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Battlestar Galactica - Folgen/Staffel/Gesamtbewertung

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    #61
    So, ich bin mit der ersten Staffel durch. Man merkt schon an der relativ langen Zeit, die ich für die erste Staffel gebraucht habe (elf Tage für 13 Folgen, bei LOST wäre das in drei Tagen abgefrühstückt gewese ), das sich nicht so richtig geflasht bin. Mein Problem mit der Serie ist, dass es doch ein wenig arg dröge inszeniert ist. Klar, das Postapokalypse-Szenario schreibt eine depressive Grundstimmung vor, wenn das Ganze authentisch wirken soll. Mein Kritikpunkt ist auch eher, dass die Story gerade am Anfang sehr schleppend voran kommt. Der Fokus der Serie liegt klar auf den Charakteren und in der ersten Staffel ist es ja auch vollkommen gerechtfertigt, erstmal das Personal vorzustellen. Ich gucke Serien aber vor allem, weil ich eine spannende Geschichte erzählt haben will, insofern erfüllt BSG da nicht so ganz meine Bedürfnisse. Aber gut, zum erheblichen Teil ist das dann halt auch einfach eine Geschmacksfrage. Zum Ende der Staffel hin, als etwas mehr Dynamik aufkam, saß ich dann auch etwas gebannter vor dem Bildschirm.

    Unabhängig vom grundsätzlichen Fokus auf Charaktere, was einfach nicht so sehr meinen geschmacklichen Präferenzen entspricht, gibt es aber noch einige Dinge, die mich stören. Allen Voran Head-Six. Dieser Charakter nervt einfach von vorne bis hinten. Nicht nur dass mir diese notgeile Grapscherei tierisch gegen Stricht geht, die Szenen sind auch extrem repetitiv. Es läuft einfach immer und immer wieder darauf hinaus, dass Headsix Baltar ablenkt während er gerade mit jemand anders redet und sich dadurch zum Affen macht. Und auch dieses Gerede von Gott und seinem Plan finde ich einfach nicht sonderlich interessant. Ich habe auch z.B. nicht verstanden, was die Szene da in der Oper mit dem Kind am Ende des Staffelfinales sollte. Muss man da Philosophie studiert haben, um das zu kapieren? Jedenfalls ist es nicht das, was ich unterhaltsam finde.

    So richtigen Lieblingscharakter habe ich bis jetzt keinen. Adama Senior finde ich sehr charismatisch. Man kann verstehen warum er von der Crew so respektiert wird. Tigh wird ja gerne als Arschloch dargestellt, aber ich finde ihn eigentlich ganz umgänglich. Ich mag Personen, die rational agieren und Tigh ist trotz seines Alkoholproblems ein fähiger Offizier, der grundsätzlich die richtigen Entscheidungen trifft.

    Der Rest ist irgendwie okay. Starbuck nervte in der Miniserie noch, in der ersten Staffel jetzt nicht mehr. Roslin entwickelt zum Ende der Staffel hin starkes Potential, mir hart auf den Zeiger zu gehen durch ihre Entwicklung Richtung religiöser Fanatikerin, die sich auch noch mit Drogen zuknallt. Das ist jetzt nicht so meins. Adama hat sie ja Anfangs sehr belächelt (school teacher), aber sie zeigt bei der einen oder anderen Gelegenheit, dass sie ne eiskalte Biatch ist (z.B. als die Leoben airlockt).

    Der Tom Selleck da sollte wohl so rüberkommen, dass man sich evtl. auch als Zuschauer mit ihm identifizieren kann. Hat bei mir aber nicht geklappt. Ich war ganz überrascht als ich ein altes Episodenreview von mir von vor zehn Jahren gelesen habe, wo ich meinte, dass er recht differenziert rüberkommt. Das habe ich jetzt gar nicht so gesehen. Er labert eigentlich nur irgendein qualmiges, pseudointellektuelles Zeugs daher. Ich meine, das sind die letzten ~47.000 Überlebenden eines nuklearen Holocaust und der kommt mit so eine Che Guevara Blubb daher als ob nichts passiert wäre. Das ist schon ironisch, ist er es doch der in Colonial Day dann darauf hinweißt, dass diese Gesellschaft komplett anders funktioniert - und funktionieren muss - als jene von vor dem Fall der Kolonien. Das finde ich ein interessantes Thema. Der Frage, inwiefern "das Leben weitergehen" kann und muss, hätte sich die Serie gerne ausführlicher widmen dürfen, aber leider kommt da fast nix. Zwar kann man natürlich, wie gesagt, nicht einfach so weitermachen, andererseits muss man ja auch versuchen stabile Strukturen für die Menschen zu schaffen, damit die nicht völlig durchdrehen. Insofern erfüllt der Luxusliner, in dem eine Gartenanlage simuliert wird, mE eine sehr wichtige psychologische Funktion.

