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[Buchreihe] Star Trek - TOS (bzw. Classic)

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  • [Buchreihe] Star Trek - TOS (bzw. Classic)

    Nachdem die neuere Buchreihe hier im Form ihre eigenen Threads haben, in denen zu allen Büchern der Reihe was geschrieben werden kann, eröffne ich hiermit auch einen "Sammel-Thread" zu allen Romanen rund um Kirk, Spock, McCoy & Co.

    Hier kann jeder etwas zu den Romanen, die auf der Original-Star Trek-Serie basieren, schreiben.

    Ich habe kürzlich wiedermal einen älteren TOS-Roman aus dem Regal geholt und in nächster Zeit stehen einige interessante Veröffentlichungen bevor. Zum einen steht die "Feuertaufe"-Trilogie an, die in Kürze bei CrossCult erscheinen wird. Und auf Englisch erscheint Anfang nächsten Jahres "The Rings of Time" von Greg Cox. Beginnen möchte ich den Thread mit einer Rezension von "Zeit zu töten"/"Killing Time"

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    "Zeit zu töten"/"Killing Time"


    Ich habe nach vielen Jahren wieder mal diesen alten TOS-Roman hervorgeholt, weil ich ihn als recht gut in Erinnerung hatte und weil die Grundthematik einer alternativen Zeitlinie ja durch ST11 wieder sehr aktuell ist.

    Der Roman wurde 1985 von Della van Hise verfasst. Das Datum nimmt schon einmal eines vorweg: Die Geschichte kann sich natürlich nicht an später etabliertem Canon orientierten. So darf es nicht verwundern, dass die Romulaner schon öfter als einmal versucht haben, ihre Machtsphäre durch relativ mühelos durchführbare Zeitreisen zu erweitern (U.a. schicken sie auch hochentwickelte Androiden in die Vergangenheit. Terminator lässt grüßen ). Eine Veränderung der Historie – die am Schluss nicht rückgängig gemacht wird – betrifft die Entwicklung der ganzen Spezies der Romulaner, weshalb die Männer zu kräftigen aber vergleichsweisen aggressiven und dummen Kriegern gemacht wurden, während Frauen als intelligenter gelten, aber in einer kriegerischen Kultur dennoch zurückstehen müssen. Dies ist ein Beispiel für die frühe Charakterisierung der Romulaner in den alten Romanen. Damals waren die Rollen der Romulaner (kriegerisch, aggressiv, ehrbesessen) und Klingonen (hinterhältig und verschlagen) eher verkehrt herum verteilt. Della van Hise ging mit dieser Vorgeschichte aber doch einen deutlich anderen Weg als Diane Duane, die im Jahr 1984 erstmals aus den Romulanern die „Rihannsu“ gemacht hatte und später noch eine Reihe weiterer Romane über diese Romulaner-Charakterisierung geschrieben hat. Was die Politik angeht, trifft van Hise die Romulaner wiederum ganz gut. Der Praetor war natürlich schon in TOS etabliert, aber dieser muss auch hier vor Gouverneuren verschiedener regionaler Clans (entspricht dem späteren Senat) und den Kriegern (entspricht natürlich dem Militär) Rechenschaft ablegen. Auch ein zuverlässiger Geheimdienst wird bereits erwähnt. Zusammegefasst wirken die Romulaner hier doch etwas anders dargestellt, wobei Della van Hise aber teilweise auch ganz gut geraten hat. Die Hauptprotagonistin ist übrigens eine aus dem Canon bekannte Romulanerin: Jene Kommandantin aus „Die unsichtbare Fall“, von der man erfährt, dass sie die Tochter des Praetors ist und nach dessen Tod heimlich seinen Platz auf dem Thron einnimmt.

    Um was geht es genau? Kurz zusammengefasst: Die Romulaner unternehmen eine Zeitreise in die Vergangenheit, lassen im Jahr 2093 in San Francisco auf einer Konferenz drei wichtige Menschen ermorden, weshalb von den Menschen ausgehend die Föderation niemals gegründet wird. Doch das Ergebnis der Zeitmanipulation ist nicht so ganz nach dem Geschmack der Praetorin: Statt der menschendominierten Föderation gibt es eine von Vulkaniern geleitete Allianz. Statt einen Krieg gegen die Menschen zu verlieren haben die Romulaner einen Krieg gegen die Vulkanier verloren. Im Endeffekt hat sich für die Romulaner kaum eine Verbesserung ergeben. Allerdings hat die Zeitmanipulation einen Nebeneffekt (der nie wieder bei solchen Gelegenheiten auftauchen sollte): Leute haben Flashbacks von ihren früheren Leben, die sich teilweise in echten Wahnsinn wandelt, wenn sich die Leben einer Person in der alten und neuen Historie zu stark unterscheiden. Spock – Captain des Raumschiffs ShiKahr, auf dem auch ein Fähnrich James T. Kirk dient – berechnet, dass ihm nur wenige Tage bleiben, um den in der Vergangenheit angerichteten Schaden zu reparieren, ehe das ganze Universum unheilbar „schizophren“ wird. Da kommt es Spock sehr gelegen, dass die Romulaner Kontakt mit ihm aufnehmen und sich für ihn eine Gelegenheit ergibt, ins Romulanische Imperium zu gelangen …

    FAZIT:

    Tja, die ganze Geschichte baut natürlich auf diesem sonderbaren Nebeneffekt der Zeitreise auf, weshalb sogar Leute, die nicht wie das Flaggschiff des Prätors geschützt waren, sich an ihre früheren Leben erinnern können. Das widerspricht natürlich den Zeitreiseeffekten in anderen ST-Produktionen, was ich bei einem so frühen Roman durchgehen lassen würde. Aber leider widerspricht sich der Roman auch selbst, da ja die Romulaner laut diesem auch schon vorher Korrekturen in der Vergangenheit vorgenommen hatten und es offenbar nicht zu Wahnsinnsanfällen kam. Das ist ein Problem der Geschichte, wenngleich sie im letzten Drittel doch recht spannend geschrieben ist. Allgemein ist der Schreibstil von Della van Hise aber etwas gewöhnungsbedürftig. Gar zu oft wechselt sie in einer Szene die Perspektive, manchmal zwischen drei Personen und ohne für den Leser merkbaren Themenwechsel oder Schauplatzwechsel.

    Die ersten beiden Drittel des Romans sind durch die Darstellung der Veränderungen in der Zeitlinie recht interessant, aber doch weniger spannend und ganz eindeutig ein Fest für K/S-Fans. K/S ? Wikipedia
    Die Beziehung zwischen Spock und Kirk (die sich im neuen Universum erst neu entwickeln muss) wird hier schon in einer Art beschrieben, die doch merklich über die platonische Ebene hinaus geht.

    Ich bin etwas enttäuscht von dem Roman, selbst wenn man ihm aufgrund des Alters einiges durchgehen lassen kann. Aber der positive Grundeindruck, den ich früher von dem Buch hatte, resultierte wohl hauptsächlich aus dem ereignisreichen letzten Drittel, einigen TOS-Anspielungen, dem Involvieren der Romulaner als „große“ Spezies des ST-Universum und dem Umstand, dass ich damals erst sehr wenige andere Romane als Vergleichsbasis kannte.

    Bewertung: 3 von 6 Sternen
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  • #2
    "The Children of Kings"


    Dave Stern gehört zu meinen Lieblingsautoren bei Star Trek, von ihm stammen 4 „Enterprise“-Romane (vor dem Relaunch), von denen ich bereits 3 gelesen habe und die ich alle wirklich sehr gut bis hervorragend fand und war daher sehr erfreut, dass er im Jahr 2010 auch einen TOS-Roman geschrieben hat. („Enterprise“ war in der Zwischenzeit bedauerlicherweise in die Hände des Autorenduos Mangels&Martin gelegt worden.)

    „The Children of Kings“ hat als TOS-Roman wirklich eine interessante Ausgangssituation. Einerseits weil er 2010 erschien, einem Jahr, in dem es einige neue TOS-Romane gab, nachdem mehrere Jahre keine neuen Geschichten über die Enterprise erschienen waren. Inzwischen war die TV-Serie „Enterprise“ abgeschlossen und auch der elfte Kinofilm längst erschienen. Dave Stern konnte also all diese Canon-Infos in seinem Roman berücksichtigen und lässt gleich im ersten Kapitel ein paar dieser Infos in die Geschichte einfließen. So wie z.B. die Differenzen zwischen Erde und Vulkan in den Jahrzehnten nach dem Erstkontakt (siehe „Enterprise“) oder die klingonische Schiffe der „Warbird-Klasse“ (siehe Star Trek 11). Im Zusammenspiel mit der starken Präsenz von Klingonen und Orionern als klassische TOS-Spezies fühlt sich „The Children of Kings“ wie eine „moderne“ TOS-Folge an. Es ist schwierig es in Worte zu fassen, aber vielleicht trifft es der Vergleich zwischen Western und Neo-Western einigermaßen.

    Ein weiterer Umstand, der den Roman so interessant macht: Er ist in jener Zeit angesiedelt, als Captain Pike das Kommando über die Enterprise hatte. Der Roman beginnt einige Zeit vor „The Menagerie“, ein paar Monate nachdem Pike, Nummer Eins, Mister Spock, Doktor Boyce & Co. zu ihrer 5-Jahres-Mission aufgebrochen sind. Es gibt nicht besonders viele Romane, die diese Zeit (die 2250er der alten Zeitlinie) abdecken und nun, mit dem Kontext einer existierenden Vorgeschichte zu dieser Zeit, war ich natürlich besonders gespannt darauf, was Dave Stern daraus macht.

