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Gender-sensible Schreibweise - überflüssig oder sinnvoll?

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    #31
    Zitat von newman Beitrag anzeigen
    Ich halte die Gender-Sprache auf vielen verschiedenen Ebenen für unnachahmlichen Blödsinn


    1. Grammatikalisches Geschlecht =/= sexuelles Geschlecht:

    Das Kind ist kein Zwitter nur weil es ein grammatikalisches Neutrum ist. Der Baum hat keinen Penis.
    Die Gender-Sprache zeugt nicht nur von grammatikalischem Unwissen. Und es bringt dieses Unwissen sogar in Schulen und Universitäten hinein.

    2. Veränderung der Sprache =/= politischer Veränderungen:

    Es gibt Ungleichheit.
    Es gibt Ungerechtigkeit.

    Indem wir die Sprache verändern, beseitigen wir diese Ungerechtigkeiten nicht.
    Indem wir die Sprache verändern gibt es Null (!) Kindertagesstätten mehr, wird keine einzige Frau besser bezahlt als vorher.

    [...]
    Dem kann ich mich ebenfalls nur anschließen.

    Diese Sprachvergewaltigung wird sich in der Umgangssprache niemals durchsetzen, der Kram ist einfach zu unpraktisch. Es ist schon schlimm genug, diese augenkrebsverursachenden Binnen-Is und Gender Gaps lesen zu müssen. Das ganze ist einfach übertriebener Blödsinn und hat mit realen Problemen nicht das geringste zu tun. Gewaltige Energie- und Zeitverschwendung.

    Überhaupt scheint der Genderwahn auf dem Vormarsch. Gender Studies florieren ja auch, obwohl es da mit der Wissenschaftlichkeit nicht immer so weit her ist...
    Fear is temporary, regrets are forever.

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      #32
      In der gesprochenen Sprache ist das natürlich schwieriger bzw. unpraktikabel, da gesprochene Sprache einfach viel zu flüchtig, viel zu spontan getätigt wird. Ich würde aber sagen, dass es in offiziellen Schreiben, also da wo sich auch tatsächlich alle Menschen (beispielswiese durch Berufsbezeichnungen) angesprochen fühlen sollen, absolut sinnvoll ist, wenn man dort differenzierter schreibt.

      Das Ganze aber auf Dinge oder Gegenstände zu übertragen, die sich nicht angesprochen fühlen können, ist ein äußerst hohles Argument und wird doch nur allzu gerne als Gegenargument benutzt um dieses Anliegen lächerlich zu machen. Dabei geht es um diese Begriffe gar nicht, lässt sich aber natürlich polemisch immer sehr leicht ausschlachten.

      So lange aber die öffentlichen Diskussion diese Ebene nicht verlässt wird natürlich auch weiter mit reichlich generalisierendem Quatsch um sich geworfen. Menschen die es nicht kapieren und idiotisches Fordern oder idiotische Kritik üben gibt es natürlich auf beiden Seiten und leider wird sich nur mit diesen Extrempositionen beschäftigt und die Fronten so natürlich immer weiter verhärtet. Sinnvoll für die Diskussion ist es jedenfalls nicht.

      In diesem Punkt ist eben Fingerspitzengefühl gefragt und es muss von Situation zu Situation neu entschieden werden. Dabei muss viel Spielraum bleiben, denn wir können uns unserer Sozialisation auch nicht einfach entledigen.

      Es ist mit Sicherheit aber nicht verkehrt, wenn sich jeder bewusst macht, wen er denn jetzt mit seiner Formulierung anspricht und wen nicht. Dann wäre schon viel erreicht
      "The Light — It's Always Been There. It'll Guide You."
      Reviews, Artikel, Empfehlungen oder Podcasts von mir zu verschiedenen Themen aus der Popkultur könnt ihr auf Schundkritik.de finden.

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        #33
        Zitat von newman Beitrag anzeigen
        Ich halte die Gender-Sprache auf vielen verschiedenen Ebenen für unnachahmlichen Blödsinn


        1. Grammatikalisches Geschlecht =/= sexuelles Geschlecht:

        Das Kind ist kein Zwitter nur weil es ein grammatikalisches Neutrum ist. Der Baum hat keinen Penis.
        Die Gender-Sprache zeugt nicht nur von grammatikalischem Unwissen. Und es bringt dieses Unwissen sogar in Schulen und Universitäten hinein.