    Die einzelnen Episoden sind ja, was die Handlung angeht, relativ in sich geschlossen. Da könnte ich durchaus mal in den Episodenthreads was posten, hatte ich jetzt aber keine Lust. Bei LOST ist das ja recht schwer, einzelne Folgen zu beurteilen, weil die Übergänge sehr fließend sind. Bei BSG sind es vor allem die Charaktere, welche das episodenübergreifende Element darstellen. Na ja, bei paar Sachen wirken schon recht plakativ, z.B. Litmus: Da wird halt mal für eine Folge das Thema Standgericht durchgekaut, aber ist dann in der nächste Folge doch wieder abgehakt. Klappt so lala für mich, aber reißt mich nicht vom Hocker. Wobei ich auch keine Folge so richtig schlecht fand, außer den ersten Teil vom Staffelfinale. Den fand ich gerade in den ersten 20 Minuten total schleppend. Ich war echt baff als ich gelesen habe, dass ich damals gemeint habe, man hätte da mal lieber einen Dreiteiler draus machen sollen. Äh... nein.

    Die letzte Folge hat dann aber echt gerockt (bis auf Baltars depperte Visionen) und der opener der zweiten Staffel ebenso. Aber davon erzählte ich dann ein andermal.
    Zuletzt geändert von SF-Junky; 27.01.2018, 20:11.
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      #62
      Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
      Ich habe auch z.B. nicht verstanden, was die Szene da in der Oper mit dem Kind am Ende des Staffelfinales sollte. Muss man da Philosophie studiert haben, um das zu kapieren? Jedenfalls ist es nicht das, was ich unterhaltsam finde.
      Die Opernhaus-Vision ist ein Mysterium, das sich durch die ganze Serie zieht und wird somit noch weitaus wichtiger.

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        #63
        So, ich habe vor ein paar Tagen die zweite Staffel beendet (und auch schon mit der dritten angefangen). Das zweite Serienjahr hat mir deutlich besser gefallen als das erste. Das liegt vor allem daran, dass die Serie sich nicht ganz so einseitig auf den Aspekt des Charakter-Dramas beschränkt, sondern auch der Geschichte mehr Raum einräumt. So sind auch die einzelnen Folgen enger verknüpft. Gerade am Anfang der Staffel entwickelt sich da eine schöne Dynamik. Leider hat mir der Home-Zweiteiler dann nicht so gefallen, das Rumgerenne auf Kobol da. Am besten gefallen hat mir am ersten Drittel der Staffel, dass man etwas mehr über die Zylonen und ihre Motive erfahren hat. Also letztlich religiöse Fundis. Nun gut, in der Beziehung nehmen die Toaster und die Colonials sich teils nicht viel.

        Nach einer kurzen Durststrecke ging es dann zum Pegasus-Dreiteiler. Der war ohne Zweifel verdammt stark, aber ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits wurde mir mit der schwarz-weiß-Malerei etas zu dick aufgetragen, denn die Leute von der Pegasis sind ja wirklich alles entweder Arschlöcher oder inkompetente Idioten oder Vergewaltiger oder eine Kombination aus mindestens zweien davon. Andererseits verweist Admiral Cain zu Recht darauf, dass auch die Galactica-Crew ziemlichen Dreck am Stecken hat, inklusive Folter. Die Pegasus-Leute sind eigentlich nur krasser, aber nicht prinzipiell anders. Trotzdem wäre da weniger mehr gewesen.

        Danach geht es BSG wieder etwas ruhiger an, aber es kann auch nicht dauernd am Anschlag laufen. Hier hat die Serie mit Black Market und Sacrifice auch einmal die Gelegenheit zu zeigen, dass sie auch ganz furchtbar platt sein kann. Ich habe das ja in meinem Review zur ersten Staffel schon angedeutet, dass es eigentlich eine recht spannende Frage ist, wie sich die Gesellschaft unter solchen Umständen (letztlich raumfahrende Nomaden) entwickelt. Das Bild, das hier aber gezeigt wird, ist letztlich, dass alles beim alten bleibt. Das ist mir zu billig und der ganze Lowtech- und realistisch-Bums verkommt zu einer Ausrede für 08/15-Stories, die man in jeder drittklassigen Krimiserie genauso zeigen könnte. Auch die Wunderheilung von Rosling war ein typischer Deus ex Machina, der extrem billig wirkte.