    Die Geschichte beginnt damit, dass eine Starbase der Föderation in der Nähe des Borderlands (das Grenzgebiet zwischen Klingonischem Imperium und den Orionern) zerstört wird. Die Hinweise deuten auf Klingonen hin, ein Verdacht der verstärkt wird, als sich die geheimnisvolle Anführerin der Orioner – Liyan – mit der Enterprise in Verbindung setzt und die Zerstörung von orionischen Außenposten beklagt. Doch kurz nachdem sich Captain Pike, Doktor Boyce und ein Sicherheitsteam per Shuttle zum Orioner-Schiff begeben, wird schnell klar, dass die Orioner etwas zu verbergen haben. Tatsächlich ging es ihnen primär darum, den guten Doktor in ihre Finger zu bekommen, der für Liyan ein Serum synthetisieren soll, das ihre Herrschaftszeit über die Jahrhunderte hinweg sichern soll – und ihrer Fähigkeiten, Einigkeit zwischen den zerstrittenen Clans und Organisationen der Orioner herzustellen.

    In „The Children of Kings“ erzählt uns Dave Stern eine interessante orionische Historie, laut der die Orioner bereits vor 1500 Jahren zu den warp-fähigen Spezies gehörten, deren Imperium – das das spätere Borderland umfasste – aber unterging. Liyan will dieses Imperium mit deren alter aber noch immer wirkungsvoller Technologie neu errichten und scheut auch nicht davor zurück, die Föderation und die Klingonen in einen Krieg zu treiben. Denn zu Boyce Überraschung und Entsetzen steckten die Orioner hinter der Zerstörung der Starbase und sind dank der antiken, kürzlich geborgenen Technologie fähig, falsche Sensorbilder zu projizieren. Und so glaubt die Crew der Enterprise – unter dem Kommando eines interimistischen Captains, der ihr vom Sternenflottenkommando zugeteilt wurde – dass das Orioner-Schiff von Klingonen in die Flucht getrieben wurde und das ganze Außenteam dabei ums Leben kam. Alles läuft so, wie Liyan es geplant hatte … außer dass ihr das Serum ausgeht und Boyce keinen passenden Ersatz findet.

    Fazit: Der Roman ist vielleicht nicht ganz so gut wie Dave Sterns Pre-Relaunch-„Enterprise“-Romane, aber immer noch sehr unterhaltsam. Sein „Neo-TOS“ ist angesichts des seit den 60ern deutlich erweiterten Canons immer noch sehr stimmungsvoll, wenngleich natürlich ein Captain Kirk und ein Doktor McCoy etwas abgehen. Aber damit muss man sich bei einem Pike-Ära-Roman abfinden. Aber zumindest Spock und auch Nummer 1 charakterisiert Stern sehr gut. Das gilt auch für den Großteil der neu eingeführten Charaktere und davon gibt es jede Menge. So wie z.B. all die Orioner. Was Stern aus diesem Volk in „The Children of Kings“ macht, stellt wirklich einen bedeutenderen Ausbau ihres Backgrounds dar. Allgemein finde ich es als sehr lobenswert, dass er sich einer bereits relativ populären Spezies annahm und nicht einfach ein „Alien-der-Woche“ erschuf.

    Dave Sterns Schreibstil, einer Geschichte mit ordentlich vielen TOS-Bezügen und ein erstaunliches Finale (das aber nicht jedem gefallen dürfte, da idealistischeren Trekkies wohl die rosarote Sternenflottenbrille vom Gesicht gerissen werden könnten) relativieren einige Längen in der Mitte des Roman. Daher gibt es solide 4 von 6 Sterne für die Königskinder.

    Anmerkungen:

    Als begeisterter Photoshop-Nutzer muss ich natürlich eine Kritik am Cover anbringen. Wer das verbrochen hat, hat wahrscheinlich zuvor nicht mehr als 5 Minuten mit einem Grafik-Programm gearbeitet. Das „Platzhalter-Cover“ (siehe unten) war bedeutend schöner. Es trägt übrigens noch den ursprüngliche Titel des Romans „The Thine own Self“, der wahrscheinlich geändert wurde, weil eine TNG-Folge bereits diesen Titel trug.



    Ein Anachronismus in der Geschichte fällt auf: Die Sicherheitsleute auf der Enterprise werden ganz offen als „Red Shirts“ bezeichnet, dabei gab es diese Uniformfarbe zu Pikes Zeit noch nicht. (Allerdings könnte man argumentieren, dass man sie im Pilotfilm einfach nicht gesehen hat.)

    Dass die Ferengi namentlich erwähnt werden, ist nicht so sehr ein Anachronismus als vielmehr etwas ungeschickt. Zwar wusste Data beim Erstauftritt der Ferengi in TNG trotz angeblich beschränkten Informationen erstaunlich viel über die Ferengi, aber dass in „The Children oft he Kings“ einer der Hauptcharaktere zwischenzeitlich Zugriff auf die Datenbank der Ferengi-Handelsbehörde erhält, ist wohl doch etwas zu viel des Guten.


    PS: Diese und weitere Rezensionen zu Star Trek-Romanen findet ich auf meinem Blog:
    http://rumschreiber.wordpress.com/roman-rezensionen/
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    • #3
      The Aliens are coming!


      Eine Rezension zu diesem Werk passt wohl am besten in diesen Thread. Ich benutze ganz bewusst die Bezeichnung "Werk", weil ich nicht so ganz sicher bin, was es eigentlich ist. Eines Vorweg: "The Aliens are coming!" ist nur als ebook erschienen und umfasst in Taschenbuchformat lediglich rund 15 Seiten. Die Datei hat zwar 26 Seiten, aber Pocket Books füllt die restlichen Seiten mit einer seeeehr ausführlichen Auflistung, welche anderen Bücher noch bei ihnen erschienen sind. Eigentlich eine ziemliche Frechheit, € 1,57 für das ebook zu verlangen. Vor allem da das Werk auch Etikettenschwindel betreibt.

      Denn mit den Eugenischen Kriegen hat die Geschichte gar nichts zu tun. Und auch mit Greg Cox' Zweiteiler "The Eugenics Wars" nur insofern, dass zwei aus der Romanreihe bekannte Charaktere wichtige Rollen einnehmen. Der Autor Dayton Ward (dessen Name nicht einmal auf dem Cover aufscheint) hat sich aber zumindest von Cox' Art des Aufbaus der Geschichte inspirieren lassen und verbindet Geschehnisse aus dem Star Trek-Universum (TOS "Morgen ist Gestern"; "Ein Planet genannt Erde" und DS9 "Kleine, grüne Männchen") mit realen Ereignissen. In diesem Fall die im Sommer 1969 bevorstehende Mondlandung. Wie wir aus "Morgen ist Gestern" wissen, hatte Captain Chrisopher ja für einen Moment freie Sicht auf eine Art Raumschiff. (Und war auch an Bord, aber daran erinnert er sich interessanterweise nicht mehr. )

      Ein Mann namens Wainwrigh (aus der DS9-Folge "Kleine, grüne Männchen") offenbart Captain John Christopher schließlich, dass dessen kurze Sichtung dieses seltsamen Raumschiffs nicht die erste war. Und nicht von den Russen gestartet worden ist.

      Ohne den Ausgang der sehr, sehr kurzen Geschichte zu spoilern kann ich kaum zum Inhalt schreiben, daher gehe ich gleich direkt in die Bewertung über, die aber auch sehr schwer fällt. Die Geschichte wirkt eher wie ein Kapitel eines nicht existierenden Romans. Vielleicht im besten Fall wie eine Leseprobe zu "The Eugenics Wars" jedoch ohne thematischen Bezug zu diesen Romanen. Schlecht geschrieben ist die Geschichte von Ward jedenfalls nicht, aber sie hat auch kaum Zeit, um mal zwischendurch langweilig zu werden. Also kein großes Kunststück bei dieser überschaubaren Länge. Ich gebe daher einfach mal die Durchschnittswertung: Unterhaltsam geschrieben aber es hätte ruhig - deutlich! - mehr sein dürfen. 3 von 6 Sterne und wahrscheinlich den einen oder anderen, der sich über die ausgegebene € 1,57 ärgern dürfte.



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      Weitere Rezensionen gibt es auch auf meinem BLOG nachzulesen:

      Buch-Rezensionen |


      Kürzlich habe ich auch Rezensionen zu einigen Star Trek-Comics ergänzt.
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      • #4
        Zitat von MFB Beitrag anzeigen
        Eines Vorweg: "The Aliens are coming!" ist nur als ebook erschienen
        Nein, es gibt auch eine Printversion in Strange New Worlds III:

        Strange New Worlds III - Memory Beta, non-canon Star Trek Wiki

        Wird aber in gedruckter Form auch nicht wirklich besser

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        • #5
          Zitat von Kopernikus Beitrag anzeigen
          Nein, es gibt auch eine Printversion in Strange New Worlds III:
          Ah, danke für den Hinweis. Dadurch erklärt sich natürlich die Länge. Ich hatte zwar gewusst, dass Ward über "Strange New Worlds" sozusagen "entdeckt" wurde, aber dass "The Aliens are coming!" ebenfalls aus einem dieser Bände stammte, wusste ich nicht.

