Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Game Aw(kw)ards 2017

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Game Aw(kw)ards 2017

    Für Personen, die wie ich Computerspiele lieben war 2017 wohl ein eher durchzogenes Jahr.
    So will ich es mir – inspiriert von Spielekritikern die alle kreativer und witziger sind als ich - nicht nehmen lassen mir wenigstens einen Teil der aufgestauten Frustration von der Seele zu schreiben.
    Die folgende Liste von ironischen “Awards“ ist rein subjektiv, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann bei Bedarf beliebig erweitert werden – ich meine, wenn ein milliardenschwerer Konzern wie Electronic Arts ein Werk nach seiner Veröffentlichung nach Lust und Laune nachbessern, verändern und erweitern darf, dann dürfen wir das auch.


    Der “Katzenklo aus dem Ikea-Katalog“ Award für die langweiligste Sandbox:

    “Schuster bleib bei deinen Leisten.“ lautet eine alte Volksweisheit.
    Und wohl kaum ein westlicher Publisher folgte diesem Dogma mit der selben religiösen Entschlossenheit wie die Nekrophilen bei Ubisoft, die es sich auch nach Jahren nicht nehmen lassen sich weiter mit dem verwesenden Leichnam von Tom Clancy zu vergnügen.
    Es ist mir nicht möglich den diesjährigen Award für die langweiligste, generischste und nichtssagendste Sandbox mit guten Gewissen an ein anderes Spiel zu verleihen als an Tom Clancy‘s Ghost Recon Wildlands.
    Nicht weil das Spiel besonders schlecht wäre - ist es nicht - , sondern weil es symbolisch für das steht was schief läuft mit allen sogenannten Open World Games:
    Eine wunderschöne Welt die leider als Hintergrund für eine hoffnungslos unstrukturierte 08/15 Story herhalten muss und bis zum überquellen mit einem halben Dutzend aber sich einmal pro Sektor wiederholenden, sinnfreien, repetitiven und tödlich langweiligen Sidequest gefüllt ist.
    Ich bitte Wildlands den aus goldfarbener Pappe gemachten und innen völlig hohlen Pokal stellvertretend für Teletubisofts Lebenswerk in Empfang zu nehmen und aus humanitären Gründen auf die zweifellos sterbenslangweilige und terminal banale Dankesrede zu verzichten. Danke.



    “Vermute nie böse Absicht hinter etwas, das sich genau so gut durch Blödheit erklären lässt.“
    Weise Worte. Doch ein Spiel dieses Jahr testete die Grenzen dieser alten Volksweisheit gründlich aus.
    In dem Sinne:

    Der “Verstopfte Toilette während einer Norovirus-Epidemie“ Award für die grösste Scheisse des Jahres:

    Es gibt Missgeschicke. Dann gibt es Fails. Dann gibt es Epic Fails.
    Und dann gibt es Mass Effect Andromeda.
    Mit einem einzelnen Spiel hat es EA geschafft eine beliebte, ikonische und kommerziell erfolgreiche Franchise mit Lichtgeschwindigkeit an die Wand zu fahren.
    EA hat es fertig gebracht so viele hirnrissige Fehler in einem einzigen Projekt zu vereinen, dass man sich ernsthaft fragen muss ob es nicht Absicht war.
    Wo fange ich nur an?
    Da gibt man das erste Spiel einer neuen Trilogie von Mass Effect an ein unerfahrenes B-Team, zwingt sie eine hauseigene Spielengine zu verwenden, die für diese Art Spiel nicht geeignet ist und übt viel zu wenig Kontrolle über das Entwicklerteam aus, wenn dieses mehrere Jahre damit verblödelt an einer absoluten Totgeburt von Idee wie einer “proceduraly generated world“ für ein Story-fokussisertes Rollenspiel herumzubasteln!

    Herausgekommen ist ein schmerzhafter Salat aus ein paar guten Ideen, banaler Story mit Löchern gross genug um einen roten Riesen hindurch zu schieben, uninspiriertem Voiceacting, uninteressanten Charaktern, leeren MMORPG-ähnlichen Wüsten mit 4x mal dem selben Worldboss und klischeebeladenen Aliens.

    Den Pokal aus Blei, Cadmium und Arsen, den ich passender Weise in die nächste Kläranlage gespült habe, können sich EA und Bioware Montreal gemeinsam dort abholen. Denn dieser Fail war zu gross für einen Schuldigen allein. Das erforderte Teamwork.
    Herzlichen Glückwunsch ihr leimschnüffelnden Universalidioten.
    Und wenn ihr schon mal dort seid, bitte bindet euch den Pokal an den Hals und ertränkt euch damit im Absetzbecken. Danke.