        Vom Finale war ich dann auch nicht so recht überzeugt. Alles wirkte so ein wenig als ob die Macher keinen Bock mehr auf "Flotte auf der Flucht" hatten und unbedingt mal so ein Belagerungs-Szenario zeigen wollten. Am Anfang wird schnell, schnell noch Anders befreit, danach macht man sich daran einen ungemütlichen Felsbrocken zu kolonisieren. Die Aktion mit der Atombombe wirkte auch ziemlich hinkonstruiert. Warum hat man Baltar das Ding bitte nicht wieder weggenommen nachdem sein Zylonendetektor-Projekt offenbar eingestellt worden ist? Dass Baltar Präser wird - na ja. Roslin ist halt einfach die Hillary Clinton der Kolonien. Kein Wunder, dass die Biatch nicht gewählt wurde.

        Womit wir beim Thema Charaktere wären...

        Mein Favorit ist doch irgendwie Tigh. Ich mag seine knorrige Art einfach. Zum Anführer ist er aber einfach nicht geschaffen, wie er am Anfang beweist. Zwar ist er durchaus ein fähiger Befehlshaber, aber alles was über rein militärische Routine hinausgeht überfordert ihn schnell. Admiral Cain ist da ja nicht unähnlich.

        Roslin zeigt, dass sie nicht nur eine Biatch (Stichwort Wahlfälschung), sondern auch eine gefährliche Irre ist. Es ist ja durchaus nicht immer klar ob sie dieses ganze Gesäusel vom auserwählten Erlöser selbst glaubt oder ob sie das nur verzapft um ihren Führungsanspruch zu untermauern. Da kommen dann noch einige Szenen, welche das zweite nahelegen, aber mE ist sie dadurch trotzdem brandgefährlich.

        Head-Six und Baltar waren deutlich erträglicher als in der ersten Staffel. Baltars ist mental total kaputt. Wären die nicht gerade in der Postapokalpyse unterwegs wäre der wohl schon lange in der Klappse gelandet. Dass er Gina befreit kann man ja noch irgendwo logisch nachvollziehen (auch wenn die Szene an sich Quark war, haben die keine Kameras da im Pegasus-Knast?). Was ihn aber dazu bewogen hat ihr eine fucking Atombombe zu geben, ist irgendwie an mir vorbei gegangen.

        Ansonsten fällt mir zu den Charakteren, ehrlich gesagt, nicht so wirklich viel ein. Sharon wird kosequent wie Dreck behandelt. Starbuck mimt das Alphaweibchen. Billys Ableben hat mich nicht sonderlich gejuckt, das war eine ziemlich graue Maus. Da gefällt mir seine Nachfolgerin schon besser, zumal sie auch deutlich attraktiver ist. Bei Adama senior fand ich die rasche Wunderheilung sehr beeindruckend. Aber gut, der Charakter kann halt auch nicht die halbe Staffel nur im Bett liegen.
        Zuletzt geändert von SF-Junky; 05.02.2018, 17:32.
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          #64
          Ich möchte etwas einwerfen (nicht den Diskussionsfluß stören, mehr als Pausenfüller, meine Eindrücke zu schildern) ...
          Ich war sehr enttäuscht von Battlestar Galactica! Sicher, die Effekte und Kostüme, sowie das überarbeitete Outfit der Zylonen war schon angenehm, aber die Neuverfilmung zieht (meiner Meinung) das altehrwürdige Epos "Kampfstern Galactica" in den Schmutz, man kann sich nichts mehr ziehen! Wo man hinschaut, die finstersten Seiten der Seele, ein Säufer als Schuttleoffizier, Diebstahl, Betrug, Folter ... es ist zum weglaufen! Sehr stark merkt man die Aufarbeitung der Probleme des US-Militärs, man fühlt sich erinnert an Guantanamo, Verfehlungen der GI´s, die eigentlich Vorbild sein sollten. Aus Lorne Greens Interpretation konnte man sich noch so was draus ziehen wie einen Helden, Vorbild, was ehrbares, aber was wurde blos aus dieser Edelserie gemacht, "Bei den Herren von Kobol"?! Ein marodierendes Raumschiff, nicht besser als das runtergekommene Räuberschiff Rotbarts dem schrecklichen! Es ist zum heulen! Einem Kampfstern Galactica unwürdig! Sehr beschämend! ...