          Tja, muss sich Pocket Books trotzdem die Frage gefallen lassen, warum sie extra diese Geschichte noch einmal gesondert als ebook vermarktet haben.

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          • #6
            The Rings of Time


            Dem Leser wird relativ früh klar gemacht, dass in diesem Roman zwei Handlungsstränge – einer im Jahr 2020, der andere im Jahr 2270 angesiedelt – unweigerlich zusammenlaufen werden. Von Kapitel zu Kapitel wird zwischen beiden Zeiten ständig gewechselt und die Parallelen sind mehr als deutlich: Im Jahr 2020 bricht Colonel Shaun Christopher mit dem ersten Impuls-Raumschiff der Menschheit zum Saturn auf, dessen Ringe leichte Instabilitäten aufweisen und der bald die Passage eines großen Kometen erwartet. Im Jahr 2270 wird die Enterprise zu einer Minenkolonie auf einem kleinen Mond im Inneren der Ringe des Gasriesen Klondike VI gerufen. Die Ringe destabilisieren sich stark und gefährden die Kolonie, während sich auch hier ein Komet dem Planeten nähert.

            Diese Parallelen sind natürlich kein Zufall und es ist auch keine große Überraschung, als sich beide Handlungen erstmals kreuzen und Captain Kirks Bewusstsein in den Körper von Colonel Christopher transferiert wird und umgekehrt. Während Christopher im 23. Jahrhundert mit dem Wechsel nicht besonders gut zurecht kommt, täuscht Kirk zwecks Erhaltung der Zeitlinie vor, Colonel Christopher zu sein.

            Ab hier verlaufen die Handlungen wieder eine ganze Weile getrennt voneinander, wenngleich es nach dem Bewusstseinstausch ein wenig langweilig wird, wenn einerseits Spock und McCoy bzw. in der Vergangenheit Kirk die gleichen Überlegungen anstellen. Hier gibt es also gewisse Wiederholungen und werden Informationen wiedergekaut, die dem Leser bereits bekannt sind. Erst gegen Ende hin kommt dann wirklich Spannung auf, wenn Kirk in der Vergangenheit und Christopher in der Zukunft Katastrophen für die Saturn-Mission bzw. die Minenkolonie verhindern können. Allerdings erscheinen beide Problemlösung wenig glaubhaft. Wie Christopher zur Rettung der Minenkolonie beiträgt, ist schon fast zu primitiv, während Kirk die Saturn-Mission rettet, indem er MacGyver spielt (was aber wenigstens auch ganz direkt angesprochen wird) und von einigen günstigen Zufälligkeiten profitiert.

            Wenngleich die Stimmung auf den Raumschiffen während den Missionen gut vermittelt wird (gut getroffene TOS-Atmosphäre im 23. Jahrhundert bzw. ein Hauch von „2001 – Odyssee im Weltraum“ im 21. Jahrhundert) hat die Geschichte am Schluss einige Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Das trifft auch nach der Bewältigung der beiden unmittelbaren Krisen zu, wenn es darum geht, Kirks und Christophers Bewusstsein wieder in die entsprechenden Körper zu transferieren. Zudem bleibt die Geschichte einige Erklärungen schuldig, während die Anspielung auf künftige Ereignisse im TNG-Pilotfilm „Der Mächtige/Mission Farpoint“ entbehrlich gewesen wären.

            Dieser Roman von Greg Cox bekommt von mir lediglich 2 von 6 Sterne. „The Rings of Time“ ist leider einer seiner schwächeren Romane, wenngleich Cox auch vorher nicht unbedingt dafür bekannt war, hochdramatische, spannende Action-Sequenzen zu schreiben. Hätte er das in diesem Roman geschafft, hätte es für das Fehlen einer seiner Stärken vielleicht etwas entschädigt. Denn meistens gelingt es Cox aus der sich aufbauenden Handlung Spannung zu erzeugen. Das funktioniert in „The Rings of Time“ hauptsächlich wegen des etwas seltsamen Lösungskonstrukts nicht. Ich kann zwar seine Absicht dahinter erkennen, aber das macht die Auflösung auch nicht glaubwürdiger.


            Anmerkungen:

            Es ist interessant zu sehen, wie ähnlich sich doch die Jahre 2012 und 2020 sind. Es gibt eine Wirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit, kaum Interesse an der Raumfahrt, ja nicht einmal eine aktuelle TV-Serie dazu. Mit dem Blick 8 Jahre in die Zukunft könnte man meinen, dass Greg Cox mit seiner Prognose nicht allzu viel Risiko eingeht. Allerdings leitet er seine Aussagen von der sehr guten DS9-Doppelfolge „Gefangen in der Vergangenheit“ ab, die eine solche Krise bereits Anfang 1995 vorausgesagt hat. Wirklich erschreckend, wie akkurat die Voraussage war, wenngleich ich doch hoffe, dass sich die Lage bis 2020 wieder etwas erholt und zumindest ein Großteil der westlichen Welt ihre Lehren daraus zieht.
            Wie schon in seinen „Eugenics Wars“-Romanen bringt Cox in den Passagen, die 2020 angesiedelt sind, viele zeitgenössische Begriffe unter: MacGyver, Will Smith, Lady Gaga, Bill Gates, Steve Jobs, Blog, Tablet-Computer usw.

            Achja, und wo wir gerade von Blog reden: Dieses Rezension und inzwischen viele, viele weitere gibt es auch auf meinem nachzulesen:

            | Romane, Treatments, Grafiken und noch ein bisschen mehr
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            • #7
              That which divides


              Gleich am Beginn dieses Romans folgt der Leser einer Forschungsmission der U.S.S. Huang Zhong, die im Kondaii-System einen von einer seltsamen Barriere umgebenen Planeten erkunden möchte. Von den alliierten Dolysianern, die im selben Sonnensystem beheimatet sind, erfährt die Crew des Forschungsschiffes, dass sich die Passage, die Zugang zum rohstoffreichen Planteten ermöglicht, nur alle drei Jahre für wenige Tage öffnet und dieser Turnus genutzt wird, um den auf dem Planeten abgebauten Rohstoff und Versorgungsgüter mit der dolysianischen Bergbaukolonie auszutauschen. Dem Versprechen folgend, dass der Weg durch die Passage völlig gefahrlos ist, dringt die Huang Zhong in die Barriere ein.

              Sehr früh im Roman wird die Crew der Huang Zhong – eines kleinen Schiffs der Archer-Klasse mit einer überschaubaren Anzahl an Crewmitgliedern – ziemlich umfangreich vorgestellt. Dayton Ward ist es ja dank „Vanguard“ gewohnt, Geschichten mit mehr als nur einer Raumschiffbesatzung zu erzählen, insofern hatte ich mich schon früh darauf eingestellt, dass auch in „That which divides“ nicht nur die Enterprise-Besatzung im Mittelpunkt stehen würde. Doch es kommt auch wegen der detaillierten Einführung der Huang Zhong-Crew sehr überraschend, dass sich die Besatzung dieses unglücksseligen Schiffes rasch auf drei Überlebende reduziert. Denn der aktive Warpantrieb der Huang Zhong interferiert mit der Barriere und das Schiff erleidet schwere Schäden. Zwar kann es sich noch in den Orbit der Bergbaukolonie retten, wird dort auf der Suche nach einem Landeplatz aber plötzlich von einem Traktorstrahl erfasst und zum Absturz gebracht. Ein gleichermaßen tragischer wie mysteriöser Zwischenfall, denn die Dolysianer verfügen nicht über Traktorstrahltechnologie.

              Wie die Enterprise-Crew bei ihren Nachforschungen feststellt, verbirgt sich hinter dem mysteriösen Angriff auf die Huang Zhong eine uralte, überlegene Technologie, die die Geheimnisse eines ausgestorbenen Volkes beschützt. Tja, wer „A Decade of Storm“ gelesen hat der weiß, dass dies absolut eine Story nach meinem Geschmack ist! Und noch interessanter wird es, als sich herausstellt, dass dieses ausgestorbene Volk bereits aus TOS bekannt ist (der Titel des Romans könnte hier einen entscheidenden Hinweis geben) und die Romulaner aufkreuzen um sich diese Technologie anzusehen. Oder besser gesagt um sich was auch immer anzusehen, was sich die Föderation ansehen will. Auch die Crew des romulanischen Schiffs wird von Dayton Ward wieder sehr ausführlich beschrieben und verzichtet (größtenteils) auf die üblichen Bösewicht-Klischees.

