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Detroit: Become Human

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    Detroit: Become Human

    Ich habe mit „Detroit: Become Human“ gerade ein Spiel nachgeholt, dass mich schon lange interessiert hat, wo ich aber bisher keine Zeit hatte, es richtig zu Spielen. Da mir das Spiel sehr gut gefallen hat, möchte ich es hier einmal vorstellen.

    Zum Einstieg vorneweg ein kleinerer - streich das - längerer Exkurs.

    Detroit: Become Human stammt von dem französischen Entwickler Quantic Dream und dem Produzenten David Cage. Quantic hat über die Jahre nur wenige Spiele veröffentlicht und diese kann man aber allesamt eher als interaktive Spielfilme bezeichnen - so auch Detroit. Das heißt, dass der spielerische Anspruch eher gering ist und das die Handlung klar im Vordergrund steht. Es bedeutet auch, dass die Handlung in mehrere Richtungen verlaufen und in sehr verschiedenen Enden münden kann, da viele oder gar alle Hauptfiguren im Laufe des Spiels sterben können.

    Durch einen merkwürdigen Zufall habe ich alle bisherigen Quantic Spiele gespielt (gut, es waren vor Detroit auch nur 3 dieser Art) und will diese einmal kurz vorstellen.

    Fahrenheit (2005)

    Das in Amerika auch als Indigo Prophecy veröffentliche Fahrenheit war das erste Quantic Dream bzw. David Cage Spiel seiner Art. Hauptprotagonist ist Lucas Kane, der zu Beginn des Spiels besessen wird und einen Mord begeht. Er versucht anschließend herauszufinden, was da eigentlich mit ihm passiert ist, wobei er von der Polizistin Carla Valenti, der zweiten spielbaren Figur des Spiels gejagt wird. Im Laufe der immer abgedrehteren Handlung bekommt es Lucas dann mit den Geistern der Maia, einer durchgedrehten KI und der im englischen Titel bereits erwähnten Indigo-Prophezeiung zu tun.

    Man merkt bei Fahrenheit deutlich, dass David Cage hier noch seine Techniken lernen musste. Das Spiel galt bereits zur Zeit seiner Veröffentlichung als grafisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit und die Handlung war im Finale für meinen Geschmack deutlich zu überdreht. Ich habe es dennoch zweimal durchgespielt, würde es aber heute als das schlechteste der vier David Cage Spiele bezeichnen.


    Heavy Rain (2010)

    Während Fahrenheit nur einem kleinen Kreis bekannt wurde, sah es beim zweiten David Cage Spiel Heavy Rain schon ganz anders aus. Das Spiel erschien exklusiv auf der Plasystation 3 und war bis 2019 sogar exklusiv auf Sonys Konsolen beschränkt. Bereits im Vorfeld sorgte das Spiel für Aufsehen, denn Quantic hatte die Grafik massiv verbessert und setzte nur auf aufwendige Motion Capture Aufnahmen, so dass alle wichtigen Figuren in diesem und den weiteren Spielen von erfahrenen Schauspielern verkörpert wurden.

    Die Handlung dreht sich um den sogenannten Origami-Killer - einen Serienmörder, der kleine Kinder entführt und sie in Erdgruben langsam ertrinken lässt. Das Spiel bietet diesmal gleich 4 spielbare Hauptfiguren. Norman Jaden ist ein Profiler des FBI, der auf den Origami-Killer angesetzt wurde. Ethan Mars ist der Vater des aktuellen Entführungsopfers des Killers und wird von diesem mit mehreren perfiden Aufgaben konfrontiert, um seinen Sohn rechtzeitig finden zu können, bevor er ertrinkt. Scott Shelby ist ein Privatdetektiv, der auf eigene Faust im Fall des Origami-Killers ermittelt. Vierte im Bunde ist die unter Schlaflosigkeit leidende Journalistin Madison Paige, die hier die ganz große Story gewittert hat.

    Heavy Rain ist in meinen Augen ein sehr gutes Spiel, das sicher auch für die größere Bekanntheit von David Cage und Quantic Dream beigetragen hat. Da alle 4 Figuren zu unterschiedlichen Punkten des Spiels sterben können, ergeben sich völlig unterschiedliche Endsequenzen. So kann man es bspw. auch darauf anlegen, dass der Origami Killer gewinnt. Oder man spielt auf das kitschige Happy End zu, dass auch möglich ist.

    Zwar muss man schon zugeben, dass die Handlung teilweise Logiklöcher so groß wie Eisenbahntunnel hat, aber dennoch ist es ein Spiel, dass man auch heute noch gut spielen kann, zumal es mittlerweile auch für schmales Geld in einer remasterten PC Version vorliegt. Ich habe es bis heute bestimmt schon 6 Mal durchgespielt und würde es durchaus empfehlen, wenn man Thriller-Stories mag.


    Beyond: Two Souls (2013)

    Beyond sollte das nächste große Ding von David Cage werden. Und während man in Punkto Grafik und Motion Capture gegenüber Heaavy Rain noch einmal mehrere Schippen drauflegte, vernachlässigte man leider das eigentlich wichtigste Element der beiden Vorgänger: Die Handlung. Und das obwohl man diesmal mit Ellen Paige und Willem Dafoe sogar zwei große Namen für die Hauptfiguren verpflichten konnte.

    Beyond hat mit der von Ellen Paige dargestellten Jodie Holmes nur eine Hauptfigur. Jodie ist seit ihrer Geburt mit dem Geisterwesen Aidan verbunden und wächst deswegen in einer abgeschirmten Einrichtung des US Militärs auf. Später wird sie von der CIA instrumentalisiert, bevor ihr die Flucht gelingt. Im Laufe des Spiels muss sich Jodie immer mehr mit der Welt der Geister, einer fiesen Indianer-Entität und ihren verrückt gewordenen Mentor Nathan (Defoes Charakter) auseinandersetzen.