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            #65
            Gestern bin ich mit der dritten Staffel fertig geworden. Ich werde schneller, obwohl die Qualität abnimmt.

            Bei dem New Caprica Part bin ich immer noch zwiegespalten. Aus "Makroperspektive" will das einfach nicht so recht ins Serienkonzept passen. Ich habe auch ex post immer noch stark den Eindruck, die Macher wollten einfach mal so ein Besatzungsszenario zeigen, um tolle Parallelen zum Irakkrieg (und anderen, historischen Vergleichsszenarien) zu ziehen, und haben das halt auch Biegen und Brechen reingequetscht. Dass der Zauber nach nur vier Folgen schon wieder vorbei ist und man dann erstauntlich schnell und erstauntlich weitgehend zum Status Quo zurückkehrt untermauert den Eindruck noch. Auch nicht gefallen hat mir die Rettung, die mir zu over the top war. Da hat man es mit den Schäden an der Galactica übertrieben und dass man 39.000 Menschen unter Feindfeuer evakuiert war auch nicht so ganz authentisch für mich. Da wäre s mir lieber gewesen, man hätte die Cylonen irgendwie zum Abzug bewegt und hätte dann gemütlich das Feld geräumt. Zudem müsste die Versorgungslage der Flotte jetzt noch katastrophaler sein als vorher schon. Das hätte man dann im Gefolge ja mal thematisieren können, aber da kommt leider (fast) nix.

            Nichtsdestotrotz funktioniert das Ganze auf "Mikroebene" astrein. BSG läuft meiner Meinung nach zur Höchstform auf und liefert die besten Folgen ab. Die Colonials werden ans äußerste Limit getrieben und begehen extreme Grausamkeiten. Das wird aber - zumindest für mich - glaubwürdig dargestellt. Insbesondere Tigh war der Hammer, etwa seine evil men in the gardens of paradise Rede. Eine der besten - und grausamsten - Szenen war für mich die auf dem Hangardeck der Galactica nach der Rückkehr. Adama wird von der jubelnden Masse auf Schultern davongetragen und am Rand steht dieses gebrochene Männlein alleine, mit nichts weiter als den Fetzen, die es am Leib trägt.

            Anschließend widmet sich die Serie ca. zwei Folgen auf authentische Weise der Aufarbeitung der Besatzungszeit und dem Umgang mit Kollaborateuren. Auch die Folgen von Karas und Tighs Martyrium werden glaubwürdig dargestellt. Eine sehr markante Szene, die ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen möchte, ist im rec room wo Starbuck und Tigh sich volllaufen lassen und gegen diejenigen stänkern, die das Glück gehabt hatten, nicht mit den Cylonen auf New Caprica zu stranden. Adama greift ja dann rigoros durch, was ein toller Moment zwischen ihm und Tigh (und STarbuck) war. Man merkt, dass Adama keinen Gefallen daran findet, ihn und Starbuck so grob in die Schranken zu weisen. Aber was soll er machen? Eigentlich gehören beide in professionelle psychiatrische Behandlung, doch die ist nicht verfügbar. Und Adama darf es nicht zulassen, dass sie die Crew dazu treiben, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Da bleibt nur die Keule.

            Danach... ist irgendwie die Luft raus aus der Serie. Man merkt das erst schrittweise, denn es kann ja nicht immer ein Effekt- und/oder Charakterfeuerwerk abgefackelt werden, das seinesgleichen sucht. Manchmal müssen dann auch mal ein paar Sparfolgen wie die Unfinished Business kommen. Aber leider kommt nur noch so ein Quark. In den Episodenthreads wurde ja des Öfteren der Vergleich zu LOST gezogen. Ich fühlte mich aber ehrlich gesagt fast mehr an Andromeda erinnert, das nach dem Weggang von Robert Wolfe einen sagenhaften Qualitätsabsturz erlebt hat.