              Bis die Geschichte aber richtig an Fahrt gewinnt, muss man aber durch ziemlich viele Seiten blättern. Denn nach dem Absturz der Huang Zhong geht es bis ca. zur Hälfte des Romans ziemlich gemächlich weiter, ehe all diese Entdeckungen und Handlungen wirklich zu Tage treten. Eigentlich schade, denn die Geschichte enthält alle Zutaten für einen wirklich spannenden Page-Turner, doch Dayton Ward dehnt die Geschichte für meinen Geschmack zu stark und füllt sie eigentlich durchgehend mit zu viel unnötiger und teilweise wiederholter Exposition. Wirklich schade, denn „That which divides“ ist eine schöne, wirklich klassische TOS-Geschichte, die auch gut als TV-Folge funktioniert hätte. Eigentlich alles da, was dazu gehört und – im Gegensatz zu vielen anderen TOS-Romanen – ohne Einfügung eines „Fremdkörpers“, der sich für den Kenner schwer mit TOS assoziieren ließe. Lustig ist auch, dass die Enterprise-Crew selbst augenzwinkernd über gewisse TOS-typische Elemente spricht. Wie dass sich Kirk seine Uniform zerreißt (McCoy dazu: „Es war mal wieder fällig.“) oder das „Totquatschen“ eines fremden Computers („Wo ist Jim, wenn man ihn mal braucht?“).

              Fazit: Dayton Ward macht mit seiner Geschichte, die jeden Fan der „Original Series“ sicher gut gefallen wird, eigentlich alles richtig. Allerdings dämpft Wards Schreibstil – der mir in dieser ausschweifenden Art in seinen vorangegangenen Romanen noch nicht aufgefallen wäre – das Lesevergnügen bedeutend. Ein typischer Kandidat für 3,5 Sterne, da ich aber keine halben Sterne vergebe und der abschließende Eindruck doch positiv war, gebe ich ganz knapp 4 Sterne.

              Anmerkung:

              Da diese Geschichte gegen Ende von Kirks erster 5-Jahres-Mission angesiedelt ist, sind diesmal auch die aus „The Animated Series“ bekannten Charaktere Arex und M’Ress dabei. Wenngleich Arex‘ Spezies hier – wie allgemein in den Romanen – als Triexianer bezeichnet wird und nicht wie laut den TAS-Produktionsinfos als Edosianer.
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              • #8
                Das Zentralgehirn


                Ich bin eine großer Fan der Romane des Autoren-Duos Judith und Garfield Reeves-Stevens, die unter eigenem Namen wie auch als Ghostwriter für William Shatner erstklassige Star Trek-Romane wie „Die Föderation“, „Die Rückkehr“, „Die Erste Direktive“, „Collision Course“ oder die DS9-Trilogie „Millennium“ geschrieben haben. Lediglich ihr Erstlingswerk aus dem Jahr 1988, „Das Zentralgehirn“ (Originaltitel „Memory Prime“) kannte ich bislang noch nicht und ich war schon gespannt darauf, ob sich auch dieser Roman schon durch jene Elemente auszeichnete, die ihre späteren Werke zu wahren „Pageturner“ machten.

                Und tatsächlich führen die Autoren den Leser gleich am Beginn an einen unbekannten, zwielichtigen Ort und in eine Handlung, die dem Leser zuerst noch schleierhaft ist: Ein angeblicher Vulkanier trifft sich mit einem angeblichen Klingonen auf einer abgelegenen, trostlosen Welt, um sich als Auftragsmörder anheuern zu lassen.

                In der Zwischenzeit wird die U.S.S. Enterprise unter Captain Kirks Kommando als eines jener Schiffe ausgewählt, die die namhaftesten Wissenschaftler der Föderation zur Verleihung der Nobel- und Zee-Magnees-Preise zum zentralen Datenarchiv „Memory Prime“ bringen soll. Kirks Freude darüber hält sich in Grenzen, bedeutet dies für sein Schiff doch, wieder zu den Zentralwelten der Föderation zurückzukehren. Spock hingegen ist – für vulkanische Verhältnisse – regelrecht aus dem Häuschen und freut sich wie der Großteil der Crew darüber, sich mit den Wissenschaftlern auszutauschen. Doch Spocks Freude währt nur kurz. Beim letzten Zwischenstopp auf Starbase 4 kommen Soldaten unter der Führung von Commodore Wolfe an Bord, die keine Erklärung abliefern und Spock ohne Begründung in seinem Quartier unter Arrest stellen. Wie Kirk herausfindet, scheint die Sternenflotte zu befürchten, Spock würde ein Attentat auf einen oder alle Wissenschaftler an Bord der Enterprise vorbereiten. Ein Verdacht der sich erhärtet, als ein Sabotageakt entdeckt wird.

                Doch auch auf Memory Prime geht seltsames vor. Die dort heimischen künstlichen Intelligenzen – als „Wegfinder“ bezeichnet – verhalten sich recht sonderbar und scheinen etwas zu verheimlichen. Gleichzeitig wird das Militärkontingent auf dem Stützpunkt in den Kriegszustand versetzt und weitere vulkanische Forscher inhaftiert.

                Dies allein sind die Ereignisse der ersten rund 120 Seiten und in dieser Art geht es auch weiter. Wie auch die späteren Romane der Reeves-Stevens ist auch „Das Zentralgehirn“ eine extrem handlungsorientierte Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann. Dabei kommen allerdings die Charaktere etwas zu kurz. Die bekannten Charaktere von der Enterprise-Besatzung sind zwar gut getroffen, aber so wirklich auf sie eingegangen wird nicht. Auch nicht so recht auf die Nebencharaktere, was allerdings den positiven Nebeneffekt hat, dass die Geschichte durch deren unbekannte Motivationen fast bis zur letzten Seite mysteriös und spannend bleibt. Wenngleich das Spannungslevel nicht ganz so hoch ist wie bei den späteren Romanen der beiden Autoren. Und auch die Auflösung der Geschichte erscheint dann etwas umständlich und vielleicht sogar ein wenig unstimmig. Denn vor allem Commodore Wolfes Verhalten erscheint auch nach der Auflösung sonderbar oder zumindest arg überzeichnet.

                Fazit: Die späteren Romane der Reeves-Stevens haben mir zwar besser gefallen, aber trotzdem ist „Das Zentralgehirn" sehr lesenswert und gehört sicher zu den besseren beim Heyne-Verlag erschienenen Romane. Es reicht für solide 4 Sterne.

                Anmerkungen:

                Da das Buch aus dem Jahre 1988 ist, sind einige Informationen in diesem Roman – vor allem den Warpantrieb betreffend – durch spätere Canon-Informationen widerlegt worden. So z.B. dass Zefram Cochrane nicht von der Erde stammte, sondern von Alpha Centauri und Alpha Centauri keine irdische Kolonie ist, sondern von einem humanoiden Volk bewohnt wird, das mit den Menschen verwandt ist. Auch die Beschreibung des innere Aufbaus einer Warpgondel entspricht nicht unbedingt dem, was die TNG-Folge „Der Fall Utopia Planita“ zeigte. Sie passt allerdings auch nicht so recht zu dem, was die bereits in den70ern ausgestrahlte TAS-Episode „Die gefährliche Wolke“ zeigte.

                Allerdings bietet der Roman eine weitere interessante Betrachtung des Romulanischen Krieges.

                PS: Diese Rezension findet ihr zusammen mit vielen weiteren wie üblich auch auf meinem Blog: | Romane, Treatments, Grafiken und noch ein bisschen mehr
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                • #9
                  Die Tochter des Captain



                  Gleich vorweg: Das ist eines der besten Star Trek Bücher welches ich bis jetzt lesen konnte.

                  Die Basis des Romans sieht wie folgt aus: Kurz nachdem die Enterprise zum Raumdock kommt um umgerüstet zu werden lernt Sulu in der Erd-Wüstenstadt Demora eine Frau kennen und verbringt eine Nacht mit ihr. Die Dame verschwindet gleich darauf.

                  Allein die damit zusammenhängenden Kapitel sind erstklassig und spannend vom Anfang bis zum Ende.

                  7 Jahre später erfährt Sulu, dass die Frau verstorben ist und eine Tochter zurückgeblieben ist: Demora. Sulu adoptiert sie und damit beginnen die Probleme. In den darauffolgenden Kapiteln geht es um die Probleme die beiden in den kommenden Jahren haben. Geschickt verknüpft Peter David diese Gesichte mit den Kinofilmen. So wird z.B. der Angriff der Wal-Sonde aus der Sicht von Demora geschildet die gerade alleine in der Wohnung nicht weit von der San Francisco Brücke entfernt ist. Überhaupt: Die Handlung passt perfekt in die Geschichte und es bleiben keine Ungereimtheiten über. Demora selbst wird auch sehr schön beschrieben. Eine interessante Person diese Frau.

                  Auch andere bekannte Elemente aus TOS und TNG werden geschickt eingefügt. So wird z.B. die Bozeman erwähnt und das Sulu dort eigentlich 1. Offizier hätte werden sollen. Aber nachdem Demora in sein Leben geschneit ist hat er abgeleht um auf der Erde bleiben zu dürfen. Hat mir gut gefallen das bekannte Elemente eingebaut werden. Nur leider hat sich da auch der einzige wirklich Kritikpunkt ergeben: Es wurde zuviel. Wenn einmal Peter Preston und Saavik ganz zufällig bei Demoras ersten Kurzbesuch auf der Akademie mit der kleinen Asiatin zusammenstoßen und diese dann weinend zu einem jungen Herrn so um die 18 rennt der dort Gärtner ist und altkluge Ratschläge verteilt, dann denkt man sich schon das es so langsam reicht.