        2. Veränderung der Sprache =/= politischer Veränderungen:

        Es gibt Ungleichheit.
        Es gibt Ungerechtigkeit.

        Indem wir die Sprache verändern, beseitigen wir diese Ungerechtigkeiten nicht.
        Indem wir die Sprache verändern gibt es Null (!) Kindertagesstätten mehr, wird keine einzige Frau besser bezahlt als vorher.

        Aber wir klopfen uns auf die Schulter. Denn wir haben ja viel Hirnschmalz verbraten.

        Das ist für mich Volksverdummung. Anstatt reale politische Probleme anzugehen, kleiden wir sie in eine neue Sprache und tun so als hätten wir etwas getan. Das verschleiert die Probleme und verspottet alle, die wahrhaft darunter leiden. Sprachlich wird nun eine Gleichheit propagiert, die faktisch nicht vorhanden ist. Und die Sprache wird so verunstaltet, dass zuerst die Sprache und dann mit ihr auch die ganze Diskriminierungsdebatte der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Merkt man das denn nicht? Die Leute machen sich über diese der Alltagssprache widersprechenden Bürokraten-Sprache lustig. Und die so erzeugte Assoziation springt psychologisch gesehen dann natürlich auf die realen dahinterliegenden Probleme über. Als nächstes macht man sich dann über die eigentlich ernsthaften Probleme von real Benachteiligten lustig. Dieser Sprachwirrwarr hilft niemandem. M.E. schadet es vielmehr, weil Ressourcen in unnötigen Konflikten sinnlos vergeudet werden.
        - diesen Beitrag würde ich glatt so unterschreiben. Dieser Euphemismus, den Du hier aufzeigst, soll den Anschein erwecken, als würde man die Probleme anpacken - in Wahrheit verhüllt es sie nur. Der Anschein ist wichtiger als das Sein. Dieser Trend ist ja nicht nur im Gender-Mainstreaming zu beobachten, auch wenn er hier sehr deutlich wird.

        Aus meiner Sicht ist dies reiner Stuss.



        Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
        Von mir mal eine ganz banale Frage: Wenn ich mich weiter über diesen Unsinn lustig machen will, schreib ich dann jetzt besser weiter AktenordnerInnen oder Aktenordner_Innen ? Wodurch würden sich denn die anhänger der übertriebenen political correctness im Sprachgebrauch mehr auf den Schlips/die Krawatte/das Plastron (alle Geschlechter da?) getreten fühlen?
        Der Schreibweise AktenordnerInnen ist nicht mehr politisch korrekt, da hier nur weibliche und männliche berücksichtigt werden, aber keine transsexuellen und jene, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen.
        Heute muss es daher Aktenordner_Innen heißen, denn der Unterstrich berücksichtigt die Transsexuellen und jene, die sich noch geschlechtlich orientieren. Wie wollen doch keine Aktenordner diskriminieren - äh, ich meinte Aktenordner_Innen.

        Sind die Smiley eigentlich noch politisch korrekt?



        @Wolf4310
        Danke für das Video. Es trifft den Nagel auf den Kopf.

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          #34
          Zitat von Halman Beitrag anzeigen
          Der Schreibweise AktenordnerInnen ist nicht mehr politisch korrekt, da hier nur weibliche und männliche berücksichtigt werden, aber keine transsexuellen und jene, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen.
          Heute muss es daher Aktenordner_Innen heißen, denn der Unterstrich berücksichtigt die Transsexuellen und jene, die sich noch geschlechtlich orientieren. Wie wollen doch keine Aktenordner diskriminieren - äh, ich meinte Aktenordner_Innen.

          Sind die Smiley eigentlich noch politisch korrekt?
          Es gibt aber weder männliche, weibliche noch transsexuelle Aktenordner und daher findet auch keine Diskriminierung statt. Das ist einfach nur genau diese argumentative Polemik welche ich gerade angesprochen habe.