            Erstmal wird bis zum Erbrechen dieses elende Liebesviereck da durchgekaut, wobei man in der einen oder anderen Folge wohl auch noch wirklich interessante Szenen (z.B. zwischen Roslin und der gefangenen Caprica-Six) geschnitten hat. Dann passiert storymäßig absolut nichts mehr. Stattdessen bekommt man nur noch das viel gepriesene Charakterdrama präsentiert, wobei das darauf reduziert wird gefühlt jedem Hauptcharakter eine traumatische Kindheit zu verpassen. Also mal ehrlich, anstatt in jeder zweiten Folgen breit getreten zu bekommen, dass Charakter XY bei einer saufenden und/oder prügelnden Mutti aufgewachsen ist, wären mir ein paar Ballerfolgen noch lieber gewesen. Wobei die sich ja aus Plausibilitätsgrunden leider verbieten. Die Galactica kann effektiv kein Gefecht mehr führen. Aber schön, dass die Crew sich die Langeweile mit dem Bau einer Bar und ausgiebigem Saufen vertreiben kann. Alkohol scheint genausowenig zur Neige zu gehen wie alle anderen Versorgungsgüter.

            Viele Stories waren einfach nur unheimlich platt und billig oder zumindest rotzelangweilig inszeniert. Den Killerarzt da in The Woman King fand ich an sich ja noch ganz i.O. so von der Idee her, wie sich da menschliche Abgründe auftun. Wobei z.B. Tigh mit seinen rassistischen Ausfällen auch schon recht billig daherkommt. Da hat man vorher nie was gesehen - genausowenig wie wir vorher nie irgendwas davon gesehen haben, dass die Sagittarions allgemein so rassistisch angefeindet werden - und danach ist es auch wieder vergessen. Allerdings war ich bei der Episode trotzdem einfach nur gelangweilt. Keine Ahnung, warum. Ich fand es einfach stinklangweilig inszeniert. Vielleicht hätte man sich auf eine noch viel interessantere Frage konzentrieren sollen: Was macht man eigentlich mit dem Todesarzt? Auf Mord steht sicherlich mindestens lebenslange Haft, vermutlich die Todesstrafe. Aber kann es sich die Menschheit in ihrer gegenwärtigen Situation leisten, einen Arzt zu killen? Dieses Thema wird dann ja bei der Gerichtsverhandlung im Finale nochmal zur Sprache gebracht, da komme ich gleich dazu.

            Erstmal noch zu Dirty Hands. Sorry, aber eine dermaßen billige und holzhammermäßige Parallele zur Wirklichkeit hätte TNG oder der ersten B5-Staffel alle Ehre gemacht. Wie die da noch schön mechanische Förderbänder und Schubkarren (!!) haben. Wtf?! Das soll eine raumfahrende Zivilisation sein und der ganze low tech Schiss ist ja zu einem gewissen Grad ganz nett und authentisch (wegen Gefahr gehackt zu werden und so), aber hier wird einfach aufgrund der Inszenierung die Plausibilität geopfert. Und natürlich mutieren Adama und Roslin direkt zu Oberarschlöchern, die Kinderarbeit rechtfertigen und mit Geiselerschießung drohen. WHAT DA FUCK?!

            Wobei das ja bei Roslin eh zunehmend Standard wird. Die Frau ist eine drogensüchtige Psychopathin. Basta. Alleine die Szene wo sie hysterisch kreischend den Baltar zu Folterzwecken durch die Gänge schleifen lässt. Diese Frau ist eine gefährliche Irre und sollte aus dem Verkehr gezogen werden. Dass ihr Krebs zurück kommt lässt da ja hoffen, wobei dieser Move aus erzähltechnischer Sicht sehr billigt wirkt. Ich hoffe doch mal sehr, dass man da nicht wieder so einen deus ex machina aus dem Ärmel zaubert.

            Das Finale hat mir dann wieder ganz gut gefallen. Die Gerichtsverhandlung war recht unterhaltsam inszeniert, Baltars Anwalt war ein sehr bemerkenswerter Charakter. Lees Schlussplädoyer war etwas zu lange und theatralisch, aber insgesmt stimme ich ihm inhaltlich zu. Nun ist es nicht so, dass man Baltar nicht hätte drankriegen können. Man weiß ja, dass er auf dem Cylonen-Basisschiff mit dem Feind kooperiert hat, wobei man selbst hier ja noch eine drohende Exekution als mildernden Umstand geltend machen kann. Komischerweise wird das aber gar nicht vorgebracht. Der fast schon angekündigte Auftritt von Caprica-Six fällt gleichmal aus. Dafür versucht man ihm seine Taten als Präsident anzuhängen und da hat Lee einfach Recht: Die Colonials haben beschlossen, dass Kollaborateuren verziehen wird. Das muss auch für den arroganten Dr. Baltar gelten. Denn man ist keine Zivilisation mehr. Man ist ein Haufen Lumpensammler auf der Flucht. Und entweder hält man die Illusion aufrecht als würde man immer noch 1:1 nach den alten Regeln spielen; dann müssen aber auch Tigh und Friends auf die Anklagebank. Oder man einigt sich darauf, dass jetzt neue Spielregeln gelten, dass der Rechtsstaat so wie zuvor nicht mehr funktionieren kann; dann fällt auch Baltar unter die Amnestie.