                  Ein großer Plus-Punkt in dem Buch ist aber die Darstellung der Beziehung Sulu/Demora. Die Probleme die sie hatten, all die Jahre, und die unausgesprochenen Vorwürfe die zum "Hass" geführt haben. Aber auch Selbstvorwürfe und Schuldgefühle. Die Vorwürfe die man sich macht wenn man sich nie wirklich angenommen fühlt und nur eines im Sinn hat: Dem Vater zu gefallen. Aber immer das Gefühl zu habens dass man dem großen Hikaru Sulu bei seiner Karriere im Weg war. Dass man schuld sei das er nicht 1. Offizier wurde und stattdessen Lehrer an der Akademie.

                  Dann kam sie zu ihm und sie umarten sich. Er hatte sich seiner Tochter niemals verbundener gefühlt als in diesem Augenblick. Aber da er die Traurigkeit in ihren Augen nicht sehen konnte erkannte er nicht, dass sie niemals weiter voneinander entfernt waren.
                  Um noch eine der leichteren Passagen zu zitieren. Es war teilweise wirklich tragisch.

                  Es gab aber auch wirklich witzige Szenen. Zwar nicht der große Schenkelklopfer-Humor aber doch Szenen zum Schmunzeln:

                  Ihre geringe Körpergröße ließ sie allerdings auf den ersten Blick viel jünger erscheinen als sie war. Ihr Gesicht hatte immer noch die weichen Züge der Kindheit. Vollständig bekleidet wirkte sie präpubertär. Doch mit dem verschwitzten T-Shirt das auf ihrer Brust klebte und in den Shorts die ihre Beine freiließen, die wie die eines jungen Fohlens waren, bestand kein Zweifel an der Tatsache, dass sie eine heranwachsende Frau kurz vor der Reife war. Sulu bemerkte in diesen Tagen immer öfter, dass junge Männer ihnen nachschauten wenn sie vorbeijoggten, und er hatte den heimlichen Verdacht, dass sie keineswegs auf ihn aufmerksam geworden waren.
                  Dieses Buch strotzt also nur so von Einfühlungsvermögen und Charaktertiefe. Jeder einzelne wird hervorragend dargestellt und die bisherige Randfigur "Sulu" bekommt endlich ein Profil. Aber auch Harriman wird erstklassig gezeichnet. Der Captain der nach Kirk ein wahrlich schweres Erbe antritt als er das Kommando über die Enterprise bekam und sich von jedem beobachtet fühlt bei allem was er macht. Dem nichts schlimmeres passieren konnte als das seinem ersten Flug die Legende Kirk "stirbt"... Und dann auch noch Sulus Tochter mit einem Phaserschuss niederstreckt... Er wäre fast daran zerbrochen. All diese Selbstzweifel wurden toll beschrieben und es war sehr faszinierend zu lesen.

                  Und dann das Ende: Nein, ich werde dies nicht auch noch spoilern. Aber ich persönlich war wirklich überrascht.

                  Alles in allem ist das ein wirklich tolles Buch - Peter David hat tolle Arbeit geleistet und man merkt das er ein wahrer Fan ist. Die Mühe die er sich mit den Charakteristiken gemacht hat muss belohnt werden: Hervorragend!
                  "Aufgrund eines Pünktlichkeitsdefizits verspätet sich dieser Beitrag um 64+ ms" | #Krümelchen2018
                  "Bajoranische Arbeiter...." - Hamburg Silvester 2016/17

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                  • #10
                    Ex Machina


                    Die Geschehnisse des Romans „Ex Machina“ sind unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Star Trek-Kinofilms angesiedelt. Die Geschichte baut sowohl auf den Ereignissen des Kinofilms, wie auch auf den Ereignissen der TV-Episode „Der verirrte Planet“ auf. In „Der verirrte Planet“ haben Kirk und Spock ein als Asteroiden getarntes Habitat der Fabrini – Yonada – wieder auf Kurs zu seinem Zielplaneten gebracht, wo nun drei Jahre später deren Kolonie steht. Doktor McCoy hat rückblickend jedoch weniger angenehme Erinnerungen an diese Zeit, heiratete er damals doch unbedacht die Hohepriesterin Natira, die nun um seine Hilfe bittet.

                    Während des ausgedehnten Testflugs der umgebauten Enterprise (der am Ende des ersten Kinofilms begann) wird McCoy von Natira kontaktiert, die nun Gouverneurin der neuen Fabrini-Kolonie Lorina ist und es mit Unruhen in der Bevölkerung und Terroranschlägen zu tun hat. Trotz Hilfe durch die Föderation, die Bewohner an das Leben außerhalb von Yonada zu gewöhnen, gibt es einerseits eine große Gemeinde Unzufriedener, die meinen, Natiras Regierung würde durch die Zusammenarbeit mit der Föderation die Fabrini-Kultur verleugnen. Und anderseits gibt es auch eine extremistische Gruppe, die Anschläge auf Regierungsgebäude und auf Natira selbst verübt und es am liebsten hätte, würden sich alle wieder dem Orakel unterwerfen - jenem Hauptcomputer von Yonada, der 10.000 Jahre lang dafür gesorgt hat, dass die Fabrini ihr Habitat als Planeten wahrnahmen und falsches Denken mitunter tödlich bestraft hat.

                    Obwohl allen offenbart wurde, dass das Orakel nur eine Maschine ist, wird es weiterhin von der extremistischen Gruppe unter dem Kommando eines Mannes namens Dovraku verehrt, da es sie nicht kümmert, dass ihr „Gott“ künstlicher Natur ist. Da die lebenden Fabrini-Generationen nie mit Computer zu tun hatten, sehen sie im Orakel immer noch ein Wunder und etwas Verehrungswürdiges. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, sehen sie in der Ankunft von James T. Kirk eine zusätzliche Provokation, denn in der gesamten Geschichte der Föderation hat wohl sonst noch kein anderer Mensch jemals so viele Computer „zu Tode geredet“ wie der Captain der Enterprise. Und gerade die Tatsache, dass er dies mit V’Ger nur wenige Wochen zuvor nicht geschafft hat, gibt den Extremisten zusätzlichen Auftrieb.

                    Das Zusammentreffen mit V’Ger hat auch einige Veränderungen für Spock gebracht, dessen Ansichten über Logik und Emotionen durch die Gedankenverschmelzung mit V‘Ger nicht nur für die Dauer des Films, sondern nachhaltig beeinflusst worden sind. Da Spock sich auf die Suche nach der richtigen Balance zwischen Emotion und Logik begibt, stößt er bei anderen Vulkaniern an Bord der Enterprise auf Ablehnung.

                    Und auch Doktor McCoy hat seine Schwierigkeiten mit der Besatzung des neuen Schiffes, das (wie wir erfahren auf Deckers Bestreben hin) mehr unterschiedliche außerirdische Wesen beherbergt als jedes andere Sternenflottenschiff zuvor. Zu seinen Zweifeln, wie er als „einfacher Landarzt“ mit Aulacri, Betelgeusen, Deltanern, Megariten oder Zaraniten zurechtkommen soll, bereitet ihm auch das Wiedersehen mit Natira einige Probleme, da die Gouverneurin noch immer Gefühle für McCoy hegt, er sich aber nicht sicher ist, was er für sie empfindet, stand seine Hochzeit mit ihr doch einst unter dem Schatten seines bevorstehenden Todes.

                    Fazit: Die Beschreibung klingt jetzt mal stark danach, als wäre „Ex Machina“ eine typische TOS-Story die sich primär um das Dreigestirn Kirk/Spock/McCoy dreht. Der Roman bietet aber weit mehr und beschäftigt sich mit allen bekannten Charakteren und allgemein auch sehr mit der zwischen TOS und dem ersten Kinofilm vergangenen Zeit. Er ist auch deshalb interessant zu lesen, da er sozusagen die „Movie-Ära“ der klassischen Serie auf den neuesten Stand bringt. In späteren Serien geprägte Begriffe und Eigenschaften von Spezies, Personen und Gegenstände streut Autor Christopher L. Bennett geschickt ein. Einzig schade nur, dass die Sache mit der Veränderung der Klingonen (der erste Kinofilm markierte ja den ersten Bildschirmauftritt von Stirnwulst-Klingonen) noch nicht mit den Informationen aus der 4. Staffel der Serie „Enterprise“ abgeglichen wurden, aber der Roman dürfte wohl ziemlich zeitgleich mit der entsprechenden TV-Episode entstanden sein.

                    Aber die Klingonen sind nur eine Randnotiz. Allgemein nutzt Bennett das erste Drittel des Romans, um in die Movie-Ära einzuführen. Er ergreift dabei die Möglichkeit, auf einige Details des Kinofilms einzugehen. Beginnend von der Schiffsknappheit der Sternenflotte (die Enterprise war ja das einzige Schiff in Reichweite von V‘Ger), was anhand der Aufzählung von verloren gegangenen Schiffen in TOS und anderen TOS-Romanen sehr schlüssig erscheint. Auch technische Terminologie, die es nur im ersten Kinofilm gibt (Warp 0.7, 0.8 etc.) wird kommentiert und auch gleich hinzugefügt, dass Kirk nicht damit rechnet, dass sich diese lange halten wird. Auch die wechselnde Position der Wissenschaftsstation auf der Brücke zwischen den ersten beiden Kinofilmen wird durch Kirk kommentiert, der sich in Zukunft wieder in Brückendesign wünschen wird, das jenem vor dem Umbau ähnlicher ist. Es gibt sogar eine Erklärung, was die komischen schwarzen Boxen an der Vorderseite der Uniformen sein sollen. Auch warum wir auf der Enterprise im ersten Kinofilm so viele verschiedene Spezies sehen wird wie schon zuvor erwähnt erläutert. Diese Spezies-Vielfalt treffen wir ja auch vor allem in den Romanen der 80er-Jahre an, nochmals erweitert um einige andere abstruse Wesen, über die sich Bennett sogar ein bisschen in Form von McCoys typischen Kommentaren lustig macht.

