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ISIS - Islamischer Staat in Irak und (Groß-)Syrien

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    #16
    Zitat von Liopleurodon Beitrag anzeigen
    Ich sehe da eher ein anderes Problem: Viele hundert belgische, deutsche, australische und andere Staatsbürger gehen nach Syrien und in den Irak, um sich dort einer illegalen Armee anzuschließen und nach allen Standards furchtbare Verbrechen zu begehen. Gewinnt ihre Seite, so bleiben sie vermutlich dort. Verlieren sie den Konflikt jedoch, so kommen sie wieder zurück, brüsten sich mit ihren Taten und begeistern weitere junge Menschen für ihre Ideologie. Die deutsche Justiz hätte und hat große Schwierigkeiten, dieses Pack seiner gerechten Strafe zuzuführen: Schuld muss immer im Einzelfall bewiesen werden (schwierig), eine Ausbürgerung ist in Deutschland nicht vorgesehen und europäischen Staatsbürgern kann die Einreise nicht verwehrt werden (die großzügige Verteilung des Doppelpasses hilft dabei auch noch). Es ist also damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit Kriegsverbrecher unbehelligt unter uns leben werden. ...
    Na ja, "viele hundert" ist sicherlich übertrieben. Und das die Kämpfer nach einem verlorenen Krieg als super ausgebildete Demagogen nach Europa zurückkehren und "ihre Ideologie" unter der Jugend verbreiten glaube ich auch nicht. Ich glaube auch nicht das Schwierigkeiten bestehen Straftäter dingfest zu machen. Anders als du andeutest ist die Schuld in solchen Fällen auch nicht schwer feststellbar.

    Andererseits glaube ich nicht, das diese Kämpfer nach einem Sieg in Nahost bleiben würden. In diesem Fall könnten sie immerhin den Nimbus der siegreichen Kriegshelden beanspruchen, was dann vielleicht wirklich Wirkung auf unsere extrem entmilitarisierte westliche Gesellschaft hätte (vielleicht aber auch nicht, eben weil kriegerische Taten hier nix mehr zählen).
    "Vittoria agli Assassini!"

    - Caterina Sforza, Rom, 1503

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      #17
      Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
      Na ja, "viele hundert" ist sicherlich übertrieben. Und das die Kämpfer nach einem verlorenen Krieg als super ausgebildete Demagogen nach Europa zurückkehren und "ihre Ideologie" unter der Jugend verbreiten glaube ich auch nicht. Ich glaube auch nicht das Schwierigkeiten bestehen Straftäter dingfest zu machen. Anders als du andeutest ist die Schuld in solchen Fällen auch nicht schwer feststellbar.

      Andererseits glaube ich nicht, das diese Kämpfer nach einem Sieg in Nahost bleiben würden. In diesem Fall könnten sie immerhin den Nimbus der siegreichen Kriegshelden beanspruchen, was dann vielleicht wirklich Wirkung auf unsere extrem entmilitarisierte westliche Gesellschaft hätte (vielleicht aber auch nicht, eben weil kriegerische Taten hier nix mehr zählen).
      Soweit ich weis sind alleine von Deutschland schon etwa 320 junge Moslems nach Syrien gezogen, ungefähr 100 sind auch wieder zurück. Aus der EU im allgemeinen haben sich bereits mehr als 1000 radikal eingestellte Menschen dem Bürgerkrieg in Syrien angeschlossen. Für eine ideologie, die im westen als der pure dummsinn erscheint...weil sie das eben auch einfach ist, hat sie mehr Anhänger als man glauben mag. Ich halte es für ziemlich fahrlässig diese Angelegenheit klein zu reden, wie es aber leider in Politikerkreisen und offenbar auch in der Gesellschaft nur allzu gern getan wird.