            Na ja, und Starbuck "stirbt" und kommt quasi sofort wieder zurück. Da weiß ich ja genauso wenig, was ich davon halten soll, wie von den vier "final five" Cylonen. Das ewige Gelaber von Gott und den Göttern und so weiter macht mir auch im dritten Serienjahr keinen Spaß und dass es nicht zurückgefahren, sondern im Gegenteil ausgebaut wird, macht es nicht besser. Mal sehen, was da kommt. Ich bin aber nicht sehr optimistisch was die vierte Staffel angeht. Ich fürchte stark, dass mir das Ergebnis nicht gefallen wird.

            Nachtrag: Wie Sharon jetzt genau von "mir ist alles wurscht und ich wünsche euch allen den Tod" zum Offizierseid gelangt ist, habe ich leider auch nicht so recht mitbekommen.

            Nachtrag 2: Ebensowenig mitbekommen habe, ganz offen gestanden, warum Gaius Baltar auf einmal eine religiöse Anhängerschaft hat.
            Zuletzt geändert von SF-Junky; 06.02.2018, 13:37.
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              #66
              Zunächst zum positiven Teil der vierten Staffel: Razor. Schön gemachter Actionfilm, der ein paar interessante Hintergrundstories zu einigen Charakteren abliefert. Leider waren die Actionszenen - wie allgemein in der Serie nach Captain's Hand - nicht mehr so wirklich toll, aber auch nicht so schlecht wie sonst in der letzten Staffel.

              Der schlechte Teil: Der ganze Rest. Gerade der Anfang von diesem Machwerk ist nur mit Spuktüte zu ertragen. Sämtliche Charaktere sind nur noch am Heulen, hysterisch Kreischen, sich gegenseitig anschreien, saufen und vögeln. Und natürlich dieses eeeeendlose Geschwafel über Gott, Religion und Schicksal. Grau-en-haft!

              Eigentlich hatte ich mit der Serie schon im Laufe der dritten Staffel abgeschlossen, die zum Großteil einfach nur langweilig und mäandernd war. Aber was im vierten Serienjahr abgeliefert wird, war einfach unter aller Kanone und mE wahrlich auf Andromeda-Niveau. Was dort die nicht enden wollenden sinnlosen Ballertiraden war, waren hier Alkohol und Visionen. Weil Visionen muss ja auch ständig irgendwer haben. Mit irgendwas muss man die Drehbücher halt vollkriegen, wenn man schon eine Story mehr hat.

              Offen gestanden habe ich bei den meisten Folgen gar nicht mehr wirklich aufgepasst, sondern das nur nebenher dudeln lassen, während ich mitm Handy rumgespielt hab. Hab mir dann teilweise die Zusammenfassungen auf Wikipedia durchgelesen, um zu wissen was "passiert" ist. Ich war ja dann schon überrascht, dass am Ende tatsächlich auch nochmal geklärt worden ist, was es mit den tollen Final Five jetzt eigentlich auf sich hat. Und sogar irgendeine Art Verbindung zu dem, was wir in Staffel 1 und 2 gesehen haben, wurde noch hergestellt. Da war ich schon fast beeindruckt. Bezeichnend ist aber, dass man die ganzen Enthüllungen dann in einer Folge einfach so runtergeleiert bekommt, während sonst nur belanglose Scheiße passiert - hauptsächlich halt saufen. Gesoffen wird ständig. Und ich habe ganz ehrlich den Eindruck, dass beim Schreiben der Drehbücher nicht weniger gesoffen wurde als onscreen.