                    Aber durch McCoy kommt auch die Begründung, warum man allein aus praktischen Gründen (medizinische Versorgung, Lebenserhaltung) nicht zu unterschiedliche Crews zusammenstellen sollte. Ich hätte mir da wirklich gewünscht, die Autoren der Titan-Reihe hätten dies beherzigt, ist dort doch einer meiner häufigen Kritikpunkte das Mitschleppen der „Aliens-of-the-week“. Das ist aber auch einer der wenigen Negativpunkt von „Ex Machina“, nämlich dass Bennett den Außerirdischen mit ihren sonderbaren Eigenschaften sehr viel Raum einräumt. Eindeutig zu viel des Guten, denn diese Aliens mit ihren seltsamen Namen und unterschiedlichen Eigenschaften sind dann irgendwann nicht mehr auseinanderzuhalten.

                    Aber kommen wir mal zum Wichtigsten: der Story! „Ex Machina“ ist wirklich spannend erzählt, beinhaltet sehr viele Themen und die Erfordernisse, sich mit politischen und religiösen Themen auseinanderzusetzen und ständig Nachforschungen zu betreiben. Die Geschichte bleibt dadurch sehr abwechslungsreich und da sich so viele Themen ihren Platz im Buch teilen müssen, kippt die Geschichte nicht einmal im Showdown in eine Richtung, sondern verknüpft auch am Spannungshöhepunkt viele Aspekte. Bennett hat eine sehr gute Balance gefunden, wenngleich er natürlich nicht über seinen Schatten springen konnte und an einigen Stellen wieder sehr wissenschaftlich wird. So fügt er meiner Meinung nach doch an ein paar Stellen zusätzliche Erklärungen hinzu, wo es nicht notwendig gewesen wäre. Grundsätzlich ist es auch sehr löblich, wie er Anspielungen auf die anderen Star Trek-Filmen und -Serien einbaut. Etwas zwiespältiger sehe ich die Anspielungen auf andere Romane, da wahrscheinlich die wenigsten alle Star Trek-Romane (über 500 nach derzeitigem Stand!) gelesen haben. Anspielungen die ich erkannt habe bezogen sich hauptsächlich auf den Roman „Sektion 31: Der dunkle Plan“, aber es waren sicher noch weitere, die ich zwar als solche wahrgenommen habe, aber nicht zuordnen konnte.

                    Bewertung: „Ex Machina“ ist wirklich ein hervorragender Roman und Plädoyer für weitere Romane der Movie-Ära. (Auch wenn sich diese laut Aussage von Christopher L. Bennett leider nicht so gut verkaufen wie Romane in der TOS-Ära.) Das Buch nutzt die Möglichkeit, sowohl die Essenz als auch die Details des ersten Star Trek-Kinofilms Revue passieren zu lassen und gleichzeitig auf eine „gute alte“ Geschichte der TV-Serie aufzubauen und diese Geschichte rund um Yonada und die Fabrini weiterzuentwickeln. Der Roman bietet daher sowohl einen hohen – vielleicht manchmal auch zu hohen – Informationsanteil, schöne Charaktermomente und auch eine spannende Story. Ein toller Ansatz und fast durchgängig hervorragend umgesetzt. Ich gebe dem Roman daher die Höchstnote: 6 Sterne! Auch wenn es wie erwähnt ein paar Negativpunkte gibt, fallen diese so gut wie gar nicht ins Gewicht. Dafür einen vollen Stern abzuziehen wäre wirklich kleinlich von mir.

                    Anmerkung: Auch wenn der erste Kinofilm wohl vor allem aufgrund des etwas reduzierten Tempos nicht jedermanns Sache ist, ist der Roman eine wirkliche Empfehlung für jeden Star Trek-Fan. Es wäre durchaus möglich, dass „Ex Machina“ einen neuen Blickwinkel hinzufügt, die bei einem erneuten Sehen des Kinofilms einiges in neuem Licht erscheinen lassen bzw. Erklärungen nachliefert.
                    _________________________________________________________

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                    • #11
                      Star Trek TOS - Der Herr der Schatten

                      Ein etwas eigenartiges Buch, denn das Buch spielt zu gefühlte 95% auf Angira, einer Welt mit Entwicklungsstandart des 17. Jahrhundert. Von der Enterprise Crew sind auch nur Spock und Sulu vertreten.
                      Der angiranische Prinz Vikram erhielt mehrere Jahre eine Ausbildung auf der Erde, der Plan ist, er soll seine Brüder (welche in der Thronfolge vor ihm stehen) unterstützen, Angira in eine moderne Welt zu verwandeln und auf den Beitritt zur Föderation vorbereiten. Aber als Vikram in Begleitung mit Spock und Sulu zurückkehrt gibt es einen blutigen Staatstreich, die gesamte Herrscherfamilie wird getötet und Vikram muss in den Untergrund fliehen. Spock und Sulu sollen ihm helfen, wieder an die Macht zu gelangen.
                      Wie ich oben schon schrieb, das Buch handelt eigentlich nur von den Ereignissen auf Angira, und selbst Spock und Sulu verkommen zu Nebenfiguren. Im Prinzip handelt das gesamte Buch nur vom Kampf rund um den Kaiserthron von Angira. Erst auf den letzten paar Seiten trifft die Enterprise wieder ein, um Spock und Sulu abzuholen. Dadurch weicht es doch ziemlich vom typischen ST-Roman ab, und ist nicht unbedingt ein SF-Buch, sondern eher eine Abenteuergeschichte mit vielen Schwertkämpfen und blutigen Schlachten.
                      Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht,
                      die Internationale erkämpft das Menschenrecht


                      das geht aber auch so

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                      • #12
                        Errand of Vengeance – Book 1: The Edge of the Sword


                        Jon Anderson wurde auf einer abgelegenen Föderationskolonie geboren, trat der Sternenflotte bei um ihr als Sicherheitsoffizier zu dienen und erhielt schließlich die erfreuliche Nachricht, dass er auf das Flaggschiff der Sternenflotte – die Enterprise – versetzt würde. Doch die Freude hielt nicht lange, denn diese Versetzung sorgte dafür, dass er für den klingonischen Geheimdienst interessant wurde. Und so ist Jon Anderson längst tot, als auf der Enterprise ein Mann seinen Dienst antritt, der sich für Anderson ausgibt aber in Wahrheit ein klingonischer Geheimagent ist.

                        Der Name dieses klingonischen Agenten lautet Kell und während er nach außen hin wie ein pflichtbewusster, typischer Sternenflottensicherheitsoffizier wirkt, sind seine Gedanken geprägt von den Behauptungen der klingonischen Propaganda über die Föderation und speziell über die „Erdlinge“. So sind alle Menschen Feiglinge, schwach und naiv und werden von ihren diktatorisch regierenden Befehlshabern nur als Marionetten eingesetzt, um deren Macht zu erhalten oder zu vergrößern. Jeden Tag, den Kell auf der Enterprise verbringt, rechnet er damit, genau das zu sehen, was die Propaganda über die „Erdlinge“ (ein Schimpfwort bei den Klingonen) behauptet. Und tatsächlich ist Kells Blick so getrübt, dass er selbst Kleinigkeiten als Bestätigung seiner Vorurteile ansieht und alles was ihnen widerspricht, als bewusste Täuschung und Manipulation durch die Machthaber – im konkreten Fall James T. Kirk – einordnet.

                        Kell ist nicht der einzige klingonische Spion an Bord. Schon kurz nach seiner Ankunft an Bord der Enterprise gibt sich ihm ein weiterer Sicherheitsoffizier – Mathews – als Klingone zu erkennen und weiht ihn in ihren Auftrag ein: Sie wurden eingeschleust um Captain Kirk zu ermorden! Ein Auftrag, den Mathews möglichst rasch bei seiner ersten gemeinsamen Außenmission mit dem Captain erledigen will. Auf dem Planeten Exo III (siehe TOS-Episode „Der alte Traum“) will Mathews Kirks Tod wie einen Unfall aussehen lassen. Doch es kommt anders als geplant und Mathews erleidet auf der Außenmission jenes Schicksal, das er mit vielen anderen Sicherheitsoffizieren der Sternenflotten teilen sollte. Denn klingonische Krieger und Sicherheitsoffiziere haben dem Sprichwort nach eines gemeinsam: Sie werden nicht besonders alt. Und es sollte nicht die einzige Gemeinsamkeit sein, die der nun auf sich allein gestellte Kell entdecken sollte …

                        Fazit: Oftmals sind Star Trek-Romane, die sich stark auf einen „Gastcharakter“ konzentrieren, etwas schwerfällig. Immerhin sind die aus den Serien bekannten Hauptcharaktere ja der Grund, warum man zu einem solchen Roman greift und „serienfremde“ Charaktere, Objekte oder Handlungsweisen können leicht als Störfaktor und für die Serie untypisch wahrgenommen werden. Das ist bei „The Edge of the Sword“ absolut NICHT der Fall!