      Und was glaubst du werden Menschen mit einem derart starken fanatismuss, dass sie freiwillig in einen so unglaublich brutalen Krieg ziehen, im verhassten Wesen anstellen wenn sie wieder da sind? Werden die einfach wieder in die Schulen und in ihre Jobs gehen und die Angelegenheit mit dem "heiligen Krieg" als netten, kleinen Urlaubstrip an die Wand hängen? Natürlich werden diese Menschen versuchen ihre Ideologie unters Volk zu bringen, jemand der mit einer Waffe dafür gekämpft und getötet hat wird das, mit oder ohne Waffe, natürlich auch hier tun. Dank der Untätigkeit der Politik haben sie hier ja einen soliden Nährboden dafür. Die Salafistischen Bewegungen haben heutzutage einen Zulauf, wovon rechts- und linksradikale Organisationen nur träumen können. In einigen Moschees wird sogar mehr oder weniger offen für den Kampf in Syrien geworben und ein paar tote hat es in Brüssel ja auch schon gefordert. Da hat einer dieser "Rückkehrer" in einem jüdischen Museum mehrere Menschen erschossen.

      Also ich irre mich gerne und hoffe natürlich das Europa von dieser Art von Extremismuss verschont bleibt. Aber die Entwicklungen sprechen eben eine andere Sprache und ich denke jeder "konvertierte" Mensch ist ein Mensch den unsere Gesellschaft verloren hat. Dagegen mit härteren Mitteln vorzugehen sollte eigentlich selbstverständlich sein.

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        #18
        Verharmlosung ist sicher gefährlich, Übertreibung aber auch. Dieser Krieg ist weder "besonders" brutal noch haben die meisten Kämpfer die Fähigkeiten und/oder die Ausbildung irgendwelche Ideologie zu verbreiten. Oft klingt das ja so als wäre so ein deutscher Islamist eine Art Multitalent: Kämpfer, Spion, Terrorist, Demagoge, Prediger, usw. Das sieht in der Realität natürlich anders aus.

        Die meisten Freiwilligen sind sicher fanatische und enthusiastische junge Männer. Aber Krieg ist kein Abenteuer. Die kampferprobten ISIS Kämpfer nutzen sie doch entweder als Kanonenfutter oder für unwichtige, sprich sterbenslangweilige Logistikaufgaben. Die wenigsten Freiwilligen haben Kampferfahrung, sind nicht akklimatisiert und sprechen nicht die richtige Sprache. Mangels Ausbildung und Training kann man die Freiwilligen doch kaum für was einsetzen. Ich kann mir nicht vorstellen das so ein ISIS Kommandeur besonders begeistert ist, wenn er für 100 Freiwillige den Aufpasser spielen soll. Der Krieg an sich zerbricht sehr schnell jeden Idealismus und macht auch Fanatismus den Garaus. Das war bisher immer so. Ausnahmen bestätigen die Regel.

        Übrigens wurden nach dem Jugoslawien-Krieg ähnliche Horrorszenarien an die Wand gemalt wie jetzt. Und da waren noch viel mehr Deutsche beteiligt.

        Ich halte auch die bisherigen Gesetze für ausreichend. Es ist ja nicht so das wir Extremisten gewähren lassen. Das klingt oft an, ist aber Unsinn. Alle extremistischen Organisationen stehen unter Beobachtung. Und wenn wir schon wegen 100 Kriegsheimkehrern, von denen wahrscheinlich 99 traumatisierte Wracks sind, Angst haben, dann gute Nacht.
        "Vittoria agli Assassini!"

        - Caterina Sforza, Rom, 1503

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          #19
          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          Na ja, "viele hundert" ist sicherlich übertrieben.
          Das waren Zahlen aus der Tagespresse. Konkret wurden 300 Belgier, 300 Deutsche und 150 Australier genannt. Für die anderen europäischen Länder dürften die Zahlen ähnlich gelagert sein. In Syrien soll bereits eine "deutsche Brigade" aktiv sein und sich durch besondere Brutalität hervor getan haben.

          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          Und das die Kämpfer nach einem verlorenen Krieg als super ausgebildete Demagogen nach Europa zurückkehren und "ihre Ideologie" unter der Jugend verbreiten glaube ich auch nicht.
          Im Falle einer Niederlage wäre es naheliegend, sich in die sichere Heimat zurückzuziehen. Und es wären (vorwiegend) junge Leute, die mehrere Jahre lang nichts anderes gemacht haben als zu kämpfen und zu töten und die außer ihrem eigenen Wertesystem kein anderes mehr kennen.
          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          Ich glaube auch nicht das Schwierigkeiten bestehen Straftäter dingfest zu machen. Anders als du andeutest ist die Schuld in solchen Fällen auch nicht schwer feststellbar.
          Laut dem Verfassungsschutzbericht sollen bereits 100 Kämpfer nach Deutschland zurück gekehrt sein und sie befinden sich nicht in Haft.