    Der “Zwei Stoner auf der Couch“ Award für ein Spiel das mit scheissegal ist:

    Ja, es ist die zweite Erwähnung von Ubisoft dieses Jahr – an deiner Stelle würde ich mich noch nicht entspannen EA – doch kein anderes gehyptes Spiel war mir dieses Jahr so gleichgültig wie Assassins‘ Creed Origins.
    Ein weiteres Sequell – oder Prequell – aus einer untoten Serie von Spielen, die sich vor allen dadurch auszeichnet, dass das Wort “Ass“ im Titel zweimal vorkommt.
    Ich habe es offensichtlich nicht gespielt, und so kann ich mich nicht zum Inhalt äussern. Doch reicht es zu wissen, dass es sich dabei um ein weiteres schleimiges Pseudopodium der amöboiden Masse handelt, welche die immer wachsende Ubisoft-Meta-Sandbox darstellt. Ein uninspiriertes Amalgam aus Open World Spielen, die bis auf die Namen der Charaktere und den Texturen kaum mehr von einander zu unterscheiden sind.
    Bedenkt man jedoch wie Ubisoft mit toten Autoren umzugehen pflegt, müssen wir wohl dankbar sein, dass der vollständige Titel des Spiels nicht “Agatha Christie‘s Assassins‘ Creed Origins“ lautet...

    Passend zum Thema gibt es anstelle des Pokals eine unförmige, goldgelbe Masse in einer übergrossen Petrischale, die sich Ubisoft gerne sonstwohin schmieren kann. Danke.

    Btw.:
    Ich warte immer noch auf Hemingway‘s Fishing Simulator.



    Der “Ausgeleierter Euter einer halbtoten Kuh“ Award für den schamlosesten Fall von Franchise Milking:

    Ich weiss, was ihr jetzt denkt. Aber Nintendo wäre eine zu offensichtliche Wahl.
    Zudem: Nintendo Franchise Milking vorzuwerfen ist wie einem Hund vorzuhalten, dass er seine eigenen Eier leckt.
    Und je weniger wir über Konami (#Fuckonami) sagen, desto besser…
    Daher begnügen wir uns mit dem dritt-offensichtlichsten Fall – naja, viert-offensichtlichsten, aber Ubisoft hat schon genug Aufmerksamkeit erhalten.

    Es spricht nicht zwingend etwas dagegen ein Spiel nach ein paar Jahren auf einer neuen Konsole zu veröffentlichen.
    Es ist aber eine etwas andere Sache plötzlich auf die Idee zu kommen für ein altes Spiel, welches nur dank unzähliger Gratismods immer noch gespielt wird, ein Bezahlmod-System einzuführen. Besonders, nachdem man vor zwei Jahren für die selbe Idee schon mal ein PR-Desaster erlebt hat...

    Herzliche Gratulation an Bethesda.
    Ihr könnt euch den Pokal in Kürze unten in der Werkstatt abholen.
    Gleich nachdem unser Hausmeister auf der hydraulischen Presse das letzte Milligramm Blattgold herausgequetscht hat. Danke.



    Der “Ich mache mir sicher nicht die Mühe mir für euch Arschlöcher etwas originelles auszudenken“ Award für einen Haufen Arschlöcher:

    EA ist ein offensichtlicher Favorit mit seiner Lootbox-Apokalypse in Star Wars Battlefront 2: The revenge of the second game with exactly the same title.
    Das selbe gilt für WB Interactive, welche einen Teil von Shadow of War hinter einer Grindwall versteckt haben um in einem SinglePlayer Spiel Lootboxen zu verkaufen!
    Nicht vergessen dürfen wir Activision-Blizzard (oder heisst das jetzt Actizzard? - passend, klingt wie ein hässliches Reptil…).
    Blizzard dafür, dass sie via Overwatch die Grundidee der Lootbox Salonfähig gemacht haben und Activision dafür, dass sie in Destiny 2 offenbar nicht davor zurückschrecken selbst teile des Lores in Lootbox-Items zu verstecken.

    Auf Grund der erbitterten Konkurrenz habe ich mich entschlossen den Award für den grössten Haufen Arschlöcher in der Spieleindustrie gemeinsam an alle “Tripple-ay!“ Publisher zu verleihen. Selbst jene, welche bisher unerwähnt geblieben sind.
    Ich bin sicher jeder von euch hat etwas getan um ihn zu verdienen.
    Herzlichen Glückwunsch und und geht Regenrinnen sauber lecken. Danke.



    Der “Positives ist nie so lustig wie negatives“ Award für mein Spiel des Jahres:

    Meine Goldmedaille für das beste Spiel des Jahres geht an:
    (Trommelwirbel)
    Hellblade: Senua‘s Sacrifice von Ninja Theory.
    Ein Indy Spiel welches unter einem “Tripple-ay!“ Publisher garantiert nie das Licht der Welt erblickt hätte.
    Hellblade verwendet gekonnt jedes Element des Spiels für Storytelling und beweist, dass Gameplay und Storytelling durchaus natlos zueinander passen können, wenn man nur eine Sekunde darüber nachdenkt was man tut.
    Ninja Theory verdient unseren Respekt dafür, dass sie ein Risiko eingegangen sind um ein Spiel zu erschaffen, welches dem Ideal von “Videospiele als Kunst“ wirklich gerecht wird.
    Weiter vermochte es Hellblade ein sensibles Thema in einer Art zu verarbeiten, die respektvoll aber nie belehrend oder gezwungen politisch korrekt wirkt.

    Meine – für einmal nicht sarkastischen – Glückwünsche an Ninja Theory.
    Understanding the scope of the problem is the first step on the path to true panic.

    - Florance Ambrose
Lädt...
X