                        Obwohl Kirk, Spock, McCoy & Co auch in diesem Roman vorkommen, erleben wir den Großteil der Geschichte aus Kells faszinierender Perspektive. Ein Klingone, der unerkannt die Rolle eines Sicherheitsoffiziers eingenommen hat und in dessen Gedanken der Leser einen Einblick erhält. So erfahren wir besser denn je, was die Klingonen von den Menschen halten und wie unterschiedlich – oder auch nicht – die klingonische Denkweise im Vergleich ist. Der oft inflationär gebrauchte Begriff „Ehre“ wird – wie bei den meisten Romanen mit Klingonen im Mittelpunkt – zwar auch in „The Edge of the Sword“ sehr häufig verwendet, aber Autor Kevin Ryan liefert hier als besten Anschauungsunterricht gleich die Erklärung mit, was Klingonen als ehrenvoll ansehen und was nicht. Dabei stützt er sich nicht auf uralte Erzählungen und Rituale (tatsächlich ist laut dem Roman der Kahless-Kult im Klingonischen Imperium noch gar nicht so weit verbreitet wie es in den späteren Epochen den Anschein hat), sondern legt das Konzept „Ehre“ auf den Alltag um. Ryan vermeidet es, sich in einer martialischen klingonischen Psyche zu verstricken sondern lässt den Protagonisten Kell einfach das menschliche Verhalten in den unterschiedlichsten Lebenslagen beobachten und seine Schlüsse ziehen.

                        Ebenfalls eine hervorragende Entscheidung war es, Kell nicht vollkommen zu bekehren. Im Verlauf der Geschichte muss er seine Ansichten über die „Erdlinge“ immer wieder korrigieren, aber er hält dennoch an dem fest, was die Klingonen dank der Propaganda über ihren Feind denken und definiert für sich selbst nach und nach immer mehr Ausnahmen. Er beginnt Respekt für seinen Ausbilder zu entwickeln und schließlich auch bei seiner ersten großen Außenmission auch für seine ihm gleichgestellten Kameraden. Er erkennt, dass die anderen Sicherheitsoffiziere trotz ihres „menschlichen Makels“ auch so etwas wie ehrenwerte Krieger sind und zumindest während dieser Mission (Orioner greifen eine abtrünnige irdische Kolonie an, die eigentlich nichts mit der Föderation zu tun haben will) einen gerechten Kampf führen.

                        In diesem ersten Teil der „Errand of Vengeance“-Trilogie erleben wir also hautnah, wie sich die Ansichten eines klingonischen Geheimagenten langsam verändert. Doch es bleibt abzuwarten, ob sich Kells Weg der Erkenntnis fortsetzt, denn die Parallelhandlung wirft bereits Schatten eines Krieges zwischen der Föderation und dem Imperium voraus. Die Klingonen rüsten auf und die Föderation ist sich der Gefahr mehr als bewusst und sucht nach diplomatischen Lösungen. Obwohl diese Parallelhandlung hauptsächlich aus Besprechungen im Sternenflottenhauptquartier besteht, ist sie auch durchaus spannend. Denn zeitlich kann man den Roman dank der am Beginn des Romans stattfindenden Mission der Enterprise bei Exo III gut einordnen. Wir stehen also am Beginn der Ereignisse der 1. Staffel der „Original Series“ und Serienkenner wissen, dass ein Krieg zwischen den Klingonen und der Föderation gegen Ende dieser Staffel anheben wird.

                        Bewertung: Kevin Ryan hat ein das Kunststück geschafft, einen interessanten neuen Hauptcharakter zu erschaffen, dem der Leser mindestens durch drei Viertel der Ereignisse folgt. Und trotz der reduzierten Rollen der etablierten Charaktere wirkt die Geschichte absolut authentisch zur Serie. Hier passt alles zusammen, Kell bewegt sich in einer vertraut wirkenden Umgebung, die man durch seine Augen neu erlebt. Man erkennt genau, auf was er reagiert, das Umfeld, die Kollegialität, die Opfer die die Sicherheitsoffiziere erbringen. All diese Elemente sind dem Seher der TV-Serie bekannt, aber vor allem deshalb nicht langweilig, weil sie für Kell noch komplett neu sind und es interessant ist, wie er seine Beobachtungen kommentiert und versucht, sie mit seiner klingonischen Weltanschauung in Einklang zu bringen. Dabei geht der Autor sehr direkt vor, verzichtet auf tiefgehende Analysen sondern bleibt stets bodenständig, was auch für das Erzähltempo förderlich ist. Ein guter Gegenpol zu Kells passiver Beobachtung der menschlichen Verhaltensweisen sind auch die ausgedehnten Action-Sequenzen, die ereignisreich und gerade dann mit einer entscheidenden Wendung aufwarten, wenn man vielleicht schon den Eindruck hat, sie wären etwas zu lang geraten. Dennoch: Ein paar Seiten weniger Kampf wäre doch besser gewesen, wenngleich das natürlich sowohl das Handwerk von klingonischen Kriegern als auch von Sicherheitsoffizieren ist. Und da gerade diese beiden „Berufsgruppen“ besonders stark im Vordergrund der Handlung stehen, ist es absolut legitim, sie auch etwas länger im Einsatz zu beobachten als bei anderen Romanen, in denen ein Raumschiff-Captain, ein Wissenschaftsoffizier oder ein Schiffsarzt im Mittelpunkt stehen.

                        „The Edge of the Sword“ ist ein sehr starker Auftakt einer Trilogie. Spannend geschrieben, tempo- und actionreich sowie mit jeder Menge Anspielungen auf die TV-Serie versehen, so dass man sich als Leser trotz des ungewohnten Hauptcharakters sofort im Star Trek-Universum heimisch fühlt. Vom vermittelten Gefühl her ist ein Vergleich mit der „Vanguard“-Reihe durchaus passend. Auch in dieser Reihe hat man eine für TOS eher ungewöhnliche Geschichte in diesen Zeitabschnitt platziert und in beiden Fällen funktioniert das wirklich gut.

                        Ich bin gespannt, wie es mit Kell weitergeht und gebe seinem ersten Auftritt in der Star Trek-Literatur starke 5 von 6 Sterne! Ob die „Errand of Vengeance“-Reihe echten Event-Charakter erreichen wird muss sich in den Fortsetzungen zwar erst zeigen, doch der erste Roman der Reihe legt jedenfalls eine mehr als solide Basis und ist gleichzeitig auch für sich allein stehend sehr unterhaltsam gewesen.

                        Anmerkungen:

                        Für einen Roman, der im Jahr 2002 erschienen ist, ist das Titelbild des Romans (und seiner beiden Fortsetzungen) wirklich bescheiden. Vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr mit dem TNG-Roman „Immortal Coil“/“Das Unsterblichkeitsprinzip“ eines der schönsten Star Trek-Roman-Coverbilder überhaupt erschien.

                        Interessant ist auch, dass der Roman unter dem Serientitel „The Original Series“ erschien. Ein solcher Titelzusatz für TOS-Romane ist bei den in Amerika erscheinenden Büchern selten, dort erscheinen TOS-Romane üblicherweise einfach schlicht unter dem Titel „Star Trek“. Auch die „Janus Gate“-Reihe erschien im Jahr 2002 unter dem Banner „The Original Series“ (mit ähnlich unkreativen Titelbildern). Erst im Jahr 2013 wird diese Bezeichnung für TOS-Romane wieder zum Standard.
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                        • #13
                          Zitat von MFB Beitrag anzeigen

                          Interessant ist auch, dass der Roman unter dem Serientitel „The Original Series“ erschien. Ein solcher Titelzusatz für TOS-Romane ist bei den in Amerika erscheinenden Büchern selten, dort erscheinen TOS-Romane üblicherweise einfach schlicht unter dem Titel „Star Trek“. Auch die „Janus Gate“-Reihe erschien im Jahr 2002 unter dem Banner „The Original Series“ (mit ähnlich unkreativen Titelbildern). Erst im Jahr 2013 wird diese Bezeichnung für TOS-Romane wieder zum Standard.
                          Danke für die ausführliche Rezension, auf die Kevin Ryan-Trilogien habe ich auch schon auf Auge geworfen, die werden ja im allgemeinen sehr gut rezensiert.
                          Was die Titulierung als "The Original Series" angeht: Die beiden Trilogien Janus Gate und Errand of Vengeance waren damals als eine Art "Reboot" geplant, sprich ein Neustart in Form einer Romanreihe mit gemeinsamer Kontinuität. Soweit ich weiß, hat sich das ganze aber nicht wirklich positiv auf die Verkaufszahlen ausgewirkt, so das dass Konzept fallen gelassen wurde, da insbesondere die allein stehenden TOS-Romane sich wohl nach wie vor extrem gut verkaufen.

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                          • #14
                            Zitat von Kopernikus Beitrag anzeigen
                            Danke für die ausführliche Rezension, auf die Kevin Ryan-Trilogien habe ich auch schon auf Auge geworfen, die werden ja im allgemeinen sehr gut rezensiert.
                            Ja, ich hatte vorab auch schon viel Gutes über seine Trilogien gehört. Bisher (ca. 1/4 von Buch 2) gefällt mir die "Errand of Vengeance"-Reihe sehr, sehr gut.