          Es ist so schön einfach sich darüber lustig zu machen, wenn man es auf Dinge überträgt wo niemand mit Verstand auch nur Ansatzweise eine solche Schreibweise fordern würde. Was nicht heißt, dass es eben auch Menschen gibt, die das tatsächlich auch so anwenden würden oder dies fordern. Die haben die Materie dann aber einfach nicht verstanden.

          Aber es ist natürlich aktuell auch einfach "in" sich gegen alles zu stellen wo irgendwo nur das Wort Gender drin vorkommt. Der Fleischhauer ist bestimmt sehr stolz auf sich.
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            #35
            Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
            Aber es ist natürlich aktuell auch einfach "in" sich gegen alles zu stellen wo irgendwo nur das Wort Gender drin vorkommt. Der Fleischhauer ist bestimmt sehr stolz auf sich.
            Gut aber was ist mit meinen Beispielen? Warum nicht Personer oder Persönlichkeiter oder Fühtrungskrafter?
            Zuletzt geändert von Tibo; 29.08.2013, 00:21.

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              #36
              Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
              Es gibt aber weder männliche, weibliche noch transsexuelle Aktenordner und daher findet auch keine Diskriminierung statt. Das ist einfach nur genau diese argumentative Polemik welche ich gerade angesprochen habe.

              Es ist so schön einfach sich darüber lustig zu machen, wenn man es auf Dinge überträgt wo niemand mit Verstand auch nur Ansatzweise eine solche Schreibweise fordern würde. Was nicht heißt, dass es eben auch Menschen gibt, die das tatsächlich auch so anwenden würden oder dies fordern. Die haben die Materie dann aber einfach nicht verstanden.

              Aber es ist natürlich aktuell auch einfach "in" sich gegen alles zu stellen wo irgendwo nur das Wort Gender drin vorkommt. Der Fleischhauer ist bestimmt sehr stolz auf sich.
              Genau das ist der Punkt. Jemand mit Verstand würde generell den Mangelzustand abschaffen statt auf einer Schreibweise zu pochen, die den Mangel angeblich sichtbar macht. Es gilt, was newman schon geschrieben hat: grammatisches Geschlecht ist nicht sexuelles Geschlecht. Wenn diese ganzen Gruppierungen, die hier an der Sprache rumfummeln wollen (das hat Orwell zumindest allen politischen Aktivisten gut beigebracht....) ihren Aufwand sinnvoller investieren würde als in Sprachverbiegungen, wäre ihrem Ziel wohl besser geholfen.

              PS: "Oder Aktenordnerinnen" (oder ährnliches Unwort) leise vorsagen ist eine super Methode um rauszufinden, ob der/die bisherige Sprecher oder Sprecherin eines Geseiers voll von "Schüler und Schülerinnen", "Lehrer oder Lehrerinnen", "Polizisten und Polizistinnen" wirklich hinter der übertriebenen political correctness steht oder sich selbst nur einen Reflex antrainiert hat, um seiner Position entsprechend die "geforderte" political correctness an den Tag zu legen. Wenn es erschrocken schnell nachgeplappert wird.... (Und ja, das passiert )

              Ich werd's ja leider nicht mehr erleben, aber der Tag, an dem Deutsch restlos durch Englisch ersetzt wird, wird Anlass zu viel Freude geben - ausser bei den Korinthenkacker_Innen (so richtig ?), die dann weniger Grund und Möglichkeiten haben, an der Sprache anderer rumzumeckern
              Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

              "Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund" - Sei kein Psycho. Verwende Satzzeichen!

              Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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                #37
                Zitat von Prix Beitrag anzeigen
                Das klingt nach dem selben Unsinn wie dieser Artikel behandelt.

                Unisex-Klos für „sexuell Unentschlossene” von Politikern beschlossen

                Das Ganze erinnert mich an diesen "Political correctness" - Schwachsinn und wird durch so etwas noch "hoffähig" gemacht.
                Das ist nur sehr schwer als Unsinn zu bezeichnen, da es ein praktisches Problem reflektiert. In dem Fall geht es darum, dass der Besuch von öffentlichen Toiletten für Transsexuelle ein großes Problem darstellt. Nicht primär weil sie sich durch die zweigeschlechtliche Toilettenbezeichung irgendwie diskriminiert fühlen, sondern weil der Rest der Männer und Frauen damit offenbar nicht klar kommt und die Nutzung von öffentlichen Toiletten für Transsexuelle oft zu massiven Diskriminierungen führt. Sie werden beschimpft, daran gehindert die Toiletten zu benutzen, die Polizei gerufen und es ist wohl auch nicht selten, dass sie Opfer von Gewaltübergriffen werden. Alles nur, weil sie die in den Augen anderer vermeintlich "falsche" Toilette benutzen wollten.