          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          Andererseits glaube ich nicht, das diese Kämpfer nach einem Sieg in Nahost bleiben würden.
          Warum sollten sie nicht in dem Gottesstaat bleiben, den sie selbst mit erschaffen haben?

          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          Verharmlosung ist sicher gefährlich, Übertreibung aber auch. Dieser Krieg ist weder "besonders" brutal
          Dann gönne Dir mal entsprechende Berichte über die Kämpfe in Syrien und die Taten der Dschihadisten dort. Es ist eine lose zusammen gewürfelte, irreguläre Truppe aus verschiedenen Nationalitäten, die verschiedene Ziele verfolgen. Solch eine Konstellation ist besonders anfällig für sich steigernde Brutalität, weil es keine zentrale Führung gibt. Jede Truppe macht, was sie will und wenn ein Kommandeur entscheidet, dass die Bewohner von Dorf X alle sterben müssen, dann werden sie eben niedergemacht.

          Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
          noch haben die meisten Kämpfer die Fähigkeiten und/oder die Ausbildung irgendwelche Ideologie zu verbreiten. Oft klingt das ja so als wäre so ein deutscher Islamist eine Art Multitalent: Kämpfer, Spion, Terrorist, Demagoge, Prediger, usw. Das sieht in der Realität natürlich anders aus.
          Die Heimkehrer hätten zumindest überlebt und könnten sich in ihrer Szene als Helden präsentieren. Den Begriff "Demagoge" habe ich für Sven Lau verwendet. Ich habe ihn selbst mit angehört und finde, das Wort passt.
          "En trollmand! Den har en trollmand!"

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            #20
            Zitat von Valdorian Beitrag anzeigen
            Ich persönlich glaube da eher nicht dran. Ein System, dass auf der Erfüllung von lediglich minimalsten Grundbedürfnissen der Bevölkerung basiert (also Versorgung mit Brot) bei gleichzeitiger massiver Ausbeutung und Bereicherung durch die herrschende Klasse und politischer Unterdrückung und Folter aller Andersdenkenden lässt sich immer nur begrenzte Zeit aufrecht erhalten...
            Natürlich funktioniert das nicht ewig, es kann aber schon sehr lange funktionieren. Die Assads kontrollieren zwar nur noch 2/3 Syriens, aber das eben seit bald 45 Jahren und daran haben eben auch brutalste Unterdrückung und Massaker wenig geändert. Und auch Saddam saß noch relativ fest im Sattel, als er dann abgesägt wurde. Da hätte dann womöglich noch sein Sohn rangedurft.

            Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
            Das stimmt so nicht. Wie jeder normale Mensch wünschen sich auf die Irakis eine bessere Zukunft. Das Problem ist dabei der Faktor Religion. Auch die USA haben sich im Irak nicht in die religiöse Situation eingemischt; und die Sunniten fühlen sich weiterhin massiv benachteiligt von der Shiitischen Mehrheit im Land. Diese Sunniten rekrutiert ISIS unter dem Versprechen einer besseren Zukunft oder eines glorerreichen Todes für Allah und damit dem Einzug ins Paradies. Das Hauptproblem ist die religiöse Verblendung und die paar machtgeilen religiösen Oberhäupter, die das ausnutzen. Daher mein Vorschlag des gezielten Schlags gegen diese Oberhäupter samt oberer Führungsriege.
            Dann sollte man vielleicht mal mit der irakischen Regierung anfangen ISIS ist mit dem ganzen religiösen Murks natürlich in vorderster Front dabei, das ganze entwickelt sich aber eben zunehmend zu einem sunnitischen Aufstand gegen die Regierung mit inzwischen über 40 beteiligten Gruppierungen und davon sind nicht alle ganz so durchgeknallt wie ISIS.