                            Das mit dem TOS-"Reboot" habe ich auch schon gelesen. Ist ein interessanter Ansatz, eine eigene "serien-begleitende" Romanreihe zu erschaffen mit Storys, die zwischen den TV-Episoden eingebettet sind. Allerdings jetzt auch nicht so ganz revolutionär. Referenzen zu den Episoden die vor Ereignissen eines Romans stattgefunden haben findet man auch in den älteren Romanen immer wieder mal wie auch den Fokus auf einen Charakter, der nicht zum Main Cast gehört. Allerdings noch nie so gut wie in diesem Fall mit Kell/Anderson.

                            Wenn die "Errand of Vengeance" so toll endet wie sie begonnen hat, werde ich danach wahrscheinlich auch relativ bald die Fortsetzungstrilogie "Errand of Fury" lesen.

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                            • #15
                              Errand of Vengeance - Book 2: Killing Blow


                              Seit zwei Wochen ist der klingonische Agent Kell unter dem Decknamen „Jon Anderson“ schon an Bord der U.S.S. Enterprise und sein Weltbild hat sich seitdem verändert. Hat er die „Erdlinge“ früher für schwächlich und feige gehalten, hat er nun schon seinen ersten Kampf Seite an Seite mit einigen von ihnen bestritten und erkannt, dass sich auch auf der Seite der Menschen ehrenvolle Krieger finden lassen. Auch James T. Kirk ist nicht der ehrlose Bastard, für den die klingonische Propaganda ihn hält, hat der Captain der Enterprise doch selbst während des Kampfes Kells Leben gerettet. Umso schwerer fällt es Kell, seinen eigentlichen Auftrag – Captain Kirk zu ermorden – auszuführen. Trotz seiner Gewissensbisse entschließt er sich dazu, weiterhin dem Imperium treu zu dienen und plant, bei der nächsten Außenmission Captain Kirk zu töten. Doch diese Mission nimmt einen anderen Verlauf als gedacht …

                              Wie die Sternenflotte herausfindet, bereiten die Klingonen eine großangelegte Invasion der Föderation in ungefähr sieben Monaten vor. Eine wichtige Ressource, die sie für dieses Vorhaben benötigen, ist Dilithium. Die wertvollen Kristalle, die zum Antrieb ihrer Kriegsflotte benötigt werden, scheinen über die Orioner an die Klingonen geliefert zu werden. Auf einem Planeten innerhalb der Föderationsgrenzen, aber nahe der klingonischen Grenze, scheinen die Orioner ein großes Vorkommen an Dilithium gefunden zu haben. Jedenfalls betreiben sie dort seit kurzem eine große Bergwerksunternehmung, die jedoch mittels exzessiver Kernborhung die tektonische Stabilität des gesamten Planeten bedroht. Umso schlimmer ist dies, da auf dem Planeten auch eine vorindustrielle Bevölkerung existiert.

                              Um mehr in Erfahrung zu bringen begibt sich Captain Kirk zusammen mit einem Sicherheitsteam, dem auch Kell angehört, mittels Shuttle zum Planeten. Zur Überraschung aller stellt man dort fest, dass die einheimische Bevölkerung sich inzwischen recht gut gegen die Orioner zu wehren weiß. Und noch größer wird die Überraschung, als das Außenteam herausfindet, um welche Spezies es sich bei den Einheimischen in Wahrheit handelt.

                              Zur gleichen Zeit auf dem Schlachtkreuzer D'k Tahg: Kells Bruder Karel, der kürzlich dank des Zweiten Offiziers zum Leiter eines Waffenkontrollraums aufgestiegen ist, sinnt nach Rache gegen die Föderation, denn er wird im Glauben gelassen, Kell wäre bei einem Gefecht ums Leben gekommen. Der Zweite Offizier manipuliert Karel mit dem Versprechen, ihm seine Rache zu ermöglichen und verwickelt ihn dadurch in ein Komplott, das zum Ziel hat, den bisherigen Captain der D'k Tahg zu ermorden. Doch Karel durschaut langsam, dass sich der Zweite Offizier mit der Beförderung und dem Versprechen nur Karels Loyalität sichern wollte. Zweifel nagen an ihm, ob er unter dem neuen Captain wirklich die Gelegenheit zur Rache erhalten wird.

                              Im Sternenflottenhauptquartier gibt es ebenfalls eine Person, die von Zweifel geplagt wird: Admiral Justman – einst bei der Schlacht um Donatu V jener Mann, der die Klingonen verschonte – lässt das vor über 20 Jahren stattgefundene Gefecht in Gedanken Revue passieren. Ein Gefecht, das keinen eindeutigen Sieger hatte und aus Sicht der Klingonen in sieben Monaten endgültig beendet werden soll.

                              Fazit: „Killing Blow“ ist der zweite Teil der „Errand of Vengeance“-Trilogie und wie so häufig bei den mittleren Teilen von Trilogien hat man auch hier das Gefühl, der Roman würde streckenweise nur einen gewissen Zeitraum überbrücken. Besonders auffällig ist das bei den Rückblenden zur Schlacht um Donatu V, die in diesem Buch zwar ausführlich und ziemlich spannend beschrieben wird, aber nicht wirklich Relevanz zu haben scheint. Die Bedeutung der zurückliegenden Schlacht für den sich anbahnenden Krieg hatte eigentlich schon das erste Buch der Trilogie abgehandelt ohne dass der Leser wirklich Zeuge der Ereignisse wurde. Zudem ist es fraglich, warum das Gefecht als unentschieden gewertet wurde, immerhin ist Donatu V bereits ein Planet der Föderation gewesen und der Angriff der Klingonen wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Meiner Ansicht nach einer klarer Sieg der Föderation.

                              Auch der Außeneinsatz von Kell ist mehr oder weniger nur eine Fortführung seiner Entwicklung, die bereits in „The Edge of the Sword“ begonnen hat. In diesem Fall finde ich es aber okay, dass Kells Wandlung langsam vorangetrieben wird. Immerhin ist er ein seit Kindertagen indoktrinierter Feind der Föderation und es ist nur verständlich, dass sich seine Einstellung nur nach und nach und durch konkrete Erlebnisse verändert. So klischeehaft es wirkt, aber mir hat es wirklich gut gefallen, wie sich die Kameradschaft von Kell und seinen Kollegen von der Sicherheitsabteilung während eines Barbesuchs (einschl. Schlägerei) auf einer Starbase zeigt. Die Entdeckungen auf dem Planeten, die ihn schließlich wirklich an der Rechtmäßigkeit seines Auftrags zweifeln lassen, wirken dann etwas in die Handlung hinein gequetscht und zufällig. Zwar wirken Kells Gedanken und Ansichten zu jederzeit Nachvollziehbar, aber Autor Kevin Ryan hat sich hier doch eines weit hergeholten Kunstgriffs bedient, um Kell in die von der Handlung verlangte Position zu bringen.

                              Absolut hervorragend hingegen ist jener Teil der Geschichte, der sich um Kells Bruder dreht. Mit Karel ist es so eine Sache: Als Leser weiß man, dass seine Rachegelüste absolut unbegründet sind, da Kell in Wahrheit noch lebt. Und dennoch wünscht man ihm Erfolg, die sich zwischen ihm und seiner Rache aufbauenden Hindernisse zu überwinden, da er charakterlich ein viel zu aufrichtiger und ehrlicher Mann ist, der im Verlauf der Geschichte aufs Übelste von seinen Vorgesetzten ausgenutzt wird.

                              Bewertung: „Killing Blow“ ist sicher etwas schwächer als der der Vorgängerroman. Die Handlung rund im Kell, die weiterhin den größten Teil des Buches ausmacht, ist eigentlich eine natürliche Weiterführung von „The Edge of the Sword“ und daher auch über weite Strecken vorhersehbar. Jedoch gelingt es Kevin Ryan am Ende des Romans doch noch zu überraschen, weshalb auch dieser Handlungsstrang für die das Finale der Trilogie noch einiges verspricht. Allgemein hat der Roman ein ziemlich furioses Finale auf den letzten Seiten, weshalb der letzte Eindruck mehr als positiv ist. So verzeiht man auch gerne die etwas öden Action-Sequenzen, die mit jenen aus „The Edge of the Sword“ vom Spannungslevel her nicht mithalten können. Oder die etwas seltsam untergebrachten Erinnerungen von Admiral Justman an die Schlacht von Donatu V. Zusammen mit der sehr guten Story rund um Kells Bruder auf dem Schlachtkreuzer vergebe ich daher an „Killing Blow“ 4 Sterne.

                              Anmerkungen:

                              Autor Kevin Ryan verwendet für neue Charaktere sehr gerne die Namen von Leuten, die an der Produktion der TV-Serie beteiligt waren. Nach Admiral Justman in Buch 1 lernen wir in Buch 2 auch noch die Admiräle Jeffries und Solow kennen. Und auch ein Offizier mit dem Nachnamen Okuda begegnen wir.

                              An zwei Stellen im Buch wird Kells Name versehentlich mit dem seines Bruders Karel vertauscht. Ist nicht weiter schlimm, aus dem Kontext heraus wird eigentlich sofort klar, dass dies unbeabsichtigte Flüchtigkeitsfehler sind.
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                              Diese und weitere Rezensionen findet ihr auch auf meinem Blog:
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