                Transsexuelle wollen auch nur aufs Klo gehen und werden dann häufig mit einem riesigen Theater konfrontiert. Das wollte man damit verhindern. Es steht natürlich auf dem anderen Blatt, ob dadurch wieder neue Probleme geschaffen werden. Aber Unsinn ist das mit Sicherheit nicht.

                Der Sachverhalt sah zudem in der Realität etwas anders gelagert wie es hinter diesem Link oder in vielen anderen Medien dargestellt wurde. Schon gar nicht wäre die Umsetzung mit massiven Kosten verbunden gewesen. Die Details bekomme ich gerade aber auch nicht mehr zusammen.

                Es wurde aber bereitwillig von Medien gerne als Beispiel für übertriebene Politicial Correctness genutzt und wieder Stimmung gemacht. Dabei wurde einfach wie so häufig vernachlässigt, ignoriert, nicht verstanden, worum es eigentlich gehen sollte.

                @ Tibo: Ich bin kein Linguist und meine sprachliche Kompetenz ist sehr begrenzt. Von daher kann ich nicht viel produktives beitragen. Ich weiß aber auch gerade nicht genau, was du überhaupt damit sagen willst.
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                  #38
                  Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
                  @ Tibo: Ich bin kein Linguist und meine sprachliche Kompetenz ist sehr begrenzt. Von daher kann ich nicht viel produktives beitragen. Ich weiß aber auch gerade nicht genau, was du überhaupt damit sagen willst.
                  Naja du hast das hier geschrieben:
                  Es gibt aber weder männliche, weibliche noch transsexuelle Aktenordner und daher findet auch keine Diskriminierung statt. Das ist einfach nur genau diese argumentative Polemik welche ich gerade angesprochen habe.
                  Es gibt männliche Führungskräfte, es gibt männliche Personen. Wenn "die Sportfreunde" Frauen diskrimiert (scheinbar weibl. Artikel + scheinbar männliche Endung) dann ist die Personen für alle Männer umso diskriminierender.
                  Warum legen Feministinnen nie Wert darauf, dass bei unschönen Dingen wie Blindheit oder Behinderungen gegendert wird? Es heiß nie die Blinden und Blindinnen, die Lahmen und Lahminnen.

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                    #39
                    Zitat von Tibo Beitrag anzeigen
                    Naja du hast das hier geschrieben:

                    Es gibt männliche Führungskräfte, es gibt männliche Personen. Wenn "die Sportfreunde" Frauen diskrimiert (scheinbar weibl. Artikel + scheinbar männliche Endung) dann ist die Personen für alle Männer umso diskriminierender.
                    Warum legen Feministinnen nie Wert darauf, dass bei unschönen Dingen wie Blindheit oder Behinderungen gegendert wird? Es heiß nie die Blinden und Blindinnen, die Lahmen und Lahminnen.
                    Darum. Es hat auch noch nie eine Feministin bei "Korinthenkacker" nach der weiblichen Form verlangt oder selbst von "KorinthenkackerInnen" gesprochen. Gegenbeispiele bitte mit youtube-Link angeben

                    Das Ganze Tamtam enttarnt sich sowieso immer dann, wenn man nach einer allgemeinen, geschlechtsunabhängigen Wehrpflicht oder einem ebensolchen sozialen Jahr im Zuge der Gleichberechtigung fordert. Dann kommen plötzlich so "Frauen können aber schwanger werden...."-Argumente
                    Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

                    "Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund" - Sei kein Psycho. Verwende Satzzeichen!