            Ein erster Schritt wäre es IMHO den Sunniten eine Allparteienregierung anzubieten, in der sie dann vernünftig repräsentiert sind. Schafft man es die ganzen sunnitischen Milizen auf seine Seite zu kriegen, die teilweise mit ISIS gegen die Regierung kämpfen, ist die Situation vielleicht noch zu retten, ansonsten gibt es ein Bürgerkrieg und neue Grenzen innerhalb des Iraks.
            if in doubt, throw the first punch

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              #21
              Zitat von Machina Antarctica Beitrag anzeigen
              Natürlich funktioniert das nicht ewig, es kann aber schon sehr lange funktionieren. Die Assads kontrollieren zwar nur noch 2/3 Syriens, aber das eben seit bald 45 Jahren und daran haben eben auch brutalste Unterdrückung und Massaker wenig geändert. Und auch Saddam saß noch relativ fest im Sattel, als er dann abgesägt wurde. Da hätte dann womöglich noch sein Sohn rangedurft.

              Dann sollte man vielleicht mal mit der irakischen Regierung anfangen ISIS ist mit dem ganzen religiösen Murks natürlich in vorderster Front dabei, das ganze entwickelt sich aber eben zunehmend zu einem sunnitischen Aufstand gegen die Regierung mit inzwischen über 40 beteiligten Gruppierungen und davon sind nicht alle ganz so durchgeknallt wie ISIS.

              Ein erster Schritt wäre es IMHO den Sunniten eine Allparteienregierung anzubieten, in der sie dann vernünftig repräsentiert sind. Schafft man es die ganzen sunnitischen Milizen auf seine Seite zu kriegen, die teilweise mit ISIS gegen die Regierung kämpfen, ist die Situation vielleicht noch zu retten, ansonsten gibt es ein Bürgerkrieg und neue Grenzen innerhalb des Iraks.
              Nein, daß ist frühestens der zweite Schritt. Im Moment muß der bewaffnete Aufstand beendet werden und das Land aus dem akuten Ausnahmezustand zurück, bevor man mit der sunnitischen Minderheit was auf politischer Ebene klären kann. Alles andere wäre auch ein völlig falsches Signal generell, denn der bewaffnete Aufstand würde sonst als direktes und gutes Druckmittel in den Köpfen aller Minderheiten erscheinen. Demokratie heißt zwar, daß Minderheiten nicht diskriminiert werden dürfen - das hat die irakische Regierung ohne jeden Zweifel und schon seit Jahren völlig falsch gemacht. Demokratie heißt aber auch, daß nicht die Minderheiten bestimmen, wo es lang geht und auch nicht, daß man bei Mißfallen des Mehrheitsvotums bewaffnet in den Bürgerkrieg geht.
              Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

              "Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund" - Sei kein Psycho. Verwende Satzzeichen!

              Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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                #22
                Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                Nein, daß ist frühestens der zweite Schritt. Im Moment muß der bewaffnete Aufstand beendet werden und das Land aus dem akuten Ausnahmezustand zurück, bevor man mit der sunnitischen Minderheit was auf politischer Ebene klären kann. Alles andere wäre auch ein völlig falsches Signal generell, denn der bewaffnete Aufstand würde sonst als direktes und gutes Druckmittel in den Köpfen aller Minderheiten erscheinen.
                Das können sie IMHO vergessen. Ja, sie sollten verhindern, dass die Sunniten weitere Gebiete erobern und sich vielleicht ein paar strategisch wichtige Städte/Anlagen (alles was mit Öl zusammen hängt) zurückholen, aber wenn man erst versucht, die sunnitischen Gebiete militärisch wieder komplett unter Kontrolle zu bringen, wird es IMHO keine politische Lösung geben. Jetzt hat man vielleicht noch die Chance sich die Loyalität sunnitischer Gruppierungen durch politische Zugeständnisse zu erkaufen, nach ein paar Monaten Bürgerkrieg wird das schwierig. Warum sollten die Leute glauben, dass sich nach einem militärischen Sieg der Regierung etwas ändert, schließlich ist die dann nicht mehr zu Zugeständnissen gezwungen.

                Demokratie heißt zwar, daß Minderheiten nicht diskriminiert werden dürfen - das hat die irakische Regierung ohne jeden Zweifel und schon seit Jahren völlig falsch gemacht. Demokratie heißt aber auch, daß nicht die Minderheiten bestimmen, wo es lang geht und auch nicht, daß man bei Mißfallen des Mehrheitsvotums bewaffnet in den Bürgerkrieg geht.
                In einer Demokratie ja, nur kann man das Wort im Zusammenhang mit dem Irak schon in Anführungszeichen setzen.