              Mei, im Finale wird halt nochmal eine ausschweifende Ballerorgie gezeigt. Hätte man nochmal eine gute Ballerfolge abgeliefert, wäre das irgendwie okay für mich gewesen. Zumindest nochmal 90 was erlebt. Leider waren auch die Actionsequenzen, wie gesagt, nach Captain's Hand einfach nicht mehr dasselbe. Sie wirkten over the top und langweilig hingerotzt. Irgendwie wurde vieles auch nicht so wirklich aufgelöst, z.B. was das mit dem Opernhaus jetzt sollte. Aber vielleicht sollte das einfach irgendwie kluk und intellektuell wirken. Am Ende hatte ich schon befürchtet, man muss jetzt der Roslin noch 20 Minuten beim Sterben zuschauen. Zum "Glück" waren es dann "nur" 10 Minuten. Für einen Charakter, der das letzte Viertel der Serie nicht mehr viel zu tun hatte außer im Bett zu vegetieren, auch mehr als genug. Der Epilog war dann noch recht witzig,

              Gesamtfazit zur Serie: Toller Einstieg mit der Miniserie, ganz gute erste Staffel, sehr gute zweite Staffel, herausragender Auftakt in der dritten Staffel; nach Torn nur noch Schrott und Scheiße. Ehrlich, alles was nach dem New Caprica Part und vielleicht noch zwei Folgen danach kam, kann man mE getrost in die Tonne kloppen. Da finde ich meine Zeit sehr nutzlos vergeudet. Aber was heule ich rum, ich habe auch schon Andromeda geschaut und ich hätte ja auch ausmachen können.

              LOST - das ja damals sehr viel mit BSG verglichen wurde, auch weil die Serien etwa zur selben Zeit endeten - ist jedenfalls die deutlich bessere Serie. Die hat nämlich ihre besonderen Stärken, insbesondere gefühlsduselige Charaktermomente und Schocker-Twists in der Handlung, bis relativ zum Ende behalten, wenngleich die Handlung selbst mMn sehr vergeigt wurde. LOST würde ich wieder gucken. BSG maximal bis Torn.

              Schade drum. Aber der tolle Herr RDM kann es wohl einfach nicht. DS9 fand ich ja auch schon öde.

              Sofern hier überhaupt noch wer mitliest, so darf er mich nun steinigen.
              Zuletzt geändert von SF-Junky; 14.02.2018, 22:21.
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                #67
                Ich stimme dir soweit zu, dass BSG nach dem New Caprica Arc einen qualitativen Sturzflug gemacht hat. Ich habe die Serie vor einigen Wochen seit meinem letzten Durchgang im Jahre 2010 (Du meine Güte, ist das schon wieder lange her!) wieder mal von Anfang bis Ende dank der Blu-rays gesehen. Allerdings ist meiner Meinung nach nicht alles schlecht, was nach New Caprica passiert.

                Die Serie leidet natürlich darunter, dass die Macher sich nie langfristige Gedanken gemacht haben, wohin sie mit der Serie wollen und da sie pro Staffel 20 Episoden zu füllen hatten, sind sie irgendwann zwangsläufig an den Punkt angelangt, wo sie sich Ideen aus dem Hintern ziehen mussten. Dazu kam noch die Anweisung des Senders nach mehr Einzelfolgen für das Publikum, dass zufällig reinschaltet und der Writer's Strike während der 4. Staffel. Letzterer wird immer mal wieder als Hauptgrund für die qualitativ dürftige erste Hälfte der 4. Staffel angeführt. Ich wäre da mitgegangen hätte die 3. Staffel nicht schon vorher massiv abgebaut.

                Die Miniserie ist gut. Vielleicht etwas langsam, aber ich war damals - irgendwann 2003/2004 - als die DVD rausgekommen ist, total geflasht. Heute sehe ich in dem 3-stündigen Film noch immer, was mich damals begeistert hat. Die erste Staffel ist verdammt stark und findet eine gute Balance zwischen Düsternis und Erfolgen für die letzten Überlebenden der Menschheit. Die Pilotfolge "33" wurde zurecht mit Preisen überhäuft. Überhaupt ist die Serie immer dann gut, wenn sie eine Reihe Episoden um ein gewissen Thema auffährt - die sog. Arcs. Kobol, was fast die gesamte erste Hälfte der 2. Staffel ausfüllt schafft eine Reihe von verdammt starken Episoden, der Pegasus-Dreiteiler formuliert die Kernessenz der Serie, New Caprica fängt stark an und hört noch stärker auf und dann...

                ... tja dann. Dann kochte man zu oft nur noch mit Wasser. Das erste Mal schwankte die Qualität bereits nach dem Pegasus-Dreiteiler. Die Folge mit Roslins Wunderheilung steht wohl als Synonym für die fehlende Vorausplanung. Black Market ist idiotisch, die Folge mit Billys Tod einfach meh, aber dazwischen gibt es durchaus einige gute Folgen wie Scar oder The Captain's Hand. Auch das Ende der Staffel weis - zumindest mir - zu gefallen. Das ganze Trara um das Liebesviereck (S.A.L.A.D. - Starbuck, Anders, Lee and Dee) ist einfach die Ideenlosigkeit der Autoren auf zig Folgen verteilt, die Sache mit dem Algenplanet trägt nicht die 2,5 Folgen, die dafür aufgewendet wurden und danach baut die Serie bis kurz vorm Staffelfinale einen Totalcrash.