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                      #40
                      Ich habe die Geschichte schon mehrmals hier geschrieben. Wie viele von Euch wissen habe ich Pädagogik studiert. In nem Seminar, mit 60 weiblichen Studenten und mir zum Thema wissenschaftliches Lesen. Wir hatten eine Professorin Ende 60. Naja eines Tage fragte sie was denn das eigenartige Geräusch sei. Ich antwortete die Heizung pfeife. Sie bat mich danach zu schauen ich als Mann könne da ja sicher was machen.
                      Man stelle sich mal vor in ner Physikvorlesung fragt ein Prof warum der Boden nass ist die einzige Frau im Raum sagt dann es läge an dem Regenschirm, der tropfe. Wenn nun der Prof. bäte sie möge das aufwischen, weil sie als Frau sowas bestimmt könne hätte der falls die Frau das will am Tag drauf nen Riesenärger am Hals.

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                        #41
                        Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                        Genau das ist der Punkt. Jemand mit Verstand würde generell den Mangelzustand abschaffen statt auf einer Schreibweise zu pochen, die den Mangel angeblich sichtbar macht. Es gilt, was newman schon geschrieben hat: grammatisches Geschlecht ist nicht sexuelles Geschlecht. Wenn diese ganzen Gruppierungen, die hier an der Sprache rumfummeln wollen (das hat Orwell zumindest allen politischen Aktivisten gut beigebracht....) ihren Aufwand sinnvoller investieren würde als in Sprachverbiegungen, wäre ihrem Ziel wohl besser geholfen.
                        Dann bin ich wohl jemand ohne Verstand, wenn ich darin durchaus Vorteile sehe. Aber ja, es wäre natürlich in der Tat besser, wenn der Mangelzustand direkt beseitigt werden würde. So funktioniert die Welt meiner Ansicht nach leider nur nicht. Ohne ein breites Bewusstsein oder entsprechende Sensibilisierung sehr vieler Menschen für gewisse Themen geht doch nichts.

                        Ich kann beispielsweise nur für mich selbst sprechen, aber durch die Sichtbarmachung der Unterscheidungen wird mir jedenfalls bewusst, dass eben jeder dazugehört. Die Sprache ist in dem Fall präziser und es hilft mir Konzepte/Probleme in vielen Dingen mitdenken zu können, die mir durch eine andere sprachliche Bezeichnung nicht bewusst und entgangen wären. Menschen, die gedanklich vorher keine Rolle bei mir spielten, da sie sprachlich unsichtbar sind, werden mir bewusst und damit fange ich auch an über diese in meinen Überlegungen einzubeziehen. Dieses Gedankenexperiment habe ich bei mir jedenfalls schon häufiger durchgeführt, daher sehe ich das als Vorteil. Kann sein, das dies andere anders sehen und das dadurch der Mangel natürlich nicht beseitigt wird, ist auch klar.

                        Daher halte ich diese Schreibweisen in offiziellen Dokumenten oder auch wissenschaftlichen Arbeiten für sehr hilfreich, da die Sprache dadurch präziser wird. Wir leben schließlich noch in einer Gesellschaft, wo das Geschlecht eine große Rolle spielt und das ökonomisch und sozial. Und das sollte Sprache auch darstellen können, Im allgemeinen Sprachgebrauch sieht das wieder anders aus und muss natürlich differenzierter betrachtet werden.

                        Das Problem ist, das alles sowohl seine Vorteile und auch seine Nachteile hat. Gute Argumente haben meiner Einschätzung nach beide Seiten, weshalb das auch ein schwieriges Thema ist. Was übertrieben ist und was nicht, was zielführend ist und was nicht erscheint dabei nicht eindeutig. Es hilft niemanden in diesem Fall in Extremen zu denken. Es geht um Fingerspitzengefühl, welches in jeder Situation neu angewandt werden muss. Die Extremmeinungen helfen da nicht weiter.

                        PS: "Oder Aktenordnerinnen" (oder ährnliches Unwort) leise vorsagen ist eine super Methode um rauszufinden, ob der/die bisherige Sprecher oder Sprecherin eines Geseiers voll von "Schüler und Schülerinnen", "Lehrer oder Lehrerinnen", "Polizisten und Polizistinnen" wirklich hinter der übertriebenen political correctness steht oder sich selbst nur einen Reflex antrainiert hat, um seiner Position entsprechend die "geforderte" political correctness an den Tag zu legen. Wenn es erschrocken schnell nachgeplappert wird.... (Und ja, das passiert )
                        Und was, wenn beides gleichzeitig der Fall ist? Es ist doch absolut logisch, dass das zu einem großen Teil antrainiert worden ist, schließlich sind alle ab einem bestimmten Alter sprachlich anders sozialisiert worden. Das muss aber doch nicht automatisch bedeuten, dass da nicht hinter gestanden oder nicht verstanden wird, warum das so gemacht wird.