                Erst neulich hat ein Armee General das Bild eines angeblichen Terroristen auf Facebook gestellt und die Leute dazu aufgefordert abzustimmen, ob er einen Prozess kriegen oder direkt exekutiert werden soll. Milizen mit Verbindungen zur Regierung töten jeden, den sie für einen Terroristen halten und wer etwas mehr Glück hat, landet in irgendeinem Folter-Gefängsnis.
                if in doubt, throw the first punch

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                  #23
                  Zitat von Machina Antarctica Beitrag anzeigen
                  Das können sie IMHO vergessen. Ja, sie sollten verhindern, dass die Sunniten weitere Gebiete erobern und sich vielleicht ein paar strategisch wichtige Städte/Anlagen (alles was mit Öl zusammen hängt) zurückholen, aber wenn man erst versucht, die sunnitischen Gebiete militärisch wieder komplett unter Kontrolle zu bringen, wird es IMHO keine politische Lösung geben. Jetzt hat man vielleicht noch die Chance sich die Loyalität sunnitischer Gruppierungen durch politische Zugeständnisse zu erkaufen, nach ein paar Monaten Bürgerkrieg wird das schwierig. Warum sollten die Leute glauben, dass sich nach einem militärischen Sieg der Regierung etwas ändert, schließlich ist die dann nicht mehr zu Zugeständnissen gezwungen.
                  Genau das ist der Punkt. Unter Zwang von einer ethnischen/religiösen Gruppe auf eine andere kann es keinen wirklichen Fortschritt für die Situation im Irak geben. Der Druck muß stattdessen von internationaler Seite auf die Regierung kommen, die Situation für Midnerheiten im Land nachhaltig zu verbessern. Da die Amis aber schon bekanntgegeben haben, daß es in ihrem eigenen Interesse ist, ISIS zu bekämpfen wo immer die auftauchen, hat man sich hier schon wieder selbst einer guten Ausgangsposition für diesen Druck beraubt.

                  In einer Demokratie ja, nur kann man das Wort im Zusammenhang mit dem Irak schon in Anführungszeichen setzen.
                  Korrekt, die Amis haben mit ihren Demokratiesierungsversuchen weitestgehend versagt.

                  Erst neulich hat ein Armee General das Bild eines angeblichen Terroristen auf Facebook gestellt und die Leute dazu aufgefordert abzustimmen, ob er einen Prozess kriegen oder direkt exekutiert werden soll. Milizen mit Verbindungen zur Regierung töten jeden, den sie für einen Terroristen halten und wer etwas mehr Glück hat, landet in irgendeinem Folter-Gefängsnis.
                  Und die ISIS-Rebellen sind nicht besser, auch sie stellen Bilder von Massenhinrichtungen online.
                  Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

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                    #24
                    Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                    Korrekt, die Amis haben mit ihren Demokratiesierungsversuchen weitestgehend versagt.
                    Naja fairerweise sollte man noch hinzufügen, dass sie aber auch nicht einzigen waren, die diesen Fehler gemacht haben. Man könnte sonst fast so weit gehen und sagen, hätten die Briten nie versucht aus beliebigen Regionen einen Staat zu zimmern, wäre heute vielleicht alles anders.
                    »If you can dream it, you can do it.« - Walt Disney
                    »There is no doubt that creativity is the most important human resource of all. Without creativity, there would be no progress, and we would be forever repeating the same patterns.« - Edward de Bono

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                      #25
                      Zitat von Machina Antarctica Beitrag anzeigen
                      Natürlich funktioniert das nicht ewig, es kann aber schon sehr lange funktionieren. Die Assads kontrollieren zwar nur noch 2/3 Syriens, aber das eben seit bald 45 Jahren und daran haben eben auch brutalste Unterdrückung und Massaker wenig geändert. Und auch Saddam saß noch relativ fest im Sattel, als er dann abgesägt wurde. Da hätte dann womöglich noch sein Sohn rangedurft.
                      Eigentlich haben sie die Kontrolle über den größten Teil verloren, inklusive dem Norden und de Osten. Am Ende wird vermutlich ein alawitischer Reststaat stehen, der sich halten kann, aber Assads Politik hat eben nicht für Stabilität gesorgt, sondern direkt in einen brutalen Bürgerkrieg geführt, der das Land in einer noch vor ein paar Jahren unvorstellbaren Weise auseinander reißt. Das wäre ohne die vorherige brutale Unterdrückungspolitik nie möglich gewesen. Deswegen halte ich es eben für unrealistisch zu glauben, dass die arabischen Diktatoren Elemente der Stabilität waren - deren Herrschaft hat genau zu der Situation geführt, die wir jetzt haben.
                      "Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt."
                      -Cpt. Jean-Luc Picard