                Die erste Hälfte der 4. Staffel ist einfach nur anstregend zu schauen. Geschrei und Gezänk wo man nur hinschaut. Klar, irgendwann können die Figuren die von einer Apokalypse zur nächsten gescheucht werden, nicht mehr. Für den Zuschauer ist dieser Zustand aber nur schwer zu ertragen. Die Final Five fand ich auch furchtbar schwach. Dafür mag ich das Midseasofinale aber sehr, da sich die Serie fast ohne Mystik und Hokuspokus (ja ja, Starbuck dreht am Rädchen in der Viper und rennt dann durchs gesamte Schiff um Tigh vor dem Erschießungskommando zu retten anstatt zum Telefon zu greifen) wieder auf seine Stärken: Charakterdrama mit anschließendem Schlag in die Magengrube, nur um dann in der nächsten Folge doch noch genügend Hoffnung zusammenzukratzen um die Reise fortzusetzen. Auch der anschließende Meuterei-Dreiteiler erinnert mich sehr an die guten Folgen der ersten und 2. Staffel. Wie geschrieben, BSG ist immer dann am Besten, wenn es sich Zeit für ein zentralen Thema nimmt und da ein paar Episoden darum spinnt.

                Das Ende selbst hat dieselben Probleme wie Lost: Es ist ein emotionaler Abschied für die Figuren, es ist ein idiotischer Abschluss für die Handlung. Bei Lost bin ich schon vorher ausgestiegen in dem Sinne, dass ich nur noch geschaut habe, um mich über die Serie zu amüsieren. Nach dem meiner Meinung nach starken Midseasonfinale und der größtenteils guten 2. Staffelhälfte habe ich leise Hoffnungen gehegt, bei BSG am Ende doch noch positiv überrascht zu werden. Als dann Engelchen Six und Teufeclchen Baltar (oder war es andersrum?) Ron Moore beim Zeitunglesen über die Schulter schauen war ich einfach verärgert. Auch beim aktuellen Durchgang hatte ich den ein oder anderen Facepalm-Reflex. Schade.

                Hinsichtlich der Effekte und der Action sei folgendes gesagt: Die Serie hat ja versucht so etwas wie einen dokumentarischen Stil inkl. Wackelkamera, über- und unterbelichteten Bilder, Zooms etc. zu replizieren. Hat nur bedingt funktioniert und im Laufe der Serie gehen diese Elemente auch immer weiter zurück, bis die Inszenierung gegen Ende ja quasi altbacken daherkommt. Während der ersten beiden Staffeln zeichneten sich die beiden externen Effektstudios Zoic und Atmosphere VFX unter der Leitung von Gary Hutzel für die CGI verantwortlich. Der Sender wollte aber langfristig sparen und hat mit Hutzel ab der 3. Staffel eine interne VFX-Schmiede aufgebaut. Die Folgen: Einige der CG-Models wurden runderneuert und bekamen mehr Details, dafür wurden die Effektsequezen aber auch viel bunter und durch die veränderte Beleuchtung künstlicher. Das letzte Mal waren Zoic und Atmosphere glaube ich für das Ende des neu Caprica-Bogens eingespannt. Und das sieht man auch. Wenn BSG einmal ein Feuerwerk abbrennt, dann sieht das in der Tat auch heute noch gut aus. Die CGI liegt zwar "nur" in 720p und einem teils starken Rauschfilter vor und oft werden die Sequenzen auch recycelt, trotzdem müssen sich die Effekte bis dann der Gary Hutzel-Plastiklook eintritt - abgesehen von CGI-Centurions - nicht wirklich vor aktuellen Serien verstecken - und das bei einem ziemlich niedrigen Episodenbudget von je nach Quelle 1,5 bis 2,7 Mio. $.

                Bonuspunkte bekommt die Serie für den grandiosen Soundtrack von Bear McCreary, der selbst aus einem Totalausfall wie Black Market noch etwas Erinnerungswürdiges herausholt:





                PS: Stimmt. DS9 ist wirklich öde.
                Zuletzt geändert von Anvil; 15.02.2018, 17:57.

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