                        Ich reagiere beispielsweise auch noch wie auf Kommando und ohne nachzudenken darauf wenn jemand das Wort "einzigste" sagt. Ich muss mich wirklich sehr anstrengen meinen inneren Korrekturdrang zu unterdrücken und das nur, weil ich es früher sehr lange selbst gesagt habe und mir dies damals langwierig abtrainiert wurde. Da ist auch erst mein antrainierter Reflex stärker. Das ist in so einem Fall nicht anders. Interessant wird es doch erst, wenn man dann mal nachfragt, ob überhaupt realisiert wurde, was gesagt wurde.

                        Es gibt aber natürlich viele, auch sehr prominente Beispiele, wo eben deutlich wird, dass das Konzept nicht verstanden wurde. Die werden dann auch immer als Beispiele für übertriebene Politicial Correctness angeführt und diese finden dann natürlich auch den Weg auf die Plakete der Menschen, die sich darüber aufregen. Kann ich nachvollziehen, bringt aber die Diskussion nicht weiter und beseitigt eben auch keinen Mangelzustand.

                        Ich werd's ja leider nicht mehr erleben, aber der Tag, an dem Deutsch restlos durch Englisch ersetzt wird, wird Anlass zu viel Freude geben - ausser bei den Korinthenkacker_Innen (so richtig ?), die dann weniger Grund und Möglichkeiten haben, an der Sprache anderer rumzumeckern
                        Und an dem Tag wird die Welt dann auch nicht untergegangen sein, sondern es wird sich über unsere altertümliche und tote Sprache bzw. Schreibweisen kaputt gelacht werden. Sprache steht nun mal nie still.
                        "The Light — It's Always Been There. It'll Guide You."
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                          #42
                          Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
                          Und an dem Tag wird die Welt dann auch nicht untergegangen sein, sondern es wird sich über unsere altertümliche und tote Sprache bzw. Schreibweisen kaputt gelacht werden. Sprache steht nun mal nie still.
                          Es gibt auch Sprachen, in denen die Situation noch deutlich komplizierter ist als bei uns, z.B. das Burushaski mit 4 Geschlechtern (männlich, weiblich und 2x "sächlich"), Chinesisch ganz ohne (da gibt es nur das Standardgeschlecht ohne Unterteilung), das Baskische mit 12-15 Fällen u.v.m. Dort ist das System allerdings über Jahrtausende gewachsen, während die aktuelle Diskussion nur eine kurzfristige Modeerscheinung ist.

                          Nehmt euch nur mal die Rechtschreibreform als Beispiel. Die wurde durchgeführt unter der Annahme, dass die alte Schreibweise für die Mehrheit der Bevölkerung und speziell für die Nicht-Muttersprachler zu kompliziert sei und vereinfacht werden müsse. Und nun wollt ihr den gegensätzlichen Weg wieder beschreiten und ein neues, noch komplizierteres System einführen. Das passt nicht zusammen.
                          "En trollmand! Den har en trollmand!"

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                            #43
                            Zitat von Tibo Beitrag anzeigen
                            Naja du hast das hier geschrieben:

                            Es gibt männliche Führungskräfte, es gibt männliche Personen. Wenn "die Sportfreunde" Frauen diskrimiert (scheinbar weibl. Artikel + scheinbar männliche Endung) dann ist die Personen für alle Männer umso diskriminierender.
                            Warum legen Feministinnen nie Wert darauf, dass bei unschönen Dingen wie Blindheit oder Behinderungen gegendert wird? Es heiß nie die Blinden und Blindinnen, die Lahmen und Lahminnen.
                            Es ging doch um Aktenordner, oder. Das ist ein Gegenstand und kann sich nicht diskriminiert fühlen, weshalb diese Beispiele mit gegenderten Dingen schwachsinnig sind. Das wird nie gefordert und nur von denjenigen gemacht, die das Prinzip nicht ganz verstanden haben oder eben um das Prinzip lächerlich zu machen.