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                        #26
                        Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                        Genau das ist der Punkt. Unter Zwang von einer ethnischen/religiösen Gruppe auf eine andere kann es keinen wirklichen Fortschritt für die Situation im Irak geben. Der Druck muß stattdessen von internationaler Seite auf die Regierung kommen, die Situation für Midnerheiten im Land nachhaltig zu verbessern. Da die Amis aber schon bekanntgegeben haben, daß es in ihrem eigenen Interesse ist, ISIS zu bekämpfen wo immer die auftauchen, hat man sich hier schon wieder selbst einer guten Ausgangsposition für diesen Druck beraubt.
                        Die Amerikaner hätten gerne eine neue Regierung ohne Maliki, der hat allerdings schon erklärt, dass er sein Amt nicht gegen militärische Unterstützung aus den USA eintauschen wird. Und falls er dabei bleibt, stehen die Amis halt vor der Frage, ob sie es sich leisten können/wollen, nichts zu tun.

                        Und die ISIS-Rebellen sind nicht besser, auch sie stellen Bilder von Massenhinrichtungen online.
                        Das ist zweifellos richtig, aber was ist das denn für eine Ausgangsbasis? Da kann man sich doch nur noch fragen, ob man zuerst ISIS beseitigen und sich dann Autonomie erstreiten will oder umgekehrt.
                        if in doubt, throw the first punch

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                          #27
                          Zitat von Machina Antarctica Beitrag anzeigen
                          Die Amerikaner hätten gerne eine neue Regierung ohne Maliki, der hat allerdings schon erklärt, dass er sein Amt nicht gegen militärische Unterstützung aus den USA eintauschen wird. Und falls er dabei bleibt, stehen die Amis halt vor der Frage, ob sie es sich leisten können/wollen, nichts zu tun.

                          Das ist zweifellos richtig, aber was ist das denn für eine Ausgangsbasis? Da kann man sich doch nur noch fragen, ob man zuerst ISIS beseitigen und sich dann Autonomie erstreiten will oder umgekehrt.
                          Es geht eher nicht um das "wann" beim Autonomie erstreiten, sondern das "wie". Der arabische Frühling hat - siehe Ägypten als Beispiel - bisher kaum Nachhaltiges in Sachen Gleichberechtungen gebracht. Egal, welche bewaffnete Sunniten-Gruppe mit eingenommenen Gebieten, Geiseln usw. ihre Lage zu verbessern versuchen wird: es wird immer eine militärische Gegenreaktion erfolgen. Und einen autonomen Staat werden sie eh nicht erreichen.

                          Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob es dem Westen nicht eher entgegenkommt, derart fruchtlose militärische Auseinandersetzungen zu fördern. Einmal kann man am Waffenhandel zunächst in "bar" und später ggf. vielleicht sogar über Gebietsübertragungen/Vorverträge mitverdienen (interessand sind da natürlich nur die Ölgebiete), zweitens sind die Terrorgruppen nicht im Ausland tätig, wenn sie mit sich selbst beschäftigt sind und drittens besteht noch die Möglichkeit, daß eine der kriegstreibenden Gruppen eben durch einen anhaltenden Bürgerbrieg soweit dezimiert wird, daß sie gar keine nennenswerte Gruppierung mehr darstellt und das Problem sich damit von selbst löst - aber das ist natürlich der Pragmatismus eines Zynikers
                          Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

                          "Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund" - Sei kein Psycho. Verwende Satzzeichen!

