nicht.
                          Ich wollte auch nicht Riester das Wort reden. Aber nicht jedes kapitalgedeckte System muss eben ausgestaltet sein wie Riester. Riester wird leider oft dazu benutzt, um jede Debatte über den Umbau des RV-Systems gleich ganz abzuwürgen, sobald die Diskussion in Richtung "Kapitaldeckung" geht.

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                          • #14
                            Ich sehe das jetzt mal strikt aus Sicht der von mir heiß und innig geliebten Makroökonomie. Da ist das doch doch: Wir haben ein bestimmtes gesamtgesellschaftliches Einkommen, das BIP. Da haben wir zwei Alternativen:

                            - Der Anteil des für Rente aufgewendeten Einkommens bleibt konstant. Dann muss das BIP steigen, wenn bei steigendem Rentneranteil der einzelne Ruheständler nicht absolut ärmer werden soll.

                            - Der Anteil des für Rente aufgewendeten Einkommens steigt mit dem Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung. In dem Fall muss das BIP steigen, damit der einzelne Nicht-Rentner nicht absolut ärmer wird.

                            Wir stehen also als Gesellschaft vor der Frage wie wir unser Gesamteinkommen steigern und wie wir es verteilen. Für die Beantwortung keiner dieser Fragen brauchen wir zwingend eine kapitalgedeckte Rente.

                            Das gleiche gilt auch für andere Sozialversicherungen. Das BIP ist über die Zeit relativ konstant, insofern sehe ich auch nicht, dass Änderungen der Geburtenrate, der Ausbildungsdauer etc. hier zeitnah harte Auswirkungen hätten.
                            Dass es in den letzten Jahren mit der Finanzierung des Sozialsystems nicht ganz so leicht war, liegt natürlich am krassen Einbruch des Anteils der Arbeitnehmerentgelte am BIP.


                            Zitat von Chloe Beitrag anzeigen
                            Ich wollte auch nicht Riester das Wort reden. Aber nicht jedes kapitalgedeckte System muss eben ausgestaltet sein wie Riester. Riester wird leider oft dazu benutzt, um jede Debatte über den Umbau des RV-Systems gleich ganz abzuwürgen, sobald die Diskussion in Richtung "Kapitaldeckung" geht.
                            Na ja, angesichts des vorhandenen Lobbyismus besteht eben eine gewisse Skepsis gegenüber der Politik solche Entscheidungen im Sinne der Allgemeinheit zu treffen.
                            "The only thing we have to fear is fear itself!"

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                            • #15
                              Die Diskussion um die Finanzierbarkeit der Renten ist sehr viel älter als der Einbruch der Arbeitnehmerentgelte in den letzten Jahren (Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher" - darüber schüttelten Demographen wie Ökonomen damals schon den Kopf). Das, was wir momentan haben, ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was in 15 Jahren passiert, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen.

                              Natürlich ist es eine Verteilungsfrage. Vor allem ist es eine Frage der Verteilung zwischen arbeitenden und nicht mehr arbeitenden Teilen der Bevölkerung. Je größer der Anteil der nicht mehr Arbeitenden, desto geringer der Anteil der Arbeitenden, es sei denn, man bildet Rücklagen, oder zieht mehr Beitragszahler heran.

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