                            Zum Rest:

                            Wie gesagt, ich bin kein Linguist.

                            Aber

                            der Blinde, die Blinde, die Blinden.
                            der Lahme, die Lahme, die Lahmen.
                            der Behinderte, die Behinderte, die Behinderten.

                            ist schon anders gelagert als

                            der Polizist, die Polizistin, die Polizisten

                            und ist anders gelagert als

                            der Bäcker, die Bäckerin, die Bäcker.

                            Aber ich bin kein Linguist um da wirklich etwas qualitatives zu sagen.

                            Es ist in meinen Augen aber offensichtlich, dass hier eben eher soziale Punkte entscheidend sind.
                            "The Light — It's Always Been There. It'll Guide You."
                            Reviews, Artikel, Empfehlungen oder Podcasts von mir zu verschiedenen Themen aus der Popkultur könnt ihr auf Schundkritik.de finden.

                            Kommentar


                              #44
                              Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
                              Wie gesagt, ich bin kein Linguist.

                              Aber

                              der Blinde, die Blinde, die Blinden.
                              der Lahme, die Lahme, die Lahmen.
                              der Behinderte, die Behinderte, die Behinderten.

                              ist schon anders gelagert als

                              der Polizist, die Polizistin, die Polizisten

                              und ist anders gelagert als

                              der Bäcker, die Bäckerin, die Bäcker.
                              Naja, das überzeuht mich nicht. Bei substantivierten Adjektiven ist das in der Tat schwierig, lassen wir die mal außen vor.
                              Warum hast du nichts zu meiner Frage nach den Worten Führungskraft gesagt?
                              Da Lehrer (maskulin) diskriminierend sein soll, wird inzwischen in der Erziehungswissenschaft von Lehrperson (feminin) gesprochen. Ist nicht auch das diskriminierend? Ist nicht allein der Artikel beim Plural diskriminierend für alle Männer? Hast du je ein Schild gesehen, dass vor TaschendiebInnen warnt? Das geht so weit, dass man lesen und hören muss, SeniorInnen würden bei Kaffeefahrten oft Opfer von Betrügern. Nicht von BetrügerInnen.
                              Die Welt zum Beispiel hatte die Schlagzeile:
                              Das unverschämte Glück der NSU-Mörder
                              nicht "...der MörderInnen" Wer soll, denn nach dem Willen der SPD in Zukunft härter bestraft werden? Steuehinterzieher oder SteuerhinterzieherInnen? Waren Baader und Meinhof Terroristen oder TerroristInnen?
                              Liegt hier nicht die wahre Diskriminierung? Das Böse soll männlich sein, aber alles andere wird künstlich verweiblicht? Kennst du auch nur ein Beispiel, wo ein positives oder auch nur neutrales Wort wie Person vermännlicht wird?
                              Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
                              Aber ich bin kein Linguist um da wirklich etwas qualitatives zu sagen.
                              Was das aneht, sehe ich keine Notwendigkeit für mehr als eine Pluralform weder für den Artikel noch die Wortendung.
                              Zitat von Skeletor Beitrag anzeigen
                              Es ist in meinen Augen aber offensichtlich, dass hier eben eher soziale Punkte entscheidend sind.
                              Welche sozialen Punkte meinst du?

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                                #45
                                Dazu kurz mal was aus dem wirklichen Leben.
                                In dem Sportclub, deren Mit-glied ich bin, gibt es auch Mitglieder ohne -glied.
                                Bei einer der (zahlreichen) Zusammenkünfte schmetterte der Redner wieder einmal :
                                " Liebe Sportfreunde und Freundinnen......"

                                darauf beschwerten sich die ----dinnen, das sie sich Ausgeschlossen, als "Randgruppe" behandelt fühlen usw.usw.---
                                denn schließlich sind auch Sie Freunde dieses Sportes.......
                                Seit dem nur noch: " Freunde des ....sports".

                                mfg

                                Prix
                                Die Eisenfaust am Lanzenschaft, die Zügel in der Linken........

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