                          Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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                            #28
                            Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                            Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob es dem Westen nicht eher entgegenkommt, derart fruchtlose militärische Auseinandersetzungen zu fördern. Einmal kann man am Waffenhandel zunächst in "bar" und später ggf. vielleicht sogar über Gebietsübertragungen/Vorverträge mitverdienen (interessand sind da natürlich nur die Ölgebiete), zweitens sind die Terrorgruppen nicht im Ausland tätig, wenn sie mit sich selbst beschäftigt sind und drittens besteht noch die Möglichkeit, daß eine der kriegstreibenden Gruppen eben durch einen anhaltenden Bürgerbrieg soweit dezimiert wird, daß sie gar keine nennenswerte Gruppierung mehr darstellt und das Problem sich damit von selbst löst - aber das ist natürlich der Pragmatismus eines Zynikers
                            Kann man. Aber die Erfahrung lehrt, dass diese Überlegungen idiotisch sind. In der Vergangenheit hat man sich so nur noch mehr gefährliche Gruppierungen heran gezüchtet. Ohne den russischen Krieg in Afghanistan und Tschetschenien sähe die Lage ganz anders aus.

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                              #29
                              ja aber solange sie sich gegenseitig umbringen sind sie eben damit vor Ort beschäftigt und haben keine oder kaum Zeit für anschläge bei uns.

                              Von daher alles bestens....hab ja schon vor einer weile in anderem Thread gesagt das das beste was man machen kann ist es einen Warlord zu installieren und ihn waffen/finanztechnisch zu unterstützen aber sich ansonsten raushalten.

                              So sind sie damit beschäftigt sich gegensetig zu hassen und umzubringen und man hat immer noch Einfluss in der gegend indem man gegenbenfalls die Seite wechselt die man unterstützt wenn sich die bisherige nicht wohlverhält.

                              Klar, ist nicht schön aber hey....was können wir dafür das die so zurückgeblieben sind und in der einen oder anderen form einen Gottesstaat wollen also geistig fast 1000 Jahre zurückliegen.

                              Der fehler war halt das man mal wieder den idealisten entgegenkommen wollte und dort Demokratie aufzubauen nur leider ohne nennenswerte demokraten vor Ort.

                              Wenn sie sich in übrigen lange genug gegensetig umbringen werden sie am ende, wenn sie es nicht mehr können sich schon zu einer Lösung zusammenraufen mit der jede Seite leben kann...hat bis jetzt auch immer geklappt, siehe zb. der 30 Jährige Krieg.

                              Und zu thema fantiker aus Europa:
                              Erste-Hilfe-Kurs und Liquidierungen: Er spielte für einen jüdischen Fußballverein: Deutscher Islamist enthüllt Isis-Struktur - Deutschland - FOCUS Online - Nachrichten

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                                #30
                                Zitat von Dannyboy Beitrag anzeigen
                                Kann man. Aber die Erfahrung lehrt, dass diese Überlegungen idiotisch sind. In der Vergangenheit hat man sich so nur noch mehr gefährliche Gruppierungen heran gezüchtet. Ohne den russischen Krieg in Afghanistan und Tschetschenien sähe die Lage ganz anders aus.
                                Dein Beispiel widerlegt aber gerade deine Behauptung. Hätte sich der Westen im Afghanistankrieg nicht eingemischt, dann hätten Dschihadisten dort von den Russen sehr wahrscheinlich ziemlich einen auf den Deckel bekommen. Aber wie du selbst dich ja auch widerlegst, man hat sich so nur noch mehr gefährliche Gegner gezüchtet. Im Grunde hat waren das vorher einfach Leute bis ihnen der Westen das Know-how gegeben hat, gegen uns selber zu kämpfen...

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                                Zitat von Schatten7 Beitrag anzeigen
                                Von daher alles bestens....hab ja schon vor einer weile in anderem Thread gesagt das das beste was man machen kann ist es einen Warlord zu installieren und ihn waffen/finanztechnisch zu unterstützen aber sich ansonsten raushalten.
                                Genau das sollte man eben tunlichst lassen. Der beste Beweis ist ein halbes Jahrhundert an militärischen/politischen Debakel in Drittweltländern und Lateinamerika. Dann ist auch flux der Vorteil weg, dass sie sich selbst bekämpfen und lokal bleiben. Nichts schafft wohl ein grösseres Feindbild auf den Westen, als einen vom Westen installierten Tyrannen. Die sehen dann nur erst Recht ihre jahrlang Furcht und ihren Hass bestätigt und begründet.
                                »If you can dream it, you can do it.« - Walt Disney
                                »There is no doubt that creativity is the most important human resource of all. Without creativity, there would be no progress, and we would be forever repeating the same patterns.« - Edward de Bono

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