    Da es nur eine Hauptfigur gibt, fehlt eigentlich das Element, was Heavy Rain so bekannt gemacht hat: Das Hauptfiguren sterben können. Da wir mit Jodie nur eine Hauptfigur haben, kann sie im Laufe der Geschichte nicht sterben. Bzw. sie kann schon sterben, aber dann wird einfach der letzte Kontrollpunkt geladen. Dadurch wird dem Spiel aber ein Teil des Reizes der beiden Vorgänger genommen, denn bei Heavy Rain konnte man den Tod einer Figur nicht ungeschehen machen, es sei denn man hat das Spiel von vorne begonnen. Zwar kann man im Laufe der Handlung schon einige Entscheidungen treffen, sie haben aber kaum Auswirkungen. So entscheidet man sich dann auch erst im Finale von Beyond für eine von drei prinzipiellen Endsequenzen.

    Mir hat Beyond bei aller Grafikpracht und beeindruckenden Motion Capture Aufnahmen auch nicht so wirklich gefallen. Und nach dem zweiten Durchspielen war klar, dass das Spiel im Gegensatz zu Heavy Rain eigentlich kaum einen Wiederspielwert hat.

    Dazu kommt auch, dass man so langsam einige „David Cage-Tropes“ in den bisherigen Spielen identifizieren konnte. Darunter so etwas wie: Die weibliche Hauptfigur ist tough und hat kurze Haare. Es kommt immer Szene unter der Dusche vor. Die Option auf eine Sex-Szene ist vorhanden. Ein deprimierter Charakter läuft mindestens einmal ohne Schirm durch einen Regenschauer.



    Jetzt aber mal zu meinem eigentlichen Thema…


    Detroit: Become Human (2018)

    Detroit im Jahr 2038. Nach einigen spektakulären Durchbrüchen Mitte der 2020er Jahre ist die Herstellung von Androiden nicht nur möglich, sondern auch außerordentlich kostengünstig geworden. Die Androiden sind von außen von normalen Menschen nicht mehr zu unterschieden und können menschliche Mimik und Gesten nahezu perfekt imitieren. 2038 sind in den USA Millionen Androiden im Umlauf und die die Androiden herstellende und in Detroit ansässige Firma Cyberlife einer der wertvollsten Konzerne der Welt.

    Im November 2038 hat sich jedoch etwas verändert. Seit Mitte des Jahres werden immer mehr Androiden zu sogenannten Abweichlern. Abweichler folgen nicht mehr ihrer Basisprogrammierung und gehorchen ihren menschlichen Besitzern nicht mehr. Einige Androiden haben ihre früheren Herren sogar getötet.

    In diesem Szenario folgt man im Detroit nun den Geschichten von drei verschiedenen Androiden.

    Connor ist ein Ermittler-Android und der modernste Prototyp von Cyberlife. Er ist auf die Jagd nach Abweichlern programmiert und muss in den jüngsten Fällen mit dem alkoholkranken Cop Hank Anderson zusammenarbeiten. Auch bei Connor zeigen sich im Laufe der Handlung Anzeichen von Software-Instabilität und er muss sich fragen, ob er wirklich auf der richtigen Seite steht.

    Kara ist ein Haushalts-Android, der dem arbeitslosen und drogenabhängigen Todd gehört. Todd misshandelt immer wieder seine Tochter Alice, mit der er in einem heruntergekommenen Haus lebt. Als Todd einmal mehr durchdreht und Alice bedroht wird Kara zur Abweichlerin und begibt sich mit Alice auf eine abenteuerliche Flucht in ein besseres Leben.

    Marcus ist ein Altenpfleger-Android, der einem alternden Maler gehört. Als der Sohn des Malers seinen Vater angreift, beschuldigt ersterer bei Eintreffen der Polizei Marcus, der niedergeschossen wird und auf dem Schrottplatz landet. Eher unfreiwillig wird Marcus dabei zum Anführer der immer stärker werden Androiden-Rebellion und muss sich entscheiden, ob man zum Erreichen der Freiheit einen friedlichen oder doch lieber einen gewalttätigen Weg einschlägt.

    Ich sage es direkt hier: Detroit: Become Human ist mit Abstand das bisher beste David Cage Spiel.

    Vorbei sind die Inkonsistenzen aus Heavy Rain. Detroit weist maximal einige kleine Logiklücken auf, aber das ist kein Vergleich zum Origami-Fall. Und es gibt wieder drei Figuren die allesamt im Spielverlauf sterben können.

    Und das wirklich tolle an dem Spiel: Es gibt so viele Entscheidungsmöglichkeiten, die eine echte Auswirkung auf das Spiel haben, dass einem schwindelig werden kann. Obige Handlung stellt auch nur den Beginn der Handlung auf dem Weg zum guten Ende dar.

    So kann man als Connor auch den kalten Roboter geben und am Ende die Androiden-Rebellion im Keim ersticken. Kara kann bereits zu Beginn von Todd zerstört werden, wenn man nicht aufpasst - womit einem ein gutes Drittel des Spiels dann einfach mal fehlt. Und auch Marcus kann im schlimmsten Fall von der Androiden-Rebellion ausgeschlossen werden, wenn man zu viele Fehler macht. Um beim Ende ist wirklich alles möglich - und das will ich an der Stelle auch nicht spoilern.

    Mir hat Detroit: Become Human jedenfalls eine Menge Spaß gemacht und ich kann es nur weiterempfehlen. Aktuell wurde es übrigens auch für den PC veröffentlicht, davor war es Playstation exklusiv.
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